Das Zwischenseminar

Mein Zwischenseminar fand vom 02.02. bis zum 07.02. in Johannesburg statt. Ich bin von Kapstadt aus geflogen, was nur rund 1,5 Stunden dauerte. Leider sind die Südafrika-Freiwilligen vom ZMÖ nicht Teil des Seminars der anderen Afrika-Freiwilligen die vom ZMÖ entsandt wurden. Stattdessen war ich Teil des Zwischenseminars des ELM, also des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks. Das hatte zur Folge, dass ich meinen Freiwilligendienst mit anderen Freiwilligen aus Südafrika, aber auch aus Namibia, Eswatini und Lesotho reflektieren konnte.

Das Seminar war sehr interessant und abwechslungsreich. Neben den üblichen Gruppenarbeiten und Präsentationen gab es auch einige Gäste, die sehr spannende Vorträge gehalten haben. Besonders faszinierend war der Nachmittag, an dem eine Frau zu uns kam, die während der Apartheid aufgewachsen ist. Es war extrem spannend, aber auch traurig, wirklich von einem Zeitzeugen die Folgen der Apartheid erklärt zu bekommen. Sie schilderte eindrucksvoll, wie tief die Spaltung der Gesellschaft damals war und welche Auswirkungen dies auf die heutige Gesellschaft hat. Besonders interessant fand ich die Diskussionen über die immer noch bestehenden Ungleichheiten, die auch heute noch in vielen Bereichen des Lebens spürbar sind.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt war, dass selbst sie als eine schwarze Südafrikanerin, die während der Apartheid lebte, die heutigen Gesetze, die speziell auf die Unterstützung von Schwarzen abzielen, kritisierte. Sie sieht es als unfair an, dass oft Schwarze mehr Unterstützung erhalten als andere Minderheiten, die ebenfalls unter der Apartheid gelitten haben, wie etwa die indische oder farbige Bevölkerung. Diese Sichtweise regte zum Nachdenken über die Komplexität der sozialen Gerechtigkeit auch im heutigen Südafrika an. Auch ein Theaterpädagoge besuchte uns während des Seminars. Seine Perspektiven auf die kulturellen und sozialen Herausforderungen, die durch Theater dargestellt werden können, waren äußerst bereichernd. Er sprach darüber, wie Theater als Medium genutzt werden kann, um gesellschaftliche Missstände zu thematisieren und Menschen zum Nachdenken zu bewegen.

Allerdings muss ich sagen, dass der Austausch mit den anderen Freiwilligen das für mich Interessanteste an diesem Seminar war. Es war beeindruckend zu hören, wie unterschiedlich die Erfahrungen und Herausforderungen der anderen Freiwilligen waren. Manche hatten genau dieselben Probleme wie ich, während andere ganz andere Schwierigkeiten erlebten, über die ich mir vorher keine Gedanken gemacht hatte. Es war faszinierend, die unterschiedlichen Herangehensweisen zu sehen, wie jeder mit seinen eigenen Problemen umgeht und versucht, sie zu bewältigen.

Natürlich gab es auch viel Raum, über positive Erfahrungen zu sprechen – sei es im Freiwilligendienst oder in der Freizeit – und über Reisepläne, die man noch hat oder Ziele, die man im Laufe des Jahres erreichen möchte. Es war eine angenehme Mischung aus ernsten Gesprächen und fröhlichen, persönlichen Austausch.

Ich konnte auf jeden Fall viel für meinen eigenen Freiwilligendienst mitnehmen. Besonders die Gespräche über die Herausforderungen der Arbeit im Ausland und die kulturellen Unterschiede, die man im Alltag immer wieder begegnet, haben mir geholfen. Außerdem war es schön zu sehen, dass man mit vielen Dingen nicht allein ist. Auch wenn die Situationen unterschiedlich sind, so gibt es doch oft ähnliche Probleme und Sorgen, die uns alle verbinden.

Alles in allem war das Zwischenseminar eine wertvolle Erfahrung, die mir nicht nur geholfen hat, meinen eigenen Freiwilligendienst zu reflektieren, sondern auch neue Einsichten in die Geschichte und Gesellschaft Südafrikas gegeben hat. Der Austausch mit anderen Freiwilligen und die bereichernden Vorträge haben das Seminar für mich zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht.

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