Das „Projeto Dorcas“

Das Projeto Dorcas ist kunterbunt und vielfältig. Jeden Wochentag arbeiten die Mitarbeiter
daran, den hier insgesamt mehr als 200 Kindern eine Perspektive, einen Zufluchts- und
Wohlfühlort, als auch einen Ort des Lernens, Musizierens, Spielen und Sportes zu schaffen.
Die Kinder, die hier täglich hinkommen, kommen aus armen Verhältnissen aus Favelas, die
an Curitiba angrenzen. Morgens bis Mittags kommen die jüngeren Kinder im Alter von 5-11
Jahren und gehen ihrem Alter gemäß in unterschiedliche Gruppen, dort haben sie einen
festen “ Professor”, der mit ihnen Spiele spielt, der ihnen vorliest, manchmal mit ihnen singt
und auf sie aufpasst. Es gibt im Dorcas jährlich ein Thema, an welchem sich die Professoren
orientieren, dieses Jahr ist es das Thema Recycling. Nachmittags kommt dann der Bus mit
den älteren Kindern, sie sind maximal 18 Jahre alt. Es gibt einige Professoren, welche keine
sogenannte “Tourma”(Klasse) haben, zum Beispiel gibt es eine Professorin für Kunst und
eine für Sport. Die verschiedenen Tourmas rotieren durch. Darüber hinaus gibt es mehrere
Musiklehrer, die den Kindern verschiedene Blechblasinstrumente beibringen oder den Chor
leiten. Außerdem gibt es eine Pädagogin, sowie eine Sozialassistentin, die die Kinder
nochmal tiefgreifender unterstützen, gerade was Probleme mit der Familie anbelangt.

Professoren und Dorcas Kinder nach ihrem Konzert

Ihre Eltern haben häufig mit dem Verkauf von Drogen zu tun oder arbeiten mit Müll. Es fehlt meist an der Erfüllung grundlegender Bedürfnisse wie Geborgenheit, Essen, sowie genügend Aufmerksamkeit seitens der Eltern. Das Projekt arbeitet eng mit den lokalen Schulen in Almirante Tamandare zusammen und versucht Perspektiven zu schaffen. Es ist von unglaublichem Wert für die Kinder, da das Projekt versucht, ihnen all das zu geben, was zu Hause fehlt. Es gab eine Umfrage bei den Kindern, was sie am meisten an dem Projekt Dorcas schätzen, die Antwort war mit großem Abstand “ Essen” und wenn sie von Menschen außerhalb gefragt werden “Liebe”. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, wie bedeutsam das Projekt für die Kinder ist. 

Sie kommen jeweils vor beziehungsweise nach dem Schulunterricht. Morgens wird mit den Kindern gespielt, gesungen, gelesen, gemalt und gebastelt. Draußen befindet sich außerdem ein Fußball/ Basketballfeld, auf dem die Sportaktivitäten stattfinden. Nachmittags wird außerdem noch Tanzen angeboten. Für das Essen für sowohl die Kinder, als auch alle Mitarbeiter wird von zwei von allen hochgeschätzten Frauen gemacht, die nur „Tia’s“, also Tanten genannt werden. Das Projekt wird mit Herzblut von Darclê und Sirlei geleitet, sie sorgen für das “große Ganze” funktioniert, behalten den Überblick, koordinieren und organisieren sehr viel im Hintergrund. 

Bastelstunde im Sala de Artes

Dorcas ist ein sehr wichtiges Projekt, die Kinder erfahren Liebe und Anerkennung.Ich finde es sehr herausfordernd zu wissen, dass die Kinder aus schwierigen Verhältnissen kommen und es nicht leicht haben. Gleichzeitig ist es aber schön zu sehen, wie glücklich diese Kinder durchs Leben gehen und es solche Projekte wie Dorcas gibt, die diese Kinder unterstützen. Mir war es absolut nicht bewusst, bis sich jemand ausgesprochen hatte: „Dieses Projekt rettet das Leben der Kinder!“ Besonders schön finde ich die Tradition, dass der Geburtstag der Kinder gefeiert wird und ihnen sehr viel Liebe geschenkt wird.“ Außerdem wird alle paar Monate ein Basar abgehalten, auf dem die Kinder gespendete Kleidung, Essen und Spielzeug erwerben können. Sie bezahlen mit dem „Dorcas Geld“, welches sie durch regelmäßiges Kommen und positives Verhalten erlangen. Die gespendeten Dinge werden ihnen also nicht einfach geschenkt, sondern sie lernen mit Geld umzugehen und die Eltern haben einen Grund, die Kinder regelmäßig zum Dorcas zu schicken.

Kinder werden über das Prinzip von Kompost aufgeklärt

Ich habe zu Beginn bei der jüngsten Altersgruppe mitgeholfen. Sie sind sehr süß aber auch herausfordernd, da sie es vorher noch nicht gewohnt sind, die Einschränkung von Regelungen zu beachten. Gleichzeitig sind sie leicht zu begeistern und können eine unglaubliche positive  Energie verbreiten. Ein Kind aus meiner Gruppe hatte eine geistige Behinderung, bekam aber die benötigten Medikamente nicht von seiner Mutter, dies führte häufig zu verbalen Auseinandersetzungen, welche mich überfordert zurück ließen.

Aktuell helfe ich auf dem Sportplatz der Professorin Thania. Gemeinsam überlegen wir uns Spiele und Aktivitäten für die einzelnen Turmas. Manchmal leite ich auch eine Gruppe alleine an, das funktioniert ganz gut, manchmal gibt es noch Schwierigkeiten beim Erklären der Spiele, aber die Kinder erraten die restlichen Teile. Die Kinder haben wirklich viel Energie und Freude an der Bewegung und lieben es,  Fußball zu spielen. 

Man ist sehr beeindruckt, dass sie trotz ihrer schwierigen Situationen, so froh, durchs Leben gehen können. Natürlich sind sie das auch nicht immer, aber das Dorcas mit all seinen Kindern und ihren Schicksalen, verströmt trotz allem eine unglaublich motivierende Freude. Es ist so schön zu sehen, wie sehr die Professoren bemüht sind, das Beste für die Kinder zu geben und wie dankbar die Kinder dies annehmen.  Durch die Förderung, die sie in Dorcas erhalten, erhalten sie die Chance auf ein besseres Leben. Viele ehemalige Dorcas Kinder arbeiten nun als junge Professoren selber im Projekt oder spielen in großen Orchestern in Curitiba, oder haben Musik studiert.

Leider hat es das Projekt in letzter Zeit wirklich nicht leicht. Es hat selbst für Curitibas Verhältnisse in letzter Zeit untypisch viel geregnet. Die Hauptstraße, welche neben dem Projekt hergeht, wurde vor kurzem saniert. Neben der Straße führt ein Fluss her, durch den Starkregen ist sein Wasserpegel stark angestiegen. Jedoch wurde der Untergrund auf der Seite des Projektes nicht richtig befestigt, was zur Folge hatte, dass das Wasser sich im und um das Projekt gesammelt hat und es überschwemmt wurde. Dies ist eindeutig eine Verschuldung der Konstruktionsfirma, die ist aber leider staatlich und daher kann man dagegen nur schwer vorgehen. Vor Allen Dingen, weil die Politik hier in der Umgebung stark von Korruption beeinflusst wird. Dies passierte kurz vor Weihnachten das erste Mal. Unsere Chefinnen und alle Beteiligten haben alles daran gesetzt, das Projekt wieder auf Vordermann zu bringen, Spenden einzuholen usw. Nach den Ferien, einige Tage zuvor, wurde das Projekt wieder (eine Woche später als normal) geöffnet. Nachdem die letzten Vorbereitungen getroffen wurden und das Projekt wortwörtlich frisch gestrichen wieder an den Start ging, ist es diese Woche Donnerstag wieder passiert, das Dorcas lief voller Wasser. Es ist wirklich traurig und erschütternd! Es muss wieder einen erneuten Aufbau geben, das zieht enorm Kraft und natürlich ist man besorgt, dass beim nächsten starken Regenfall dasselbe passiert oder das Projekt gar geschlossen werden muss.

Zweite Überschwemmung des Dorcas
Erste Überschwemmung des Dorcas

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