Feliz Navidad im Sommer

Dieses Jahr habe ich zum ersten mal Advent und Weihnachten im Sommer erlebt. Es ist ganz ungewohnt bei 30 Grad am Strand baden zu gehen während man aus Deutschland Bilder von Weihnachtsmärkten und Bergen mit Schnee und Skifahrern sieht. Trotzdem muss ich sagen, dass ich ein bisschen in Weihnachtsstimmung gekommen bin, es ist nur eine ganz andere Art von Weihnachten und Advent. In unserer WG haben wir einen Adventskranz gemacht, Plätzchen gebacken und Weihnachtslieder gesungen. Und auch in meinem Projekt, dem CAIF, habe mit meiner Gruppe der 2-Jährigen Plätzchen gebacken, da das hier nicht so typisch ist 🙂

Der Casa de la Amistad ist eine Kinderkrippe in der Kinder von 0-3 Jahren betreut werden. Solangsam neigt sich hier alles dem Ende zu, da es das CAIF den ganzen Januar über, was der wärmste Monat im Jahr ist, geschlossen bleibt. Letzte Woche waren wir für den Abschlussausflug mit Eltern und Kindern in einem Tierpark in Montevideo. Wir haben dort gemeinsam gefrühstückt, die Tiere angeschaut und es gab Spielangebote. Der Ausflug ist eine sehr schöne Sache für die Familien, da alles vom CAIF organisiert wird und gerade Familien, die es sich nicht leisten können so die Möglichkeit haben mal rauszukommen und neue Orte kennenzulernen. Ein anderes Ereignis der letzten Zeit war der marcha de los derechos de los niños (Parade der Kinderrechte) an dem mein Projekt teilgenommen hat. Mit buntbemalten Bannern sind wir durchs Viertel gezogen haben an verschiedenen Stellen halt gemacht und letztendlich in einer großen Halle mit Artisten, Spielen für Kinder und Livemusik geendet.

Ansonsten genieße ich gerade den Sommer hier, wir gehen oft Baden und es gab auch hier einige Weihnachtsmärkte mit kunsthandwerklichen Ständen. Letzte Woche fand „la Bajada“ statt, ein großes Musik und Partyevent an der Rambla(Küstenpromenade), das den Beginn des Sommer und der Badesaison feiert. Das war ein sehr schönes Erlebnis mit vielen Menschen und guter Stimmung 🙂

Weihnachten kam dann doch ziemlich schnell. Die Gesellschaft hier in Uruguay ist im Gegensatz zu Argentinien oder Brasilien stark säkularisiert und kirchliche Feste haben somit einen niedrigeren Stellenwert für viele Menschen als das bei uns der Fall ist. Das Land ist konsequent laizistisch. Kirche und Staat werden also strikt voneinander getrennt. Deshalb wurden viele kirchliche Feiertage als arbeitsfreie Tage beibehalten, aber sie wurden umbenannt und haben eine andere Bedeutung. Weihnachten wird hier am 24. und 25. gefeiert, aber der 25. ist offiziell zum Beispiel der  „día de la familia“ (Tag der Familie) und nicht Weihnachten. Und auch die Karwoche wird offiziell als „semana de turismo“ (Turismuswoche) betitelt. Weihnachtsgottesdienste finden normalerweise am Sonntag vor Weihnachten statt.

Entgegen aller Traditionen haben wir den 24. Dezember am Strand verbracht und sind anschließend in einen Weihnachtsgottesdienst in einer deutsch-spanischen Gemeinde gegangen. Den heiligen Abend haben wir bei der Familie einer Freundin hier verbracht, die uns eingeladen hatte. Wir haben auf einer Dachterasse gefeiert. Es gab Asado und um 00.00 Uhr ein großes Feuerwerk. Asado ist eine traditionelle, südamerikanische Art des Grillens über offenem Feuer. Dabei geht es vorallem um die Geselligkeit und das Zusammensitzen, da es meist mehere Stunden dauert. Durch das Feuerwerk hat sich der Abend für mich auch irgendwie nach Silvester angefühlt. Insgesamt war es eine besondere Weihnachtserfahrung und ich bin sehr dankbar für die lieben Menschen hier und dass ich Weihnachten in einem anderen Kontext erlebt durfte.

Halbzeit Herzklopfen, wenn WG-Chaos, Sonne und Candombe den Alltag bestimmen.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Heimat ging mein Abenteuer weiter, zurück nach Uruguay, zurück ins bunte Chaos meines Freiwilligendienstes. Dieses Mal führte mich der Weg zunächst in ein kleines Paradies an der Atlantikküste: Punta del Diablo. Schon der Name klingt verheißungsvoll. Nach über einem Monat traf ich dort endlich wieder Finja und Majvi, meine zwei liebsten Wegbegleiterinnen in diesem Jahr.

Wir hatten uns für ein super cooles Hostel entschieden, mit Pool und jeder Menge entspannter Menschen aus aller Welt, darunter überraschenderweise auch Deutsche. Die Stimmung war herrlich, Sonne satt, Surfbretter in der Ecke, Musik aus den Lautsprechern. Die Surfstunden bei unserem humorvollen Surflehrer, der sich irgendwann kaputtlachte, aber auch ein bisschen beschwerte, weil wir offenbar mehr redeten als paddelten, waren ein Highlight. Weniger spaßig war allerdings mein ambitionierter Mittagsschlaf in der prallen Sonne, der mir prompt einen beeindruckenden Sonnenbrand einbrachte.

Der letzte Abend in Punta war nochmal richtig magisch, das ganze Hostel inklusive Mitarbeitenden zog gemeinsam los, erst in eine Bar bzw. Club. Wir mixten uns selbstgemachte Piña Coladas, tanzten, lachten und sprangen nach dem Feiern noch mitten in der Nacht zurück in den Pool. Diese Nächte vergisst man nicht.

Zwischen Trommeln und Tanz – Karneval in Uruguay

Wieder zurück in Montevideo kehrte langsam der Alltag ein, aber nicht für lange. Denn es war Karnevalszeit! Anders als der klassische Karneval in Deutschland wird in Uruguay vor allem ein ganz besonderer Teil gefeiert, die „Llamadas“, ein Straßenumzug voller Trommeln, Tanz und Geschichte.

Die Llamadas sind tief verwurzelt in der afro-uruguayischen Kultur. Im Mittelpunkt steht der Candombe, ein Trommelrhythmus mit afrikanischen Wurzeln, der von den Nachfahren versklavter Menschen gepflegt wird. Es ist mehr als nur Musik, es ist ein kulturelles Erbe, ein Widerstand gegen das Vergessen.

Wir mischten uns mitten ins bunte Treiben, bemalte Gesichter, freizügig gekleidete Tänzerinnen mit beeindruckenden Kostümen, riesige Trommelgruppen, die in einem fast Trance artigen Rhythmus durch die Straßen zogen. Die Energie war elektrisierend, der Stolz der Menschen greifbar. Montevideo bebteund wir mittendrin.

Zurück ins Projekt: Kinderlachen und Kuchenkrümel

Mit dem Ende des Januars öffnete auch das CAIF-Zentrum wieder, die Kindertagesstätte, in der ich arbeite. Die erste Woche war eher ruhig: Vorbereitung, Reinigungsaktionen, Spielzeuge zählen, dekorieren. Aber dann, endlich: Die Kinder kamen zurück. Es war, als würde das ganze Haus aufatmen.

Es war schön, viele bekannte Gesichter wiederzusehen, aber auch spannend, neue Kinder kennenzulernen. Es wurde gespielt, gelacht, laut getobt. Und natürlich gab’s Kuchen. Viel Kuchen. Das Lachen der Kinder und ihre Offenheit sind jedes Mal aufs Neue ein Geschenk.

Zwischenseminar in Baradero – Freude, Frust und Flaggenjagd

Mitte Februar bedeutete Halbzeit. Und damit Zeit für das Zwischenseminar, ein fester Bestandteil unseres Freiwilligendienstes. Gemeinsam mit allen anderen Freiwilligen aus der Region ging’s nach Baradero, ein kleines Stück außerhalb von Buenos Aires. Die Anreise mit dem Bus war lang, aber voller Vorfreude.

Das Haus in Baradero war der Wahnsinn, groß, offen, mit riesigem Garten, Platz zum Fußball- und Volleyballspielen und einem Pool, der bei der argentinischen Sommerhitze mehr als willkommen war. Die Freude über das Wiedersehen mit allen anderen war riesig. Doch schon am ersten Abend kam der Dämpfer. Mein Handy war weg.

Ich suchte überall. Mit dem MacBook, das ich zufällig dabei hatte, versuchte ich es zu orten, ohne Erfolg. Ich konnte mich nur erinnern, es zuletzt im Bus gehabt zu haben. Gemeinsam mit Peter von der IERP kontaktierten wir den Busfahrer. Zuerst Fehlanzeige, dann, zwei Tage später, die Erleichterung, er hatte es doch gefunden! Ich war überglücklich, verbrachte die Woche trotzdem ohne Handy, da der Bus schon zurück in BA war. Rückblickend: ein kleiner Social Media Detox, der sogar ganz gutgetan hat.

Die Woche in Baradero war gefüllt mit intensiven Gesprächen, Austausch über unsere Projekte, viel Reflexion. Wir arbeiteten in kleinen Gruppen, diskutierten über Sicherheit, Herausforderungen im Alltag und unsere Rolle in den jeweiligen Projekten.

Ein ganz besonderer Tag war der „Donnerstag in Schwarz“ – alle trugen schwarze Kleidung, wir sprachen über gesellschaftliche Ungerechtigkeit, Kolonialismus, Diskriminierung. Dieser Tag soll zum Nachdenken anregen, zum Innehalten. Er war emotional, aber wichtig.

Abends wurde es wieder gemütlich, Kartenspiele, Bierchen, Gespräche unter Sternenhimmel, Pool-Action. Am letzten Nachmittag spielten wir alle gemeinsam Capture the Flag, ein Geländespiel, bei dem zwei Teams versuchen, die gegnerische Fahne zu stehlen und ins eigene Lager zu bringen. Es war wild, schweißtreibend und verdammt lustig. Und mein Team hat gewonnen. Just saying.

Von Buenos Aires zurück nach Montevideo

Nach dem Seminar gönnten wir uns noch ein paar Tage in Buenos Aires, bummelten durch San Telmo, über die berühmte Feria, trafen andere Freiwillige, die dort leben, und ließen die Erlebnisse in der Hauptstadt langsam ausklingen.

Zurück in Montevideo wartete schon das nächste Event: Der 8. März, Internationaler Frauentag. In Montevideo bedeutet das Demo.  Zehntausende Menschen zogen durch die Straßen, alles in Lila, mit lauter Musik, Parolen, Reden. Auch wir waren dabei, gemeinsam mit Kira, einer ehemaligen Freiwilligen, die uns gerade besuchte. Es war ein starkes, bewegendes Erlebnis, ein echtes Statement.

Neues Zimmer, neues Glück – oder doch nicht ganz?

Mit dem Abschied von Belkis, einer regionalen Freiwilligen, wurde in unserer WG ein Zimmer frei. Das hieß Umzugszeit! Majvi zog in das kleinere Zimmer nebenan. Wir schleiften Möbel durch den Flur, tanzten zur Musik, rutschten auf Matratzen die Treppe runter, es war chaotisch und lustig zugleich. Majvi hatte jetzt ihr eigenes Reich, während Finja und ich wieder etwas mehr Platz hatten. Trotzdem blieb unser Zimmer der gemeinsame Treffpunkt, zum Reden, Quatschen, Lachen, denn Majvi bekam einen Platz in From eines Sessels. 

Cabo Polonio – Sonnenstich inklusive

An einem freien Wochenende stand unser nächster Trip an; Cabo Polonio. Ein winziges Hippie-Fischerdorf, nur mit speziellen Trucks erreichbar, keine Autos, kein Strom, kein Internet, ein echtes Aussteigeridyll.

Die Fahrt über die Sanddünen war holprig, aber ein Riesenspaß. Im Dorf selbst: absolute Ruhe, Natur pur. Wir verbrachten den ganzen Tag am Strand, genossen die Weite und das Meeresrauschen. Abends kochten wir einfache Nudeln mit Mais-Tomatensoße und planten den Sonnenaufgang am nächsten Morgen, doch daraus wurde nichts. Ich hatte mir am Strand einen Sonnenstich eingefangen.

Die Nacht verbrachte ich größtenteils über der Kloschüssel, begleitet von Maiskörnern und einem flauen Magen. Keine romantische Morgendämmerung für mich. Der nächste Tag war ein Mix aus Erholung und Spaziergang zum Leuchtturm zum Aufatmen. Danach gab es endlich wieder was in den Magen und noch eine improvisierte Kopfbedeckung aus einem Tuch dazu (Danke Majvi!). Die Rückfahrt im Truck war für meinen Magen nochmal eine Mutprobe, aber ich hab’s überlebt, grade so. 

Und jetzt?

Langsam nähert sich der Sommer dem Ende, und auch mein Freiwilligendienst rückt Woche für Woche weiter voran. Nach all den Erlebnissen von Sonnenuntergängen (und -stichen), Kinderlachen, Workshops und WG-Umzügen, fühlt sich Uruguay inzwischen nicht mehr wie ein entferntes Projekt an, sondern wie ein zweites Zuhause. Die Wege zur Arbeit, das Geräusch der Trommeln in der Ferne, das abendliche Quatschen mit Finja und Majvi, all das ist Alltag geworden. Ein ziemlich besonderer Alltag.

Was mir dieses Jahr bisher gezeigt hat? Dass man sich oft in Momenten wiederfindet, die man nicht planen kann; in chaotischen Nächten, in tränenreichen oder tränenlachenden Gesprächen, in überraschender Freundschaft oder auch in Stille, die sich nach Zuhause anfühlt.

Der Weg geht weiter, auch wenn schon mehr als die Hälfte des Jahres vorbei ist. Was noch kommt, weiß ich nicht , aber ich weiß, dass ich offen dafür bin, offen für mehr Geschichten, mehr Sonne (dann vielleicht mit Hut) und mehr Leben.

Heimweh, Höhenluft und Hostelhorror – Mein chaotisch-schöner Argentinien-Trip

Nach Monaten voller Kinderlachen, Alltagsabenteuer und Intensität war es Zeit für eine Pause  – für ein Abenteuer. Ich wollte Argentinien entdecken, Natur, Städte, Menschen, Pferde, Stille, Chaos und ich bekam alles und noch viel mehr.

Silvester in Córdoba – bröckelnder Putz, aber ein Herz aus Gold

Unser Silvester begann in einem ziemlich heruntergekommenem (was noch nett ausgedrückt ist) Hostel in Córdoba, mit knarzenden Betten und Badezimmern, bei denen man lieber nicht so genau hinschaut, aber der Vermieter war ein Schatz! Er lud uns und die Volunteers des Hostels zu einem Silvester-Asado ein, ein argentinisches Barbecue deluxe. Fleischberge, Lachen, Musik, Geschichten. 

Vollgefuttert zogen wir weiter in ein Airbnb mit Dachterrasse, welches Mitfreiwillige sich gemietet hatten. Das Feuerwerk welches um 0 Uhr zusehen war, war klein, aber wunderschön, es glitzerte zwischen den Hochhäusern. Danach ging’s noch in einen Club, die erste Nacht des neues Jahren war lang, laut und leicht.

Wir blieben ein paar Tage in Córdoba und unternahmen eine Wanderung zu einem Wasserfall. Wir waren keine 10 min unterwegs und schon schloss sich uns ein altaussehender Hund an,  grau im Gesicht, aber treu im Blick. Er wich uns nicht von unserer Seite. Wir tauften ihn Cordopi (Córdoba + Opi)  Er begleitete uns die ganze Strecke und zeigte uns den Weg, denn wir wussten garnicht so genau wo wir lang mussten, aber er schien es zu wissen. 

Ein weiteres Highlight, Reiten in den Bergen. Die Aussicht war fast endlos, der Wind in den Haaren befreiend und mein Herz erfüllte. Nach so langer Zeit endlich wieder auf einem Pferd zu sitzen, ließ mich all die Zeit mit meinen Ponys in Deutschland vermissen und gleichzeitig ganz im Moment ankommen.

Nach den ruhigen Tagen in den Bergen wollte ich eine Nacht in Buenos Aires schlafen und am nächsten Tag weiter nach Patagonien fliegen, doch das gebuchte Hostel existierte nicht. Drei Menschen bestätigten mir die Adresse, aber da war einfach nichts.Ohne Internet, völlig verloren, landete ich bei Starbucks, rief meine Familie an, kämpfte gegen Tränen und buchte schließlich ein Hotel für 30 € mehr als geplant. Wenigstens hatte ich eine Dusche und ein Bett und ich glaube es war sogar die beste dusche die ich seit einem halben Jahr hatte. 

El Calafate – Gletscherliebe & Kartendrama

In El Calafate bewunderte ich den berühmten Perito-Moreno-Gletscher, ein Naturwunder, das mich sprachlos machte, aber die Realität holte mich wieder schnell ein. Nach dem Ausflug musste ich natürlich noch bezahlen doch das Kartengerät akzeptierte meine Karte nicht, auf der Zweitkarte war zu wenig Geld. Ich telefonierte mit meiner Mutter, gab ihre Kreditkartennummer an, versuchte zu überweisen, oder irgendwie an Bargeld zu kommen, aber es war zu spät, es brauchte mindestens einen Werktag, heute war da nichts mehr zu machen. 

Am Ende gab ich der Dame mein letztes Bargeld (ein Viertel der Summe) und meinen Personalausweis. Sie willigte ein, sie hatte auch eigentlich keine Wahl. Am nächsten Morgen konnte ich zahlen und meinen Ausweis zurückholen. Die Erleichterung war grenzenlos.

El Chalten- Sturm, alte Freunde und der Fitz Roy

Mit dem Bus ging’s weiter nach El Chaltén, nur um dort zwei Tage lang wegen heftigem Sturm nichts tun zu können. Doch dann, Sonnenschein und alte Freunde. Ich traf Pia aus Brasilien und Hannah aus Paraguay, gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum berühmten Fitz Roy.

Zehn Stunden wandern, lachen, vloggen und staunen. Die Aussicht war atemberaubend. Wir kamen kaputt, aber glücklich alle heil wieder in unseren Hostels an und trafen uns nach einer warmen Dusche noch auf ein Bier, zur Belohnung. 😉

Tür zu & Frida rettet die Nacht

Zurück in Calafate freute ich mich, nach einer ausgelassenen Nacht mit Frida und Jule, auf eine ruhige Nacht, bis ich um 2 Uhr nachts vor verschlossener Tür stand. Der Vermieter hatte vergessen, mir einen Schlüssel zu geben. Keine Rezeption mehr, niemand erreichbar.

Also 30 Minuten zurück zu Frida, die mich in ihr Hostelbett aufnahm. Wir kuschelten uns zu zweit ins Bett. Wenigstens startete der nächste Morgen mit einem schönen Frühstück und einem endlich erhaltenen Schlüssel.

Ushuaia – Dreck, Tränen & doch ein Zuhause

Dann ging es ans Ende der Welt, nach Ushuaia auf Feuerland. Und ich will nicht dramatisieren, aber das Hostel war ein Alptraum, dreckige Küche, schimmeliger Geruch, schwarze Matratzen, stinkende Toiletten. Ich kam an und brach in Tränen aus. Ich rief meine Familie an, suchte nach Flügen früheren zurück nach Montevideo und nach einer anderen Unterkunft, denn ich würde es dort keine Woche aushalten, aber vergeblich, alles ausgebucht oder nur für Unsummen, ich musste also bleiben.

Doch manchmal ist genau das der Wendepunkt. Der Vermieter, ein herzlicher Mann, bot mir eine Fahrt ins Zentrum an. Ich schrieb in einem Café über meine Gefühle; über Heimweh, Überforderung und das Bedürfnis nach einem sicheren Ort.

Zurück im Hostel traf ich Cami, eine Französin, die in Buenos Aires studierte. Wir verstanden uns auf Anhieb. Als wir im Aufenthaltsraum saßen, kamen drei Langzeitbewohner des Hostels und sagten: „Wir machen Pizza, kommt ihr mitessen?“ Dazu gab’s Fernet-Cola, Billard, und sogar eine Art Wii-Spiel. Die Stimmung war locker, schräg aber herzlich.

Ich verbrachte die gesamte Woche mit Cami. Wir gingen mit Volunteers zum Wasserfall, machten eine Bootstour zur Pinguininsel, standen früh auf, um gratis in den Nationalpark zu kommen (vor 8 Uhr ist der Eintritt frei!), wanderten bis zum „Zug am Ende der Welt“ und als Cami sich das Knie verknackte, trampten wir zurück.

Wir verbrachten die nächsten Tage ruhig, spazierten, entdeckten Ushuaia, sprangen sogar ins eiskalte Wasser, tranken Kaffee, Bier und lachten. Es wurde vertraut, fast familiär. Die Hostelbande grillte für uns, und obwohl ich Vegetarierin bin, wurde extra Gemüse für mich gemacht. So süß.

Der Dreck war zwar immer noch da, aber ich lernte, mich mit kleinen Tricks wohlzufühlen. Und am Ende der Woche war ich, dank Cami & Co, so dankbar, geblieben zu sein.

In Buenos Aires die Seele baumeln lassen 

Zurück in Buenos Aires wohnte ich drei Tage bei Frida. Sie zeigte mir Boca und nahm mich mit in ihr Projekt „La Casona“. Dort arbeitete auch Thea, eine gute Freundin von mir. Ich hatte so viel über das Projekt gehört und durfte nun selbst erleben, wie warm, familiär und besonders es war. Ein wunderschöner Abschluss.

Kurzer Zwischenstopp: Zuhause 

Nach über einem Monat war ich wieder in Montevideo. Frisch geduscht, frisch gewaschen, frisch im eigenen Bett. Ich war heilfroh und gleichzeitig voller neuer Erinnerungen. Ich blieb jedoch nicht mal 24 Stunden, bevor ich schon wieder mit alten Kolleginnen weiterzog und mich im Bus wiederfand.  Wohin? Dahin wo die Sterne am besten sieht. 😉

Freizeit und Arbeit

Im Januar haben Max und ich ein Wochenende in der bekannten Stadt Punta del Este verbracht. Besonders in dieser Zeit ist die Stadt sehr lebendig, da der Januar in Südamerika Hochsommer und damit die Hauptsaison für den Tourismus ist. Schon bei der Ankunft fiel uns auf, dass sich die Stadt deutlich von Montevideo unterscheidet – sie ist moderner und wirkt urbaner, mit weniger Altbauten und mehr Hochhäusern. Besonders die Strände, die Yachten im Hafen und die schicken Boutiquen trugen dazu bei, dass die Stadt ihren exklusiven, internationalen Ruf ausstrahlte.

Wir haben gemütliche Spaziergänge durch die Straßen gemacht, die Küstenpromenade entlanggeschlendert und die frische Meeresluft genossen. Die Architektur war für uns ein weiterer faszinierender Aspekt: moderne Gebäude, viele Restaurants und Cafés, die zur Entspannung einluden. Wir verbrachten auch einige Zeit am berühmten Playa Brava, bekannt für seine markante Skulptur „La Mano“, die aus dem Sand zu wachsen scheint – ein Wahrzeichen von Punta del Este.

Die Zeit dort war für uns eine wunderbare Auszeit, in der wir uns von den teilweise hektischen Wochen des Freiwilligendienstes erholen und gleichzeitig die entspannte Urlaubsatmosphäre genießen konnten.

Was Sport und Freizeit betrifft, habe ich hier in Uruguay eine neue Leidenschaft entdeckt: Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ). Schon vor meinem Freiwilligendienst hatte ich mir vorgenommen, eine neue Kampfsportart auszuprobieren, und BJJ hatte es mir aufgrund seiner Technik und Philosophie besonders angetan. Ich habe die ersten Trainingseinheiten sehr genossen und kann sagen, dass mich der Sport mittlerweile echt fasziniert.

BJJ ist eine Kampfkunst, die stark auf Bodenkampf und Hebeltechniken setzt. Der Fokus liegt auf der Fähigkeit, sich auch in schwierigen Positionen zu verteidigen und den Gegner mit Technik und Hebeln zu kontrollieren, anstatt nur auf rohe Kraft zu setzen. Diese Philosophie hat mir nicht nur körperlich, sondern auch mental viele neue Perspektiven eröffnet. Die Struktur des Trainings, die kontinuierliche Verbesserung und das ständige Lernen sprechen mich sehr an.

Allerdings habe ich beschlossen, das Team zu wechseln. Ich habe ein neues Gym gefunden, das mir nicht nur die Möglichkeit bietet, meine BJJ-Fähigkeiten weiter zu vertiefen, sondern auch ein vielfältiges Angebot in anderen Bereichen wie Kraftsport und andere Kampfsportarten. Ich freue mich darauf, mein sportliches Repertoire weiter auszubauen und die neuen Herausforderungen anzunehmen.

Im Projekt Hogar Amanecer, das sich im Norden von Montevideo befindet, arbeite ich zusammen mit zwei anderen Freiwilligen. Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Kinder zur Schule zu begleiten und sie in ihrem Alltag zu unterstützen. In den Stunden, in denen die Kinder in der Schule sind oder wenn es keine anderen Aufgaben gibt, nutze ich die Zeit produktiv, indem ich lerne oder lese. Sobald die Kinder zurück sind, verbringe ich Zeit mit ihnen auf dem Basketballplatz. Es macht mir großen Spaß, mit den Kindern zu spielen und zu sehen, wie sie sich sowohl körperlich als auch sozial entwickeln.

Nach mittlerweile 8 Monaten im Projekt Hogar Amanecer habe ich mich gut an die Mitarbeiter und Kinder gewöhnt. Die tägliche Interaktion ist viel natürlicher geworden. Besonders die Gespräche mit den Kindern und Erwachsenen sind leichter geworden. Ich kann mich viel besser mit ihnen unterhalten.

Trotzdem gibt es immer noch viel zu lernen. Eine der größten Herausforderungen bleibt die spanische Sprache. Spanisch ist sehr kontextlastig, was bedeutet, dass der Sinn von Aussagen oft stark von der Situation abhängt. Besonders im Umgang mit informellen oder regionalen Ausdrücken muss ich oft aufmerksam zuhören und mich auf den Kontext verlassen, um alles richtig zu verstehen. Auch wenn ich mich in vielen Situationen gut zurechtfinde, gibt es immer wieder Momente, in denen ich nachfragen muss oder nicht ganz sicher bin, was genau gemeint ist.

Die Arbeit im Hogar Amanecer ist sowohl herausfordernd als auch bereichernd. Ich genieße es, Teil ihres Lebens zu sein und zu sehen, wie sie durch kleine, alltägliche Momente lernen und wachsen. 

Es Weihnachtet ein bisschen.

Viel passiert in letzter Zeit. Das beschreibt die vergangen Monate wahrscheinlich am besten. Es gab alles mögliche an Erlebnissen denn das Jahr neigte sich dem Ende, Weihnachten stand vor der Tür und mein Projekt würde bald für fast einen Monat schließen, was auch heißt, dass danach neue Kinder kommen würden, was für mich Abschied nehmen hieß. Im Urlaub waren wir auch noch, denn Wochenenden sind für Trips da und es gab schon wieder Tierischen Besuch, aber am besten lest einfach selbst. 

Schon seit wir hier sind sagen Kollegen und Bekannte uns, wir sollten mal nach Punta del Este, eine zwar touristische aber sehr schöne Stadt, im Nordosten von Montevideo, gehen. Wie gesagt so getan dachten wir uns, also buchten wir uns über ein verlängertes Wochenende einfach einen Bus, packten unsere Sachen und los ging’s. Die Stadt liegt ca. zwei Stunden von unserem Zuhause entfernt und man fährt so ziemlich nur durch die Pampa, wo man ab und zu, vereinzelt kleine Dörfer oder mal eine Wiese mit Pferden oder Kühen sieht, viel mehr gibt es dazwischen nicht. Als wir an einem sehr sonnig, warmen Morgen Anfang September ankamen mussten wir natürlich erstmal an den Stand, wo wir frühstückten und Mate trunken. Danach legten wir noch einen kleinen power nap ein, um danach mit voller Energie die Stadt erkunden zu können. Wir wanderten die Promenade entlang, guckten Surfern zu und und entdeckten „La mano de Punta del Este“ das ist eine Skulptur einer Hand, die aus dem Sand ragt. Danach gab es dann noch was zu essen und dann vielen wir auch schon tot ins Bett und schliefen aus.

Ein erlebnisreicher Tag lag vor uns, denn außer ein wenig Zeit am Stand zu verbringen, kam es, dass wir vier Seelöwen aus nächster Nähe beobachten konnten, die sich am Hafen getroffen hatten und ein wenig tobten und spielten. Nach diesem Anblick wanderten wir noch weiter, an einem Leuchtturm vorbei, zu einer Steinküste, wo der „Río de la Plata“ und der Atlantik aufeinander treffen. 

Als wir nach diesem Wochenende Nachhause kamen wartete auch schon wieder tierischer Besuch auf uns, denn in unserem Schrank war eine Maus eingezogen, die sich von uns durchfüttern ließ und sich ein Bett in einer Tüte Mais gebaut hatte. Wir mussten diesen ungebetenen Gast, so süß er auch war, irgendwie loswerden. Wir versuchten den Mäuserich während er schlief zu Überrachen und ihn mithilfe eines Topfes einzufangen, jedoch scheitete dieser Versuch, denn wir waren zu langsam, oder die Maus war zu schnell und er versuchte zu entkommen, was wir natürlich nicht zulassen konnten. Meine Mitbewohnerin hielt die Maus unter dem Topf fest, jedoch schaffte sie es ihren Kopf durch eine Lücke zu stecken und damit hat sie sich leider selbst keinen gefallen getan, denn sie Starb durch diese Aktion. Wir hatten zwar keinen Schrankbesetzer mehr, aber es war nicht unsere Absicht das Tier so loszuwerden. Ruhe in Frieden kleine Maus. 

Mein Alltag im Projekt hatte sich gefestigt und ich konnte, neben dem täglichen spielen und helfen beim essen, auch immer mehr selbst mitgestalten, wie zum Beispiel bei Bastelaktionen oder neuen Spielideen. Ich wechselte Vormittags auch ab und zu die Gruppen, um in alle Altersgruppen mal reinzuschauen und die Kinder kennenzulernen. Die Kinder nahmen mich immer herzlich in ihre Spiele auf und einmal hatte ich sogar das Glück, ein Haustier, welches eines der Kinder mitbrachte Kennenzulernen. Die Nachmittage hielt ich mich eigentlich immer in der Gruppe der dreijährigen auf, wo ich seit August auch täglich die meiste Zeit verbracht hatte. Die Kinder waren mir echt ans Herz gewachsen. 

Die Weihnachtszeit näherte sich und somit leider auch der Abschied einiger Kinder, denn die Ältesten werden im nächsten Jahr nicht mehr ins CAIF kommen, sondern in eine Art Vorschule gehen. Es gab Feste, Spiele, Geschenke, Umarmungen und einen sehr sehr süßen Kuchen. Dann hieß es auch schon auf wieder sehen. Ich war schon ein bisschen traurig, im nächsten Jahr nicht mehr in meiner kleinen süßen Gruppe sein zu können, aber natürlich auch ziemlich froh, denn für mich hieß der Abschied auch Urlaub, denn bis Februar würde mein Projekt schließen und sozusagen eine Sommerpause machen. Auch komisch, eine Sommerpause mitten im Winter. (zumindest ist die Weihnachtszeit für mich Winter) 

Wo wir auch schon beim Thema sind, denn während draußen über dreißig Grad Celsius sind, rückt das Weihnachtsfest immer näher. Für uns war das sehr komisch, denn normalerweise sitzt man zu dieser Zeit zuhause schön eingekuschelt auf dem Sofa, trinkt Kakao, backt Plätzchen und guckt einen Weihnachtsfilm oder man geht auf den Weihnachtsmarkt und trinkt Glühwein und isst gebrannte Mandeln.

Das sollte dieses Jahr alles ganz anders sein, denn statt Schlittschuh laufen und Schneemann bauen lagen wir am Stand, sonnten uns und platschten im Wasser. Komische Zeit. Trotzdem versuchten wir uns etwas Weihnachtlich zu stimmen und ein wenig Tradition von Zuhause hier nach Uruguay zu holen. Wir backten Plätzchen und machten Glühwein selber (zumindest probieren wir es) und gingen damit auf den „Weihnachtsmarkt“ der hier „Feria de Navidad“ genannt wird, aber mit einem Weihnachtsmarkt, den wir kennen nicht viel zutun hat. Wir besorgten uns auch einen Weihnachtsbaum, denn ein echter Tannenbaum gehört nunmal einfach dazu, jedoch mussten wir nach langer suche doch auf einen künstlichen Baum zurück greifen, da es hier einfach nirgends einen richtigen Baum zu finden gab. Wir bastelten Deko und eine Krippe und bereiteten ein Weihnachtsessen vor; dieses Jahr Asado, nicht wie sonst jedes Jahr Ente.

Wir feierten das Fest als WG und luden noch zwei andere junge Menschen zu uns ein, die mit einer unserer Mitbewohnerin zusammenarbeiten. So waren wir eine bunte Truppe aus vier verschieden Ländern mit vier unterschiedlichen Traditionen und tauschten uns den ganzen Abend darüber aus, wie Weihnachten in den jeweiligen Heimatländern gefeiert wird. Um kurz vor null Uhr zogen wir uns an und gingen auf die Straße, denn hier wird in der Nacht vom 24. zum 25. Dezember mit Feuerwerk und Lichtershows gefeiert, währen der Weihnachtsmann in der Zwischenzeit, wo alle draußen sind und das Spektakel am Himmel beobachten, unbemerkt die Geschenke unter den Baum legt. Auch wir fanden ein paar kleine Geschenke der Wg-Mitbewohner unter unserem Tannenbaum, aber zuerst beobachteten ganz gespannt das Feuerwerk, in dieser warmen Nacht und danach ging es für eine Abkühlung noch kurz ins Meer.

So ein Weihnachtsfest hatte ich wirklich noch nie.

Neue Orte, neue Erlebnisse: Meine ersten Trips durch Uruguay

Mittlerweile bin ich seit sechs Monaten in Uruguay und habe schon einige Parks, Museen, Bars und Strände in Montevideo erkundet. Doch neben der Hauptstadt möchte ich auch andere Orte des Landes entdecken und habe bereits einige Ausflüge unternommen. Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen.

Parque Rodó
Ciudad Vieja (Altstadt)
Parque Rodó
Ciudad Vieja (Altstadt)

IN MONTEVIDEO

Ciudad Vieja (Altstadt)

Kurztrip nach Punta del Este

La Mano de Punta del Este

Im November haben meine beiden Mitfreiwilligen und ich ein Wochenende in Punta del Este verbracht – unser erster Kurztrip, yay! Die Stadt liegt etwa zwei Stunden mit dem Bus von Montevideo entfernt und ist bekannt für ihre schönen Strände sowie die berühmte Skulptur „La Mano de Punta del Este“, eine riesige Hand, die aus dem Sand ragt.

Unser Hostel

Unsere Unterkunft war ein Mehrbettzimmer in einem Hostel, das wir uns mit anderen Reisenden teilten. Gemischte Zimmer sind super praktisch, weil man schnell neue Leute kennenlernt und sich über Reiseerfahrungen austauschen kann.

immer eincremen !

Wir genossen den Strand – ich habe mich direkt ordentlich verbrannt –, erkundeten die Stadt, die Skulptur am Strand, eine hübsche Kirche, einen Leuchtturm und sogar einige Seelöwen. Es war ein schönes Wochenende, um ein wenig abzuschalten vom Alltag.

in Adiletten…

Camp mit der Kirche

Mitte Januar wurden wir für ein Wochenende zu einem Camp in Araminda eingeladen. Am Freitagabend machten wir uns auf den Weg – ganz unkompliziert mit dem Linienbus. Nach knapp zwei Stunden Fahrt wurden wir an der Bushaltestelle abgeholt. Es war schon spät, also bekamen wir nur eine kurze Führung über das Gelände, bevor wir direkt ins Bett gegangen sind. Schon da waren wir beeindruckt von der Größe des Grundstücks: Es gab mehrere Hütten für Gäste, einen Garten mit selbst angebautem Gemüse, einen großen Wald, einen Fußballplatz und noch viel freie Wiese mehr.

Der Tagesablauf im Camp war total entspannt. Wer wollte, konnte an den Aktivitäten teilnehmen – wer lieber eine Pause brauchte, konnte einfach entspannen. Morgens bereiteten wir gemeinsam das Frühstück zu und aßen in einer Runde von etwa 15 Menschen. Danach ging es zum Strand: baden, sonnen, Ball spielen. Zwischendurch haben wir wieder gemeinsam gegessen, und abends saßen wir am Lagerfeuer und sangen Lieder. 

Am Sonntagnachmittag machten wir uns schon wieder auf den Heimweg, also ein sehr kurzes, aber schönes Wochenende, weil es sich so familiär angefühlt hat. Wir werden auf jeden Fall nochmal hinfahren, um auf einem nahegelegenen Berg wandern zu gehen und weil uns angeboten wurde, auf Pferden zu reiten, die regelmäßig bewegt werden müssen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen!

Camp mit dem Kinderheim

Die Kinder aus meinem Projekt haben im Januar und Februar Sommerferien und fahren in dieser Zeit auf verschiedene Camps. Ende Januar begleiteten meine Mitfreiwilligen und ich sie für einige Tage nach Bello Horizonte. Der Ort liegt nur eine Stunde von Montevideo entfernt und hat einen schönen Strand in der Nähe. Die Unterkunft bestand aus mehreren Containerhäusern mit Betten, einer Küche und einem kleinen Hof zum Fußballspielen – alles so, dass nichts kaputt gemacht werden kann.

Da wir als Freiwillige mit dem Hogar unterwegs waren, haben wir nicht viel vom Ort selbst gesehen. Unsere Aufgaben bestanden darin, die Kinder beim Strand zu beaufsichtigen, mit ihnen zu spielen oder beim Kochen und Aufräumen zu helfen. Es war zwar anstrengender als ein typischer Arbeitstag, aber als Ausgleich bekamen wir ein langes Wochenende geschenkt – das wir direkt für den nächsten Ausflug nutzten.

Kurztrip nach Rocha

Das verlängerte Wochenende haben wir genutzt, um nach Punta del Diablo in Rocha zu reisen. Dort buchten wir uns ein schönes Hostel mit Pool und Blick aufs Wasser. Schon bei unserer Ankunft fiel uns auf, dass hier viele junge Leute unterwegs waren – kein Wunder, denn uns wurde schon vorher erzählt, dass Punta del Diablo besonders Backpacker und Surfer anzieht und eine entspannte Hippie-Atmosphäre hat. Wir fühlten uns also direkt wohl.

Abends liefen wir mit anderen Gästen über den Markt im Zentrum und verbrachten danach noch Zeit im Hostel, um uns auszutauschen. Verrückt, dass wir uns wirklich auf Spanisch unterhalten können.

Außerdem konnten wir einen Punkt auf unserer Bucket List abhaken: Surfen gehen! Rocha ist bekannt für seine wunderschönen Strände mit perfekten Wellen. Für mich als Anfängerin war die erste Stunde eine echte Herausforderung, aber es hat dann doch irgendwie geklappt und Spaß gemacht.

Neben dem Surfen verbrachten wir viel Zeit damit, uns zu entspannen und mit den Menschen aus dem Hostel zu reden. Viele Urlauber dort lebten ebenfalls in Montevideo, sodass wir uns seitdem schon wieder sehen konnten. Also ein erfolgreiches Wochenende und definitiv eine Ortsempfehlung, falls man mal in Uruguay sein sollte. 

Reflexion und Austausch: Eindrücke vom Zwischenseminar in Baradero

Das Zwischenseminar fand im Februar in Baradero westlich von Buenos Aires statt. Es war schön und interessant, die rund 50 anderen Freiwilligen wiederzusehen und von ihren Erfahrungen zu hören. Was sie erfahren, gelernt haben etc. Der Ort war sehr ruhig und schön, mit einem großen Gelände, sodass man sich trotz der Menge nicht eingedrängt fühlte. Es gab einen Basketballplatz, an dem ich gerne in den Pausen meine Zeit mit anderen verbracht habe. Einen Pool gab es auch, einen Volleyballplatz und eine sehr große Grünfläche mit einem kleinen Wald. An einem Tag haben wir zusammen “Capture the Flag” gespielt, was mir persönlich sehr Spaß gemacht hat, vor allem, weil so viele Leute mitgemacht haben.

Auf dem Seminar haben wir Themen wie unser Wohlbefinden in unseren Einsatzstellen und generell im Ausland besprochen. Intimere Themen haben wir in kleineren Gruppen behandelt, um die Privatsphäre zu wahren. Durch die konstante Arbeit mit denselben Kleingruppen fiel es einem leichter, sich zu öffnen. Im Plenum haben wir auch gesellschaftliche und politische Themen behandelt. Auch Themen wie Ernährung, für die ich mich persönlich ebenfalls interessiere, wurden besprochen. Dieses Thema hat mich besonders interessiert, da ich im Rahmen meines FsJ bereits eine wichtige Erkenntnis gewonnen habe: Die unterschiedliche Ernährung in anderen Ländern und der Umgang mit ungesunden Lebensmitteln und Inhaltsstoffen. Dass auch auf dem Seminar darüber gesprochen wurde, war für mich sowohl in Bezug auf die Gesellschaft als auch auf die Lebensmittelindustrie und auf einen selbst sehr wertvoll und meiner Meinung nach sehr wichtig. Denn man ist, was man isst. Es war spannend zu erfahren, wie die Ernährung in Argentinien zum Beispiel stark von Fleisch dominiert wird, während in Europa pflanzliche Ernährung zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Wir haben nicht nur über die Auswirkungen der Ernährung auf die Gesundheit gesprochen, sondern auch über die kulturellen Unterschiede und den Einfluss von Traditionen und Gewohnheiten auf das Essverhalten. Es wurde deutlich, dass Ernährung nicht nur eine individuelle Entscheidung ist, sondern auch eine gesellschaftliche und wirtschaftliche Dimension hat. Der Austausch über die Probleme der Lebensmittelindustrie, wie z. B. die Vermarktung ungesunder Produkte und die fehlende Transparenz, hat mir neue Perspektiven eröffnet und meine eigene Wahrnehmung verändert.

Abends gab es Andachten, die den Tag abgerundet haben. Die jeweiligen Andachten wurden von Freiwilligen gestaltet und hatten dementsprechend unterschiedliche Schwerpunkte. Was alle gemeinsam hatten, war, dass sie emotionale Themen behandelten, bei denen man einige der Freiwilligen deutlich berührt sehen konnte. Die Andachten luden dazu ein, innezuhalten und über tiefere Fragen des Lebens nachzudenken, was für viele von uns eine wertvolle Gelegenheit war, die Erlebnisse des Tages zu reflektieren und in einen größeren Kontext zu setzen.

Nach jeder Andacht haben wir zusammen gesungen oder gebetet, oder auch nur ein passendes Lied gehört, das uns in eine nachdenkliche oder besinnliche Stimmung versetzte. Diese Lieder, oft mit tiefgründigen Texten, gaben uns die Möglichkeit, uns noch einmal mit den besprochenen Themen auseinanderzusetzen und mit den anderen Freiwilligen darüber zu sprechen.

Ich bin gespannt auf die restliche Zeit meines Freiwilligendienstes und freue mich darauf, all das, was ich gelernt habe, weiter in meiner Arbeit und meinem Alltag umzusetzen.

Kälte, Kampfkunst und Kinderlachen: Die ersten Schritte meines Abenteuers

Bevor ich ausgereist bin, haben meine Eltern mich mit dem Auto nach Frankfurt gefahren – mit vollem Gepäck und jeder Menge Vorfreude und Aufregung. Doch auf dem Weg nach Frankfurt ist uns auf der Autobahn ein Reifen geplatzt, was die Aufregung fast nochmal in die Höhe schießen ließ. Zum Glück hatten wir einen Ersatzreifen dabei und konnten diesen wechseln, sodass wir es noch rechtzeitig nach Frankfurt geschafft haben. Bevor wir jedoch zum Flughafen gefahren sind, haben wir uns noch ein letztes Mal einen Döner gegönnt, den ich jetzt wirklich vermisse. Dann ging es endlich zum Flughafen, wo meine Eltern mich hingebracht haben. Ich habe eingecheckt und mein Gepäck aufgegeben. Schon am Flughafen konnte ich einige andere Freiwillige erkennen, die ebenfalls nach Südamerika gereist sind. Noch bevor ich am Gate war, habe ich mit einigen von ihnen gesprochen und mich über unsere bevorstehenden Abenteuer ausgetauscht. Der Abschied von meiner Familie stand bevor, und obwohl ich erwartet hatte, dass es mir schwerfallen würde, war es für mich letztendlich einfacher als gedacht. Schwer war es trotzdem, aber die Vorfreude auf das, was vor mir lag, war größer.

Die ersten zwei Wochen meines Auslandsjahres habe ich in Argentinien verbracht, und der Winter dort hat mich wirklich überrascht. Da wir nachts die Gasheizung nicht anlassen sollten und ich keinen Schlafsack dabei hatte, wurde es ziemlich kalt. So kalt, dass ich der Einzige war, der mit einer Winterjacke geschlafen hat! Im Nachhinein ist das natürlich eine lustige Erinnerung, aber in dem Moment war es echt ungewohnt.

Während des Einführungsseminars in Argentinien gab es viele spannende Aktivitäten. Wir hatten Sprachkurse – ich war im Spanischkurs für Anfänger – und haben außerdem über Politik in Argentinien und die Kultur hier in Südamerika gelernt. Das Seminar war nicht nur informativ, sondern auch eine tolle Gelegenheit, neue Bekanntschaften zu knüpfen. Es war spannend, mit anderen Freiwilligen über ihre Motivationen und Erwartungen zu sprechen. Am Ende hatten wir alle viel Spaß, und es sind viele schöne Erinnerungen entstanden.

Als das Seminar vorbei war, ging es mit dem Bus weiter nach Montevideo – die Stadt, die nun für die nächsten Monate mein Zuhause sein wird. In Montevideo arbeite ich nun im Kinderheim, wo ich die Kinder in ihrem Alltag unterstütze. Es ist eine besondere Erfahrung, die mir sehr am Herzen liegt. Jeden Tag lerne ich neue Facetten der Arbeit mit Kindern und gewinne einen tiefen Einblick in das Leben hier vor Ort.

Der Anfang in Uruguay war besonders herausfordernd, vor allem was die Sprache betrifft. Es war sehr schwer, Spanisch zu verstehen, und am Anfang haben wir wirklich kaum etwas verstanden. In meiner Einsatzstelle sind wir zu dritt und haben immer zusammen übersetzt – was selbst in der Gruppe nicht immer funktioniert hat. Mittlerweile merken wir aber alle, wie wir Fortschritte machen. Es ist ein tolles Gefühl, neue Wörter in die Sätze einbauen zu können, und es motiviert enorm, wenn die Leute einem sagen, dass sie die Fortschritte bemerken. Das hilft sehr, besonders an den Tagen, an denen man das Gefühl hat, nichts zu verstehen oder weniger als sonst. Eine Sprache zu lernen kann manchmal sehr demotivierend sein, aber solche positiven Rückmeldungen sind unglaublich aufbauend.

Ich habe hier auch ein neues Hobby gefunden: Brazilian Jiu-Jitsu (BJJ). Nachdem ich mich umgesehen hatte, hatte ich bereits geplant, einen Kampfsport zu machen, und BJJ hat mich besonders interessiert. BJJ stammt ursprünglich aus Brasilien und konzentriert sich auf Bodenkampf und Submission-Techniken. Es ist sehr anstrengend, sehr technisch und auch intellektuell herausfordernd. Man lernt viel von den erfahreneren Leuten im Training. Auf Spanisch ist es manchmal etwas kompliziert, aber da viele Englisch sprechen, hilft es bei der Verständigung und beim Erlernen neuer Techniken. Ich versuche jedoch, so viel wie möglich auf Spanisch zu lernen, um meine Sprachkenntnisse zu verbessern.


Ich wohne in einer 7er-WG und teile mir mein Zimmer mit einem Mitbewohner aus einer anderen Organisation. Wir verstehen uns sehr gut, und ich bin wirklich froh, ihn kennengelernt zu haben. Wir genießen es, die Stadt gemeinsam zu erkunden, gehen oft einfach spazieren und entdecken zufällig neue Orte. Abends setzen wir uns manchmal an die Rambla, schauen uns den Sonnenuntergang an und genießen die Ruhe, das Meer und die Wellen.

Ich bin gespannt, was diese Zeit noch für mich bereithält!

Zwei Monate, zwei Länder, und viele Eindrücke

Meine Reise hat nun vor 2 Monaten begonnen. Je nach Tagesstimmung frage ich mich, wie diese zwei Monate so schnell vergehen konnten und gleichzeitig, wie ich so vieles in nur zwei Monaten erleben konnte. Unter anderem habe ich mehr als nur ein Ankommen an einem neuen Ort erlebt.

Erstes Ankommen – Argentinien

Mein erstes Ankommen war nicht direkt in Uruguay, sondern zunächst in Buenos Aires. Dort nahm ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen aus den Einsatzländern Argentinien und Paraguay an einem zweiwöchigen Einführungsseminar der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata), unserer Partnerorganisation, teil. Neben einem Spanischkurs wurden wir in diesem Seminar auf die uns bevorstehende Zeit vorbereitet. Zusätzlich hatten wir die Möglichkeit, einige schöne Orte und Märkte in Argentinien zu entdecken, und sind natürlich direkt in den Genuss von Mate und Empanadas gekommen. Während dieser Zeit wohnte ich mit elf weiteren Freiwilligen in einer WG im Zentrum von Buenos Aires.


Obwohl ich von vielen anderen Freiwilligen umgeben war, die sich in derselben Situation wie ich befanden, fiel mir das Ankommen dort nicht leicht. Die neue Sprache, die fremden Orte, die vielen neuen Eindrücke und das ständige Zusammensein mit anderen – kombiniert mit dem Vermissen meines vertrauten Alltags – waren anfangs eine große Herausforderung für mich. Emotionen, die ich so von mir nicht kannte und auch nicht erwartet hatte, da ich noch nie wirklich Heimweh verspürt habe. Doch am anderen Ende der Welt fühlt sich plötzlich alles etwas anders an.

Dennoch sind die zwei Wochen voller Neuheiten schnell vergangen, und ehe ich mich versah, saß ich mit meinen Mitfreiwilligen aus Uruguay im Bus von Buenos Aires nach Montevideo.

Zweites Ankommen – Uruguay

Um 6 Uhr morgens in Montevideo angekommen, wurden wir am Busbahnhof von unserem deutschsprachigen Ansprechpartner vor Ort in Empfang genommen. Bevor wir unser neues Zuhause beziehen konnten, mussten wir uns aber noch ein wenig gedulden. Bei einem gemeinsamen Frühstück in der Kirche haben wir unsere argentinische Mitbewohnerin kennengelernt und gönnten uns, völlig erschöpft, ein kurzes Nickerchen auf den Kirchenbänken.

Für das kommende Jahr werde ich mit vier anderen Freiwilligen aus Deutschland, einer Freiwilligen aus Argentinien und einer aus den USA in einer WG leben. Unser Haus liegt nur fünf Minuten vom Strand entfernt, was unglaublich angenehm ist. Nach einem anstrengenden Tag gehe ich gerne am Strand spazieren, telefoniere dort mit Familie und Freunden oder wir sitzen gemeinsam bei Sonnenuntergang im Sand zum Karten spielen. 

Drittes Ankommen – Hogar Amanecer

In diesem Jahr arbeite ich gemeinsam mit zwei Mitfreiwilligen im Hogar Amanecer, einem Heim für Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren. Unser erster Arbeitstag folgte kurz nach unserer Ankunft in Montevideo. Wir wurden morgens von einer Arbeitskollegin mit ihrem Auto abgeholt. Völlig gespannt und aufgeregt saß ich auf der Rückbank – immer mal wieder abgelenkt von dem rasanten Straßenverkehr in Uruguay. Ich war froh darüber, dass immerhin das Auto einige Geräusche von sich gab, denn auf die Fragen unserer zukünftigen Arbeitskollegin konnten wir aufgrund unseres gebrochenen Spanisches – wenn überhaupt – nur kurz antworten. Im Kinderheim angekommen haben wir einige Mitarbeiter, den Koch, sogar die Hündin und den Kater kennengelernt. Nur kein Kind war zu sehen, was mich vorerst verwirrte. Es lag jedoch daran, dass die Kinder in der Schule waren. Nach und nach kamen sie wieder und haben uns voller Freude begrüßt. Man wurde direkt zum Malen, Haare flechten oder UNO spielen aufgenommen. 


Die Tage sind zwar oft anstrengend – das dauerhafte Nachdenken über die Sprache und das neue Arbeitsleben zieht viel Kraft – aber wir leben uns allmählich ein, finden unsere Aufgaben und ein Tag vergeht wie der nächste. Einmal die Woche haben wir uns vorgenommen, mit den Kindern zu backen – ein kleines Ritual, das uns allen Freude bereitet. 

Brezeln

Ankommen im Alltag

Nach sechs Wochen leben in Montevideo, konnte ich dank bekannten Hobbys, alten Essgewohnheiten (Haferflocken zum Frühstück = guter Start in den Tag) und einem täglichen Arbeitsablauf langsam in meiner Routine ankommen.

An einem typischen Wochentag verlasse ich gegen 9 Uhr das Haus Richtung Bushaltestelle, da mein Arbeitstag um 10 Uhr beginnt. Vormittags, wenn wenige bis keine Kinder da sind, sortieren wir oft Kleiderschränke der Kinder, räumen Zimmer auf oder fegen und wischen den Boden. Den übrigen Morgen nutzen wir häufig, um Aktivitäten zu planen oder auch weiter Spanisch zu lernen. Gegen Mittag holen wir die ersten Kinder von der Schule ab und der Nachmittag gestaltet sich mit den verschiedensten Aktivitäten wie Fußball spielen, Basketball spielen, Malen, Basteln, Backen, usw…

Um 18 Uhr endet der Arbeitstag, und etwa eineinhalb Stunden später bin ich wieder zu Hause. Wenn ich noch genügend Energie habe, gehe ich spazieren oder ins Fitnessstudio. Ansonsten gibt es Abendbrot und dann ab ins Bett.


In den letzten 2 Monaten habe ich nun schon so viel erleben dürfen und doch habe ich das Gefühl, dass das Abenteuer gerade erst begonnen hat. Ich bin gespannt auf die kommenden Monate und freue mich darauf, Euch davon zu berichten.

Das Intro.

Vor 2 Monaten habe ich meine Sachen gepackt, mich von meiner Familie am Bahnhof verabschiedet und mich auf den Weg nach Buenos Aires gemacht, es fühlt sich an, als wäre es gestern gewesen, obwohl schon so viel passiert ist. Wir habe einen Argentinischen Silbermedaillengewinner der Olympischen Spiele im Segeln getroffen, haben einen Heiratsantrag bekommen, sind in einen brasilianischen Tanzkurs gelandet und hatten eine Ratte im Ofen. Aber erstmal alles auf Anfang. 

Mit Sack und Pack standen Emi und ich nach einer langen Zugfahrt am Frankfurter Flughafen und wir fühlten uns als wären wir schon in den Subtropen angekommen, so heiß und feucht war die Luft dort. Wir machten uns schwitzend auf den Weg unser Gepäck abzugeben und setzten uns ans Gate. Die Zeit bis zum Boarding verging wie im Flug, da sich immer mehr Freiwillige der IERP versammelten und wir uns alle schonmal ein bisschen kennenlernten. 

Abflug.

Jetzt saßen wir also endlich im Flieger und es sollte wirklich losgehen. Erschöpft vom Tag schlief ich im Flugzeug auch direkt nach dem Essen ein und habe mit wenigen Unterbrechungen auch fast bis zur Landung durchgeschlafen. Als wir es alle ohne Probleme durch die Passkontrolle geschafft hatten, wurden wir abgeholt und in unsere Unterkunft für die nächsten zwei Wochen gebracht.

Zuvor sahen wir am Flughafen jedoch, wie sich Leute versammelten und begannen zu klatschen. Wir gingen nähr heran und sahen, dass es sich um einen jungen Mann handelt, der gerade von den Olympischen Spielen aus Paris zurückkehrte, denn er trug eine Silbermedaille um den Hals. Wir fragten die Leute, die sich um den Sportler versammelten und fanden heraus, dass er im Segeln die Medaille für Argentinien gewinnen konnte. Gefecht und beeindruckt von der ersten Begegnung mit der Argentinischen Sportkultur fielen wir müde ins Bett. Am nächsten Tag starteten wir dann auch schon in unser Seminar.  

Star getroffen.

In den zwei Wochen besprachen wir Themen wie den historischen Hintergrund der Kultur, Gender und Sexualität, Psychische Gesundheit und vieles mehr. Außerdem fand ein Spanisch Kurs statt und wir besuchten Museen. Es war auch möglich ein Projekt in Buenos Aires zu besuchen, in denen einige Freiwillige später arbeiten würden. In unserer Freizeit erkundeten wir noch ein wenig die Stadt. Es war eine sehr intensive Zeit, in der wir nochmal viel gelernt haben. 

Und dann sollte es auch schon losgehen. Nach einem langen Nachmittag am Bahnhof, saßen wir dann endlich im Bus auf dem Weg nach Montevideo. Bei der Passkontrolle hatte ich dann nochmal kurz Angst, dass ich doch noch länger in Argentinien bleiben muss, denn nachdem die Frau am Schalter bei allen anderen das Visum in den Pass gestempelt hat, nahm sie meinen Pass und lief damit in ein anderes Gebäude. Nach einigen Minuten kam sie zum Glück mit meinem Reisepass zurück und auch ich bekam mein Visum. Es ist also doch nochmal alles gut gegangen und wir konnten ohne Probleme weiterfahren. 

Um 5 Uhr Morgens kamen wir dann in Montevideo an, wurden vom Bahnhof abgeholt und in unser neues Zuhause gebracht. Wir frühstückten in der Kirche direkt neben unserem zukünftigen Zuhause, jedoch konnten wir noch nicht sofort in unser Haus, weshalb wir erstmal noch 2 Stunden auf den Kirchbänken schliefen. Endlich in unserm Zimmer angekommen, packten wir aus und wollten eigentlich nochmal ein bisschen schlafen, bevor wir nachmittags abgeholt werden sollten, um die wichtigsten Sachen wie eine SIM-Karte oder Busfahrkarte zu besorgen, aber an Schlaf war nicht zu denken, denn dafür war alles viel zu neu und aufregend. Es war garnicht zu glauben und fühlte sich an, als würde ich das alles nur träumen.

Wir erfuhren außerdem, dass wir nicht nur zu 7. in dem Haus wohnten, sondern noch einen tierischen Mitbewohner hatten, denn eine Ratte hatte sich unseren Ofen als ihr neues Zuhause ausgesucht. 

Übernachtungsparty in der Kirche.

Am nächsten Tag stand ich um 6 Uhr morgens auf, denn heute sollte mein erster Tag im Projekt sein. Belkis, unsere Mitbewohnerin aus Argentinien, zeigte mir wie ich mit dem Bus zum Projekt komme. Dort angekommen erwartete uns schon der Pastor, die Chefin des Kindergartens und einige Erzieher. Sie zeigten mir alles und erklärten mir das Wichtigste und dann ging es auch schon los. An diesem ersten Tag war ich bei den 1 jährigen Kindern, denn die Erzieherin dort ist die Einzige, die Englisch spricht. Den restlichen Tag verbrachte ich dann mit Spielen und damit, die ganzen neuen Dinge zu verarbeiten.

Der zweite Tag war dann nochmal viel intensiver, denn ab jetzt war ich in der Gruppe der 3 Jährigen, die ältesten Kinder im Projekt. Die Kinder waren sofort begeistert und texteten mich zu, denn die meisten können schon sehr gut sprechen. Ich wusste garnicht, wie mir gescheit und verstand fast nichts. Auch die Erzieherin sprach nur Spanisch, natürlich versuchte sie sehr langsam und in einfachen Worten zu sprechen, damit ich sie verstand, denn sie wusste, dass mein Spanisch noch ziemlich ausbaufähig ist, die Kinder jedoch begriffen das nicht, da sie es einfach nicht kannten, dass jemand nicht ihr Sprache spricht. 

Am Ende des Tages tat mir der Kopf ziemlich weh, denn es ist sehr anstrengend, wenn man den ganzen Tag eine Sprache hört, die man nicht versteht und sehr viel nachdenken muss, um irgendwie zu antworten. Ich fiel nach diesem Tag also direkt ins Bett und schlief fest ein. Am nächsten Tag sollte dann unsere Ratte ausziehen, denn der Kammerjäger kam zu uns und nahm die Ratte samt Ofen mit, denn dieser war nicht mehr zu benutzen, da unser Haustier es sich dort etwas zu bequem gemacht hatte. Wir standen also erstmal ohne Ofen da. Nach wenigen Tagen gab es dann aber zum Glück einen neuen. 

Mittlerweile hat sich das Ganze gut eingependelt. Ich verstehe immer mehr und kann auch mal auf Fragen antworten. Die ersten Wochen war ich trotzdem immer sehr erschöpft und bin sofort nach der Arbeit ins Bett gegangen und auch am Wochenende habe ich so ziemlich nur geschlafen und war vielleicht nochmal am Strand spazieren, aber das war es dann auch. Nach einiger Zeit war ich dann aber immer motivierter auch mal was zu unternehmen so kam es, dass wir neue Leute kennenlernten und auch mal ein bisschen was von Montevideo sehen konnten. Wir trafen in unserer Kirche eine nette junge Frau, welche uns spontan zu einer Forró Tanzstunde (ein brasilianischer Volkstanz) mitgenommen hat. Obwohl ich keine Ahnung hatte, was ich da eigentlich mache und nichts so aussah, wie es aussehen sollte, hatte ich jede menge Spaß und hab sehr viel gelacht. 

Neben der Arbeit im Projekt und dem Entdecken der Stadt, waren wir auch schon einmal Feiern, wo wir dann auch direkt eine neue Freundin kennenlernten. Das Interessante ist jedoch, wie wir sie kennenlernten. Kaum waren wir im Club kam eine Gruppe von Leute auf uns zu und fragte woher wir kommen, denn sie hatten uns offenbar Deutsch reden hören. Wir kamen ins Gespräch und unterhielten uns eine Weile. Irgendwann gingen wir dann wieder unseren eigenen Weg in den Außenbereich. Ein junger Mann kam jedoch mit uns mit nach Draußen und sagte, er fände uns alle total hübsch und sei verliebt und ehe wir uns versahen ging er mitten im Club auf die Knie und fragte „Do you want to marry me?“ Wir waren natürlich total verwirrt und lehnten dankend ab. Zwei Mädchen bekamen das mit und nahmen uns wieder mit nach Drinnen. Wir verbrachten dann den ganzen restlichen Abend mit ihnen und trafen uns auch die Wochen danach immer mal wieder, um gemeinsam was zu unternehmen. So fanden wir also unsere ersten neuen Freunde. 

Die Eingewöhnung geht zu Ende und so langsam beginnen wir Anzukommen. Vor uns liegen noch viele Abendteuer und ich bin gespannt auf das, was kommen wird.