„Weiße Wand“

Wie begegne ich? Wie wird mir begegnet?

„Ich bin allein mit der weißen Wand
Und meinem scheiß Verstand
Ich weiß nicht, Mann!
Ich bin allein mit der weißen Wand
Und meinem scheiß Verstand
Ich weiß nicht, Mann!
[…]
Ich bin jung und weiß in 'nem reichen Land
Mein Kreißsaal war umkreist von 'ner weißen Wand
Ich bin jung und weiß in 'nem reichen Land
Mein Kreißsaal war umkreist von 'ner weißen Wand
Scheiße, Mann!
Ich bin keiner von denen, die weiterwissen
Ehrlich gesagt, ich krieg' selber nie was geschissen
Und ich weiß nicht, wann man die Decke aus Glas einreißen kann
Die Decke aus Glas ist 'ne weiße Wand
Auch wenn ich das nicht beweisen kann
[…]“

Songtext von AnneMayKantereit – Weiße Wand © O/B/O Capasso

Songwriter: Christopher Annen / Fabian Doell / Felix Roemer / Henning Gemke / Malte Huck / Severin Kantereit

Quelle: LyricFind

Diese Zeilen haben mich vor einer Weile über eine gute Freundin und Mitfreiwillige in Tansania erreicht, die ähnliche Erfahrungen wie ich macht. Ich nehme diesen Song zum Anlass über meine Eindrücke und Gefühle als weiße, blonde, junge Frau in Tansania zu schreiben, die mich belasten oder zumindest viel zum Nachdenken bringen. 

Ehrlich gesagt bin ich noch nie zuvor wegen meiner Haut-, Haar- und Augenfarbe aufgefallen. Hier in Tansania wird mir meine „Weiße Wand“ erstmals so richtig bewusst. Dass dieses ungewohnte Gefühl auf mich zukommt, war mir zwar schon im Vorhinein bewusst, darauf vorbereitet war ich aber kaum. Ich hätte mir gewünscht mehr von dieser Art von Erfahrungen schon im Voraus zu lesen, weshalb ich diesen Blogbeitrag auch für all diejenigen verfasse, die einen Freiwilligendienst planen. 

Meine Erfahrungen:

Oft gehe ich allein durch die Stadt oder meine Nachbarschaft, fahre Bus oder kaufe auf dem Markt ein. In Nyakato, wo ich wohne, kennen mich jetzt schon einige. Und auch durch meinen wachsenden Wortschatz Swahili werde ich merklich weniger wie eine Fremde behandelt. Trotzdem mache ich tagtäglich  die Erfahrung, dass ich angeguckt, angestarrt, angesprochen, angemacht und in selteneren Fällen auch angefasst werde. Ich kann euch sagen, dass es kein schönes Gefühl ist, ständig darauf hingewiesen zu werden, dass man anders aussieht. An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich darauf hinweisen, dass es kein Rassismus gegen Weiße gibt. Ganz im Gegenteil werde ich mir über meine Privilegien bewusst. 

Vielleicht auch gerade deswegen, bringe ich eine gewisse Toleranz mit und versuche freundlich zu reagieren und am besten auf Swahili zu antworten. Das gelingt mir aber nicht immer, denn es nervt und belastet mich, wenn ständig meine Grenzen von Fremden überschritten werden. Oft stelle ich mir die Frage, ob eine Person wirklich Interesse an mir hat, oder doch nur an meinem Aussehen und meiner Herkunft. Und obwohl ich bemerke, dass viele nur aus guten Intentionen heraus Interesse zeigen, ändert es nichts daran, dass ich mich oft unwohl und belästigt fühle. Ich freue mich ehrlicherweise auf den Moment wieder in Deutschland zu sein, wo ich nicht auffalle. Bis dahin bin ich aber damit konfrontiert und denke viel darüber nach, wie ich damit umgehen soll.

Ehrlich gesagt hilft es mir schnell zu gehen und Kopfhörer zu tragen, wenn ich durch die Stadt gehe und nicht möchte, dass ich alle drei Meter nach meiner Nummer gefragt werde. Aber was für einen unhöflichen und verschlossenen Eindruck mache ich dann auf andere? Ich möchte in diesem Jahr ja vor allem von Tansanier:innen lernen und anderen mit Offenheit und auf Augenhöhe begegnen. Genau so, wie ich mir auch von anderen wünsche, nicht in eine Schublade gesteckt zu werden.

Durch meine Arbeit in einem Gästehaus bekomme ich aber auch mit, wie genau dieses Verhalten, diese Vorverurteilung, von einigen (europäischen) Tourist:innen an den Tag gelegt wird. Sei es ein sehr unsensibler Umgang mit der Kamera bis hin zu zweifelsfrei rassistischen Kommentaren. Immer muss differenziert werden zwischen „Uns“ und „Denen“. Aus Begegnungen, die von Machtgefällen und Vorverurteilungen geprägt sind, kann man doch nichts lernen. 

Ich stimme den Lyrics zu: Ich bin keiner von denen, die weiterwissen. Aber was ich mir wünsche ist, dass wir uns alle mit mehr Respekt, Empathie und Sensibilität begegnen.

Wie klein die Welt doch ist…

Von glücklichen Zufällen

Man sollte doch meinen, dass ich hier bin, um neue Leute kennenzulernen, die nicht aus dem gleichen Kaff wie ich kommen. Naja, hört selbst…  

Ich habe nämlich in der Diözese Jascha kennengelernt, der an einem Wasser-Projekt für ein paar Monate hier in Mwanza arbeitet und aus meiner Heimatstadt Lübeck kommt. Aber nicht nur er war hier zu Besuch durch die Technische Universität Lübeck, sondern auch Matthias (Professor an der TH-Lübeck) und Ove (ein ehemaliger Lübecker Student, der mittlerweile in Tansania eine Familie gegründet hat). Auch Teil dieses Projekts ist Glory, die mehrfach als Freiwillige in – natürlich – Lübeck war. Wir haben uns alle prächtig verstanden und ich war sehr froh über die vielen Tipps, die sie mir gegeben haben. 

Das alleine war schon ein sehr witziger Zufall, doch als ich dann nach Morogoro zum Sprachkurs gefahren bin, wurde ich erneut überrascht: 

Das Lutheran Junior Seminary, eine weiterführende Schule und Sprachschule, in der ich und 16 weitere deutsche Freiwillige für zwei Wochen Swahili lernen durften, ist nämlich die Partnerschule des Johanneums zu Lübeck. Ich habe etwas verwundert geguckt, als ich die Wandgemälde mit dem mir sehr bekannten Schulwappen gesehen habe. Zwar bin ich nicht auf diese Schule gegangen, doch meine beiden Eltern arbeiten dort. Als Lübeckerin wurde ich von Schüler:innen und Lehrkräften, die vor ein paar Jahren einen Austausch nach Lübeck gemacht haben, herzlich willkommen geheißen! Abends durfte unser gesamter Sprachkurs dem Schulchor zuhören. Das war wirklich besonders schön! (Bis auf die Tatsache, dass wir, nachdem sie gesungen hatten, auch etwas vorsingen sollten, was natürlich nicht im Ansatz so gut klang…)  

Very Charming

Meine ersten Eindrücke aus Mwanza

Mittlerweile bin ich schon fast zwei Monate im Projekt „Charming Bungalows“ und darf seither viele neue Eindrücke sammeln und Menschen kennenlernen. Von einigen ersten Erfahrungen, Begegnungen, Zufällen und natürlich auch Herausforderungen möchte ich Euch in diesem und in den nächsten Blogeinträgen gerne berichten.

Meine Ankunft in Tansania war, um es kurzzufassen, sehr herzlich. Bereits direkt nach meiner Ankunft am Kilimanjaro habe ich die Erfahrung gemacht, wie sehr ich auf die Hilfe Anderer angewiesen bin, gleichzeitig aber auch wie selbstverständlich und gerne mir fremde Menschen helfen. Auch in meiner Einsatzstelle wurde ich von Joyce, die das Projekt „Charming Bungalows“ leitet, und meinen Arbeitskolleginnen Neema und Panina in Empfang genommen. Sie und noch weitere Mitarbeiter:innen der Diözese haben mir in der Anfangszeit geholfen, anzukommen und mich wohl zu fühlen. 

Die Charming Bungalows

Was soll ich sagen – die Charming Bungalows machen ihrem Namen alle Ehre! In den ersten Tagen durfte ich in einem der schicken, modernen Gästezimmer mit großem Badezimmer leben; mittlerweile wohne ich aber im Bungalow 2 und habe mein eigenes großes Zimmer und eine Küche, in der ich mich auch selbst versorgen muss (ein nicht zu unterschätzender, täglicher Kraftakt!). Auf dem Gelände sind außerdem noch vier weitere Bungalows (insgesamt gibt es 10 Zimmer) und ein großes Gebäude mit Essraum, Küche und einem Büro untergebracht. 

Eine der größten Umstellungen für mich ist, dass ich, egal wo ich bin oder was ich mache, wegen meiner Hautfarbe auffalle. Bestimmt sah ich zu Beginn auch nochmal hilfloser aus, aber die Menschen hier sprechen mich gerne und viel an. Die meisten grüßen nur freundlich und ich kann die entsprechende Antwort zurückgeben. Doch vor allem höre ich das Wort „mzungu“, was soviel wie „weiße Person“ bedeutet. Und obwohl ich mich dabei oft unwohl fühle, weiß ich, dass dies (bei den meisten) nicht in böser Absichten geschieht. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt. 

Gerade in den ersten Tagen war ich sehr froh darüber, dass Sidsel, Anne und Line (drei sehr liebe dänische Schwestern) in den Bungalows zu Gast waren und ich somit nicht alleine diese Erfahrung gemacht habe. Da wir uns auf Anhieb gut verstanden haben, haben wir gemeinsam die Stadt und den Verkehr erkundet. 

Mittlerweile sind wieder Däninnen wichtige Kontaktpersonen für mich geworden. Mie und Johanne sind auch Freiwillige in der gleichen Diözese und wohnen glücklicherweise direkt nebenan, sodass wir oft zusammen fahren oder kochen können. Ich genieße die gemeinsame Zeit mit den beiden sehr. 

Karibu Tansania!

Willkommen in Tansania!

Wie nahezu mein gesamtes Leben in zwei Koffer gepasst hat, ist mir bis heute noch nicht ganz klar. Denn wenn man erstmal den Punkt erreicht, wo man alles einpacken muss, fällt einem doch mehr ein, als man denkt. Die dritte Packung Vitamintabletten könnte ja doch hilfreich sein. Oder die Wolldecke…
Die drei Packlisten, die ich mir erstellt hatte, waren dabei mehr oder weniger eine Hilfe. Nach fünfmal umpacken und dreimal sortieren ging der Koffer sogar zu.

Und dann war es so weit: nach einem emotionalen Abschied von Freunden und Familie saß ich im Flugzeug neben Clara, einer weiteren Freiwilligen. Mehr oder weniger bereit, alles, was ich kannte, zurückzulassen. Der Flug war eine Gefühlsachterbahn aus Freude, Neugier und Angst. Und Nervosität. Da waren so viele Fragen: Wie würde Tansania aussehen? Wird alles reibungslos klappen? Habe ich an alles gedacht? Wird mein Visum akzeptiert? Auf der Hälfte des Fluges war ich restlos überzeugt, sie würden mich wieder nach Hause schicken, weil ich Passierschein A38 vergessen hatte.
Entgegen meiner Erwartungen kamen Clara und ich nach ermüdenden 15 Stunden am Kilimanjaro Airport an. Tansania kam mir als erstes wie ein einziger Farbstrudel aus Rot, Gelb und Grün vor. Alles summte vor Geschäftigkeit und Leben. Kaum zu fassen, ich war wirklich in Tansania angekommen und mir wurde das Visum ausgestellt!

Clara und ich beim Abflug

Am Ausgang des Flughafens wartete auch schon direkt das Empfangskomitee, bestehend aus meiner Gastmutter, dem General Secretary meines Projekts und Elias, dem Fahrer, welche Clara zu ihrem Hotel und mich nach Mwanga brachten. Dort angekommen, brach ich erstmal in Tränen aus… Weil mein Moskitonetz pink war. Und meine Freunde und Familie auf einem anderen Kontinent.
Mein erster Tag von diesen aufregenden 11 Monaten endete also mit einem Gefühlsausbruch. Glücklicherweise größtenteils Vorfreude und Aufregung.

Meine Gastmutter, Severa, in ihrem Shop

Die erste Zeit in Mwanga

Am nächsten Tag brachte mich meine Gastmutter zu der Lutheran Church Mwanga, die unter anderem den Kindergarten, das Hostel und den Buchladen verwaltet, in denen ich arbeiten werde. Dort wurde ich dem gesamten Personal vorgestellt und herzlich in der Diözese aufgenommen. Alle, ich ganz besonders, waren furchtbar aufgeregt. Ich wurde mit Fragen bestürmt und jeder wollte mit mir reden. Von diesem Ansturm etwas überfordert, war ich fast froh, als Nelson, der Cashier, mich mitnahm, um mir das Gelände und meinen Arbeitsplatz zu zeigen.

Während meiner Zeit in Mwanga arbeite ich in einem Kindergarten, einem Buchladen und einem Hostel. Da der Kindergarten jedoch erstmal noch Ferien hat, beschränkten sich meine ersten Wochen auf den Buchladen und das Hostel.

Nach dieser kurzen Einführung wurde ich mit der Anweisung, den Rest der Woche im Buchladen zu erscheinen, nach Hause geschickt, um meinen freien Tag zu genießen und organisatorische Maßnahmen zu treffen, wie das etwas kompliziertere Besorgen einer SIM-Karte.

Die Arbeit im Buchladen war in der ersten Woche sehr entspannt. Phoebie, die Managerin des Buchladens sorgte für eine entspannte Arbeitsatmosphäre. Unterbrochen von ein paar Teepausen, kümmerte ich mich um die Buchhaltung, nachdem sie am zweiten Tag mitbekommen hatte, dass ich weiß, was ein Taschenrechner ist. Im Hostel war ich bisher nur in der Küche und habe geholfen, landestypisches Essen, wie Reis und Bohnen, zu kochen. Natürlich auch Ugali, das durfte nicht fehlen. Zur Erklärung, Ugali ist das typische Essen in Tansania und wird aus Maismehl und Wasser hergestellt. Meist wird Ugali mit chinesischem Spinat und einer Sorte Fleisch gegessen.

Wie ich in die Gesellschaft eingeführt wurde…

Am Wochenende nach meiner Ankunft fuhr der Bischof der Diözese mit mir und den anderen Mitarbeitern zu einem Massai-Stamm in der Nähe der Diözese. Auch dort wurde ich herzlich aufgenommen und alle wollten mich begrüßen. Leider konnte ich mich mit niemandem wirklich unterhalten, da die Massai kein oder nur wenig Englisch verstehen. Sie sprechen Maa, die Sprache der Massai und anderer ehemaliger Nomadenvölker, und Suaheli. Zu meinem Glück war Vicky, eine Theologiestudentin, die ebenfalls in der Diözese arbeitet, dabei und hat mir das Gröbste übersetzt.

Woran man sich hier sehr schnell gewöhnen muss, ist der Umstand, dass viele sehr aufgeregt sind, wenn sie eine europäisch-stämmige Person sehen. Auf der Straße wird einem oft „Mzungu“ hinterher gerufen, was aber auf keinen Fall böse gemeint ist. Auch wenn es für uns manchmal eher unangenehm ist, sagen die meisten es nur wegen des eher ungewohnten Anblicks. Ich werde auch oft über Deutschland oder mein Leben hier in Mwanga ausgefragt.

In meiner zweiten Woche wurde ich zu einer Hochzeit eingeladen. Es war sehr viel lauter, als ich es von Hochzeiten in Deutschland kannte. Die Musik, die Unterhaltungen und die Moderation waren nahezu ohrenbetäubend. Selbst wenn man sich unterhalten wollte, war das aufgrund der Lautstärke nur eingeschränkt möglich. Die Feierkultur war da auch – anders als in Deutschland – nicht von Alkohol geprägt.

Die unglaublich leckere Hochzeitstorte

Der Sprachkurs am anderen Ende von Tansania

Nach zweieinhalb unglaublichen Wochen in Mwanga, die schneller vergingen, als man „Hakuna shida“ (Kein Problem) sagen konnte, war es so weit und ich saß in einem Bus quer durch Tansania. Die Reise zu dem zweiwöchigen Sprachkurs nach Morogoro dauerte 8 Stunden und beinhaltete ganze vier 5-Minuten-Pausen. Viel mit Beine vertreten war da nicht. In Morogoro wurde ich dann von den anderen Teilnehmern am Sprachkurs, andere Freiwillige u.a. aus Berlin oder Leipzig, herzlich begrüßt. Doch nicht nur die, auch die anderen ZMÖ-Freiwilligen aus Tansania, Lina und Clara, stießen kurz darauf zu der Gruppe.

In der ersten Woche lernten wir vor allem Begrüßungen und die grundlegende Grammatik. Nachdem in dieser Woche unsere Köpfe bis zum Explodieren mit Vokabeln und Grammatik gefüllt wurden, hatten wir am Wochenende die Wahl zwischen einer Wanderung und einem Massai-Markt. Aufgeteilt in kleine Gruppen bestiegen wir mit unseren Lehrern die Berge von Morogoro, bis wir an einem Wasserfall und einer alten deutschen Kirche aus der Kolonialzeit ankamen. Neben diesen beiden wunderschönen Zielen war auch der Ausblick von den Bergen auf Morogoro ein absolutes Highlight. Nicht so schön fanden meine Beinmuskeln allerdings den Anstieg und die 19 Kilometer Länge der Wanderung. Die habe ich noch am nächsten Morgen gespürt. Das, was man gesehen hat, war das allerdings allemal wert. Und es war eine schöne Abwechslung zum Lernen der zweiten Woche, die aus Grammatik, Vokabeln und Zeitformen bestand.

Zum Abschluss des Sprachkurses haben alle Teilnehmer landestypisches Essen für eine große Feier gekocht. Eine andere Freiwillige und ich haben uns dazu entschieden, zu lernen, wie man Makande, eine Art Eintopf aus Mais und Bohnen kocht. Dafür durften wir sogar auf traditionellem Weg unsere eigene Kokosmilch herstellen. Die Feier an sich war auch unfassbar schön, aber besonders das landestypische Essen hat mir sehr gefallen.

Die ersten Wochen hier waren voll und aufregend. Ich hatte eine sehr schöne Zeit, die natürlich auch von einigen Tiefpunkten geprägt war. Dennoch hat sich die Zeit hier angefühlt, als hätte ich nur einmal geblinzelt. Ich freue mich schon, euch von den nächsten Wochen zu berichten!

Come as guests, leave as friends!



Mein Projekt „nachhaltiger Tourismus in Mwanza“ befindet sich noch in den Startlöchern. Ziel des Projektes ist es, Tourismus in Tansania ökologisch, aber vor allem auch sozial nachhaltiger zu gestalten. Das Unternehmen „Charming Safaris“ steht unter dem Dach der lutherischen Kirche in Mwanza und muss sich deshalb nur selbst tragen, während viele andere Tourismus Unternehmen auf Gewinne angewiesen sind. Dadurch haben sie die Möglichkeit, Angestellte fair und ganz-jährig zu entlohnen. Bei Charming Safaris spielt vor allem Geschlechtergleichstellung eine große Rolle. Erwähnenswert finde ich, dass es eines der einzigen Tourismus Unternehmen in Tansania ist, welches von einer Frau geführt wird.

Das Logo für das Charming Safaris Unternehmen.
Das Team auf einem Office Trip in Morogoro, Tansania.
(links: Ben- Praktikant, Freddie- Fotograf, Joyce- Managerin von Charming Safaris, Mo- lokaler Tourguide; hinten: Eric- Fahrer, vorne: ich)

Meine Aufgabe im Projekt bestand hauptsächlich darin, meiner Kollegin Joyce bei ihrer täglichen Arbeit unter die Arme zu greifen. Oft habe ich mit ihr E-Mails auf Englisch formuliert und mit ihr überlegt, wie man am besten mit Kunden in Kontakt steht. Außerdem habe ich das Marketing für das Unternehmen wie beispielsweise die Fertigstellung der Website, Flyer, einen Instagram Account etc. übernommen während sie Themen abgewickelt hat, die nur auf Suaheli möglich waren.

Joyce und ich während der Arbeit im Büro.

Ein normaler Tag hat bei mir mit dem Wecker-Klingeln um 6:30 Uhr angefangen. Da meine Arbeitsstelle ungefähr eine dreiviertel Stunde mit den öffentlichen Verkehrsmitteln entfernt liegt, habe ich meinen Wohnort so gegen 7:15 Uhr verlassen. Jeder Tag im Hauptbüro der lutherischen Kirche beginnt mit einem Morgengottesdienst um 8:00 Uhr. Täglich war jemand anders dafür verantwortlich, eine Andacht zu halten. Der Ablauf war aber immer der gleiche, weshalb es mir nach einigen Wochen im Projekt nicht mehr schwer fiel ihm zu folgen. Es wird gesungen und das Vaterunser sowie das Glaubensbekenntnis auf Suaheli gebetet. Zudem wird die morgendliche Zusammenkunft auch als Meeting genutzt, in dem wichtige Themen verkündet werden. Während für mich bisher Glaube, Arbeit und Privates meistens getrennt blieben, war es dort schwer zu trennen. Wenn jemand beruflich reisen war, wurde davon erzählt, es wurde für Kranke oder Verstorbene gebetet und Gäste wurden vorgestellt. Wenn ich alles verstanden hätte, wäre man danach auf jeden Fall up-to-date gewesen. Mir wurden im Anschluss die wichtigsten Ereignisse noch von meinen Kollegen übersetzt, wenn ich ein bisschen nachgebohrt habe. Bevor Corona ein Thema war, hat man allen nach Verlassen der Kirche noch einmal die Hand geschüttelt. Danach wurde noch kurz gequatscht, bevor es dann an die Arbeit ging. Bevor man allerdings richtig ins Arbeiten kam, gab es eine Stunde später auch schon meine geliebte Frühstückspause. In der Cafeteria hatten ein paar liebevoll genannte „Mamas“ schon Chapati, Mandazi, Vitumbua und andere Backwaren vorbereitet, die dann mit einem Milchtee vertilgt wurden. Manchmal habe ich für meine Kollegen und mich eine Avocado mitgebracht, die wir dann in unsere Chapati Wraps gelegt haben. Besser konnte es essens-technisch eigentlich nicht mehr werden!

Bild 1: Chapati na Chai Maziwa- eine Art herzhafter Pfannkuchen mit Milchtee.

Bild 2: Vitumbua- süße Reisbällchen.

Zwischen der Frühstückspause und der Mittagspause haben wir dann gearbeitet. Zu meiner Frustration ging der Arbeitstag aber auch manchmal erst los, wenn er eigentlich schon vorbei sein sollte. Da Vieles etwas entspannter abläuft als bei uns, ging auch viel Zeit darauf, soziale Kontakte zu pflegen. Daran musste ich mich erst gewöhnen, aber habe es nach einer Weile dann auch sehr genossen, weil ich dadurch viel mit anderen reden konnte. Einige Male kam es auch zu sehr spannenden Diskussionen zu Themen wie Glaube, Hexenkraft, Homosexualität und Kindererziehung. Vor allem hatte ich diese spannenden Gespräche mit einem Freund in meinem Alter, der ein Praktikum bei der Kirche absolviert hat.

Mit Ben habe ich zwischendurch auch an einem Projekt zu „Women Empowerment“ in der lutherischen Kirche gearbeitet. Während wir am Anfang sehr unterschiedliche Meinungen hatten, haben wir im Laufe der Zeit immer mehr zueinander gefunden.

Wenn ich nicht im Hauptoffice für das „Charming Safaris“ Projekt gearbeitet habe, war ich in dem Guesthouse der Kirche. Die sogenannten „Charming Bungalows“, in denen auch ich gewohnt habe, wurden 2019 im Frühjahr fertiggestellt. Ich habe mir zur Aufgabe gemacht einige der alten Plastikflaschen, die ich hinter dem Haus gefunden habe, zu verwerten und sie zum einem Hängegarten umzufunktionieren.

Von den ersten Schritten meiner Bepflanzung bis zum Gedeihen.



Kwaheri mal fünf

Das Corona Virus war für mich kaum ein Thema, bis es meinen Plan für die nächsten 3-4 Monate komplett auf den Kopf gestellt hat. Ein Tag bevor ich erfuhr, dass Corona der Grund meiner sehr verfrühten Rückkehr sein würde, habe ich genau darüber mit einem Kumpel beim Kaffeetrinken Scherze gemacht. „Stell dir mal vor, ich müsste wegen Corona nach Hause“- wir beide lachen. Irgendwie sind alle Leute im Moment so komisch verrückt deswegen. „Weißt du, was mir meine Mama erzählt hat? In Deutschland ist in vielen Supermärkten das Toilettenpapier ausverkauft und alle fangen an Hamsterkäufe zu tätigen. Ich bin so froh, dass viele Menschen hier so viel entspannter sind.“ Laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektionen in Deutschland zu dem Zeitpunkt: 4838. Im Vergleich dazu gab es in Tansania zu dem Zeitpunkt nur einen Verdachtsfall. Abgesehen von Hamsterkäufen ist die aufgebrachte Stimmung wohl doch nachvollziehbar, wenn man sich die Ausbreitung des Virus und das wenige Wissen zu der Zeit darüber mit berücksichtigt.  

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Mein Freund John und ich beim Scherzen über Corona.

Am nächsten Morgen haben wir Freiwilligen dann eine Mail vom ZMÖ erhalten, in der wir einschätzen sollten, wie sich das Corona Virus auf uns und unsere Projekte auswirkt und wie betroffen wir davon schon sind. Zitat aus meiner Antwortmail: „Ein Großteil hat [hier] schon von dem Virus gehört“. Die Einschätzung spielte im Nachhinein aber keine große Rolle mehr, weil wir kurz darauf die Meldung erhielten, dass alle Freiwilligen zurück nach Deutschland geholt werden. Es ist, glaube ich, ein halber Tag vergangen, bis das BMZ es sowieso offiziell entschieden hat. Dann hieß es Abschied nehmen. Für mich war es eine Mischung aus vielen Gefühlen, die ich nicht so ganz deuten konnte. Ich habe so oft an zu Hause gedacht und dann plötzlich habe ich auch gemerkt, dass ich in mir in Mwanza auch ein zu Hause aufgebaut hatte. Meine Freundinnen und Freunde haben mir zuerst nicht geglaubt, dass ich fliegen muss und waren deshalb auch erstmal nicht so traurig. Da manche Freiwillige schon kurz nach der Nachricht fliegen sollten, hatte ich Angst nicht mehr genug Zeit zum Tschüss sagen zu haben.  

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Das alles hat irgendwie auch noch reingepasst.

Am Ende habe ich manche Leute dann um die fünfmal „zum letzten Mal“ verabschiedet. Das Abschiednehmen war für mich emotional sehr anstrengend, weshalb ich dann fast froh war, als es endlich los zum Flughafen ging- fünf Tage nachdem wir die Nachricht erhalten hatten. Außerdem konnte ich mit zwei anderen Freiwilligen (Leo und Kim-Lea) zurückfliegen, mit denen ich mich in Dar Es Salam getroffen habe. Wir waren froh, einander zu haben, weil wir genau wussten, in welcher Situation sich die anderen jetzt befanden.

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Mein letzter Spaziergang durch meine Nachbarschaft.
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Ben und Fatima mit mir auf dem Weg zur Verabschiedung von Fatimas Familie.

Am Flughafen warteten dann unsere Eltern auf uns- sonst war der Flughafen wie leer gefegt und auch alle Geschäfte hatten zu. Die erste Frage an meine Eltern war: „Haben die Geschäfte am Flughafen Corona bedingt zu oder weil Sonntag ist?“. Eine Antwort erübrigte sich fast, als wir durch die menschenleere Stadt nach Hause fuhren. Es war nicht so, dass ich nicht die Nachrichten in Deutschland verfolgt hätte, oder mir niemand was erzählt hätte, aber das ganze Szenario hörte sich schon übertrieben an.

Abgesehen von der Eiseskälte (wir haben unseren Eltern noch vom Amsterdamer Flughafen geschrieben, dass sie uns bitte dicke Winterjacken mitbringen sollen) war auch sonst alles anders als das, was ich in meinem letzten halben Jahr so gesehen und erlebt hatte.

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Trotz Winterjacke bitterlich gefroren. Aber froh, dass alles gut geklappt hat!

Von oben aus dem Flugzeug haben wir schon festgestellt, wie perfekt alle Häuser aneinandergereiht sind und wie quadratisch die Felder abgemessen sind. Alles wirkte ein bisschen langweilig. Und genau davor hatten wir Angst: Dass unser Leben hier jetzt sehr langweilig werden würde.

Mir persönlich ging es bis jetzt noch nicht so- ganz im Gegenteil! Es gibt so viel, worauf ich mich schon vom ersten Tag an in Tansania gefreut habe, wenn ich wieder nach Hause komme. Jetzt weiß ich gar nicht so richtig, womit ich anfangen soll und habe auch immer noch nicht alle meine Sachen zu Ende ausgepackt. Richtig anzukommen wird wahrscheinlich erst möglich, wenn hier nicht mehr so eine Ausnahmesituation herrscht. Wie wahrscheinlich bei allen gibt es momentan Tage, an denen ich mit allem sehr gut klar komme und andere, an denen ich frustriert und genervt bin. Auch, wenn ich froh bin, wieder zu Hause zu sein- vor allem unter den momentanen Umständen- wird die Zeit in Mwanza einen festen Platz in meinem Herzen einnehmen, woran ich gerne zurückdenke. Ich bin mir sicher, dass sich irgendwann nochmal für mich die Gelegenheit ergibt meine Freunde in Mwanza zu besuchen oder sie nach Deutschland einzuladen.

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.

Sonntag, 15. März

Ich bin gerade mit dem Wäsche waschen fertig geworden und habe alles an die Wäscheleine vor meiner Tür gehängt als ich ein Pling! höre. Eine Nachricht aus dem entfernten Deutschland, ob ich gleich einmal Zeit hätte zu telefonieren. Ich schrieb nur ein kurzes „Ja hab jetzt Zeit“ zurück und dann wurde ich auch schon angerufen. Vor einer ganzen Weile hatte ich schon den ein oder anderen Besuch geplant der im April (zu meinem Geburtstag) und im Juni stattfinden sollte. Auf den ich mich schon so sehr gefreut habe und mir in einigen schweren Momenten auch einen Lichtblick gab.

Nach diesem Telefonat war aber klar: Kein Besuch für mich im April! Der Grund, Covid-19. Danke für Nichts, dachte ich mir und es lief eine Träne. Dies war der Moment, wo ich ganz langsam Begriff, dass dieses Virus vielleicht doch nicht so weit weg ist, wie gedacht.

Montag, 16.März

Um 09:22 Uhr bekam ich eine E-Mail vom ZMÖ. Der Betreff: Corona-Update – bitte lesen! Schon wieder das Virus, dachte ich nur. Ich sollte einmal meine Situation schildern und wie es mir momentan ging. Okay, das war schnell gemacht und ich konnte mich wieder an das Geschirr spülen machen, da das eventuell die letzten Tage ein bisschen vernachlässigt wurde…

Um 12:18 Uhr hörte ich wieder ein Pling! und dann immer mehr… In der WhatsApp Gruppe von uns Freiwilligen überschlugen sich die Nachrichten, zu Beginn verstand ich gar nicht worum es ging und dann öffnete ich einen Screenshot einer E-Mail mit dem Betreff: „Beendigung Freiwilligendienst

Es soll aus gegebenem Anlass also so schnell wie möglich für uns alle zurück nach Deutschland gehen.

An diesem Abend wusste ich nicht wohin mit meinen Gedanken. Das soll es jetzt schon gewesen sein? Wie lange habe ich noch? Wann geht mein Flug? Passt überhaupt alles in meinen Koffer? Diese und noch viele weitere Gedanken kreisten in meinem Kopf. Ich schrieb auch noch der Sister, dass sie Bescheid wusste, sobald ich morgen ins Office kam.

Dienstag, 17.März

Ich ging vermutlich das letzte Mal ins Office, da noch nicht klar war, wann ich fliegen werde. Von einem Tag auf den anderen ändert sich plötzlich alles. Die Nacht habe ich auch nicht wirklich schlafen können…

Der Weg zum Office

Im Office angekommen, erzählte ich der Sister noch einmal genau, was gestern besprochen wurde. Sie verstand es besser als ich und versuchte mir Mut zu machen, dass es das Richtige sei in dieser Situation bei meiner Familie zu sein. An diesem Tag war die Arbeit auch zweitrangig und wir redeten über die ersten Tage an denen ich ins Projekt gekommen war.

Es war seltsam, aber auch schön einiges nochmal Revue passieren zu lassen. Am Ende dieses Tages verabschiedete ich mich von meinen Kolleg*Innen. Alle waren sehr überrascht und fragten immer wieder, ob meine Familie, dass gewollt hatte und ich versuchte mit meinen Kisuaheli Kenntnissen klar zu machen, dass die „Serikali“ (Regierung), diesen Schritt veranlasst hatte. Ich wurde auch mehrmals gefragt, ob ich denn irgendwann, am besten noch dieses Jahr, wiederkommen würde, um meinen Freiwilligendienst zu beenden. Dies musste ich leider verneinen, aber ich machte klar, dass ich auf jeden Fall als Besucherin wiederkommen werde.

Mittwoch, 18. März

Als ich heute Morgen auf mein Handy blickte, sah ich die nächste E-Mail. Mein Rückflugticket. Das heißt, es geht jetzt wirklich für mich zurück nach Deutschland. Am Samstag um 21:50 Uhr werde ich im Flugzeug zurück nach Deutschland sitzen. Aber zum Glück nicht alleine, sondern mit meinen beiden Mitfreiwilligen. In Dar es salaam werden wir uns wiedersehen.

Mit diesem Gedanken ging ich das letzte Mal zur Morgenandacht. Nach der offiziellen Liturgie wurde ich dann nach vorne gerufen und wurde verabschiedet, wo ich eigentlich erst im Juli stehen sollte, stand ich jetzt. Vor den Schüler*Innen mit einem Holzkreuz in der Hand, als Abschiedsgeschenk.

Nach der Andacht kamen noch ein paar Schüler*Innen auf mich zu, mit denen ich in den letzten Monaten zusammen gekocht, gewaschen, einem Fußballspiel geschaut und gelacht hatte. Sie konnten es auch nicht verstehen.

Donnerstag, 19. März

So langsam hieß es packen und sauber machen. Aber wie soll ich Erfahrungen, Erinnerungen und Erlebnisse aus den ganzen letzten Monaten innerhalb von ein paar Stunden einfach einpacken?

Plötzlich hörte ich es klopfen. Eine Fieldworkerin stand vor mir. Mit ihr bin ich in den letzten Monaten von Gemeinde zu Gemeinde und von Waisenkindertreffen zu Waisenkindertreffen gegangen. Sie kam, um sich zu verabschieden. Meine Gedanken wanderten zum Anfang meiner Zeit, wo ich fast kein Kisuaheli konnte und wir uns mehr oder weniger mit Händen und Füßen verständigen mussten. Trotzdem brachte sie mir viel Geduld entgegen und lud mich nach dem ein oder anderen Rundgang zu sich nach Hause ein und wir aßen gemeinsam und ich spielte mit ihrer kleinen Tochter. Heute hieß es dann „Kwa heri.“  (Auf Wiedersehen)

Freitag, 20. März

Plötzlich überschlugen sich die Ereignisse. Gestern wurde in der Morgenandacht noch erklärt, wie man sich aufgrund der aktuellen Situation die Hände wäscht und heute wurde die Bibelschule auch schon geschlossen. Auch wenn bis jetzt nur zwei Covid-19 Fälle bekannt waren.

Nachdem ich heute Morgen noch zu einem Frühstück eingeladen wurde, saß ich draußen unter Bananenpalmen, blauem Himmel und Sonnenschein. Ich dachte an das kalte und graue Deutschland und das gerade einfach alles viel zu schnell ging.

Bananenpalmen und blauer Himmel

Samstag, 21. März (Rückflugtag)

Diese Nacht habe ich wieder nicht gut geschlafen und konnte alles noch gar nicht richtig realisieren. Ich packte meine letzten Sachen ein, nahm die Fotos von den Wänden und verstaute alles. Die Sister schrieb, sie würde mich um 16.00 Uhr abholen und zum Flughafen bringen.

Kurz vorher ging ich noch zum Principal der Bibelschule und verabschiedete mich noch mit Handschlag und bekam ein Gebet mit auf den Weg. Dann hatte ich eine ruhige Minute in meiner Wohnung und versuchte mir bewusst zu machen, dass ich in ein paar Stunden bereits in Deutschland sein werde. Surreal!

Ich hörte Motorengeräusche und ging raus. Nachdem mein ganzes Gepäck im Kofferraum verstaut war, ging ich noch ein letztes Mal zur Wohnung. Dann drehte ich den Schlüssel zwei Mal im Schloss, bevor ich ihn abgeben musste. Das wars jetzt wirklich, dachte ich.

Auf der Fahrt sah ich die Umgebung an mir vorbeiziehen und konnte nicht fassen, dass ich das alles vorerst zum letzten Mal sehen würde.

Am Flughafen wurde das Thema Corona immer präsenter. Ich sollte doch vorher meine Hände desinfizieren mithilfe der Ständer rechts und links am Gebäude. Das Personal trug Handschuhe und Schutzmasken. Wie ferngesteuert, lief ich erst zum Check-In Schalter und anschließend zur Security, ich brauchte zum Glück kein Formular ausfüllen, da ich eine Residence Permit habe und somit kein Tourist bin. An der Sicherheitskontrolle konnte ich das letzte Mal meine Kisuaheli Kenntnisse testen und stieß damit auf überraschte Gesichter. Es tat gut, das Lächeln der Mitarbeiter*Innen zu sehen.

Am Gate traf ich auch ein paar Menschen, die aufgrund der gleichen Situation verfrüht nach Deutschland zurückmussten, der Austausch war schön.

In Dar es salaam stiegen meine Mitfreiwilligen zu, wir erzählten viel und hörten uns gegenseitig zu.

Flughafen Dar es salaam

Sonntag, 22. März (Ankunft Deutschland)

Als wir nach mehreren Stunden und einmal umsteigen in Hamburg landeten, schien zwar die Sonne, aber wir hatten nur 2°C. Kälteschock war vorprogrammiert.

Wir gingen zur Gepäckausgabe und bevor es raus zu unseren Familien ging, gab es noch eine Umarmung, die inzwischen ja auch nicht mehr erlaubt ist, aufgrund des Kontaktverbots und 1,5m Abstand. Und dann gingen wir gemeinsam auf den Ausgang zu.

Heute

Es brauchte ein paar Wochen sich wieder an alles zu gewöhnen. Natürlich waren alle froh, dass ich nun wieder heile zuhause angekommen bin, aber in einigen Momenten wäre ich dann doch wieder gerne in der Wärme und bei den Menschen, die nun zu Freunden geworden sind. Vielleicht bin ich doch noch nicht ganz wieder da…

Asante sana kwa kila kitu. Nitakurudi wakati wengine. Badaaye.

Nashukuru-Ich danke dir

Salam sana Janeth,

„Umekunywa Chai?“ Mit der Frage, ob ich morgens denn auch schon etwas gegessen hätte, bevor wir auf die Rundgänge gingen, hast du mich häufig begrüßt. Dir war es wichtig, dass es mir immer gut ging. Obwohl die Arbeit mit der Sister nicht deine einzige Arbeit ist, sondern du auch noch eine eigene Familie hast und „Shamba“ (Farm), um die du dich kümmerst, begegnetest du jedem Menschen, den wir besuchten, mit Gelassenheit und Geduld.

So auch mir, da ich zu Beginn nur die Begrüßungsfloskeln auf Kisuaheli beherrschte und somit auch recht wenig von dem verstand was gesagt wurde, nahmst du dir die Zeit manche Dinge für mich zu umschreiben und mit Händen und Füßen zu erklären. Das ist nicht selbstverständlich.

Dazu hast du auch einen so starken Glauben, auf den du dich 100 % verlässt und an dem du festhältst. So ein Vertrauen in etwas finde ich sehr bewundernswert. Auch wie vertraut du mit der Bibel bist. Du blättertest kurze Zeit in der Bibel und kurz darauf hieltst du eine spontane Predigt über die entsprechende Bibelstelle.

Nach einigen Rundgängen hast du mir sogar deine Familie vorgestellt und ich wurde freundlich begrüßt und aufgenommen. Nachdem wir alle zusammen gegessen hatten, gabst du mir häufig noch eine Kleinigkeit mit, seien es Erdnüsse oder Bananen, haben wolltest du dafür aber nichts. Du hast mir so einen kleinen Einblick in das tansanische Leben einer Familie geschenkt.

Die Waisenkindertreffen haben mir immer besonders Spaß gemacht. Du gabst den Kindern die Möglichkeit in einem sicheren Umfeld über Probleme zu reden, auch wenn sie das Angebot nicht immer annahmen, konnten sie beim anschließenden Spielen vielleicht kurz ihre Sorgen vergessen.

Während meiner Zeit, hatte mich es auch erwischt und ich war krank und obwohl du selbst viel zu tun hattest, nahmst du dir die Zeit und besuchtest mich, um zu schauen wie es mir ging und ob ich noch etwas brauchte. Genauso wie deine Tochter Mary mit ihrem Kind Deborah auch vorbeikamen. Du hast eine sehr fürsorgliche Familie und ich war froh mit dir arbeiten zu dürfen.

Deshalb war es für mich selbstverständlich, Mary beim Umgang mit Excel und Word zu helfen und so ein Stück zurückgeben zu können, was mir immer entgegengebracht wurde.

Mary Makundi und Ich
Von links nach rechts: Janeth Makundi, ich und Deborah

Vielen Dank, dass ich dich kennenlernen durfte!

Not all classrooms have four walls

In diesem Blogeintrag würde ich gerne über ein paar Dinge berichten, die ich gelernt habe und denen, die mir immer noch fremd sind.


Nach dem Sprachkurs kam ich dann in meiner Unterkunft an und war das erste Mal so richtig alleine. Keine anderen Freiwilligen, keine Freunde geschweige denn Familie. Das alleine wohnen, was ich mir in Deutschland noch als sehr schön und entspannend vorgestellt habe, war plötzlich nur noch blöd. Niemand mit dem ich persönlich reden konnte, niemand der beim Essen neben mir saß, niemand den ich fragen konnte. Damit musste ich mich erstmal arrangieren.

Ich habe dann angefangen mir selber immer etwas Leckeres zu kochen, was sich erst nur auf Nudeln beschränkte, mich um meine Wäsche gekümmert, Bücher gelesen, Tagebuch geschrieben…Ich habe eine Routine entwickelt, sodass ich mich jetzt nach den teilweise langen und anstrengenden Arbeitstagen auf meine eigene Wohnung freuen kann und auf die Zeit mal wieder alleine. Ich habe gelernt, es ist in Ordnung sich nicht immer gut zu fühlen, aber das man versuchen sollte immer weiter zu machen. Ich habe gelernt alleine wohnen hat auch seine Vorzüge. Ich habe gelernt, dass ich in Zukunft eine WG bevorzuge.

Nun zu meinem Leben außerhalb der Wohnung. Ich habe ja schon angesprochen, dass die Tage wirklich anstrengend sein können. Das beschränkt sich hauptsächlich auf die Gemeinderundgänge, die ich 2x manchmal 3x die Woche habe. Das bedeutet wir besuchen Gemeinden und gehen dann zu einzelnen „Häusern“, nicht wie man sich Häuser in Deutschland vorstellt, es sind teilweise Hütten aus Holz die mit Lehm verkleidet sind und meistens nur aus einem Raum bestehen. Dort besuchen wir Alte, Kranke und Bedürftige. Wir beten, singen und überreichen häufig noch eine Kleinigkeit.

Jetzt zu meinem weiteren Lerneffekt. Während dieser Rundgänge sah ich bereits viele verschiedene Menschen und bin immer wieder überrascht, wie viel Großzügigkeit und Lebensfreude in diesen Menschen steckt. Sie haben meiner Meinung nach kaum einen hohen Lebensstandart, arbeiten häufig noch bis ins hohe Alter auf ihren Feldern, haben mehrere Kinder zu versorgen und haben trotzdem noch ein Lächeln im Gesicht. Daraus habe ich gelernt häufiger einfach mal dankbar und glücklich über die Dinge zu sein, die ich habe. Ich werde mich nie wieder (okay vielleicht nicht mehr so häufig) über eine kalte Dusche beschweren, ich habe ja wenigstens Wasser und muss kein Wasser aus einem Bach schöpfen. Ich habe ein Dach überm Kopf und muss keine Angst haben, dass dieses bei Regen vielleicht auseinander fällt, ich muss nach der Arbeit nicht noch aufs Feld und mir mein Essen selber ernten oder schlachten. Ich habe es wirklich gut hier!

Genauso geht es mir auch auf den Waisenkindertreffen einmal in der Woche. Die Kinder haben keine Familie sondern nur sich selbst. Natürlich wird versucht diesen Kindern zu helfen, aber die Liebe der Eltern kann man meiner Ansicht nach einfach nicht ersetzen. Trotzdem haben die Kinder häufig ein Lächeln im Gesicht und können sich an kleinen Dingen begeistern. Wir singen gemeinsam und es macht sie glücklich. Kein IPad oder Smartphone, kein Fernseher oder Pc, nein einfach nur sie selber. Das finde ich so unglaublich. Natürlich weiß ich auch, dass diese Kinder bestimmt kein einfaches Leben haben, aber sie versuchen trotzdem das Beste daraus zu machen.
Und dann kommen mir meine Probleme wieder unglaublich klein vor…

Ich bin sehr gespannt, was ich noch alles lernen werde und wie mich die noch kommenden Monate prägen werde. Ich bin auf jeden Fall sehr dankbar diese Möglichkeit zu haben.

Was ich noch so gelernt habe und was meine anderen Arbeitsbereiche sind, erfahrt ihr im nächsten Blogeintrag.

Tutaonana baadaye.

Und plötzlich weißt du: Es ist Zeit etwas Neues zu beginnen und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.

Jetzt auch mal ein Karibu sana von mir aus Tanzania. Mittlerweile bin ich bereits eineinhalb Monate hier. In dem Land über das ich, bevor ich mich mit dem Thema Freiwilligendienst ernsthaft auseinandergesetzt habe, nicht wirklich viel wusste. Ja irgendwo in Afrika, mit einem recht bekannten Berg oder so ähnlich. Und jetzt bin ich hier.

Natürlich kann ich jetzt noch nicht behaupten ich kenne Tanzania und das werde ich auch am Ende meines Freiwilligendienstes nicht behaupten können. Viel mehr werde ich einige Seiten und Facetten kennenlernen. Aber ich weiß jetzt schon du bist anders, als die Länder die ich bereits gesehen habe. Aber wo fange ich da am Besten an. Beim Essen, den Menschen, der Infrastruktur oder doch bei der Sprache? Am Besten einfach von Beginn an…

Mein großes Abenteuer begann am 12. September, an dem Tag als ich das erste Mal in meinem Leben ein Flugzeug betrat. Ja ich bin vorher noch nie geflogen, somit versetzte das meinem ökologischen Fußabdruck, den ersten größeren Dämpfer… Am Abend um 22:00 Uhr landete ich dann in Dar es salaam und als ich aus dem Flughafen trat, begrüßte mich eine schwüle Wärme, die noch auf den ereignisreichen Tag, der mir vorausgegangen war, schließen ließ. Tanzania du riechst nach Abenteuer.

Die erste Nacht auf dem mir noch unbekannten Kontinent verbrachte ich in einer Unterkunft etwas außerhalb des Zentrums, da es leider schon dunkel war, ließ sich nur erahnen, wie alles am Tag aussehen würde.

Am nächsten Tag ging es für mich schon früh weiter, da ich am Abend vorher noch gefragt hatte, wann und wo der nächste Bus nach Morogoro zu meinem Sprachkurs abfährt, konnte ich rechtzeitig meinen Wecker stellen.  Zum Glück wurde ich zum riesen Busbahnhof nach Ubongo noch gebracht und auch das Ticket wurde für mich gekauft, ansonsten wäre ich wohl ziemlich aufgeschmissen gewesen, in welchen von den vielen Bussen ich jetzt einsteigen muss. Dann habe ich noch zwei Busbegleitern (Conducter) Bescheid gesagt, dass ich am Junior Seminary in Morogoro aussteigen muss.

Die Fahrt verging dann auch wie im Flug, da es von der Landschaft so viel zu sehen gab und ich noch nicht wirklich realisiert habe, dass ich jetzt wirklich hier bin (Kleiner Spoiler: Das habe ich bis jetzt noch nicht). Aber als ich dann plötzlich das Schild mit der Aufschrift Junior Seminary an mir vorbeiziehen sah, war Schluss mit der Träumerei!

Nach diesem kurzen Schockmoment bin ich gleich zum Busfahrer und habe versucht zu erklären, dass ich doch aussteigen wollte. Was natürlich schwierig ist, wenn der gegenüber nur gebrochenes Englisch spricht und mir mein Kisuaheli Sprachkurs noch bevor steht. Das Ende der Geschichte lautet: Ja, er hatte mich vergessen! Jedoch hielt er daraufhin an und deutete mir auszusteigen, dort empfingen mich gleich mehrere Bodaboda (Motorrad) Fahrer, die alle wollten das ich doch bei ihnen mitfahren sollte. Ich versuchte verzweifelt klar zu machen, dass ich ja noch meine beiden Gepäckstücke hatte, was aber in dem Gerangel um meine Person etwas unterging. Als der Busfahrer dann einem der Fahrer Geld in die Hand drückte und mein Gepäck auslud, hieß es für mich dann Bodaboda fahren im Linksverkehr…Wie war das noch gleich auf den ganzen Seminaren? Denkt an eure Sicherheit, macht keine leichtsinnigen Aktionen mit? Super, das hat ja schonmal sehr gut funktioniert…Aber was soll ich machen, ohne Sim-Karte für ein Taxi, geschweige denn Geld in der Landeswährung. Ich kann nur sagen: „Nicht nachmachen!“

Aber ich bin sicher angekommen und die erste Herausforderung liegt also bereits hinter mir. Der Sprachkurs verlief dann sehr schön, es gab eine Wanderung, ein Besuch auf dem Massaii Markt, einen kürzeren Haarschnitt, viele neue Begegnungen sowie die Zertifikatvergabe am Ende der Woche.

Das nächste Mal berichte ich, wie ich mich hier in Tanzania bereits eingelebt habe. Bis dahin freue ich mich über Rückmeldungen.

Kwa heri!