Das Zwischenseminar

Mein Zwischenseminar fand vom 02.02. bis zum 07.02. in Johannesburg statt. Ich bin von Kapstadt aus geflogen, was nur rund 1,5 Stunden dauerte. Leider sind die Südafrika-Freiwilligen vom ZMÖ nicht Teil des Seminars der anderen Afrika-Freiwilligen die vom ZMÖ entsandt wurden. Stattdessen war ich Teil des Zwischenseminars des ELM, also des Evangelisch-Lutherischen Missionswerks. Das hatte zur Folge, dass ich meinen Freiwilligendienst mit anderen Freiwilligen aus Südafrika, aber auch aus Namibia, Eswatini und Lesotho reflektieren konnte.

Das Seminar war sehr interessant und abwechslungsreich. Neben den üblichen Gruppenarbeiten und Präsentationen gab es auch einige Gäste, die sehr spannende Vorträge gehalten haben. Besonders faszinierend war der Nachmittag, an dem eine Frau zu uns kam, die während der Apartheid aufgewachsen ist. Es war extrem spannend, aber auch traurig, wirklich von einem Zeitzeugen die Folgen der Apartheid erklärt zu bekommen. Sie schilderte eindrucksvoll, wie tief die Spaltung der Gesellschaft damals war und welche Auswirkungen dies auf die heutige Gesellschaft hat. Besonders interessant fand ich die Diskussionen über die immer noch bestehenden Ungleichheiten, die auch heute noch in vielen Bereichen des Lebens spürbar sind.

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt war, dass selbst sie als eine schwarze Südafrikanerin, die während der Apartheid lebte, die heutigen Gesetze, die speziell auf die Unterstützung von Schwarzen abzielen, kritisierte. Sie sieht es als unfair an, dass oft Schwarze mehr Unterstützung erhalten als andere Minderheiten, die ebenfalls unter der Apartheid gelitten haben, wie etwa die indische oder farbige Bevölkerung. Diese Sichtweise regte zum Nachdenken über die Komplexität der sozialen Gerechtigkeit auch im heutigen Südafrika an. Auch ein Theaterpädagoge besuchte uns während des Seminars. Seine Perspektiven auf die kulturellen und sozialen Herausforderungen, die durch Theater dargestellt werden können, waren äußerst bereichernd. Er sprach darüber, wie Theater als Medium genutzt werden kann, um gesellschaftliche Missstände zu thematisieren und Menschen zum Nachdenken zu bewegen.

Allerdings muss ich sagen, dass der Austausch mit den anderen Freiwilligen das für mich Interessanteste an diesem Seminar war. Es war beeindruckend zu hören, wie unterschiedlich die Erfahrungen und Herausforderungen der anderen Freiwilligen waren. Manche hatten genau dieselben Probleme wie ich, während andere ganz andere Schwierigkeiten erlebten, über die ich mir vorher keine Gedanken gemacht hatte. Es war faszinierend, die unterschiedlichen Herangehensweisen zu sehen, wie jeder mit seinen eigenen Problemen umgeht und versucht, sie zu bewältigen.

Natürlich gab es auch viel Raum, über positive Erfahrungen zu sprechen – sei es im Freiwilligendienst oder in der Freizeit – und über Reisepläne, die man noch hat oder Ziele, die man im Laufe des Jahres erreichen möchte. Es war eine angenehme Mischung aus ernsten Gesprächen und fröhlichen, persönlichen Austausch.

Ich konnte auf jeden Fall viel für meinen eigenen Freiwilligendienst mitnehmen. Besonders die Gespräche über die Herausforderungen der Arbeit im Ausland und die kulturellen Unterschiede, die man im Alltag immer wieder begegnet, haben mir geholfen. Außerdem war es schön zu sehen, dass man mit vielen Dingen nicht allein ist. Auch wenn die Situationen unterschiedlich sind, so gibt es doch oft ähnliche Probleme und Sorgen, die uns alle verbinden.

Alles in allem war das Zwischenseminar eine wertvolle Erfahrung, die mir nicht nur geholfen hat, meinen eigenen Freiwilligendienst zu reflektieren, sondern auch neue Einsichten in die Geschichte und Gesellschaft Südafrikas gegeben hat. Der Austausch mit anderen Freiwilligen und die bereichernden Vorträge haben das Seminar für mich zu einer unvergesslichen Erfahrung gemacht.

Arbeiten in Kapstadt: Herausforderungen, Reflexionen und Eindrücke

Umgebung

Ich lebe auf der Farm in einer WG mit meiner Mitfreiwilligen Lou. Das Gelände grenzt direkt an den Township Vryground und ist auch nicht weit von Lavenderhill entfernt, wo der Center ist. Der Center ist mit dem Auto nur einige Minuten entfernt, also haben wir auch keine weite Anfahrt, wenn wir den Tag im Center arbeiten. Auf Grund der schlechten Sicherheitslage dürfen wir auch nur mit dem Auto das Gelände verlassen. Das Gelände wir rund um die Uhr von Sicherheitspersonal bewacht und ist mit einem Zaun aus Stacheldraht umgeben. Es hat aber manchmal auch etwas Belustiges, wenn uns zum Beispiel der Uber-Fahrer auslacht, weil er nicht fassen kann, dass er zwei weiße (vermeintliche) Touris in ein Township fährt. Es kommt auch häufig vor das unsere Uberfahrten wieder und wieder abgelehnt werden, weil niemand in unsere Gegend fahren will oder die Fahrer sich mehrmals versichern, dass wir uns auch nicht in der Adresse vertan haben. Die Farm ist aber auch trotz der Lage sehr schön. Es ist ein relativ großes Gelände, auf dem wir uns frei bewegen können. Es beinhaltet sogar ein unter Naturschutz stehenden Teil und einen kleinen See mit vielen Ente und Gänsen.

Gedanken und Reflexion:

Auch wenn es vielleicht in meinen Blogeinträgen bisher so klang, als würde ich Kapstadt sehr genießen, ist dies leider nicht immer so. Die Arbeit an sich macht leider nur selten Spaß, denn auch nach 4 Monaten werden mir und auch meiner Mitfreiwilligen nur wenige Aufgaben anvertraut. Also beinhalten viele Arbeitstage nur Nichtstun und sich langweiligen. Was mich natürlich schon überlegen lässt, warum ich denn eigentlich hier bin. Solche Fragen treiben mich besonders um, wenn mir keine Aufgaben gegeben werden, oder auch, wenn die Aufgaben, die mir gegeben werden, nur wenig Sinn machen. Ein Beispiel ist, dass ich im Agrar-Kurs Berichte von jeder Stunde schreiben soll und mir dabei auch vermittelt wurde, dass das auch eine Art Feedback beinhalten soll, da ich ja vielleicht mit der Perspektive eines Außenstehenden etwas verbessern könnte. Ich baue nun seit fast zwei Monaten immer denselben Kritikpunkt ein, aber auch wenn ich Rückmeldungen auf die Berichte bekomme, wird nie auf meine Kritik eingegangen. Dies alles lässt einen dann natürlich auch reflektieren, wie sinnvoll ist überhaupt ist, hier zu sein. Vor allem wenn das Hauptargument meiner aussendenden Organisation immer war, dass die Organisation vor Ort den inhaltlichen Austausch ja wollen, weil sie nicht finanziell davon profitieren. Hier vor Ort höre ich allerdings durchaus Stimmen, die sagen, dass die NWF abhängig von der finanziellen Unterstützung des ZMÖs sei.

Auch ist die Kommunikation innerhalb der Organisation relativ schlecht. Da wir je nach Projekt, in dem wir innerhalb der NWF arbeiten, einen unterschiedlichen Ansprechpartner haben, macht es die Arbeit relativ schwer, wenn jeder etwas anderes sagt und anscheinend der interne Austausch relativ schlecht ist.  Leider verlassen auch viel nette Arbeitskollegen die NWF, da sie auch das Arbeitsklima nicht sehr angenehm finden. Dies ist sehr schade, da man gerade mit einigen seiner Kollegen warmgeworden ist und nun gerade diese die Stelle verlassen. Der Umgang der Leitung mit den Arbeitnehmern wirft bei mir immer wieder Fragen auf: So habe ich davon gehört, dass eine Kollegin unter Druck gesetzt wurde, sich die Zähne machen zu lassen, weil schlechte Zähne nicht gut für das Image der Organisation seien. Diese schlechten Zähne waren durch eine überstandene Sucherkrankung verursacht, und ich hatte gedacht, dass die NWF eine Organisation sei, die Menschen aus dem Township, wo viele mit Drogenkonsum kämpfen, eine zweite Chance gibt. Ich verstehe also oft das Vorgehen und Strategie der Verantwortlichen nicht und es fällt mir noch schwer, einen Umgang damit zu finden.

Moin Kapstadt

Am 16. August bin ich in Kapstadt angekommen. Es ging vom deutschen Sommer in den windigen südafrikanischen Winter trotzdem konnte ich mich mittlerweile einigermaßen einleben. Obwohl es einige Startschwierigkeiten wie Bettwanzen in der WG und einem frühen Kratzer im Auto vom Einparken gab, fühle ich mich in Kapstadt immer wohler.

Meine Arbeitsstelle

Meine Arbeitsstelle, die New World Foundation, hat zwei wichtige Standorte, in denen ich eingesetzt werde: zum einen den Center wo die Arbeit mit Kindern stattfindet, und zum zweiten die Farm, wo ein Agrar-Kurs angeboten wird. Im Moment bin ich immer abwechseld einen Tag im Center und einen Tag auf der Farm.

Im Center arbeite ich den Vormittag immer in der ECD (Early Childhood Development), das ist der Kindergarten. Dort spiele ich mit den Kindern oder helfe ihnen beim Basteln. Die Kinder bereiten sich im Moment auch auf eine Show vor, die im November stattfinden soll. Dafür lernen sie alle einen Tanz. Und ich bringe meiner Kindergartengruppe auch „alle meine Entchen“ bei, dass sollen Kinder dann bei ihrem Auftritt versuchen zu singen. Da der Tag immer recht durchgetaktet ist, ist es mir am Anfang relativ schwergefallen, mich einzubringen. Außerdem ist es schwierig, die Kinder zu verstehen, weil sie oft eine Mischung aus Afrikaans und Englisch sprechen. Leider haben sich meine Afrikaans-Kenntnisse noch nicht deutlich gebessert, seit ich hier bin. Das plane ich aber noch zu ändern. Am Nachmittag im Center nehmen wir manchmal am „Year beyond“-Programm teil. Dies beinhaltet 25 junge lokale Freiwillige, die Schulkinder unterstützen, die versetzungsgefährdet sind. Die Freiwilligen bringen die Kinder zur Schule, machen Hausbesuche bei den Eltern und geben ihnen Nachhilfe. Außerdem werden die Kinder über Themen wie Drogen oder Umgang mit Notfällen von den Freiwilligen aufgeklärt. Dabei gehe ich mit in die Schulen für die Hausaufgabenhilfe oder einfach für die Bespaßung der Kinder. Manchmal bieten wir auch einfach Unterhaltungsprogramme außerhalb der Schule an für die Kinder, die nicht mehr in die Schule gehen. Außerdem muss ich seit neustem auch einen Computerkurs leiten, der jungen Menschen den Umgang mit Word, Excel oder PowerPoint näherbringen soll. Damit starte ich ab nächster Woche.

Auf der Farm nehmen wir an einem Agrar-Kurs Teil. Dieser bringt Leuten aus der Umgebung den Umgang mit Anbauen, Ernten und Verkauf von Gemüse bei und ist auch mit einer Zertifizierung verbunden. Der Kurs hat mit relativ viel Theorie begonnen, ist aber nun auch praktisch und die ersten Setzlinge wurden eingepflanzt. Der Kurs soll drei Monate lang dauern und dabei neben landwirtschaftlichen Fähigkeiten auch den Umgang mit Computern und wirtschaftliches Denken fördern. 

Die Gewalt

Was mich wirklich in den ersten Monaten nach meiner Ankunft beschäftigt hat, ist die Gewalt hier. Es ist erschreckend, wie viel Gewalt man hier miterlebt, oder vor allem, wie normal es hier für die meisten Anwohner geworden ist. An das Geräusch von Schüssen zum Beispiel hat man sich schon langsam gewöhnt. Aber vor allem welche Geschichten man hier hört, ist erschreckend – besonders, mit welcher Leichtigkeit diese erwähnt werden. So wird zum Beispiel im Nebensatz berichtet, dass vor ein paar Tagen eine Frau erschossen wurde, die nichts mit Kriminalität zu tun hatte, sondern von den Angreifern verwechselt wurde. Vor allem hat mich die Geschichte einer Arbeitskollegin entsetzt, die kaum älter ist als ich. Sie erzählte, dass sie vor ein paar Jahren gesehen hat, wie eine komplette Familie vor ihr erschossen wurden. Sie schilderte auch, dass die Kinder sehr viel Angst hatten. Was mich noch mehr geschockt hat als die Geschichte an sich, war mit welcher Kühle sie dieses so schreckliche Erlebnis erzählte. Es ist erschreckend sich vorzustellen, was eine Person hier schon alles an Gewalt erlebt haben muss, damit eine solches Erlebnis gar nicht mehr nahe geht.

Aber der Höhepunkt für mich war, als wir einmal im Rahmen des „Year beyond“-Programm unterwegs waren. Wir sind in die Community gegangen, um eines der Spaßprogramme für die Kinder anzubieten, die nicht mehr in die Schule gehen. Als wir dann dort auf einem Parkplatz saßen und mit ein paar Kindern spielten, kamen mehrere Personen über die Straße gelaufen. Plötzlich warnte uns einer der lokalen Freiwilligen, unser Handy wegzutun, und dann hieß es, wir sollen rennen und alle liefen weg. Später wurde uns erklärt, dass diese Leute so gelaufen seien, als würden sie Waffen tragen, und wahrscheinlich nach jemanden gesucht hätten. Zum Glück kam es aber nicht dazu, dass geschossen wurde. Und wieder fand ich es besonders befremdlich, mit welcher Leichtigkeit alle reagiert haben: Die lokalen Freiwilligen rannten zwar weg, fingen aber dabei an zu lachen, weil einer ihrer Freunde dabei ausgerutscht war. Beim Rückblick am Ende der Woche wurde bei den Highlights, die die lokalen Freiwilligen jede Woche sammeln das Ereignis als „the amazing race Ben & Lou“ benannt.

Sicheres Ankommen in Kapstadt?

Am 16. August 2024 sind Ben und ich mit Vorfreude in Kapstadt gelandet. Freundlich wurden wir von dem Fahrer der New World Foundation empfangen und zu unserem Haus für die nächsten 12 Monate gefahren. Nun waren wir also endlich da.

Unser Haus, welches wir uns nur zu zweit teilen, ist auf der Farm der New World Foundation. Die Farm ist von einem großen Sicherheitszaun umzogen und man kommt nur auf die Farm, wenn die Security das Tor für einen öffnet. Somit ist für die Sicherheit auf jeden Fall gesorgt (zumindest auf der Farm). Von der Farm aus können wir auf die Township Lavender Hill gucken und bekommen trotz einem gewissen Abstand viel von hier aus mit. Was alles außerhalb der Farm vor sich geht, sollten wir schnell erfahren…

In unserer ersten Arbeitswoche wurden wir von den „Yebos“ (18-25-Jährige) zu Fuß durch Lavender Hill geführt. Wir haben „home visits“ mit ihnen durchgeführt, wo man zu bestimmen Eltern geht und mit ihnen über Themen, wie zum Beispiel Drogenkonsum oder häusliche Gewalt, spricht. Obwohl es durchaus interessant ist durch die Gegend zu laufen und einen besseren Eindruck von den Lebensbedingungen zu bekommen, habe ich mich nie ganz wohl dabei gefühlt. Letztendlich weiß man nie genau, wie die Bewohner auf zwei Deutsche reagieren. Man weiß nie, wer gerade vielleicht unter seiner Jacke eine Waffe versteckt. Und das haben wir dann direkt an unserem dritten Arbeitstag zu spüren bekommen. 

Nachmittags sind wir mit einer Gruppe von den „Yebos“ in die Community gegangen und haben uns dort an eine Straßenecke gesetzt, um auf Kinder zu warten, die mit uns spielen wollen. Ich hatte gerade noch auf mein Handy nach der Uhrzeit geguckt und auf einmal hat eine von den „Yebos“ (Amy) mir schon zugeflüstert, dass ich schnell mein Handy wegstecken soll. Dies habe ich direkt gemacht, ohne zu wissen, warum. Und auf einmal ging alles superschnell. Amy hat mich an meinem Arm gepackt und mitgerissen. Auf einmal hieß es nur noch „RUN! RUN! RUN!“. Ich bin also direkt aufgesprungen und mitgerannt. Ich wusste, dass irgendwas nicht stimmte, aber konnte die Situation nicht ganz einordnen, da die Yebos zum Teil während des Rennens gelacht haben. Dadurch konnte ich die Situation selbst erstmal nicht so ernst nehmen. Als wir dann bei der Foundation wieder angekommen waren, habe ich nachgefragt, was denn überhaupt passiert war und Amy erzählte mir, dass auf dem Platz, wo wir saßen, Männer mit Waffen gekommen sind und eine Schießerei anfangen wollten. 

Meistens haben diese Leute immer ein direktes „Opfer“, welches sie erschießen wollen. Ihnen ist es in dem Moment dann aber egal, wer sich drum herum befindet und schießen einfach wild herum, um auch Zeugen zu beseitigen. Deswegen ist es wichtig, so schnell wie möglich die Gefahr der Situation zu erkennen und um sein Leben zu laufen. 

Als Ben und ich die Gefahr danach dann erst richtig realisiert haben, mussten wir beide erstmal ordentlich durchatmen. Auch, wenn wir jede Woche inzwischen mehrmals durch Lavender Hill laufen müssen und man zum Teil weiß, wo es gefährlicher ist und wo es eher ruhiger ist, fühlt man sich nach der ersten Erfahrung nie ganz sicher. Trotz der Gewalt, die hier definitiv nicht zu ignorieren ist, lernt man aus Lavender Hill auch sehr aufgeschlossene Menschen kennen, die an einem Kulturaustausch sehr interessiert sind. Die täglichen Schießereien, die man öfter mal abends hört, wenn man in seinem Bett liegt oder auch die erschreckendsten Geschichten, die man von Kollegen oder Mitgliedern erzählt bekommt, gehen einem trotzdem nie aus dem Kopf. 

Die Kinder, die in diesem Township aufwachsen, haben Dinge durchgemacht, die man sich in Deutschland zum Teil gar nicht vorstellen kann. Dinge, die außerhalb von Lavender Hill oft verschwiegen werden. Dinge, die hier leider als normal und alltäglich angesehen werden. 

Somit ist es mir umso wichtiger, den Kindern morgens im Kindergarten die Liebe zu schenken, die sie zum Teil zuhause nicht bekommen. Ich freue mich jeden Tag auf Umarmungen von den Kindern aus meiner Gruppe und bin gespannt, was wohl an dem Tag auf mich zukommen wird.

Totsiens uit Kaapstad

Felix Rohkämper – Der letzte Blogeintrag

Auszug aus: Felix in Südafrika – Eine Zusammenfassung von Blogeinträgen aus dem Freiwilligendienst
Für mehr Geschichten, lest weiter auf: https://www.tumblr.com/blog/flix-r135

Der letzte Blogeintrag

Wie wahrscheinlich einige von euch es schon geahnt haben, bin ich mittlerweile seit einer Woche zurück in Deutschland. Verständlicherweise ploppen da ganz viele Fragen in einem Kopf auf, daher werde ich alles ruhig nach einander beantworten…

Es war der 15.03., an dem ich meine Freundin nach einem wunderschönen zweiwöchigen Urlaub durch Südafrika schweren Herzens zum Flughafen brachte. Es war eine so tolle Zeit und nun sollte ich sie 4 ½ Monate nicht sehen… Dies schein fast unfassbar und so rollte im Endeffekt das ein oder andere Tränchen, als wir verabschiedeten. Die News über das Corona-infizierte Deutschland konnten wir selbst während unseres Urlaubes nicht übersehen oder ausschalten, sodass ich doch sehr gut informiert war über diese doch große Krise. Sei es die Tagesschau-App, Freunde oder Verwandte, irgendwie wusste man stets Bescheid. Am nächsten Morgen saß ich in alter Frische wieder in unserem geräumigen Nissan mit den anderen drei Freiwilligen und wir sprachen über das Coronavirus. „Wusstet ihr schon über Italien Bescheid? Vielleicht müssen wir sogar früher nach Hause?! Ich will aber doch noch nicht gehen. Ach, das wird doch nicht so schlimm“ und vieles mehr wurde auf dieser Autofahrt gesagt. Ich kann mich sogar noch an meine Worte erinnern, dass wir Freiwillige sowieso keine Chance hätten, wenn Deutschland ähnlich wie Kanada etc. die Grenzen schießen würde. Mit einem etwas durchmischten Gefühl, dem Unwissen über unsere Zukunft ging es dann also zurück zur NWF, in der ich meine Arbeitskollegen über zwei Wochen nun nicht mehr gesehen hatte. Was ein schöner Tag, bis wir ein Meeting mit allen Mitgliedern der NWF hatten. Es ging über alles Mögliche, ich hörte zu Beginn mit Spannung zu, bis Ema zu mir rüberkam, mir ihr Handy in die Hand drückte und ich las: „Alle Freiwilligen werden so schnell wie möglich zurück nach Deutschland geholt…“ oder so ähnlich. Mein Herz stockte. Die Blase des Wohlfühlens, in der ich mich zuvor nach befand, platzte. Es fühlte sich alles kalt an, der Raum wurde um mich herum still, ich konnte es einfach nicht fassen. Durch meine Sitznachbarin wurde ich wieder zurück in die Realität geholt, ich ging aus dem Raum heraus und ließ alles erst einmal sacken. Und an dieser Entscheidung, die in dieser Sekunde meine ganze Zukunft veränderte, änderte sich nichts mehr. Meine Chefin versuchte Kontakt mit meiner Entsendeorganisation aufzunehmen, wir telefonierten und schluchzten doch nichts ließ sich machen. Gleich am Nachmittag wurde uns sogar das Abflugdatum mitgeteilt: Samstag, 0:30 Uhr sollte es für mich zurück nach Deutschland gehen. Aber was ist dieses Corona-versiffte Deutschland überhaupt? Möchte ich dahin? Nein, will ich eigentlich nicht, zumindest nicht jetzt… Die Menschen, Kultur, Freude, an die man sich in den vergangenen acht Monaten angepasst hat, sollte nun das Alles auf einen Schlag weg sein? Die traurige Antwort war: „Ja“.

Also was habe ich gemacht, wissend, dass ich noch 5 Tage in diesem wunderschönen Land bleiben würde… feiern? Besaufen? Alles machen, was ich nicht zuvor gemacht habe? Die Antwort sieht leider nicht so spannend aus… Ich habe die letzten Male den wunderschönen Ausblick von unserem Balkon genossen, Touristengeschenke für Familie und Freunde zu kaufen, alles mitzunehmen, was ich noch unbedingt aus Südafrika brauchte, Tschüss zu all den wichtigen Menschen zu sagen, denen man nicht in der NWF über den Weg laufen würde, die Meeresluft am Strand zu inhalieren und alleine „Totsiens“ zu Kapstadt zu sagen. Auch in der NWF gab es noch eine kurzfriste Abschlussfeier (wirklich zauberhaft, mit Reden, Musik und traditionellem Essen), genauso wie mit den Kindern. Ich kann euch sagen, dass einer der schwierigsten Momente darin lag, den Jungs und Mädels, die man zwei Wochen nicht gesehen hatte und die sich nun riesig auf einen gefreut hatten, sagen zu müssen, dass dies nun die letzte Woche von mir wäre. Einfach nur herzzerbrechend… Schneller als geahnt und gewollt kam es dann also zum Freitag, an dem ich mich zum Flughafen aufmachen würde. Alles ging so schnell und dann saß ich auch schon im ersten Flieger nach Amsterdam, unwissend, wie ich mich jetzt gerade fühlen sollte. Mein Flug vor dort nach Düsseldorf ging dann leider erst 9h später, doch kam ich dann spät abends gesund in Düsseldorf an. Und wow, es ist alles viel zu normal…

Aber erstmal die Frage, wieso musste ich jetzt eigentlich zurück?

Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, welches auch „weltwärts“ gegründet hat, entschloss sich dazu, alle Freiwilligen zurückzuholen. 1.) Die exponentielle Ausbreitung von Corona wird unkontrolliert in vielen ärmeren Ländern fortfahren und man kann so den guten Gesundheitsstatus der Freiwilligen nicht garantieren. 2.) Wir haben alle Visa, die nur bis zu einem bestimmten Tag gültig sind, sodass wir dann als illegale Zivilisten in Südafrika gefangen wären. (oder so ähnlich…)

Es war absehbar, aber warum so früh? Einfach nur unfair… und somit kommen wir zur letzten großen Frage, die sich viele von euch gestellt haben/ haben werden. Felix, wie geht es dir?

So einfach und gewöhnlich die Frage normalerweise ist, so schwierig ist es auch momentan diese zu beantworten. Auf der einen Seite bin ich natürlich glücklich ich bin zurück bei meinen Eltern, bei meiner Freundin und meinen guten, alten Freunden. Obwohl dieses Deutschland mit Corona etwas verlassen und kaltherzig scheint, so ist es doch auch meine Heimat und ein Platz an dem ich mich wohlfühle. Vor allem aufgrund der nun in Südafrika umgesetzten Ausgangssperre, die nun drei Wochen andauert, bin ich sehr glücklich, die Zeit in Deutschland und nicht in Südafrika abzusitzen.

Auf der anderen Seite bin ich unfassbar traurig. Ich wurde innerhalb von 5 Tagen aus dem mir bekannten Leben herausgerissen. Ich konnte nicht angemessen „Tschüss“ sagen, hatte kaum Zeit emotional die ganze Situation zu erfassen. Kinder, mit denen ich tagtäglich zu schaffen hatte, sollten nun einfach aus meinem Leben verbannt werden. Das alles erstmal zu verstehen, war wirklich nicht einfach und ich brauchte dafür meine Zeit. Wieso musste all dies genau in diesem Jahr passieren…

So ärgerlich das Ganze jetzt auch ist, ich bin so unfassbar froh dieses Jahr angetreten zu haben. Ich bin mir sicher, dass ich in keiner Universität der Welt so viel über das Leben hätte lernen können wie in diesen acht Monaten. Ich bin einfach nur dankbar für diese Möglichkeit, für die vielen tollen Menschen, die ich kennengelernt habe und für die Erfahrungen und Fehler, die ich gemacht habe. Danke, Südafrika, NWF, WG-Mitbewohner und so viele mehr. Südafrika hat mir echt die Augen geöffnet. DANKE!

Ich verabschiede mich hiermit auch von euch, ihr, die immer gerne diesen Blog gelesen habt. Vielen Dank für euren positiven Support, die Anreicherungen und die Fürsorglichkeit. Es war mir zwar nicht immer die größte Freude, diesen Blog zu schreiben, doch bin ich nun sehr froh, dies über die letzten 8 Monate getan zu haben.

Vielen Dank für ein viel zu kurzes Jahr!

Liebe Grüße,

Felix aus Deutschland

4ter Quartalsbericht

„Und, wie fühlt es sich an jetzt wieder „nachhause“ fahren zu müssen?“
Diese frage wurde meinen Mitbewohnern und mir nun oft, und in vielen verschiedenen Varianten, gestellt. Meine Standardantwort ist: „Naja, ich hatte ja jetzt ein Jahr lang Zeit mich darauf vorzubereiten, die Info kam also nicht überraschend.“ Tatsächlich sind meine Gefühle gegenüber der Rückreise sehr ausgeglichen. Auf der einen Seite bin ich sehr traurig mein Projekt und die vielen Menschen, mit denen ich eine Bindung aufgebaut habe, auf einen zunächst unbekannten Zeitraum, zurück zu lassen. Andererseits freue ich mich sehr auf all die alten Gesichter, Freunde und Familie. Zu dem kann ich kaum erwarten meinen nächsten Lebensabschnitt zu beginnen, der mit dem Start meiner Ausbildung zum Tischler anfängt. Also gespaltene Gefühle über den Abschied und das Hallo. Vorerst freue ich mich auf den Flug. 🙂

Vulingqondo

Dem berühmtesten Mann Südafrikas zu Ehren, findet jährlich an seinem Geburtstag, dem 18. Juli, der internationale Mandela-Day statt. 67 Jahre seines Lebens hat Nelson Mandela den Zielen einer humanen, gerechten und freien Gesellschaft in Südafrika gewidmet. Um dies zu würdigen werden alle Menschen dazu aufrufen 67 Minuten eben diesen Zielen nachzueifern. Also entstehen im Zusammenhang des Mandela-Days viele Wohltätigkeitsprojekte, von denen unteranderem Einrichtungen wie die Vulingqondo-Preschool profitieren.

Zwei Firmen haben eine Spendenaktion für uns gestartet. Froggys, ein Schuhhersteller und Nando’s, eine Fastfoodkette aus Südafrika waren beide für jeweils einen Vormittag zu besuch und haben für die Kinder einen Fun-Day veranstaltet. Es gab viele kleine Spiele, Lieder und Spaß. Beide Firmen haben auch das Mittagessen für den Tag vorbereitet, den Kindern haben die Chicken-Streifen mit Pommes von Nando’s am Besten gefallen. Abschließend hat jedes der Kinder ein Geschenk erhalten. Freudestrahlend haben sie die neuen Rucksäcke, Malhefte, Brotdosen und vor allem unzählige Süßigkeiten entgegengenommen.

Aus meiner Perspektive waren diese beiden Tage eine hervorragende Abwechslung für die Kinder zum Alltag. Sie haben den ganzen Tag glücklich getobt und die

Aufmerksamkeit von so vielen Menschen genossen. Schade finde ich, dass für eine gute Tat so unglaublich viel Müll entstanden ist. Jedes Essen war einzeln verpackt. Das meiste Plastik ist bei uns im Projekt bereits in den Mülleimer gewandert. Diese n Verpackungsanteil hätte man sich also sparen können. Ich bin allerdings persönlich bereit hier ein Auge zu zudrücken, da der Soziale Gedanke im Mittelpunkt steht. Ich würde mir allerdings wünschen, dass auch der Umweltaspekt im Zuge solcher „Wohltätigkeitstage“ in Zukunft zusätzlich Thematisiert wird um ein generelles Bewusstsein zu erschaffen.

Weitere Unterstützung von außen haben wir innerhalb der letzten Monate vor allem von Studenten erhalten. Zu dieser Zeit des Jahres müssen studierende im Bereich Erziehung ihre „practicals“ machen, also praktische Erfahrungen sammeln. Ihre Aufgabe ist es in Kleingruppen für einen Tag in einem Kindergarten oder einer Vorschule freiwillige Arbeit zu leisten. Da sich eine kleine Universität in unmittelbarer Nähe zur Vulingqondo-Preschool befindet, kamen in letzter sehr viele helfende Hände zu uns.

Neben dem Schnuppern im Unterricht haben mir einige der Studentengruppen beim Umzug eines Klassenraumes geholfen. Kommende Wochen sollen die Bauarbeiten beginnen. Für den neuen Klassenraum werden Fenster, sowie ein WC und Waschbecken neu gebaut. Zusätzlich erhält das Büro Fenster und ein Waschbecken, damit dieser Raum in Zukunft auch als „Krankenzimmer“ genutzt werden kann. All diese Um- und Neubauten sind notwendig um die Schule anders Registrieren zu können, damit das Vulingqondoprojekt staatlich finanzielle Unterstützung erhalten kann. Hoffentlich gehen die Umbauten, sowie die Registrierung schnell von der Bühne. Das würde den Fortbestand dieses Projektes für einen deutlich längeren Zeitraum versichern, da es bis heute nur durch einen kleinen Teil Schulgebühren und hauptsächlich Spendengeldern aufrecht erhalten wird.

Yvonne, eine meiner Kolleginnen ist zwei Tage vor meinem Abschied aus dem Mutterschutz zurückgekommen. Ich bin sehr froh, dass sich unsere Arbeitszeit zum Ende nochmal kurz überschnitten hat, so konnte ich mich von allen Menschen in meinem Projekt gut und persönlich Verabschieden. Meinen Abschied haben wir mit allen Kollegen und dem Management mit einem langen Mittagessen gefeiert. Unser Hausmeister Rafael hat letztes Jahr noch in einem großen Restaurant Durban gearbeitet. Das haben wir uns zu Nutze gemacht und uns von ihm bekochen lassen. Zur großen Freude einzelner gab es zur Abwechslung nicht Hühnchen, Kürbis, Spinat und Chakalaka sondern selbstgemachte Pizza.

Zm Abschied habe ich allen ein Gruppenfoto von uns geschenkt und hatte einen guten Rahmen mich angemessen zu bedenken und verabschieden, da alle anwesend waren. Ein paar tränen der Rührung sind geflossen. Eines Tages komme ich aber zurück. Ich bin gespannt wen ich dann alles an der Vulingqondo-Preschool antreffen werde und wie sie sich verändert hat.

Freizeit

In Durban wurden in den letzten Monaten einige open air Festivals veranstaltet. Viele südafrikanische Künstler konnten wir so noch einmal live erleben. Das hat mir sehr viel bedeutet, weil wir in diesem Jahr sehr in die lokale Musik eingetaucht sind. Unter den Künstlern waren beispielsweise Nasty C und Busiswa.

Wie in den vorherigen Berichten erwähnt, haben mein Mitbewohner Nils und ich das Jahr über MMA1 trainiert. Für uns gab es die Option an einem Kampf teilzunehmen. Anders als ich hat Nils diese Möglichkeit wahrgenommen. Eine gute Chance das Trainingsjahr abzurunden. Ich habe mitgefiebert als stünde ich selbst im Ring. Für Amateurkämpfe war unser Gym gut besucht und es herrschte eine fröhliche und lebhafte Stimmung. Meine sportliche Aktivität hat in den letzten Monaten wegen kleiner Reisen im nordöstlichem Teil Südafrikas nachgelassen. Deshalb habe ich auch an diesem Kampf nicht teilgenommen.

Recht spontan hatte ich besuch von meinen Eltern und meinem älterem Bruder. Ich habe mich gefreut ihnen Durban und mein Projekt zeigen zu können. Jetzt ist es für sie einfacher sich unter meinen Erzählungen etwas vorzustellen. Gemeinsam mit meiner Familie bin ich durch die Provinzen Limpopo, Mpumalanga und Kwazulu- Natal gereist. Dabei hatte ich das erste mal in meinem Leben die Möglichkeit viele der afrikanischen Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Wir haben ein paar Tage im Krüger Nationalpark verbracht und sind durch das Hluhluwe Game Reserve gefahren. Bis auf den Leoparden habe ich alle der „Big 5“ zu Gesicht bekommen. Mein Highlight war ein Nashorn-Junges mit seiner Mutter.

Um uns (Meine Mitbewohner und ich) von jedem unserer Freunde gut verabschieden zu können haben wir uns, anstatt einer großen Abschiedsfeier, mit jedem einzeln getroffen und noch ein letztes mal gemeinsam etwas unternommen. So hatten wir unteranderem die Möglichkeit abschließend ein sehr köstliches, hausgemachtes, indisches Curry zu essen, ein gemütliches Lagerfeuer am Strand zu machen, ein letztes mal ins Gym zu fahren und das noch nicht eröffnete Restaurant eines Freundes zu bewundern. Auch an allen Orten die mir wichtig geworden sind war ich dadurch ein letztes mal. Vom Strand und dem warmen indischen Ozean trenne ich mich fast so ungerne wie von meinen Freunden, Kollegen und vor allem den Kindern im Projekt. Ich bin aber hauptsächlich froh und dankbar, dies alles erlebt haben zu dürfen und so viele liebenswerte Menschen getroffen zu haben. Danke an alle Unterstützer, meinen Förderkreis, der dies ermöglicht hat und vor allem dem ZMÖ, das mich wunderbar auf dieses Jahr vorbereitet hat.

1 Mixed martial arts

Work, work, work

20 pubertierende Kinder in einem Raum, Jungs und Mädels im Alter von 9-13 Jahren. Was ich zunächst als Spaß in der ersten Woche empfand, wurde durch das Übernehmen der Kontrolle (die ehemaligen Freiwilligen haben uns letzten Sonntag verlassen) über diese Bengel zum Albtraum. Naja ok, so schlimm war es nicht, aber es wurde zu einer ganz schön großen Aufgabe, die es noch zu meistern gilt. Um unsere vorgesetzte im Aftercare, Aunty Malany, zu zitieren: „Es wird von hier nur noch besser“.

Montags ging es los. Etwas verschlafen, jedoch pünktlich, kamen wir auf der Farm an. Die Farm ist das Hauptorganisationsgebäude der New World Foundation. Dort arbeitet Aunty Vanessa als Sekretärin und Rettungshilfe für alles und organisiert externe Angelegenheiten. Außerdem dient die Farm als Ausbildungsstätte für „Social Workers“ und war bis vor 2 Jahren das Zuhause für die Kapstadt-Freiwilligen. Für uns ging es an jenem Morgen zum Farmshopping, bedeutet, dass wir uns zurückgelassenes Hab und Gut der ehemaligen Freiwilligen aussuchen konnten, um dieses in unsere Wohnungen zu verfrachten. Danach ging es auch schon zur ersten Konferenz mit Aunty Malany, es wurde besprochen, wie man mit den Kindern umgeht, wie man die kommende Woche zu planen habe und wie unsere Einstellung nach den ersten Tagen sei. Anschließend haben wir uns auch hingesetzt, um den ersten Plan aufzustellen. Ich sollte in die Hausaufgabenbetreuung, Ema, Naomi und Johann sollten sich um den Lesetag kümmern. Wie geplant, so gemacht. Wir hatten das Glück, dass an unserem ersten Arbeitstag nicht so viele Kinder erschienen sind. Am Montag war nämlich Eid Mubarak, ein Fest der Muslime, gleichzusetzen mit Weihnachten für die Christen, sodass viele Kinder nicht erschienen sind, da unter anderem die Schule auch früher beendet wurde. So kamen die Kinder, die zu uns kamen, unerwarteterweise 2 Stunden früher, sodass wir uns kurzfristig überlegen mussten, wie wir die kleine Horde beschäftigt hielten. Ein Ball und zwei Tore waren die Antwort, da Fußball von fast jedem der hier ansässigen Kinder geliebt wird. Pünktlich um 15:00 Uhr begann dann das Nachmittagsprogramm. Erst ein lautes „Circle-up“, damit sich alle Kinder im Kreis versammeln, danach eine kurze Einweisung in den heutigen Tag und die klassische Vorstellungsrunde (What’s your name? How’s your day so far? What’s your favourite animal? (oder andere kreative Fragen)). Vor dem Mittagessen wird dann noch kurz gebetet: „Thank you lord, fort he food, bless the food, Amen“ und dann geht es schon mit dem Nachmittagsprogramm los. Ich habe mir erstmal die Kinder für die Hausaufgabenbetreuung geschnappt, glücklicherweise nur zwei Mädchen an diesem Tag und habe mit ihnen eine Geschichte über einen „Prince ans his mysterious pet“ geschrieben. Besser hätte wohl der erste Tag nicht laufen können, allerdings gab es da ein kleines Problemchen. Wenn der erste Tag gut läuft, nimmt man auch an, dass der zweite Tag gut läuft. Leider eine falsche Einstellung unsererseits…

Aussicht aus unserem Zimmer, selbst bei Wolken traumhaft

Am Dienstagmorgen ging es das erste Mal für uns in die Educare. Die Educare ist der Kindergarten der New World Foundation und da ich mir das Ziel gesetzt habe, Afrikaans zu lernen, bin ich zu den 2-3-Jährigen gegangen, die Englisch und Afrikaans sprechen. Und wow, die haben vielleicht eine Energie. Egal wie oft man sagt, dass sie etwa loslassen sollen oder andere mitspielen lassen sollen, es nützt fast nie. Die Aufmerksamkeit der Kinder zu bekommen war jedoch noch schwieriger, egal was man machte, die Kinder waren abgelenkt und taten was auch immer sie wollten. Glücklicherweise hatte ich Teacher Naema den größten Teil der Zeit bei mir, sodass ich so ein kleines kleines bisschen Autorität erlangen konnte. Trotz alledem: Die Kinder sind unglaublich süß und ich freue mich sehr darauf auch in Zukunft mit ihnen zusammenzuarbeiten. Nachmittags war „Arts-and-Crafts“-Day, der Johann-Tag könnte man sagen, da er als einziger von uns künstlerisch talentiert ist. Leider hatte er sein Programm nicht ganz überdacht gehabt. Seine Idee sah wie folgend aus:
Die Hälfte der Kinder setzt sich in einen Stuhlkreis, in welchem die Rücken nach innen zeigen. Vor jedes dieser Kinder setzt sich nun ein anderes Kind und versucht das stillsitzende Kind zu porträtieren. Nach 30 Sekunden schellt ein Timer, dann müssen die zeichnenden Kinder aufstehen, dass Blatt liegen lassen und zum Stuhl rechts von ihnen gehen und das angefangene Portrait weitermalen.
Es kam zu den folgenden Problemen:
Die hälfte der Kinder hatte nichts zu tun, konnten daher auch nicht still sitzen. Leider waren nur 2-3 Kinder wirklich begabt im Zeichnen, sodass die Motivation schnell nach sich suchen ließ. Das Aufstehen und sich auf einen Platz setzen dauerte bei weitem länger als angenommen und leider hatten die Kinder zunächst keine Zeichenunterlagen, sodass wir noch Tische aufstellen mussten usw.
Der Tag lief daher unfassbar stressig zu und war uns eine Lehre, da wir nun unser Programm etwas detaillierter planen müssen.

Mittwochs ist das Thema „Educational Games“. Diesem haben Ema und ich mich gewidmet und hatten morgens schon einen guten Plan, wie dieser Tag aussehen solle. Danach ging es wieder runter in die Educare, in der mir die süßeste Frage gestellt wurde: „Do you have peanut butter on top of your head?”, wirklich zuckersüß. Glücklicherweise habe ich eine Möglichkeit gefunden gehabt, die Kinder zu ermüden, ohne selbst dabei Opfer des Spiels zu werden. Ähnlich wie bei Hunden, durften sich die Kinder einen Ball aussuchen, welchen ich dann quer durch den Raum geworfen habe, sodass sie den Ball erst finden und dann zurückbringen mussten. Leider hatten wir nicht genügend Bälle, sodass manche Kinder den Ball der anderen Kinder stahlen, sodass immer wieder Konflikte entstanden. Trotz alledem nicht die schlechteste Idee meinerseits, wie ich finde, kann allerdings noch optimiert werden. Das schönste an jedem Tag ist und bleibt die Zeit von 12:00 Uhr – 12:30 Uhr. Der Mittagsschlaf. Morgens und nachmittags ist man in einer permanent lauten Umgebung. Die kleinen Kinder sowie auch die Großen sind nämlich so energiegeladen, dass sie die ganze Zeit reden oder schreien, so ist die Zeit des Mittagsschlafes, in der absolute Ruhe herrscht, jeden Tag ein großes Geschenk.
Ab 15:00 Uhr ging dann unser offizielles Programm los. Unser Plan war es zunächst „Musical Chairs“ zu spielen (Reise nach Jerusalem). In der Theorie ein sehr schönes Spiel zum warm werden, jedoch hätten wir uns denken können, dass die meisten Kinder dabei nicht auf andere Kinder achten, so kam es sehr früh schon zum ersten verletzten Kind. Danach wollten wir, dass die Kinder sich in einer Reihe auf die Stühle stellen und sich nach ihren Anfangsbuchstaben sortieren. Leider wussten die Kinder zum Teil nicht, mit welchem Buchstaben ihre Vornamen begannen und hatten sonst auch wenig Lust, Initiative zu ergreifen, um eine sortierte Reihe zu erstellen. Schließlich haben wir noch Sitzfußball gespielt (normales Fußball, einzige Regeländerung, dass die Kinder den Boden die ganze Zeit mit dem Gesäß berühren müssen. Leider wurde diese Regel sehr stark vernachlässigt, sodass wir diesen Kindern immer wieder eine Minute Auszeit gegeben haben. Dies war allerdings kein Ansporn für die Kinder, besagte Regeln ernster zu nehmen, es führte leider eher dazu, dass ihre Laune jedes Mal verschlechtert wurde, wenn sie eine Minute Auszeit nehmen mussten. Zwar hatten wir die Kinder ehr unter Kontrolle, ein wirklicher Fortschritt war es noch nicht.

Doch dann kam der Donnerstag. Nach einer Konferenz am Morgen war nachmittags der BoysClub. Durch eine Vorstellungsrunde haben wir die Jungs besser kennengelernt, haben Erwartungen notiert, Regeln festgelegt und ein neues Bestrafungssystem eingeführt (ja, leider bewirken Bestrafungen hier mehr als Belohnungen). Und das beste daran: es war wirklich still die ganze Zeit, die Jungs waren konzentriert und kompromissbereit. Vielleicht lag es an dem Satz, dass wir Fußball spielen würden, sobald sie fertig sind, vielleicht auch daran, dass mein Laptop vorne stand und den Plan für die heutige Stunde anzeigte. Zusammengefasst war es der für uns produktivste Tag und waren danach echt stolz auf uns (auch Aunty Malany ?).

Mein Freitag würde sich am besten durch ein schlafendes Emoji beschreiben lassen, da es unser erstes Stuff Meeting war. Man könnte es mit einer Doppelstunde Geschichte vergleichen, die nicht klausurrelevant ist. Nachmittags wäre der Tag für die Seniors gewesen, allerdings hatten die schon am Vortag so genial mitgearbeitet, sodass sie die Zeit für sich einteilen durften.

Das war in etwa meine erste richtige Arbeitswoche in der New World Foundation. Ich werde sicherlich in der kommenden Zeit einzelne Aspekte wie „Circle-Up“ oder das Essen genauer hervorheben. Ich hoffe, dass euch der Blogeintrag gefällt. Schreibt mir doch ein paar Rückmeldung oder Fragen, dann antworte ich euch gerne.

Liebe Grüße

Felix aus Kapstadt

Capetown at its best

„Goie middag, how gaan dit met jou?, Waat bedeken dit?“ Für mich einst unverständlich Sätze sind für mich hier in Kapstadt zum Grundvokabular geworden. Ohne Kommunikation kommt man halt in einem fremden Land nicht weit, daher sind Johann (mein Mitbewohner) und ich stets bemüht neue Wörter auf der Landessprache „Afrikaans“ aufzufassen. Abhängig von der Tageszeit grüßt man die vorbeigehenden Personen mit „Goie more, middag, oder nag“ und sollte man auf den kurzen, oft erwünschten Small Talk eingehen, so fragt man mit der Frage „how gaan dit met jou?“ nach dem Wohlergehen. Sollten wir beiden Sprachenkünstler aus unverständlichen Gründen eines der uns genannten Wörter nicht verstehen, so wechselt man entweder kurz ins Englische oder fragt „Wat bedeken dit?“, um das Fremdvokabular zu erfragen. Natürlich will ich euch nicht mit Afrikaansphrasen voll quatschen, daher beginnen wir mal mit dem Wesentlichen, meiner ersten Woche in Muizenberg und in der New World Foundation in Lavender Hill.

Muizenberg by night

Fußball, Fußball, Fußball. Glücklicherweise bin ich seit meinem 6. Lebensjahr im Fußballverein gewesen und habe in elf Jahren Fußballtraining vieles mitgenommen. Als ich nämlich das erste Mal in unser kleines „Office“ in der NWF (New World Foundation) kam, wurde ich direkt nach meinem Lieblingsfußballverein ausgefragt und keine halbe Stunde später ging es mit den Local volunteers (Freiwillige aus dem Township Lavender Hill, die zusätzliche Arbeitsqualifikationen brauchen, um sich für Jobs zu bewerben) auf den kleinen Indoor-Fußballplatz und wurde zu sechst erstmal eine Runde gekickt. Und eines kann ich sagen, die Südafrikaner sind keinesfalls untalentiert, zwar eher im offensiven qualifiziert, trotzdem macht es einen Riesenspaß mit ihnen Fußball zu spielen. Auch die kleinen Jungs und Mädels sind absolut fasziniert für den Sport, daher stelle ich mich schonmal darauf ein, in den nächsten Monaten eine Fußball-AG aufzumachen.

Aber was ist denn überhaupt die New World Foundation?

Die New World Foundation ist eine Organisation im Herzen des Townships (Slums) Lavender Hill. In diesem leben viele Menschen, die tagtäglich mit der absoluten Armut konfrontiert werden, sodass ihr Leben oftmals nur ein Überleben ist. Um diese Situation zu verbessern, wurde die New World Foundation gegründet. Diese Organisation versucht das Leben der Bewohner Lavender Hills durch die individuelle Hilfe in den Bereichen „Education for Work“, „Safe learning spaces & social cohesion“ und „Conflict resolution & Mediation“ zu verbessern. Wir vier Freiwilligen haben glücklicherweise die Möglichkeit, vormittags ein Programm auszusuchen, in welchem wir helfen möchten. Die Educare oder das IT-Programm sprechen mich bisher besonders an. Nachmittags sind wir allerdings fest im Aftercare Programm verplant und dürfen uns mit den 9-18-jährigen „Kindern“ herumschlagen. Jeder Tag untersteht hierbei einem anderen Thema. Morgens ist der Lesetag, Dienstags geht es um „Arts and Crafts“, Mittwochs geht es um „educational games“ (der Tag, an dem ich meine Fußball-AG anbieten darf), Donnerstags ist der BoysClub (Aufklärungsarbeit mit pubertierenden Jugendlichen, ich werde mich freuen) und Freitag macht man irgendwas mit den Seniors, also den 14-18-Jährigen. Mittags gibt es immer ein leckeres Gericht von Auntie Betty, damit wir in der Woche auch nicht verhungern.

Die Stimmung in der New World Fundation ist wirklich herzlich, man begrüßt sich, quatscht immer wieder ein bisschen und jeder hat Zeit um kurz zu helfen. Bisher fühle ich mich hier richtig Wohl und bin gespannt, wie die nächste Woche wird, wenn die ehemaligen Freiwilligen nicht mehr da sind, um für Ruhe und den nötigen Respekt zu sorgen. Ich werde euch aber gerne auf dem Laufenden darüber halten ?.

Wir müssen ca. 40 Stunden pro Woche arbeiten, das heißt, dass wir genügend Freizeit haben, um Kapstadt zu besichtigen. Und wir haben hier schon einiges gemacht. Oftmals wurden wir schon von Marius (unserem Mentor) zum Essen eingeladen und konnten so eine traditionelle, südafrikanische Gemüsesuppe und ein traditionelles Curry probieren. Wir saßen die letzte Woche zweimal im gemütlichen Wohnzimmer, haben ein Gläschen Spier Wein getrunken, und über Gott, die Welt und Kapstadt geplaudert.

Wer schonmal in der südlichsten Stadt Afrikas war, dem wird sicherlich die traumhafte Natur aufgefallen sein. Egal von welchem Punkt Kapstadts man in den Horizont guckt, man sieht entweder den traumhaften Ozean oder die atemberaubenden Berge. Daher sind wir schon zweimal zum Strand gegangen, haben einen Parc Run (samstags um 8:00 Uhr, in Ländern weltweit) inmitten Muizenbergs absolviert und haben direkt danach einen der Muizenberge bestiegen. Die Aussicht war wirklich unfassbar, man konnte ganz Kapstadt überblicken und konnte aus einer neuen Perspektive einen neuen Überblick gewinnen.

Muizenberg Mountains traumhafte Aussicht
Felix, Jan, Naomi, Leonie, Johann (v.l.) nach unserem ersten erfolgreichen Parc Run

Downtown an sich haben wir sogar auch schon echt gut kennengelernt. Am Freitag war ja der Weltfrauentag, hier in Südafrika ein offizieller Feiertag, deshalb mussten wir nicht zur New World Foundation, zumindest nicht arbeiten. In Kapstadt gibt es nämlich jährlich eine Demonstration zum Gedenken an die erreichten Frauenrechte sowie an die missliche Lage von Frauen überall auf der Welt. So ging es morgens um 7:00 Uhr trotzdem zur NWF und waren entgegen unseren Erwartungen die einzigen am Treffpunkt. Das Zeitgefühl der Südafrikaner entspricht nämlich nicht ganz dem deutschen (pünktlichen) Zeitgefühl. So kann es durchaus passieren, dass ein Südafrikaner das Wort „now“ (=jetzt) benutzt und dann trotzdem erst in 2-3 Stunden wiederkommt. Das Fehlen der Mitdemonstrierenden hat Auntie Shiela keinesfalls aufgehalten, da sie uns direkt herumkommandierte, sodass wir die am Vortag mühsam geschmierten Lunchpakete zu den Bussen tragen mussten. In Kapstadt City sind wir dann gegen 8:30 Uhr angekommen, genauer gesagt im Castle of Good Hope. Dies ist eine Burg, die von den Niederländern gebaut wurde und einerseits zur Herberge für die Adeligen und andererseits als Kontor benutzt wurde. In diesem haben wir uns mit gut 1000 weiteren Demonstrierenden getroffen und sind danach über die Straßen Kapstadts bis zum Artscape (Theater/Kino) gegangen. Auf dem Weg haben wir viele neue Ecken von Kapstadt kennengelernt und freuen uns nun umso mehr, die Stadt im nächsten Jahr zu erkunden.

Local Volunteers und ich im Castle of Good Hope

Im Artscape ging das Programm erst richtig los. Zu Beginn präsentierte die NWF ihr neues Buch zur Suchtprävention, durchaus interessant, jedoch wurde es danach erst temperamentvoller und emotionaler. Eine isizulu Opernsängerin (also eine Sprache mit „Klack“-Lauten) hat durch ihre Ballade jeden einzelnen im Artscape in Ekstase versetzt, danach kamen verschiedene Tanzgruppen, welche durch ihre temperamentvollen Choreographien die Zuschauer in ihren Bann zog. Ein wirklich unvergesslicher Nachmittag, an dem wir viel über die südafrikanische Kultur gelernt haben!

Am Ende des Programms wurden alle auf die Bühne zum Tanzen gebeten, phänomenal!

10 Tage bin ich schon hier in Kapstadt und bisher hatten wir nicht wirklich riesige Problem. Trotz alledem kommen hier zum Schluss noch ein paar lustige Erinnerungen/ Tipps/ Erfahrungen, die ich in den letzten Tagen gesammelt habe:

  1. Morgens immer 2 Stunden vor vereinbarten Zeiten aufstehen, um den Geyser anzuschalten. Der Geyser erhitzt in unserer kleinen Wohnung (wenn man Glück hat) das Wasser und brauch dafür mindestens eine Stunde, sodass man immer um 5:00 Uhr das erste Mal aufstehen muss. Ansonsten heißt es eiskalt zu duschen und das ist im Winter mehr oder weniger schön.
  2. Eine Wärmeflasche kann zur kalten Jahreszeit Wunder bewirken und das nicht nur, wenn man Bauchschmerzen hat. Da wir alle wahrscheinlich in Wohnungen ohne Heizung leben, kann eine Wärmflasche neben zahlreichen Decken sehr schnell das Wohlbefinden verbessern.
  3. Putzen! Wir haben am Anfang das Fegen etwas vernachlässigt und irgendwann wird es einfach eklig, daher: Immer schön aufräumen, nachdem man was dreckig gemacht hat und mindestens einmal pro Woche durch die Wohnung wischen!
  4. Du hast nicht die richtigen Zutaten, um dein Lieblingsrezept zu kochen? Einfach improvisieren! So wird schnell aus Spaghetti Carbonara, Penne mit einer Ei, Milch und Cheddar-Sauce.
  5. Mutig sein, Initiative ergreifen! Obwohl die Südafrikaner eine sehr offene Persönlichkeit haben, kann ich allen empfehlen, den Kontakt zu suchen und offen in Gespräche reinzugehen. So lernt man viel schneller neue Freunde kennen ?

So das war auch schon wieder der zweite Bericht aus Südafrika. Ich hoffe, dass er euch gefällt. Solltet ihr Fragen, Anmerkung oder Wünsche haben, könnt ihr mich gerne kontaktieren.

Bis dahin, liebe Grüße

Felix aus Capetown

Goie middag, kaapstad*

Das hier wird der erste vernünftige und etwas längere Blogeintrag von mir, da ihr euch bestimmt alle möglichen Fragen stellt. Ich bin ja jetzt tatsächlich schon zwei ganze Tage in Kapstadt und möchte euch ein kleines bisschen mit auf mein Abenteuer nehmen.

Wir waren glaube ich beim Landen stehen geblieben. Glücklicherweise haben wir 4 ziemlich schnell unsere Koffer gefunden und hatten auch keine Probleme beim Einreisen. Das ZMÖ (Ökumenewerk der Nordkirche) hatte uns detailreich auf diesen Prozess vorbereitet, so kamen wir ziemlich schnell mit unseren Visa weiter. Das erste Kennenlernen war entgegen meiner Erwartungen durchaus unspektakulär. Marius hatte uns mit seinem besten Freund und seinem Sohn Dylan am Flughafen abgeholt. Ich dachte es käme ein großes „Willkommen“ oder ein buntes Schild mit unseren Namen oder zumindest Fragen bezüglich unseres Wohlergehens, jedoch war es nur ein kleines, zerknittertes Schild mit den Buchstaben „NWF“ und ein kurzes Händeschütteln. Dann ging es aber auch schon direkt zu den Autos und zur Zimmerverteilung.

„Wieso denn das?“, werdet ihr euch bestimmt fragen. Uns vier Freiwilligen (Ema, Naomi, Johann und ich) wurde kurz vor dem Flug zuteil, dass wir nicht wie zuvor geplant in einer 4er WG, sondern in 2 separaten Wohnungen in einer „gated community“ wohnen würden. So wurde kurzerhand beschlossen, dass Johann und ich als Jungs-WG in eine Wohnung ziehen würden und die Mädels in die andere. Wer welche Wohnung bekam, musste ziemlich schnell und kurzfristig entschieden werden. Die eine Wohnung hat nämlich eine größere Küche, in welcher man besser kochen kann. So wurden kurz die Kochmotivation bei allen gecheckt und wir kamen zu dem Entschluss, dass Johann und ich die begeisterten Köche sind und so haben wir jetzt die tolle Küche ?.

Diese Stelle eignet sich super um eine kurze Wohnungsbeschreibung abzugeben. Wir wohnen ganz oben, also im dritten Stock des riesigen Gebäudes. Man kommt in die Wohnung hinein und sieht direkt unsere „tolle“ Küche. Wir haben zumindest einen großen Kühlschrank, ein kleines Eisfach, einen Herd, einen Ofen und einen Abzug, jedoch fehlt uns leider ziemlich viel Küchenausstattung (ein gutlösbares Problem). Nach der Küche kommen wir ins provisorische Ess- und Wohnzimmer. Die Ausstattung war am Donnerstag noch ziemlich lückenhaft (wir hatten 4 Stühle), nach heutigem Stand haben wir zumindest noch einen Tisch und eine Südafrikakarte (ok, ich stimme zu, super heimisch sieht es noch nicht aus, aber wir sind auch erst zwei Tage hier). Geht man einen Schritt weiter, steht man auch schon fast auf unserem Balkon. Ja, wir haben tatsächlich einen Balkon, mit einer wirklich traumhaften Aussicht auf die von Johann getauften Muizenberge. Stühle und Tische lassen sich fast ohne Probleme raustragen, daher können wir bei gutem Wetter auch sehr gut draußen Essen. Gehen wir in der Wohnung weiter, kommen wir zu unseren Zimmern. Größtes Problem ist hierbei neben den sehr stark knarzenden Betten, dass ich keinen Schrank habe. Die ersten beiden Tage habe ich daher aus dem Koffer heraus gelebt, bis ich auf die Idee kam, all meine Anziehsachen einfach in die riesigen Schränke von Johann zu stecken. Trotz alledem ist mein Zimmer noch ziemlich leer, ein weiteres Problem, das ich demnächst beheben müsste. Johann und ich haben uns dazu entschieden, dass wir die Zimmer nach 6 Monaten tauschen wollen, da er momentan die wirklich schönere Aussicht hat. Kommen wir zum Schluss zum Badezimmer. Auf ein paar Quadratmetern haben wir dort unsere Dusche (am Anfang noch ohne Duschvorhang) und eine kleine Toilette. Auch noch verbesserbar, da ich noch absolut keine Ahnung habe, wo mein Kulturbeutel hinsoll, aber naja, wäre alles perfekt, wäre es wohl langweilig. Aber was ist denn eigentlich passiert in den letzten Tagen?

Um 10:00 Uhr wurden wir von Jan-Niclas (der Freiwillige, der das letzte Jahr in der New World Foundation arbeitete) abgeholt und zur Blue Route Mall gebracht. Dort haben wir uns erstmal um die wirklich überlebenswichtigen Sachen gekümmert, nämlich die SIM-Karte. Das läuft in Südafrika nämlich ein bisschen anders ab, als bei uns in Deutschland. Wir müssen uns „Geeks“ (GB) immer wieder auf unsere Karte herunterladen. Neben Geeks gibt es auch noch „Air Time“ (Telefonie-Zeit), „Nite Data“ (von 24Uhr-6Uhr) und „All time Data“(quasi für den normalen Verbrauch). Gar nicht so billig tatsächlich, daher muss ich mal schauen, wie ich das das nächste Jahr über mache. WLAN habe ich leider auch nicht, daher bin ich äußerst gespannt, wie ich abseits der sozialen Medien überlebe ?.

Danach ging es zum ersten großen Grocery Shopping und wir haben uns mit allem überlebenswichtigen Nahrungsmitteln eingedeckt. Johann ist übrigens Vegetarier, daher schaue ich mal, wie gut ich das nächste Jahr auf Fleisch verzichten kann. Der Supermarkt ist aber wirklich super, da er so riesig ist, dass wir an alles fast problemlos herankommen zu vernünftigen Preisen.

Erstes gemeinsames Frühstück bei traumhafter Aussicht

Nach dem ersten richtigen Nachmittag in der eigenen Wohnung ging es abends in die Street Food Garage, und wow, dort wird man von leckeren Gerüchen übermannt. So viel traditionelles Essen war wirklich genial, daher habe ich mich direkt für das „Spicy Cape Food“, eine Mischung aus Curry, Rooti, Reis und anderem (weiß nicht genau, was es war) entschieden. Die Stimmung in dieser riesigen „Garage“ ist wirklich phänomenal. An langen Tischen sitzen die verschiedensten Menschen und plaudern über die Wellen (Muizenberg ist DER Ort für Surfer) oder das Wetter. Abends haben wir dann nochmal Marius (unser Mentor für die kommenden 4 Monate) mit seiner Familie getroffen und die „ehemaligen“ Freiwilligen (also Jackey, Leonie und Jan-Niclas). Und so ging der erste Tag auch schon zu Ende. Was mir bisher schon besonders auffällt ist das südafrikanische, langsame Zeitgefühl und die südafrikanische Mentalität. Die Menschen hier sind so viel offener und freundlicher und genießen die schöne Natur und ihr Leben. Man grüßt sich, redet ein paar Sätze mehr als Small Talk. Eine wirklich schöne Mentalität, wie ich bisher finde.

Food Garage, es gibt alles, was das Herz begehrt

Am Samstag ging es dann ab 10:00 Uhr mit Marius und Luca (seiner netten, aber auch etwas neckenden Tochter) nach Capetown Downtown. Zuerst hat er uns die Longstreet, eine Haupteinkaufsstraße von Capetown, gezeigt, danach folgten wir unseren Ohren und trafen auf eine Gruppe von Mädchen, die ihre kulturellen Tänze präsentierten. Dort brannte mal wieder eine Diskussion zwischen uns vieren auf, die ethische Vertretbarkeit solcher Präsentationen ging. „Handelt es sich hierbei um eine Kommerzialisierung oder das Teilen der eigenen Kultur?“ Man sieht, wir sind nicht die unkommunikativsten und diskutieren immer wieder gerne.

Danach sind wir zum Green Square Market gegangen, hatten uns zwischendurch was zu essen geholt, und sind anschließend mit dem Auto zur Blue Waterfront gefahren. Diese Mall ist das Tourismuszentrum von Kapstadt. Neben den zahlreichen Geschäften in der Mall kann man sich draußen den Hafen anschauen. Dort gibt es schöne Restaurants, Geschäfte für Touristen, Statuen von Südafrikas Premiers und die tollen Markthallen. Leider hatten wir nicht allzu viel Zeit, daher werden wir innerhalb des nächsten Jahres noch das ein oder andere Mal wiederkommen müssen.

Am Abend wurden wir von Marius zum Essen eingeladen. Einerseits wirklich schön, dass man sich immer wieder „gratis“ den Bauch vollschlagen kann, andererseits hatten wir bisher noch keine wirkliche Gelegenheit zum Kochen. Neben dem sehr leckeren, traditionellen Gemüseeintopf, haben wir ein bisschen Klavier gespielt. Luca hat uns zunächst etwas auf ihrem Keyboard vorgespielt, danach durften Johann und ich dran. An dieser Stelle muss ich leider gestehen, dass der gute Johann als Pianist um Weiten besser ist, als ich. Danach haben wir uns gemütlich mit einem Spier Wein (Grüße an meine Eltern an dieser Stelle) ins Wohnzimmer gesetzt und noch ein paar Stunden gequatscht. Ein wirklich schöner Abend, bei dem wir die Familie Blümel besser kennengelernt haben.

Und jetzt sitze ich hier in meinem kleinen gemütlichen Bett und schreibe diesen Blog. Bisher bin ich von Kapstadt und den Menschen fasziniert und habe eine Menge Spaß. Morgen früh geht es in die Kirche, mal schauen wie dieser Gottesdienst wird. Unser Afrikaans verbessert sich auch von Tag zu Tag und wir hoffen, dass wir das zum Ende der 12 Monate halbwegs flüssig sprechen können.

Grüße an alle, die diesen Blog lesen, ich hoffe, dass ich diesen Blog regelmäßig weiterschrieben kann.

Liebe Grüße aus Kapstadt von Felix ?

P.S.: Um den Blog direkt mitzuverfolgen, könnt ihr auf https://flix-r135.tumblr.com gehen, mich würde es freuen 🙂

Wir vier Südafrikafreiwilligen am Amsterdamer Airport (Felix, Naomi, Emanuela und Johann v.l.)

*Copyright Emanuela B.

Neues von Vulingqondo

Die positiven Eindrücke aus meinem ersten Bericht, konnten in den letzten Monaten nur bestätigt werden. Die tägliche Routine hat sich seither nicht verändert. Abgesehen davon hat sich in meinem Projekt allerdings viel getan. Wir haben zwei neue Mitarbeiter, da unser ehemalige „Hausmeister“ zum neuen Jahr in den Ruhestand gegangen ist und eine der beiden Küchenkräfte schwanger ist. Ab nächster Woche wird sie zuhause alles für das neue Kind vorbereiten. Aus dem Projekt wurde sie für die Zeit des Mutterschutzes mit einer Baby Shower verabschiedet. Die beiden neuen Kollegen haben sich bereits gut eingearbeitet und passen ins Team.

Den Großteil des Jahres 2018 war die Kirche für die Restaurierungsarbeiten geschlossen. Die Gottesdienste wurden daher in der großen Halle der Schule abgehalten. Seit der Einweihung stehen nun alle Kirchbänke wieder neben an und die Halle kann wieder vollständig von uns genutzt werden. Nicht nur an regnerischen Tagen findet das tägliche Toben hier statt, auch für unsere Jumblesales (Flohmärkte) haben jetzt wieder viel mehr Platz um die Spenden übersichtlich vorzuführen.

Da Sandra, unsere Managerin, aus Gesundheitsgründen nicht immer bei den Jumblesales dabei sein kann, freue ich mich jedes Mal um so mehr, dass Leonie mich unterstützt. In meinen Augen kann auch sie nur davon profitieren, da sie immer wieder ihre Freude am Ver- aber auch Einkaufen hat. Trotz aller Hilfe falle ich nach den zwei Tagen auf und abbauen, sortieren, zusammenlegen und verkaufen, sofort ins Bett. Tagsüber lasse ich gerne mal eine Tafel Schokolade ihre Wirkung tun.

Zum Ende des letzten Jahres, wurde uns ein großes grünes Netz gespendet. Anstatt dieses bei unserem Jumblesale zu verkaufen (ich glaube das wäre ohnehin schwierig gewesen), haben wir dem Netz einen Rahmen anfertigen lassen. Heute fungiert es als zusätzliche Klettermöglichkeit auf unserem Spielplatz und ist wirklich eine große Bereicherung. Von den Kindern wird es geliebt. Heute hat mich der ruf „Hey lass uns Spiderman spielen“ von ganz oben aufs Neue davon überzeugt.

Besagtes Klettergerüst

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Zusätzlich zu dem im letzten Bericht beschriebenen Tages, beziehungsweise Wochenprogramm, machen wir mit der gesamten Schule etwa monatlich einen Ausflug. Beispielsweise waren wir bereits zweimal am Strand und haben die an der Promenade liegenden Pools für uns in Anspruch genommen. Bevor alle sich abduschen mussten, hatten wir noch großen Spaß im Sand. Sowohl ein bis zwei Lehrer/innen als auch ein gutes Dutzend Kinder wurden bis zur Hüfte eingebuddelt und hatten Spaß beim Rauskommen. Die Sandburg ist leider nur ein Haufen geworden, da der Sand zu weich und trocken ist, für unsere Zwecke allerdings mehr als genug.

Die Natur durften wir passend zu den Themen Hören, Sehen, Riechen, Fühlen und Schecken im botanischen Garten von Durban besichtigen. Das Schmecken haben wir allerdings ausgelassen und fühlen durfte man nur, was bereits nicht mehr an der Pflanze ist.

Der für mich bedeutendste Ausflug war, verbunden mit Weihnachten, zur Reddam-School in naheliegendem Umhlanga. Diese ist ein riesiger Kontrast zum Vulingqondo Literacy Centre, da sie eine der teuersten Privatschulen ist. Wie die Kinder mit ganz unterschiedlichem Background, ohne Hemmungen oder Zweifel, sich sofort angefreundet und gespielt haben, hat mir so deutlich wie nie zuvor gezeigt, dass ein Miteinander so unterschiedlich man sich auch vorkommen mag, immer möglich ist. Wir sind schließlich alle Menschen. Hass, Angst und Abneigung gegenüber Mitmenschen sind nicht angeboren, sondern Phänomene, die von der Gesellschaft erschafft wurden.

Alles in allem bin ich nach wie vor mehr als glücklich meine Erfahrungen hier in Durban machen zu dürfen. Beim letzten überfliegen, ist mir aufgefallen, dass dieser Bericht fast ausschließlich von positiven Dingen handelt. Das liegt nicht daran, dass immer alles glatt läuft, sondern eher wie wir alle mit Schwierigkeiten umgehen. Im Moment ist nichts ungeklärt und alle bisherigen Abs wurden durch viel wichtigere Aufs überspielt und haben daher für mich in diesem Bericht keine Rolle gespielt. Hoffentlich bleibt das so J