Fahrt, Ankunft und Arbeitsweg

Fahrt und Ankunft

Vor genau zwei Monaten und zwei Tagen begann meine Reise am Frankfurter Flughafen. Seitdem ist einiges passiert. Wir waren die ersten zwei Wochen in Buenos Aires bei einem Vorbereitungsseminar, nach den zwei Wochen sind wir ca. 17 Stunden mit dem Bus nach Asunción gefahren. Ich war sehr gespannt, was mich erwarten würde, denn bei den Seminaren wurde uns immer gesagt, dass Paraguay vom Klima und der Kultur nochmal anders sein würde als Argentinien. Die Fahrt war sehr angenehm, die Langstreckenbusse sind hier sehr gut ausgestattet und ich konnte mich entspannen. Die Straßen waren teils gut ausgebaut, aber streckenweise auch einfach nur rote Sandwege, auf denen sich der große Bus bewegte. Dieser Kontrast zieht sich durch sehr viele Bereiche Paraguays. Bei einem Blick aus dem Fenster erstreckte sich eine relativ flache, hügelige, mit vielen Bäumen bewachsene Landschaft vor mir. Es zogen einige Farmen am Fenster vorbei. Großflächige Teile des Landes wurden gerodet, um dort Tiere zu halten und Nutzpflanzen anzubauen. Als wir in Asunción ankamen, empfingen uns die Verantwortlichen von unserer Stelle. Ich verstand natürlich nur Spanisch und war voll auf meine Mitfreiwilligen angewiesen, die mir auch in den ersten Wochen, in denen wir oft als Gruppe unterwegs waren, viel übersetzten.

Ein kurzer Exkurs zu meiner Sprachbarriere… Ich bin jetzt ca. eineinhalb Monate in Asunción. Die Wand der Sprachbarriere ist ein wenig kleiner geworden, doch nur minimal. Ich schreibe mir so oft es geht wichtige Vokabeln während eines Gesprächs in ein kleines Notizbuch und versuche immer wieder diese zu wiederholen. Die Konversationen sind trotzdem sehr einseitig, ich verstehe wenig und antworte meist nur mit „Si“ oder „No“. Es ist ein sehr unangenehmes Gefühl, das man durchlebt, wenn man immer wieder in der Situation gefangen ist, nichts versteht und sich schon gar nicht artikulieren kann. Man fühlt sich sehr verloren und einfach extrem dumm… Aber genau dann versuche ich mir immer vor Augen zu führen, dass ich genau diese Herausforderung wollte und dass andere Menschen auch tagtäglich in dieser Situation sind.

Als wir dann vom Busbahnhof zu unserer Wohnung gefahren wurden und zum ersten Mal die Straßen und die Stadt mit dem Auto befahren haben, sind viele neue Eindrücke auf mich eingeprasselt. Es war ziemlich warm an diesem Tag und die Fenster des Autos waren offen. Auf den Straßen war viel los, wie es unter der Woche immer ist. Motorradfahrer haben uns rechts und links überholt, denn wie auch in Buenos Aires sind die meisten Straßen hier Einbahnstraßen und zweispurig. Wir sind an lauten alten, fast schon historisch wirkenden Bussen vorbeigefahren und währenddessen ist mir Staub von den Straßen in die Augen geflogen. Männer und Frauen haben am Straßenrand frische Früchte verkauft, sind zu stehenden Autos hingelaufen und haben die Ware angepriesen. Andere haben durch das offene Fenster, die Autofahrer gefragt, ob sie ihnen die Frontscheibe putzen dürfen und dafür ein wenig Geld verlangen. Da es in Asunción keine Straßenbahnen oder ein U-Bahnnetz gibt, spielt sich alles auf den Straßen der Stadt ab. Doch der Verkehr verläuft fast immer flüssig und man gerät nur selten in einen Stau. Asunción ist eine Stadt mit vielen Bäumen und Büschen. Wenn man durch die Straßen fährt, sieht man fast überall etwas Grünes. Vor allem gilt diese Beobachtung für die kleineren Straßen und in den Wohngebieten.

Weg zur Arbeit

Ich stehe jeden Morgen um 5:50-5:55 auf, mache mich im Bad fertig und versuche dabei möglichst leise zu sein, um meinen Zimmerkollegen nicht zu wecken. Danach mache ich mir ein Frühstück und gehe spätestens um 6:55 Uhr los. Meine Bushaltestelle befindet sich etwa 13 Minuten von meinem Haus entfernt, also begebe ich mich zu Fuß erstmal in das morgendliche Verkehrsmeer. Die Autos sind sehr unterschiedlich, man kriegt hier einiges zu sehen. Teilweise fahren Autos ohne Frontblech herum oder haben keine Kennzeichen mehr. Die Lastwagen sind meist sehr überfüllt beladen und mit dünnen Schnüren ist die Ware befestigt. Viele Busse sind alt und hinterlassen eine schwarze Wolke aus Abgasen hinter sich. Wenn ich hinter dieser Sorte von Bus über die Straße gehe, halte ich meistens die Luft für einige Sekunden an. Beim Überqueren der Straße muss man sehr aufpassen, weil die Motorräder (auf einer zweispurigen Straße) zwischen den stehenden Autos durchfahren. Einmal, das war relativ am Anfang, habe ich nicht darauf geachtet und wäre beinahe in ein Motorrad gelaufen. Zum Glück sah ich es noch rechtzeitig und bremste ab. Aber so wie ich auf meinem Weg zur Bushaltestelle auch alte stinkende Autos und Busse sehe, sehe ich auch sehr neue Autos. Es ist wirklich von allem etwas dabei. Die Busse hält man hier an, indem man die Hand ausstreckt. Richtig gekennzeichnete Bushaltestellen gibt es nur an sehr viel befahrenen Straßen, demnach ist es auch egal, wo man steht, um einzusteigen. Ich nehme jeden Morgen die Linie 15-2. Die Busse von dieser Linie sind eher vom älteren Schlag. Kaum bin ich auf der Stufe, um in den Bus zu steigen, fährt der gute Busfahrer schon los. Das ist so ein sehr lustiges Gefühl. Jeder hatte doch früher diesen Traum, hinten auf einer Müllabfuhr mitzufahren. So fühlt es sich ein bisschen an… Nur an kühlen Tagen werden die Türen zugemacht, ansonsten sind sie immer offen und sie dienen für die Luftzirkulation im Bus. Wenn man also die Treppen vom Bus emporgestiegen ist und nicht aus der offenen Türe gefallen ist, so muss man seine „Jaha“ Karte an ein Gerät halten, um die Fahrt zu bezahlen. Das ist eine Plastikkarte so groß wie eine Kreditkarte, die man in fast jedem Einkaufsladen aufladen kann. „Jaha“ ist Guarnai, das ist eine einheimische Sprache hier in Paraguay und bedeutet so viel wie „Lass uns gehen“. Da der Bus ziemlich laut ist, verbringe ich die Fahrt meistens mit Musik hören und lese dabei. Je nach Verkehr fahre ich 40-50 Minuten. Um auszusteigen, muss man an einer Schnur ziehen, welche einen lauten Ton verursacht. Daraufhin macht der Busfahrer gefühlt eine Vollbremsung und hält nur wenige Sekunden, nachdem man die Schnur gezogen hat, und das egal wo. Um zu meiner Einsatzstelle zu gelangen, laufe ich ein weiteres Mal ca. 10 Minuten an der Straße entlang und gelange dann in eine Wohngegend, in der sich meine Einsatzstelle befindet.

Ich bin gespannt welche Erlebnisse mich hier noch erwarten werden und freue mich darauf davon zu berichten…
Grüße aus Asuncion/Paraguay

Elijah Auer

Die ersten zwei Monate in Paraguay

Moin moin nach Hause und in die ganze Welt aus Ciudad del Este, Paraguay!

Wir haben heute den 13. Oktober, was heißt, dass ich tatsächlich seit genau zwei Monaten in Südamerika bin! Verrückt. Obwohl ich mich tatsächlich immer mehr angekommen fühle, hab ich noch ganz genau den Reisetag vor Augen, wie ich am Hamburger Hauptbahnhof auf den Weg gebracht wurde und einen Tag später auf einmal in Buenos Aires war. Bis jetzt müssen wir, also meine Mitfreiwilligen und ich, uns immer wieder sagen, dass wir tatsächlich in Paraguay leben, für ein Jahr!
Naja genug Realisation betrieben, denn obwohl man sich schnell an einen so anderen Alltag gewöhnt, war die letzten zwei Monate für mich so viel neu wie noch nie. Begonnen hat das Ganze schon in Frankfurt am Gate, weil wir Nordkirche-Freiwilligen da direkt andere Freiwillige unserer Empfängerorganisation, der Iglesia Evangelica Rio de la Plata (IERP), kennengelernt haben. Insgesamt sind wir bei der IERP fast 50 Freiwillige, die in Argentinien, Uruguay und Paraguay in unterschiedlichen Projekten unseren Freiwilligendienst machen. Verbunden durch unsere Aufgeregtheit und Freude haben wir uns sehr schnell sehr gut kennengelernt und in Buenos Aires beim Anfangsseminar ne unglaublich schöne und intensive Zeit gehabt, die nach zwei Wochen auch schon wieder vorbei war. Schon wieder ein Abschied und das Gefühl, jetzt geht’s wirklich richtig los!


Und dann ging´s wirklich richtig los. Direkt nach  unserer 27-Stundenbusfahrt haben wir eine kleine Führung durchs Projekt bekommen und waren ein bisschen überwältigt davon, wie schön es ist. Ganz viel Platz zum Volleyball- und Fußballspielen, liebevolle Waldgemälde, riesige Mangobäume und viele Blumen machen irgendwie klar, warum das Projekt Hogar, also Zuhause, heißt. Nach einem Wochenende frei zum Ankommen und Organisieren waren meine Mitfreiwillige und ich den ersten Tag in unserem Projekt. Ganz viele Eindrücke und Kinder waren das für uns, aber wir wurden super herzlich empfangen vor allem auch von den Kindern, die uns direkt mit herzlichen Umarmungen willkommen hießen.
Unser Projekt heißt „Hogar de Niños Santa Teresa“ und ist ein Kindergarten und eine Kinderbetreuung für Kinder und Jugendliche bis 17 Jahren. Jeweils vormittags und nachmittags kommen die insgesamt ca. 100 Kinder und essen zusammen, lernen und machen Hausaufgaben, basteln, machen viel Quatsch und am Ende spielen alle zusammen im Patio. Die ersten Arbeitswochen konnten wir jeweils verschiedene Altersgruppen kennenlernen und besser verstehen, wie alles so funktioniert.


Teil vom Kennenlernen war natürlich auch immer mal rumzusitzen, zuzugucken und nichts machen zu können. Das fiel mir im Projekt am Anfang am schwersten: keine Hilfe zu sein und manchmal auch das Gefühl zu haben, dass es egal ist, ob man gerade da wäre. Allerdings wurde das schnell immer weniger. Durch das anfängliche Beobachten konnten wir den Erziehern und Erzieherinnen besser helfen. Mit einfachen Sachen wie Tragen und Sortieren aber auch Mathe und Spanisch können wir mit einigen Kindern üben. Und hauptsächlich machen wir sehr viel Quatsch mit den Kindern beim Spielen oder geben Anschwung wenn jemand mal wieder: „Tocame más fuerte!“ ruft. Die Arbeit im Projekt ist zwar an manchen Tagen sehr anstrengend, vor allem bei teilweise 38 Grad, erfüllt mich aber sehr. Ich habe mittlerweile das Gefühl, eine sinnvolle Hilfe zu sein. Mal gibt’s mehr und mal weniger zu tun, aber gerade die Liebe, die die Kinder einem geben, macht mich immer wieder sehr glücklich.


Obwohl die Arbeit im Projekt viel Energie und Zeit eingenommen hat in den ersten Wochen, war das nicht alles, was ich hier schon so erlebt habe. Immer besser lernen wir unsere Stadt, die direkt an der Grenze zu Argentinien und Brasilien liegt, kennen. Die Hauptattraktion von Ciudad del Este ist ein riesiges Shoppingcenter, das wir am Anfang einmal besichtigt haben. Allerdings fanden wir, dass diese Shoppingmall aussieht wie jede andere auf der Welt. Zusammen mit viel Verkehr und Smoq hat mich dieser Eindruck am Anfang ein bisschen belastet. Wir hatten nach unserem Empfinden noch keinen richtig schönen Ort in der Stadt gefunden und das Gefühl, dass es den nicht gäbe. Umso besser hat mir getan, bei unseren nächsten Ausflügen mehr zu sehen wie einen schönen und mückigen Stadtsee, über den uns ein Kind überraschend erzählt hat, dass es da ein Krokodil gibt. Oder einen tropischen Fluss mit schöner Natur zum Spazierengehen bei uns in der Nähe, den Gemüse-und-Alles-Markt, ein Café, unser Viertel und mehr. Und jetzt schon kann ich sagen: es gibt unglaublich viele sehr schöne Orte, an denen ich noch viel Zeit verbringen möchte.


Allein diesen Sonntag hat mich sehr erfüllt, einen Spaziergang zu machen, neben einem Fußballplatz unter einem Mangobaum bei drei verschiedenen spanischen Musiken Siesta zu machen und auf dem Rückweg bei einer kleinen Tienda ein kaltes Sprudelwasser mit Limette zu trinken.

Für die nächste Zeit nehme ich mir jetzt vor, hier noch mehr kennenzulernen. Nächsten Mittwoch haben wir vier Freiwilligen zum Beispiel vor, einen Salsatanzkurs auszuprobieren. Da bin ich sehr gespannt drauf und auch sonst fühle ich mich jetzt so angekommen, dass ich mehr von und über mein neues Zuhause lernen und Menschen kennenlernen möchte.

Ich freue mich auf alles, was noch so kommt, hab aber auch jetzt schon die Sorge, dass ich viel zu schnell dann wieder am Hamburger Hauptbahnhof stehe und alles vorbei ist. Wobei ich dann endlich wieder die weltbesten Franzbrötchen habe, ohne die ich jetzt noch 10 Monate hier in Ciudad del Este, Paraguay, leben werde.
Insgesamt kann ich jetzt schon sagen, dass trotz vielen emotionalen Aufs und Abs und Schwierigkeiten oder gerade deswegen, ein Jahr einen Freiwilligendienst in Paraguay zu machen das absolut Richtige für mich ist.

Galigrü oder ortstypischer:
Un beso y un abrazo fuerte,

Ben

Bienvenidos a Paraguay

Heute ist der 13 Oktober, zumindest in Paraguay, vor genau zwei Monaten stand ich in Deutschland am Flughafen, voller Neugierde, Vorfreude, Zweifel und Ängste. Natürlich hatte ich die Blogbeitrage gelesen und meine Vorfreiwillige Malena etwas zu oft mit Fragen durchlöchert, aber vollständig vorbereitet habe ich mich natürlich trotzdem nicht gefühlt. Jetzt, nach zwei Monaten kann ich sagen, dass ich so viel erlebt und gelernt habe und immer noch nicht sagen kann, dass ich Bescheid weiß. Es ist in vielen Hinsichten noch immer ein Ankommen und Einleben, auch wenn sich mittlerweile schon Alltag eingeschlichen hat. Es ist ein Paradoxes Gefühl, ich kenne mich etwas mehr in der näheren Umgebung aus, gehe ganz normal Einkaufen, kann mich besser verständigen und werde auf der Arbeit immer hilfreicher. Andererseits merke ich doch noch immer wieder, dass eine Annahme falsch war, ich mich in der Stadt noch gar nicht auskenne und ich in Spanisch weder konjugieren noch Zeitformen nutzen kann. Ich bin Angekommen aber noch nicht hier.

unsere neue Unterkunft

Vieles von dem ich vor dem herkommen dachte, dass es ein Problem für mich sein könnte war im Endeffekt gar nicht so dramatisch, sondern eher eine Tatsache die ich zur Kenntnis nehmen und mein Verhalten entsprechend anpassen musste. Beispiele dafür sind, dass wir das Wasser aus dem Hahn nicht trinken sollten, Klopapier nicht in die Toilette darf, dass es Stromausfälle gibt oder dass wir Kakerlaken in der Küche haben. Für alles gibt es leichte Lösungen oder man lebt einfach damit.

Eine Sache gibt es allerdings, an die ich mich immer noch gewöhnen muss: Es gibt keinen Fahrplan der Regionalen Busse. Es macht mir nichts aus, dass der Bus keine Feste Zeit hat wenn er ankommt, was mich allerdings nervt, ist dass ich keine Buslinien kenne. Ich weiß nicht wo die Busse vorbeifahren und wohin sie gehen, nachdem ich nachgefragt habe, hat sich herausgestellt, dass es dazu keinen Plan gibt, man muss es einfach durch Zufall oder nachfragen herausfinden. Das bedeutet aber auch, dass wenn ich irgendwo spontan hinmöchte, ich immer einen Bolt (das ist etwas wie ein Uber oder Taxi hier) nehmen muss. Das ist natürlich auf lange Sicht Teurer und weniger Umweltfreundlich als ein Bus.

Generell läuft das mit den Bussen etwas anders hier und meiner Meinung nach vielleicht sogar besser als in Deutschland. Der Bus hat keine Haltestellen, sondern statdessen eine feste Strecke. Kommt der Bus vorbei, winkt man ihn raus und er hält an. Möchte man aussteigen sagt man schnell bescheid oder drückt auf einen Knopf und der Bus stoppt. Dadurch kann man überall entlang der Strecke ein und aussteigen. Es ist so eine kleine Veränderung aber sie macht so einen großen Unterschied. Wobei ich mir noch nicht ganz sicher bin, ist wie das mit den Preisen funktioniert, ich glaube man zahlt einfach egal wie lang man fährt den gleichen Preis (ca 60ct)

Meine größte Sorge als ich hierherkam war die Sprachbarriere. Ich hatte kein Spanisch in der Schule (oder wie es hier genannt wird: Castellano) und obwohl ich versucht habe mir selber möglichst viel anzueignen bevor ich hierherkam, hat das bei weitem nicht gereicht. Hier in Ciudad del Este spricht eigentlich kein Englisch oder Deutsch, und so muss ich wohl oder übel mit meinem Spanisch auskommen. Ich weiß noch nicht ganz ob ich das gut oder Schlecht finde, ich lerne so sehr viel mehr von der Sprache und wahrscheinlich auch schneller, aber es ist auch ein Stück anstrengender und manchmal wünsche ich mir einfach, dass man mich versteht, auch ohne dass ich wilde Gestik nutze. Wenn ich alleine bin, traue ich mich immer mehr zu sprechen, aber mit anderen lasse ich ihnen oft doch noch den Vortritt, ich habe also noch einen weiten Weg zu gehen.

Vielleicht ist jetzt der Punkt, an dem ich meine Zeit hier etwas konkreter beschreiben sollte.

Ich wohne hier in einer WG mit drei anderen deutschen Freiwilligen. Wir hatten uns alle in Buenos Aires kennengelernt. Nach zwei Wochen Vorbereitungsseminar sind wir in einem Bus nach Ciudad del Este gefahren, wobei wir prompt dem ersten Problem begegneten. Uns war eingetrichtert worden, dass wir an der Grenze nach Paraguay unbedingt einen Stempel im Reisepass brauchen, das haben wir Prompt in eigene Hand genommen, stiegen an der Grenze aus und holten ihn uns. Dann erst merkten wir, dass wir gestrandet waren, an der Grenze ohne Internet oder der richtigen Währung. Eigentlich hätten wir nämlich zuerst an die Endstation fahren sollen und wären mit unseren Ansprechpartnern nochmal zu der Grenze gefahren. Zum Glück schafften wir es einen Bus zur Endstation zu finden, zahlten in Dollarn und kamen sicher in unserem neuen Zuhause an.

Die erste Woche arbeiteten wir noch nicht. Wir verbrachten viel Zeit zuhause und gewöhnten uns an die Eigenheiten wie beispielsweise dem sehr niedrigen Wasserdruck oder an einem Gasherd zu kochen. Wir erkundeten unsere nähere Nachbarschaft und haben rausgefunden das es hier extrem viele Obstbäume gibt – Papayas, Mangos, Bananen und vieles mehr, sogar einige von denen ich noch nie gehört hatte. Unsere Nachbarin, die auch meine Arbeitskollegin ist, hat mir ein neues Obst gezeigt, dass, wenn ich mich nicht täusche, Nispero heißt, es schmeckt relativ Sauer und leicht süßlich und schmeckt mir unglaublich gut.

neue Frucht zum Ausprobieren

Dann, ging es endlich ans Eingemachte. Der erste Arbeitstag. Um ehrlich zu sein hat er mich etwas beunruhigt. Im Endeffekt saßen wir den Großteil des Tages nur in einer Ecke und beobachteten die Geschehnisse. Zum Glück weiß ich jetzt, dass so ein Tag eher die Ausnahme als die Regel ist. Ich arbeite in der Organisation Callescuela, die hat hier in Ciudad del Este zwei Standorte. Einer ist 10 Minuten weg und wird St. Anna genannt, da das Barrio (der Stadtteil) so heißt. Die andere liegt in Km9. sie wird auch Esmeralda genannt, wenn ich es richtig verstanden habe ist das weil die Straße so heißt, aber ich könnte damit ehrlich daneben liegen. Dort arbeite ich, zumindest für das erste halbe Jahr.

Esmeralda

Mein Arbeitsweg ist etwas länger. Zuerst laufe ich 25 Minuten zu meiner Bushaltestelle. Es gibt zwar eine Straße, aber keinen Fußgängerweg. In diesem Aspekt erinnert mich Paraguay ehrlich an das was ich von Nordamerika gesehen habe. Autos werden Fußgängern gegenüber sehr eindeutig priorisiert. Meistens gibt es Trampelpfade neben der Straße, aber an ein paar punkten muss ich mit den Autos laufen. Ein weiterer Unterschied zu den mit bekannten Straßen sind die vielen Geschwindigkeitsregelnde Hubbel (oder Bremsschwellen) das Problem damit ist, dass entweder die Hubbel größer oder die Autos tiefer liegen. Fakt ist, dass ich schon in so manchem Auto saß das recht heftig aufsetzte. die meisten fahren in einer extremen Schieflage rüber um das Aufsetzen zu vermeiden. ich habe sogar schonmal gesehen, dass jemand unvorsichtig war, und komplett Aufsetzte, der wackelte dann wie auf einer Wippe. Andere Menschen mussten helfen das Auto zu befreien. Die letzte Umgewöhnung ist wie oft ich auf meinem Heimweg an gehupt werde.. und das nicht, weil ich auf der Straße gehe. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich über eine Woche gebraucht habe um es zu realisieren. Normalerweise schaue ich beim Laufen auf den Weg um nicht zu stolpern, aber an dem Tag schaute ich hoch und mir wurde mit den Händen ein Herz gezeigt, außerdem beliebt ist das Handtelefon oder einfach nur ein intensives starren. Dazu muss ich aber sagen, dass es nie weiter geht als das. Noch nie hat jemand angehalten und ich habe mich kein einziges Mal unsicher gefühlt, es ist, wenn überhaupt, etwas nervig.

An der Bushaltestelle angekommen (oder eher an der Straße an der der Bus entlang fährt) fahre ich eine Viertelstunde mit dem Bus und bin dann schon so gut wie da. Meine Arbeitsstelle liegt am äußeren Rand der Stadt. Es sieht dort auf jeden Fall schon anders aus, viel ländlicher als wo wir wohnen, aber diese Qualität ist auch was ich so sehr daran liebe. Alle dort sind eine sehr enge Gemeinschaft, ich erkenne alle Mütter und weiß bei der Hälfte der Häuser an denen ich vorbei laufe welches Kind dort wohnt.

Mein Weg nach Hause

Mein Arbeitstag sieht je nach Wochentag unterschiedlich aus. Dienstag und Donnerstag ist Schule angesagt… oder zumindest so was ähnliches. Die Kinder gehen getrennt von der Callescuela zur Schule, aber was bei uns passiert ist etwas wie Nachhilfe oder weiterführender Unterricht. Meistens erklärt die Lehrerin nochmal was sie in der Schule gelernt haben oder es wird einfach nur Aufgaben geübt. Manchmal werden auch die Hausaufgaben gemacht. Ich kann mittlerweile auch schon richtig Mithelfen. Mathe kann ich richtig gut erklären und wenn sie schreiben üben müssen ist meine Aufgabe meistens ein Diktat aufzugeben, während sie meine Aussprache korrigieren. Oft helfe ich irgendwo hinten ein paar Kindern die bei der offiziellen Einheit nicht ganz so gut klarkommen.

Die Kinder sind alle sehr lustig drauf und haben schon viele kreative Wege gefunden mit mir zu kommunizieren. Immer wieder gibt es Missverständnisse über die wir gemeinsam lachen, zum Beispiel habe ich einen Ring getragen und die Kinder wollten wissen ob ich verlobt bin, die frage hab ich erst nach zwei Mal Umformulieren verstanden und um zu zeigen dass ich sie verstanden habe hab ich erst „ah ja ja“ und dann „nein“ gesagt. darüber haben sie noch eine ganze Weile gelacht und haben sich über mich lustig gemacht, weil ich „verlobt“ bin.

einem Mädchen wurde langweilig…

Mittwoch und freitags gibt es einen Kindergarten. Dort fällt es mir in dem Sinne leichter, dass es die Kinder nicht kümmert ob ich Spanisch kann oder nicht. solange ich ihnen „Oh, wie schön“, „Oh, wie groß“ oder „Ach wie toll“ sagen kann sind sie zufrieden. Die Kleinen sind Super süß und quirlig, es macht extrem viel Spaß mit ihnen zu spielen und tanzen. Der große Nachteil: die ständigen Ohrwürmer von Kleinkinderliedern. Sobald jemand einen Schmetterling sieht stecken sofort fünf Schmetterlingslieder in meinem Kopf.

Samstag ist der wohl interessanteste Tag, aber leider auch der an dem ich am wenigsten verstehe. Am Samstag sind nämlich die CONNATS (Kooperation der arbeitenden Kinder) oder NNTSM (Kinderarbeit ohne Mauern) oder NNATS en Lucha (Arbeitende Kinder im Kampf) treffen. Wie die Namen schon sagen sind sie Politisch. Kinderarbeit ist hier weit verbreitet, sei es im Familienladen, auf der Straße oder dass sie den Haushalt schmeißen, die meisten Kinder mit denen ich arbeite arbeiten selber auch. In diesen runden reden sie über ihre Lage, oder ihre Rechte, diskutieren verschiedene Politische Geschehen oder Sprechen über die CONNATS und ihre Ziele. Manchmal organisieren sie sogar Demos und andere Aktionen. das was ich aus den Runden verstehe ist extrem interessant, aber leider nehme ich noch nicht alles mit. Danach geht es immer auf den Spielplatz wo wir immer viel spaß zusammen haben. Wir spielen Fußball oder Volleyball, sogar Klatchsspiele habe ich beigebracht bekommen – obwohl die tatsächlich gleich sind wie in Deutschland mit etwas anderen Wörtern.

Außerhalb von der Arbeit gibt es leider noch nicht so viel in meinem Leben. Es ist hier nicht so einfach, nach einer Sportart zu Googlen; die meisten Vereine haben nicht einmal eine Webseite. Ich habe ein paar Stunden gebraucht, um überhaupt herauszufinden, ob es von einem Sport eine Frauenmannschaft gibt. Wir wollen alle als WG zu einer Tanzschule gehen und uns dort ausprobieren, und ich habe mittlerweile sogar zwei Rugbymannschaften gefunden, welche ich vielleicht anschreiben möchte, aber mehr ist da noch nicht passiert. Wir waren aber mit der WG schon ein paar Mal unterwegs; wir sind Volleyball spielen gegangen an einem See, haben ein Einkaufszentrum besucht oder Spieleabende gemacht.

Schöner Abend am See mit Buch

Buen provecho!

Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergeht! Inzwischen steht meine Rückreise nach Deutschland kurz bevor und ich bin überwältigt, wie schnell die Zeit vergeht. 
In 3 Wochen werde ich dann im Reisebus nach Buenos Aires sitzen und nur darauf warten ein letztes Mal die inzwischen gewohnte Stimme zu hören, die Gerichte nennt, die man an diesem Tag direkt im Bus kaufen kann.
Ich weiß noch, wie ich das erste Mal Bus gefahren bin und verwirrt um mich geschaut habe als die erste Person mit einem großen geflochtenen Korb auf dem Kopf den Bus betrat und laut „Chipa, Chipa“ rief. Inzwischen warte ich nur noch auf diesen Moment um wieder einmal eine Chipa mit Cocido zu ergattern. 

Da Liebe ja durch den Magen geht, stelle ich heute mal ein paar Gerichte vor, die mich dazu gebracht haben Paraguay einfach nur lieben zu können und inzwischen fester Bestandteil in meinem Alltag sind.

Chipa

Chipa ist ein rundes oder manchmal auch länglich geformtes Gebäck aus Maismehl und Queso Paraguayo (landestypischer Käse). Am besten schmeckt es, wenn es noch leicht warm und frisch aus dem Ofen kommt. Chipas kann man eigentlich zu jeder Tageszeit essen, ist aber besonders zu Ostern eine Spezialität, die zu dann fast ausschließlich gegessen wird.

In vielen Bussen steigen Personen ein, die die frischen Chipas verkaufen und teilweise auf ihrem Kopf balancieren. Es gibt außerdem verschiedene Arten der Chipa. Der Teig ist dabei immer der gleiche, allerdings gibt es neben der eben beschriebenen „typischen“ Chipa noch die Chipa kavure, eine Art Stockbrot aus Chipateig. Zudem gibt es noch Chipa so‘o (so‘o bedeutet Fleisch auf Guaraní) und ist eine, wie der Name sagt, mit Fleisch gefüllte Chipa. Chipa guazú ist ebenfalls eine Form der Chipa, die allerdings eher einem herzhaften Kuchen mit Mais und Ei gleicht.
Es gibt noch viele weitere Formen der Chipa, aber das sind die Arten von Chipas, die ich hier am häufigsten gegessen habe.

Mbeju 

Mbeju ist ein Gericht, was vor allem zum Frühstück gegessen wird. Es besteht aus Maniokmehl/-stärke, Queso Paraguayo und Butter und wird wie ein Pfannenkuchen in der Pfanne gebraten und gewendet. Dabei ist der Teig jedoch nicht flüssig, sondern eher grob und krümelig. Zum Mbeju wird dabei oft Cocido getrunken.

Cocido

Cocido ist ein typisches Getränk zum Frühstück oder zur Kaffeezeit (merienda). Dabei wird die Mateyerba (Matekräuter) mit Zucker angebraten und karamellisiert und anschließend mit Wasser aufgegossen. Es ist eine Art moderner Mate und kann auch mit Milch gemischt und getrunken sein, damit er weniger stark ist. Das fertige Getränk hat dann die Farbe von Kaffee und schmeckt extrem gut.

Mate und Terere 

Mate und Terere sind die zwei meistgetrunkenen Getränke nach meiner Wahrnehmung. Terere trinkt man besonders in Paraguay, obwohl im Winter auch Mate getrunken wird. Beide Getränke werden mit Mateyerba zubereitet und aus einer Guampa (Mate-/Tererebecher) und mithilfe einer Bombilla („Strohhalm mit Sieb“) getrunken. Dabei füllt man die Guampa mit der Yerba (Matekräutern) gefüllt und anschließend mit Wasser aufgegossen. Der einzige Unterschied zwischen Mate und Terere ist dabei, dass man Mate mit heißem Wasser trinkt, wohingegen Terere mit eisgekühltem Wasser getrunken wird. Durch die oft sehr hohen Temperaturen in Paraguay wird hauptsächlich Terere getrunken und ich kann aus Erfahrung sagen, der ist nicht nur extrem lecker, sondern auch sehr erfrischend bei den Temperaturen.

Sopa paraguaya

Sopa paraguaya

Die Sopa paraguaya ist ein typisches Gericht aus Paraguay, das trotz des Namens keine Suppe ist, sondern einen gelben herzhaften Kuchen beschreibt. Sie besteht aus Käse, Eiern, Maismehl, Milch und Zwiebeln und schmeckt sehr gut. Oft wird sie als Beilage zu verschiedenen Mahlzeiten gegessen.


Asado und Asadito

Asado beschreibt das Grillen hier. Bei einem Asado wird meistens sehr viel Fleisch und Wurst gegessen. Dazu gibt es dann Beilagen wie Sopa, Chipa Guazú, Maniok oder Salat. Dabei gibt es meistens mehr Fleisch als ich das zumindest von mir zuhause kannte.

Asadito sind kleine gewürzte Fleischspieße, die man oft am Straßenrand oder sogar auch in Bussen gemeinsam mit Maniok kaufen kann. 

Açaí 

Açaí ist eine kleine lilane Frucht, die vor allem in Brasilien wächst und angebaut wird. Durch die Nähe der Stadt Ciudad del Este zur brasilianischen Grenze, gibt es aber auch hier oft Açaí. Açaí beschreibt aber dabei nicht nur die Frucht, sondern auch ein Eis aus der Frucht, das mit vielen Zutaten kombiniert wird. Je nach Geschmack kann man sich verschiedene Toppings, wie Früchte oder Schokolade etc aussuchen. Fester Bestandteil in so gut wie allen Açaís ist das Açaí-Eis selbst, Kondensmilch, Milchpulver, Bananenscheiben, Erdbeeren und Müsli. Extrem lecker, eine super Abkühlung und sehr zu empfehlen!

Empanadas

Empanadas habe ich zuerst in Argentinien kennengelernt, aber auch in Paraguay findet man viele Empanadas. Meistens kann man dann zwischen verschiedensten Füllungen der Teigtasche wählen, wie z.B. Mais, Hühnchen, Rind oder Schinken und Käse. Einige Empanadas sind dabei frittiert, andere im Ofen gebacken.

Außerdem gibt es die Empanada Mandi‘o. Bei dieser Empanada handelt es sich um eine Empanada, bei der Teig selbst aus Maniok statt dem üblichen Teig hergestellt wird. Insgesamt ist diese Empanada daher weicher und weniger kross.

Bori bori

Bori bori

Bori bori ist guarani und bedeutet übersetzt „Maiskügelchen in Suppe“. Genau das beschreibt das Gericht ziemlich gut. Es handelt sich um eine Suppe mit Rindfleisch und kleinen Maismehl-Käse-Klößen. Für mich ist es ein typisches Mittagessen mit Kollegen.

Wie ihr seht gibt es eine Menge Gerichte, die ich vorstellen könnte, aber das ist die engste, leckerste und in meinem Alltag präsenteste Auswahl.
Vielleicht gibt es in Deutschland nicht immer alle Zutaten, aber ich werde auf jeden Fall probieren, einige dieser Gerichte zuhause nachzukochen.

Ganz liebe Grüße aus Ciudad del Este!
Malena

Retende guarani ñe‘e? Sprichst du Guaraní?

Mba’éichapa!
Das ist die Frage, die ich fast täglich auf dem Weg zur Arbeit höre. Das ist Guaraní und heißt übersetzt so viel wie „Hallo, wie geht es Dir/Euch?“. Wohin man auch geht oder ob man nur jemandem über den Weg läuft, man wird so gut wie immer die Frage gestellt bekommen. Das heißt nicht unbedingt, dass man antworten muss oder eine Antwort bekommt, wenn man selbst jemanden fragt, aber es gehört einfach dazu zu fragen als eine Art Geste der Aufmerksamkeit. 

In Paraguay gibt es zwei offizielle Amtssprachen, Spanisch und Guaraní. Guaraní ist die Sprache der Indigenen, die trotz der Kolonialisierung erhalten wurde. Trotzdem wird heutzutage wenig reines Guaraní gesprochen, sondern vielmehr eine Mischung von Spanisch und Guaraní. Die wird dann „Jopara“ genannt. 

Zwei Sprachen zu beherrschen ist extrem cool, aber für Außenstehende, die nicht beide Sprachen verstehen, auch schnell sehr verwirrend. Als ich angekommen bin war mein Kopf schon extrem voll mit Eindrücken und beschäftigt damit, Spanisch zu lernen und dann kam Guaraní. Anfangs fiel es mir teilweise noch schwer Spanisch und Guaraní voneinander zu unterscheiden, weil beide Sprachen für mich so neu waren, doch inzwischen habe ich das raus. Trotzdem bringt das Jopara oder Guaraní bis jetzt noch Herausforderungen mit sich mit, denn es ist extrem kompliziert und sehr schwer zu lernen. 

Guaraní lernen

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal bei der Arbeit war und meine Chefin in einem Moment „Jaha“ („lass uns gehen“) gesagt hat und ich stehen geblieben bin anstatt mit ihr mitzugehen, weil ich gar nicht verstanden habe, was passierte. Am Anfang war es von daher sehr ungewohnt, aber es hat mich schnell gereizt, noch mehr davon zu lernen, um wenigstens ein bisschen Guaraní zu verstehen. Das hat ehrlich gesagt mal besser und mal schlechter geklappt, weil das geschriebene Guaraní teilweise anders ist als das gesprochene und die Schreibweise zumindest mich vor Herausforderungen gestellt hat. Aber feststeht, es ist immer Teil meines Alltags und nach und nach habe ich Ausdrücke und Redewendungen gelernt. Irgendwann musste ich auch feststellen, dass ich einige Wörter auf Guaraní benutzt habe, weil ich es für Spanisch gehalten habe. Ups. Insgesamt ist Guaraní oder Jopara aber ein sehr wichtiger Bestandteil des Alltags. So gut wie alle Familien sprechen beide Sprachen und es ist individuell, ob sich die Kinder vertrauter mit Spanisch oder Guaraní fühlen. So gibt es Kinder, die lieber Spanisch sprechen, aber trotzdem Guaraní verstehen und andersrum. 

Was mache ich also, wenn man mich auf Guaraní anspricht und ich gar nichts verstehe? Gerade im Projekt ist mir das immer wieder passiert. Schnell war den Kindern natürlich klar, dass ich kein Guaraní spreche und das wird gerne immer wieder genutzt, um mich reinzulegen, aber ich habe gelernt das mit Humor zu nehmen. Und wenn gar nichts mehr hilft, antworte ich sonst auf Deutsch und in Sekunden wird aufgehört zu reden und gebannt Deutsch angehört, weil sie das erste Mal nichts verstehen.

In der Einsatzstelle, in der ich das erste Halbjahr gearbeitet habe, wird besonders viel Guaraní gesprochen. Oft habe ich gar nichts verstanden und verzweifelt probiert Gesprächsfetzen aufzunehmen oder wenigstens das Thema zu verstehen. Das hat mich sehr frustriert und ich habe mich fremd oder indirekt ausgeschlossen gefühlt. Das habe ich dann auch irgendwann angesprochen und dann verstanden, dass nicht Guaraní gesprochen wird, damit ich es nicht verstehe, sondern weil sich manche Personen so einfach besser ausdrücken können. Guaraní ist zusätzlich auch eine sehr bildlich beschreibende Sprache. Es gibt einfach ein paar Redewendungen und Ausdrücke, die in Guaraní einfach passender sind als in Spanisch.

Inzwischen höre ich vielmehr gespannt zu und gucke, was ich verstehe und lernen kann und das macht doch ziemlich Spaß. Obwohl ich zugeben, dass es nach wie vor echt nicht leicht ist und viele Wörter für mich eher wie Geräusche wirken und eine falsche Aussprache, das Wort gleich etwas anderes bedeuten lässt. Deswegen habe ich irgendwann eine Liste mit Vokabeln, Ausdrücken und der Aussprache angelegt, aber Achtung die Kinder lieben es sich einen Scherz daraus zu machen, Wörter in Guaraní falsch zu übersetzen. Es ist also trotzdem Vorsicht geboten, wenn man Ausdrücke auf Guaraní benutzen will.

Was mir außerdem geholfen hat, ist der Nachhilfeunterricht, denn dabei lernen wir mit den Kindern und Jugendlichen nicht nur Spanisch und Mathe, sondern natürlich auch Guaraní und dadurch verstehe ich dann auch einige Vokabeln oder die Aussprache besser.

Guaraní oder Jopara wird von daher immer eine Herausforderung sein, aber ich glaube ich habe einen Umgang damit gefunden und sehe es inzwischen als Bereicherung. 
Mal sehen, was ich noch alles für Wörter und Ausdrücke lerne bis es dann bald schon nach Hause geht.

Nos vemos!
Malena

Von Folklore bis zu Salsa

Halli hallo aus Paraguay. Gerade regnet es mal wieder in Strömen und ich kann kaum das Haus verlassen. Durch den heftigen Wetterumschwung habe ich mich außerdem erkältet und so sitze ich in meinem Bett, trinke Tee und nutze die gemütliche Ruhe um meinen nächsten Beitrag zu schreiben. 

Inzwischen bin ich einfach seit 8 Monaten in Paraguay und ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Der Arbeitsalltag hat sich nach den Sommerferien im Januar wieder eingeschlichen und alles nimmt so seinen Lauf. Der Februar und März war noch viel von Aufräumen, Putzen und Organisieren geprägt, aber ab Ende März kamen dann wieder Kinder und Jugendliche zu uns ins Projekt. Das zweite Halbjahr der Arbeit geht also richtig los und das brachte einige Veränderungen mit sich. Ich arbeite dieses Halbjahr in einem anderen Standort als zuvor und lerne außerdem noch einen ganz neuen Standort kennen. Statt in Km9 (meinem Standort im 1. Halbjahr) verbringe ich nun die meiste Zeit der Woche in Añua Roga, dem größten Standort der Callescuela hier. Zusammen mit einer Mitarbeiterin fahre ich außerdem einmal pro Woche in einen Standort, den ich vorher nie besucht habe, San Roque. Dort gibt es ab diesem Jahr auch Nachhilfeangebote und politische Gruppen. Dort kommen noch deutlich weniger Kinder als in den anderen Standorten, was aber eine angenehme Abwechslung ist und für eine familiäre Atmosphäre sorgt.

Eine weitere Veränderung ist der Englischunterricht, den ich ab diesem Jahr gebe. Jeden Freitag steht ab jetzt Englisch bei „Teacher Malena“ auf dem Programm und das macht extrem Spaß. Die Kinder freuen sich total eine weitere Sprache zu lernen und sind begeistert dabei. Wir lernen aktuell die Farben und einfache Begrüßungsformeln und tasten uns so langsam ran. Ich bin gespannt, wie sich dieser Kurs noch weiter entwickelt.

Doch was wenn mir einmal die Decke auf den Kopf fällt?

Auch wenn die Arbeit extrem Spaß macht, muss ich ab und zu einfach mal rauskommen und mit anderen Menschen Zeit verbringen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten habe ich mich dann bei gleich 2 Tanzschulen angemeldet. Bereits vor meiner Ausreise habe ich mir einige Ziele gesetzt, was ich in meinem Jahr in Paraguay lernen will, und was damals noch wie eine Vision war, ist plötzlich mein Alltag geworden. Eines meiner Ziele lautete „Tanzen lernen“. Ich wollte unbedingt einen Tanz von hier kennenlernen und so finde ich mich nun jeden Dienstag und Donnerstag in einem Kurs für „Danza Paraguaya“ wieder. Danza Paraguaya (paraguayischer Tanz) ist eine Art Folkloretanz und jeder Schritt sowie festgelegte Choreografien haben Namen auf Guaraní, der zweiten Amtssprache Paraguays. 
Daher ist es teilweise echt schwer, sich alle Namen zu merken, aber fest steht, es macht total Spaß und ist eine Art zu tanzen, die ich vorher noch nie kennengelernt habe. 

Meine erste Stunde beim Danza Paraguaya mit traditionellem Rock

Durch diesen Kurs habe ich außerdem schon viele Menschen in meinem Alter kennengelernt und genieße es sehr, einen Ort und Menschen zu haben, um einfach mal rauszukommen. 

Neben Danza Paraguaya lerne ich jetzt außerdem auch „Salsa“ und „Bachata“. Als ich auf dem Weg in die Stadt das Werbeplakat einer Tanzschule für den Kombikurs „Salsa&Bachata“ gesehen habe, war mir klar, dass ich das unbedingt auch ausprobieren will. Tja und nun tanze ich jeden Mittwoch auch noch Salsa und Bachata. Es macht unglaublich viel Spaß und alleine die Musik macht mich jedes Mal total glücklich. 

Ich bin sehr dankbar, diese Möglichkeit gefunden zu haben und so einen Ort zum Kopf Abschalten und auch einen körperlichen Ausgleich zu haben.


Langsam schleicht sich auch der Gedanke an den Abschied immer mehr in meinen Kopf, doch den versuche ich nach wie vor nach hinten zu drängen und die Zeit hier einfach in vollen Zügen zu genießen. 
So, jetzt ist mein Tee leer und ich muss neuen kochen. 

Macht es gut und bis zum nächsten Mal!
Eure Malena

Wo arbeite ich eigentlich?

Ich glaube es wird Zeit noch meine Einsatzstelle einmal näher vorzustellen, jetzt wo ich schon ein halbes Jahr hier bin und einen Alltag gefunden habe.

Ich arbeite hier in Ciudad del Este im Viertel Santa Ana, das direkt an mein Wohnviertel angrenzt. Ich wohne nämlich offiziell im „Barrio 23 de octubre“, wohne aber eigentlich direkt an der Grenze zum Viertel „Santa Ana“. 
Aber zurück zum Projekt, in dem ich meinen Freiwilligendienst leiste: meine Einsatzstelle nennt sich „Callescuela“, was übersetzt so etwas wie „Straßenschule“ heißt. Die Callescuela ist insgesamt ein ziemliches großes Projekt, das nicht nur hier in der Umgebung von Ciudad del Este mehrere Standorte hat, sondern auch in Asunción (Hauptstadt Paraguays). Hier in Alto Paraná (der Region, in der Ciudad del Este liegt) hat die Callescuela insgesamt 3 Standorte. Diese liegen in Ciudad del Este selbst, Presidente Franco und Minga Guazú. Insgesamt sind aber alle Standorte sehr miteinander verbunden und im ständigen Austausch, teils arbeiten auch die gleichen Mitarbeiter in den einzelnen Standorten und wechseln sich ab. 

Die Callescuela ist ein Projekt, das sich für die Rechte Kinder und Jugendliche einsetzt. Dabei geht es vor allem um Kinder und Jugendliche, die auf der Straße arbeiten und/oder aus finanziell schwächeren Familien stammen. Es gibt deswegen verschiedenste Angebote, die für die verschiedenen Altersgruppen sind. Es gibt somit einerseits einen Kindergartenzweig, der sich „CEPI“ (Centro primera infancia) nennt, Nachhilfeangebote (refuerzo escolar) und politische Gruppen. 

Ich darf als Freiwillige all diese 3 Bereiche begleiten und kennenlernen und das sogar an allen 3 Standorten. Bisher habe ich immer in Presidente Franco gearbeitet und einmal die Woche in Santa Ana. Für das zweite Halbjahr werde ich aber mit meiner Mitfreiwilligen Freia die Einsatzorte tauschen, was bedeutet, dass ich hauptsächlich in Santa Ana sein werde und einmal die Woche in Minga Guazú. So habe ich die Möglichkeit alle Standorte und Kinder kennenzulernen und darauf freue ich mich jetzt schon sehr.

CEPI- Der Kindergarten

Im CEPI kommen Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren, welche immer in 2 Gruppen kommen. Vormittags kommen die 2-3 jährigen und nachmittags dann die 4-5 Jahre alten Kinder. Beide Altersgruppen haben den gleichen Ablauf, was die Aktionen angeht, die wir mit ihnen machen. Nach dem Ankommen wird zunächst einmal gespielt. Die ersten eineinhalb Stunden haben die Kinder also erstmal Zeit zu spielen, sich gegenseitig ihre Spielzeuge zu zeigen und sich gemeinsam Geschichten auszudenken. Danach stellen wir uns dann alle gemeinsam auf und singen Lieder und tanzen dazu. Das macht immer besonders Spaß. Das hilft den meisten sehr sich auszupowern und danach anzufangen kreativ zu werden.
Nach dem Singen und Tanzen geht es dann nämlich ans Basteln. Dabei gibt es immer ein bestimmtes Thema, das behandelt wird, wie z.B. Farben, Tiere, Verkehrsmittel etc. Dafür zeigen wir den Kindern dann, wie wir einen bestimmten Gegenstand basteln oder ein Bild malen wollen und helfen den Kindern bei der Umsetzung. Zum Abschluss gibt es dann die „merienda“, einen kleinen Snack wie z.B. einen Joghurt, Kekse oder Bananen. Bis die Kinder dann abgeholt werden, wird wieder gespielt und schon ist der Tag vorbei.

Am Nachmittag geht es dann von vorne los nur eben mit den älteren Kindern und mit anderen Bastelaktionen.
Zudem werden Ausflüge organisiert bei denen wir mit den Kindern auf Spielplätze fahren und dort gemeinsam spielen. Auf diese Ausflüge freuen sich die Kinder immer besonders.

Refuerzo Escolar- Nachhilfe

Bei der Nachhilfe kommen Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren, die Hilfe und Unterstützung bei Hausaufgaben brauchen. Auch dabei sind die Kinder in Vormittags- und Nachmittagsgruppen eingeteilt, um nach Klassenstufen trennen zu können, wobei auch hier der Ablauf in beiden Gruppen ähnlich ist. Wenn die Kinder und Jugendlichen ankommen, werden allgemeine Themen wiederholt und geübt und anschließend individuell auf die Schwierigkeiten der Kinder eingegangen. Je nach dem ob Hausaufgaben anstehen, bei denen Hilfe benötigt wird, gehen wir anschließend auch diese durch. Zwischendurch machen wir dann eine kleine Pause, in der die Merienda (kleiner Snack) verteilt wird. Danach geht es dann zurück an die Aufgaben. 

Insgesamt behandeln wir vor allem die Fächer Mathe, Spanisch und Guaraní, weil das die Grundfächer sind, die alle Kindern am meisten brauchen und üben. Dabei üben wir besonders mit den Jüngeren die Grundlagen, wie Silben, das Alphabet und Groß- und Kleinbuchstaben und die Zahlenräume etc.
Gleichzeitig wiederholen wir aber auch viel Diktate und das Verstehen von Texten oder Addition, Multiplikation und Rechnen mit größeren Zahlen. Es geht vor allem darum, Grundlagen zu vertiefen und zu wiederholen, weil dafür in der Schule oft nicht genug Zeit ist.
Bevor dann alle nach Hause gehen, wird meistens noch kurz draußen gespielt oder gemalt.

Die politischen Gruppen

Die politischen Gruppen sind ein weiterer sehr wichtiger Zweig der Callescuela. Die Kinder und Jugendlichen, die an diesen Gruppen teilnehmen, sind Teil der CONNAT‘s (Coordinación nacional de niños, niñas y adolescentes trabajadores). Die CONNAT‘S ist eine Organisation von arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Paraguay, die sich für die Rechte dieser einsetzt. Die Callescuela arbeitet also mit der CONNAT‘S zusammen, wobei die CONNAT‘S auch unabhängig von der Callescuela aktiv ist.

In diesen politischen Gruppen wird dann über das politische System im Land gesprochen und analysiert, was es für Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten besonders im Bezug auf die Rechte von Kindern und Jugendlichen gibt. Es geht also beispielsweise um Themen wie Partizipation, Grundrechte, Sicherheit oder soziale Gerechtigkeit. Teil dieser Gruppen zu sein und ihre Aktivitäten mitzuerleben macht total Spaß und ist super interessant.

25.11. internationaler Gedenktag gegen Gewalt an Frauen

Um ein paar Beispiele von Aktivitäten zu nennen: Am 25.11. (internationaler Tag gegen Gewalt jeglicher Art an Frauen) haben wir Infoplakate in der Stadt aufgehängt, um auf den Tag aufmerksam zu machen und mit einem Megafon und Trommeln Aufforderungen gegen die Gewalt an Frauen gerufen. 

Im Dezember und im Februar gab es den „Terere-Jere“, ein Treffen aller Vertreter*innen der verschiedenen politischen Gruppen aus verschiedensten Standorten in Alto Paraná, bei dem sich über Inhalte ausgetauscht wird und weitere Aktivitäten geplant werden. Dabei gibt es außerdem immer auch Workshops zu neuen Themen. Bei dem Treffen im Februar standen die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Paraguay im Vordergrund. Es kamen Gäste, die von ihrer eigenen Realität erzählt haben und den Kindern Fragen beantwortet haben. Anhand der Berichte und eigenen Erfahrungen haben die Kinder und Jugendlichen dann Probleme in den Bereichen von Bildung, Gesundheit und Arbeit herausgearbeitet.

Außerdem werden zu vielen anderen Gedenktagen Aktionen vorbereitet, wie am 08.03. (internationaler Frauentag). In Vorbereitung auf diesen Tag haben die Kinder in Gruppen darüber geredet, was Frauen und Mädchen leid sind und was wir tun können, um diese Dinge zu ändern. 

Die politische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist also ziemlich vielseitig und besonders spannend. Ich bewundere jedes Mal aufs Neue, wie aktiv alle mitarbeiten und ihre Energie in all diese Projekte stecken und nie aufhören für ihre Rechte zu kämpfen. 

Die Callescuela soll insgesamt einen sicheren und liebevollen Ort für Kinder und Jugendliche darstellen und Unterstützung für die Kinder und Familien bieten. Die Angebote der Callescuela sind daher komplett kostenfrei und sie wird nur durch Fördergelder und Kooperationen finanziert.

Ich bin extrem glücklich, bei der Callescuela zu arbeiten und ihre Arbeit kennenzulernen und Teil davon sein zu können. Jeder Tag ist anders und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht total Spaß. Jetzt nach den Sommerferien laufen die Anmeldungen für das nächste Jahr auf Hochtouren und in 2 Wochen startet dann wieder das volle Angebot in den Standorten. Bis dahin steht noch ein wenig Instandhaltung und Büroarbeit an. Ich freue mich auf jeden Fall total auf das zweite Halbjahr und einen anderen Standort nochmal genauer kennenlernen zu können.

Bis bald!

P.S.: die Callescuela und die CONNAT’S haben auch ein Profil bei Instagram, auf dem über die Aktivitäten informiert wird. Falls jemand Interesse hat auf dem Laufenden zu bleiben 😉 @callescuela @connats_py

Danke dieses Mal an Felix, dass ich meinen Beitrag über seinen Account hochladen konnte 🙂

Felix Navidad!

Hallo ihr Lieben,

Es ist mal wieder Zeit ein paar von den vielen Ereignissen der letzten Monate aufzugreifen und hier in meinem Blog zu erzählen. In den letzten Monaten ist so viel passiert, dass ich echt lange nachdenken musste bevor ich mich dazu entschieden habe euch von meiner Weihnachtszeit zu berichten. 

Es gibt ja ganz viele Unterschiede zwischen Deutschland und Paraguay und ich hatte mich schon von Anfang an darauf eingestellt, dass Weihnachten dieses Jahr anders wird. Aber eine Gemeinsamkeit gab es trotzdem: die Vorweihnachtszeit begann mal wieder viel zu früh. Ich weiß nicht warum man Ende Oktober schon im Supermarkt Christbaumkugeln oder Schokoladenweihnachtsmänner kaufen kann. Auch in Deutschland komme ich also normalerweise erst so Anfang Dezember langsam in Weihnachtsstimmung. Ich dachte erstmal, dass die Zeit vor Weihnachten hier nicht so ein großes Ding ist. Aber wow habe ich gestaunt, als Anfang Dezember von ein auf den anderen Tag die komplette Stadt mit Weihnachtsdekoration und Lichterketten verziert war.

Weihnachtsdeko in der Stadt

Vor allem aber fand ich den europäischen Einfluss von der Deko sehr komisch. An jeder zweiten Ecke standen Schneemänner oder Geschenkeboxen mit „Schnee“ überdeckt. Dabei hat man in Paraguay wahrscheinlich noch nie echten Schnee gesehen. Trotzdem fand ich die Dekoration sehr schön und was mich vorallem gewundert hat, ist das die meiste Deko aus recyceltem Material selber gebaut wurde. Zum Beispiel befand ein großer Tannenbaum aus ganz vielen grün angemalten Plastikflaschen. Auch wir im Projekt haben unsere Weihnachtsbäume aus recyceltem Material gebastelt. Obwohl die Stadt durch den Weihnachtszauber deutlich schöner aussah, kam ich einfach nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Selbst die Tage vor Weihnachten oder sogar an Weihnachten, hatte ich einfach nicht dieses Weihnachtsgefühl. Besonders gewundert hat mich das aber nicht. Ich glaube der Hauptgrund ist einfach das Wetter. Ich meine fast jeder von uns verbindet Weihnachten mit Kälte, Schnee und einer gemütlichen Zeit zu Hause mit den liebsten. Und das war alles komplett anders. Bei 40 grad hab ich mir ein schattigen Platz gesucht und statt heißer Schokolade einen eiskalten Terere getrunken.

Plätzchen backen in unserer Wohnung

Dann stand Heiligabend vor der Tür. Mich haben drei andere Freiwillige aus Paraguay und Bolivien besucht. Geplant hatten wir nicht sonderlich viel. Wir wollten ein Asado (also ein typisches Grillen) machen und anschließend in der Stadt was trinken und feiern gehen. Während des Tages an Heiligabend, war ich noch in der Stadt, um die letzten Geschenke zu kaufen. Anschließend kauften wir noch die letzen Sachen für das Asado ein und bereiteten zu Hause alles vor. Das Wetter war, abgesehen von der Temperatur, tatsächlich ein wenig weihnachtlich. Der Himmel war grau und es hat geregnet. Zum Abend hin begannen wir mit dem Grillen, was sich aber als ziemlich schwierig gestaltete, da der Grill durch den Regen nicht so richtig heiß wurde. So richtig gut ist unser Asado also nicht gelaufen.

Den Rest vom Abend waren wir dann noch in der Stadt unterwegs. Am ersten Weihnachtstag hat sich das Wetter nicht wirklich gebessert. Das hieß für uns einen gemütlichen zu Hause Tag. Mit meinen Mitfreiwilligen haben wir eine kleine Bescherung gemacht. Ich habe unteranderem einen Guampa (einen Becher aus dem man Terere trinkt) von meinem Lieblingsfußballteam hier in Paraguay bekommen. Am Abend haben wir nochmal einen neuen Versuch gestartet, ein Asado zu machen, was auch diesmal deutlich besser funktioniert hat. Zum Glück klarte der Himmel ein wenig auf und wir haben den ganzen Abend gequatscht und Spiele gespielt.

Das war also mein Weihnachten. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung und die Zeit auch sehr schön, aber ich wünsche mir dann doch nächstes mal wieder ein Weihnachten so wie ich es aus Deutschland kenne. 

Ganz anders hingegen war mein Silvester. Ich bin mit fast allen Freiwilligen aus Paraguay über Silvester nach Encarnacion gefahren. Das ist eine Stadt ganz im Süden von Paraguay an der argentinischen Grenze. Das besondere an Encarnacion ist, dass es direkt an dem Rio Parana liegt, welcher Paraguay und Argentinien trennt. Bei Encarnacion  breitet der Fluss sich aber so weit aus, dass es mehr wie ein sehr großer See oder fast schon wie ein Meer wirkt. Vor allem bekommt man aber ein Urlaubsgefühl, wenn man an der sehr modernen „Costañera“ also dem Strand von Encarnacion ist. Strandbars, viel Sand und Unmengen an Leuten, die ihre Stühle und Sonnenschirme aufbauen, geben einem ein richtiges Meerurlaubsgefühl. Vor allem wegen Silvester, war der Strand sehr gefüllt und man musste schauen, dass man überhaupt noch einen guten Platz bekam. Wir hatten uns alle ein Airbnb gemietet und verbrachten die Zeit mit spielen, am Strand baden und kochen. Dann rückte 2024 immer näher. Am Abend bereiteten wir ein Asaso zu, badeten im Pool und spielten Karten. Um 23 Uhr gingen wir dann alle zum Strand. Überall saßen Leute an langen Tafeln, aßen und tranken. Die ersten Raketen stiegen schon in den Himmel und dann war es auf einmal soweit. Wir zählten von 10 runter und feierten in das neue Jahr rein. Alle am Strand umarmten sich und wünschten sich ein schönes neues Jahr während man auf die Skyline von der gegenüberliegenden Stadt Posadas blickte. Den Rest der Nacht verbrachten wir noch in einem Club und fielen dann müde im neuen Jahr ins Bett. 

Mir persönlich hat das Silvester besser gefallen als in Deutschland. Zum einen konnte man ohne Jacke die ganze Nacht draußen verbringen, weil es sommerlich warm war und auch tagsüber konnte man mehr unternehmen. Wir waren am Strand und später auch noch bei den „Jesuitenmissionen“ in San Ignacio (Argentinien)  Auch das Feuerwerk und „böllern“ war nicht so extrem wie in Deutschland. Man musste keine Angst haben von irgendwelchen Böllern getroffen zu werden. Ein paar Raketen hatten wir aber auch gekauft was super schön aussah. Das war also mein Weihnachten und Silvester. Ich weiß, dass der Blog ein wenig spät erscheint. Bald hört ihr schon wieder von mir. Bis dahin alles gute und viele Grüße aus Paraguay,

Felix 

2024!!

Wo arbeite ich eigentlich?

Ich glaube es wird Zeit noch meine Einsatzstelle einmal näher vorzustellen, jetzt wo ich schon ein halbes Jahr hier bin und einen Alltag gefunden habe.

Ich arbeite hier in Ciudad del Este im Viertel Santa Ana, das direkt an mein Wohnviertel angrenzt. Ich wohne nämlich offiziell im „Barrio 23 de octubre“, wohne aber eigentlich direkt an der Grenze zum Viertel „Santa Ana“. Aber zurück zum Projekt, in dem ich meinen Freiwilligendienst leiste: meine Einsatzstelle nennt  sich „Callescuela“, was übersetzt so etwas wie „Straßenschule“ heißt. Die Callescuela ist insgesamt ein ziemliches großes Projekt, das nicht nur hier in der Umgebung von Ciudad del Este mehrere Standorte hat, sondern auch in Asunción (Hauptstadt Paraguays). Hier in Alto Paraná (der Region, in der Ciudad del Este liegt) hat die Callescuela insgesamt 3 Standorte. Diese liegen in Ciudad del Este selbst, Presidente Franco und Minga Guazú. Insgesamt sind aber alle Standorte sehr miteinander verbunden und im ständigen Austausch, teils arbeiten auch die gleichen Mitarbeiter in den einzelnen Standorten und wechseln sich ab. 

Logo der Callescuela

Die Callescuela ist ein Projekt, das sich für die Rechte Kinder und Jugendliche einsetzt. Dabei geht es vor allem um Kinder und Jugendliche, die auf der Straße arbeiten und/oder aus finanziell schwächeren Familien stammen. Es gibt deswegen verschiedenste Angebote, die für die verschiedenen Altersgruppen sind. Es gibt somit einerseits einen Kindergartenzweig, der sich „CEPI“ (Centro primera infancia) nennt, Nachhilfeangebote (refuerzo escolar) und politische Gruppen. 

Ich darf als Freiwillige all diese 3 Bereiche begleiten und kennenlernen und das sogar an allen 3 Standorten. Bisher habe ich immer in Presidente Franco gearbeitet und einmal die Woche in Santa Ana. Für das zweite Halbjahr werde ich aber mit meiner Mitfreiwilligen Freia die Einsatzorte tauschen, was bedeutet, dass ich hauptsächlich in Santa Ana sein werde und einmal die Woche in Minga Guazú. So habe ich die Möglichkeit alle Standorte und Kinder kennenzulernen und darauf freue ich mich jetzt schon sehr.

CEPI – der Kindergarten

Im CEPI kommen Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren, welche immer in 2 Gruppen kommen. Vormittags kommen die 2-3 jährigen und nachmittags dann die 4-5 Jahre alten Kinder. Beide Altersgruppen haben den gleichen Ablauf, was die Aktionen angeht, die wir mit ihnen machen. Nach dem Ankommen wird zunächst einmal gespielt. Das Spielen steht im Kindergarten sehr im Vordergrund. Die ersten eineinhalb Stunden haben die Kinder Zeit zu spielen, sich gegenseitig ihre Spielzeuge zu zeigen und sich gemeinsam Geschichten auszudenken. Danach stellen wir uns dann alle gemeinsam auf und singen Lieder und tanzen dazu. Das macht immer besonders Spaß. Das hilft den meisten sehr sich auszupowern und danach anzufangen kreativ zu werden. Nach dem Singen und Tanzen geht es dann nämlich ans Basteln. Dabei gibt es immer ein bestimmtes Thema, das behandelt wird, wie z.B. Farben, Tiere, Verkehrsmittel etc. Dafür zeigen wir den Kindern dann, wie wir einen bestimmten Gegenstand basteln oder ein Bild malen wollen und helfen den Kindern bei der Umsetzung. Zum Abschluss gibt es dann die „merienda“, einen kleinen Snack wie z.B. einen Joghurt, Kekse oder Bananen. Bis die Kinder dann abgeholt werden,  wird wieder gespielt und schon ist der Tag vorbei.

Am Nachmittag geht es dann von vorne los nur eben mit den älteren Kindern und mit anderen Bastelaktionen.
Zudem werden Ausflüge organisiert bei denen wir mit den Kindern auf Spielplätze fahren und dort gemeinsam spielen. Auf diese Ausflüge freuen sich die Kinder immer besonders.

Refuerzo Escolar – Nachhilfe

Bei der Nachhilfe kommen Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren, die Hilfe und Unterstützung bei Hausaufgaben brauchen. Auch dabei sind die Kinder in Vormittags- und Nachmittagsgruppen eingeteilt, um nach Klassenstufen trennen zu können, wobei auch hier der Ablauf ähnlich ist. Wenn die Kinder und Jugendlichen ankommen, werden allgemeine Themen wiederholt und geübt und anschließend individuell auf die Schwierigkeiten der Kinder eingegangen. Je nach dem ob Hausaufgaben anstehen, bei denen Hilfe benötigt wird, gehen wir anschließend auch diese durch. Zwischendurch machen wir dann eine kleine Pause, in der die Merienda verteilt wird. Danach geht es dann zurück an die Aufgaben. 

Insgesamt behandeln wir vor allem die Fächer Mathe, Spanisch und Guaraní, weil das die Grundfächer sind, die alle Kindern am meisten brauchen und üben. Dabei üben wir besonders mit den Jüngeren die Grundlagen, wie Silben, das Alphabet und Groß- und Kleinbuchstaben und die Zahlenräume etc. Gleichzeitig wiederholen wir aber auch viel Diktate und das Verstehen von Texten oder Addition, Multiplikation und Rechnen mit größeren Zahlen. Es geht vor allem darum, Grundlagen zu vertiefen und zu wiederholen, weil dafür in der Schule oft nicht genug Zeit ist. Bevor dann alle nach Hause gehen, wird meistens noch kurz draußen gespielt oder gemalt.

Die politischen Gruppen

Die politischen Gruppen sind ein weiterer sehr wichtiger Zweig der Callescuela. Die Kinder und Jugendlichen, die an diesen Gruppen teilnehmen, sind Teil der CONNAT‘S (Coordinación nacional de niños, niñas y adolescentes trabajadores). Die CONNAT‘S ist eine Organisation von arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Paraguay, die sich für die Rechte dieser einsetzt. Die Callescuela arbeitet also mit der CONNAT‘S zusammen, wobei die CONNAT‘S auch unabhängig von der Callescuela aktiv ist.

In diesen politischen Gruppen wird dann über das politische System im Land gesprochen und analysiert, was es für Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten besonders im Bezug auf die Rechte von Kindern und Jugendlichen gibt. Es geht also beispielsweise um Themen wie Partizipation, Grundrechte, Sicherheit oder soziale Gerechtigkeit. Teil dieser Gruppen zu sein und ihre Aktivitäten mitzuerleben macht total Spaß und ist super interessant.

25.11. internationaler Gedenktag gegen Gewalt an Frauen

Um ein paar Beispiele von Aktivitäten zu nennen: Am 25.11. (internationaler Tag gegen Gewalt jeglicher Art an Frauen) haben wir Infoplakate in der Stadt aufgehängt, um auf den Tag aufmerksam zu machen und mit einem Megafon und Trommeln Aufforderungen gegen die Gewalt an Frauen gerufen. 

Im Dezember und im Februar gab es den „Terere-Jere“, ein Treffen aller Vertreter*innen der verschiedenen politischen Gruppen aus verschiedensten Standorten in Alto Paraná, bei dem sich über Inhalte ausgetauscht wird und weitere Aktivitäten geplant werden. Dabei gibt es außerdem immer auch Workshops zu neuen Themen. Bei dem Treffen im Februar standen die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Paraguay im Vordergrund. Es kamen Gäste, die von ihrer eigenen Realität erzählt haben und den Kindern Fragen beantwortet haben. Anhand der Berichte und eigenen Erfahrungen haben die Kinder und Jugendlichen dann Probleme in den Bereichen von Bildung, Gesundheit und Arbeit herausgearbeitet.

Außerdem werden zu vielen anderen Gedenktagen Aktionen vorbereitet, wie am 08.03. (internationaler Frauentag). In Vorbereitung auf diesen Tag haben die Kinder in Gruppen darüber geredet, was Frauen und Mädchen leid sind und was wir tun können, um diese Dinge zu ändern. 

Die politische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist also ziemlich vielseitig und besonders spannend. Ich bewundere jedes Mal aufs Neue, wie aktiv alle mitarbeiten und ihre Energie in all diese Projekte stecken und nie aufhören für ihre Rechte zu kämpfen. 

Die Callescuela soll insgesamt einen sicheren und liebevollen Ort für Kinder und Jugendliche darstellen und Unterstützung für die Kinder und Familien bieten. Die Angebote der Callescuela sind daher komplett kostenfrei und sie wird nur durch Fördergelder und Kooperationen finanziert.

Ich bin extrem glücklich, bei der Callescuela zu arbeiten und ihre Arbeit kennenzulernen und Teil davon sein zu können. Jeder Tag ist anders und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht total Spaß. Jetzt nach den Sommerferien laufen die Anmeldungen für das nächste Jahr auf Hochtouren und in 2 Wochen startet dann wieder das volle Angebot in den Standorten. Bis dahin steht noch ein wenig Instandhaltung und Büroarbeit an. Ich freue mich auf jeden Fall total auf das zweite Halbjahr und einen anderen Standort nochmal genauer kennenlernen zu können.

5-jähriges Jubiläum von Añua Roga
Spielen im Park

Bis bald!
Eure Malena

P.S.: die Callescuela und die CONNAT’S haben auch ein Profil bei Instagram, auf dem über die Aktivitäten informiert wird. Falls jemand Interesse hat auf dem Laufenden zu bleiben 😉

@callescuela @connats_py

Und plötzlich stand Weihnachten vor der Tür…

Seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe, ist eine Menge passiert. Alltag, Abschlussfeiern im Projekt, Campamento (Feriencamp), Urlaubsplanung und dann plötzlich auch schon Weihnachten. Aber ich fange mal von vorne an…

Meine letzten Wochen waren tatsächlich relativ anders als der normale Alltag, den ich zuvor kennengelernt hatte. Besonders im Projekt standen viele Aktionen an, die zum Abschluss des Jahres veranstaltet werden, wie zum Beispiel die sogenannte „Clausura“. Clausuras sind im Grunde genommen Abschiedsfeste, die das Schul- und Kalenderjahr beenden und abschließen sollen. Dabei wird den Eltern und Familien der Kinder vorgestellt, was im Jahr alles bearbeitet und gemacht wurde, Fotos werden gemacht und es gibt zu Essen. Diese Clausuras fanden für die Kindergartenkinder statt. Im Nachhilfeunterricht und den politischen Gruppen gab es so etwas nicht. 

Clausura im Kindergarten

Dafür gab es aber das Campamento, das Feriencamp. Dieses wurde für alle Jugendlichen aus den politischen Gruppen der Callescuela angeboten und wird jedes Jahr als Abschluss gesehen. Außerdem ist es die Umsetzung eines der vielen Rechte von Kindern und Jugendlichen, das Recht auf Erholung und Pause. Bei diesem Campamento wurden viele Spiele gespielt, Gruppen gebildet und über bestimmte politische Themen gesprochen und ausgetauscht, was man über das Jahr darüber gelernt hat und viel gelacht und gegessen. Eine Kleingruppe habe ich auch betreuen dürfen und somit war meine Gruppe die Gruppe „Azul- los pitulibertadores“ . Teil von diesem Camp sein zu dürfen hat mich total glücklich und dankbar gemacht und es war trotz der anstrengenden Planung und Betreuung eine echt tolle Gelegenheit die Kinder besser kennenzulernen.

Zum Ende des Campamentos wurden dann Gruppentänze aufgeführt und natürlich durfte der Lehrer-Tanz auch nicht fehlen und alle Betreuer*innen haben fleißig getanzt. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Nach 2 Tagen ging es dann aber auch schon wieder zurück und die Zeit, in der Kinder ins Projekt kamen, war offiziell vorbei. Ab dem Zeitpunkt stand dann viel Büroarbeit auf dem Programm. Anwesenheitslisten wurden kontrolliert, Berichte über die Aktivitäten des Jahres verfasst, Ordner und Fotos sortiert und PowerPoints zur Präsentation all dessen erstellt. Zu guter letzt wurde dann fertig aufgeräumt, Möbel abgedeckt und geputzt, um das gesamte Projekt für einen Monat zu schließen. Und dann war auch schon mein letzter Arbeitstag und es hieß so richtig Weihnachten und vor allem Sommerferien.

Tatsächlich war es gar nicht so schwer in Weihnachtsstimmung zu kommen wie gedacht. Ich muss sagen Musik und Kekse backen, kann schon sehr viel Weihnachten vermitteln. Außerdem habe ich mit meinen Mitbewohnerinnen Deko gebastelt und aufgehängt. Trotzdem war es aber ein ganz anderes Weihnachtsgefühl als sonst. Bei 35 Grad stand ich in Nachthemd auf der Terrasse und habe Kekse ausgestanzt und musste dann meine Backaktion unterbrechen, weil sich der Teig durch die Hitze verselbstständigt hat. Nach kurzem Schockfrosten im Tiefkühlfach konnte es dann aber weitergehen 😉

Natürlich haben aber auch die Klöße und der Rotkohl, den eine meiner Mitbewohner*innen aus Deutschland mitgebracht hat, für große Weihnachtsstimmung gesorgt.
Auch die Stadt war dekoriert. Die Municipalidad Ciudad del Este hat eine große Recyclingaktion gestartet und so war die gesamte Innenstadt mit Deko aus recycelten Plastikflaschen geschmückt. Das war so schön und ich fand die Idee total schön. Außerdem gab es Krippen jeglicher Art und vor allem jeglicher Größe am Straßenrand zu kaufen. Das kannte ich so vorher nicht und fand es total spannend.

Kurz vor Weihnachten kam dann tatsächlich auch Post aus Deutschland an. Eigentlich war die für meinen Geburtstag Ende November geplant, aber das war ganz egal, denn die Hauptsache war, dass sie angekommen ist. Ich muss sagen, mir war klar, dass ich mich freuen würde, aber den Moment in dem ich das Paket in den Händen hielt und mit meiner Familie am Telefon ausgepackt habe, werde ich nie vergessen. 

Jetzt aber mal zu Weihnachten selbst… Weihnachten war ein total besonderer Tag (ich rede jetzt vom 24.12.). Wir haben Heiligabend in Ciudad del Este bei einer Freundin und ihrer Familie verbracht und haben abends alle gemeinsam gegessen und gequatscht. Es war so schön, Weihnachten mit Freunden und bei einer Familie verbringen zu können und ein typisches Weihnachten in Paraguay zu erleben. Dabei haben wir festgestellt, dass Weihnachten hier irgendwie gar nicht so anders gefeiert wird, es aber trotzdem etwas ganz anderes als sonst für uns war. Wir haben uns abends getroffen und gemeinsam gegessen und viel geredet und gelacht. Um Mitternacht wurde dann angestoßen und sich frohe Weihnachten gewünscht und in der ganzen Stadt wurde Feuerwerk gezündet. Danach wurde dann erst richtig gefeiert. Es kam mir fast vor wie eine Mischung aus Weihnachten und Silvester. Am Morgen sind wir gemeinsam frühstücken gegangen und haben es uns gemütlich gemacht, was bei erneuten 35 Grad recht schwierig war. Nach dem erneuten Versuch Kekse zu backen habe ich außerdem mit meiner Familie telefoniert. 

Und so schnell Weihnachten kam, war es dann auch schon wieder vorbei. 

Jetzt ist beinahe Silvester und ich sitze gerade zwischen Haufen von Klamotten und Dingen, die ich mit in den Urlaub nehmen will. Im Januar geht es nämlich auf in den Urlaub bis dann auch schon das Zwischenseminar ansteht. Ich realisiere selbst gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht und wie viele schöne Momente noch auf mich warten.

Kommt gut ins neue Jahr und bis bald 🙂

Malena

P.S.: Danke an Julia, dass ich meinen Blogbeitrag hier hochladen kann. Ich habe aktuell nämlich noch Technikprobleme und kann ihn nicht selbst hochladen. Deswegen so ein verspäteter Weihnachtsbericht 😉