Retende guarani ñe‘e? Sprichst du Guaraní?

Mba’éichapa!
Das ist die Frage, die ich fast täglich auf dem Weg zur Arbeit höre. Das ist Guaraní und heißt übersetzt so viel wie „Hallo, wie geht es Dir/Euch?“. Wohin man auch geht oder ob man nur jemandem über den Weg läuft, man wird so gut wie immer die Frage gestellt bekommen. Das heißt nicht unbedingt, dass man antworten muss oder eine Antwort bekommt, wenn man selbst jemanden fragt, aber es gehört einfach dazu zu fragen als eine Art Geste der Aufmerksamkeit. 

In Paraguay gibt es zwei offizielle Amtssprachen, Spanisch und Guaraní. Guaraní ist die Sprache der Indigenen, die trotz der Kolonialisierung erhalten wurde. Trotzdem wird heutzutage wenig reines Guaraní gesprochen, sondern vielmehr eine Mischung von Spanisch und Guaraní. Die wird dann „Jopara“ genannt. 

Zwei Sprachen zu beherrschen ist extrem cool, aber für Außenstehende, die nicht beide Sprachen verstehen, auch schnell sehr verwirrend. Als ich angekommen bin war mein Kopf schon extrem voll mit Eindrücken und beschäftigt damit, Spanisch zu lernen und dann kam Guaraní. Anfangs fiel es mir teilweise noch schwer Spanisch und Guaraní voneinander zu unterscheiden, weil beide Sprachen für mich so neu waren, doch inzwischen habe ich das raus. Trotzdem bringt das Jopara oder Guaraní bis jetzt noch Herausforderungen mit sich mit, denn es ist extrem kompliziert und sehr schwer zu lernen. 

Guaraní lernen

Ich weiß noch, wie ich das erste Mal bei der Arbeit war und meine Chefin in einem Moment „Jaha“ („lass uns gehen“) gesagt hat und ich stehen geblieben bin anstatt mit ihr mitzugehen, weil ich gar nicht verstanden habe, was passierte. Am Anfang war es von daher sehr ungewohnt, aber es hat mich schnell gereizt, noch mehr davon zu lernen, um wenigstens ein bisschen Guaraní zu verstehen. Das hat ehrlich gesagt mal besser und mal schlechter geklappt, weil das geschriebene Guaraní teilweise anders ist als das gesprochene und die Schreibweise zumindest mich vor Herausforderungen gestellt hat. Aber feststeht, es ist immer Teil meines Alltags und nach und nach habe ich Ausdrücke und Redewendungen gelernt. Irgendwann musste ich auch feststellen, dass ich einige Wörter auf Guaraní benutzt habe, weil ich es für Spanisch gehalten habe. Ups. Insgesamt ist Guaraní oder Jopara aber ein sehr wichtiger Bestandteil des Alltags. So gut wie alle Familien sprechen beide Sprachen und es ist individuell, ob sich die Kinder vertrauter mit Spanisch oder Guaraní fühlen. So gibt es Kinder, die lieber Spanisch sprechen, aber trotzdem Guaraní verstehen und andersrum. 

Was mache ich also, wenn man mich auf Guaraní anspricht und ich gar nichts verstehe? Gerade im Projekt ist mir das immer wieder passiert. Schnell war den Kindern natürlich klar, dass ich kein Guaraní spreche und das wird gerne immer wieder genutzt, um mich reinzulegen, aber ich habe gelernt das mit Humor zu nehmen. Und wenn gar nichts mehr hilft, antworte ich sonst auf Deutsch und in Sekunden wird aufgehört zu reden und gebannt Deutsch angehört, weil sie das erste Mal nichts verstehen.

In der Einsatzstelle, in der ich das erste Halbjahr gearbeitet habe, wird besonders viel Guaraní gesprochen. Oft habe ich gar nichts verstanden und verzweifelt probiert Gesprächsfetzen aufzunehmen oder wenigstens das Thema zu verstehen. Das hat mich sehr frustriert und ich habe mich fremd oder indirekt ausgeschlossen gefühlt. Das habe ich dann auch irgendwann angesprochen und dann verstanden, dass nicht Guaraní gesprochen wird, damit ich es nicht verstehe, sondern weil sich manche Personen so einfach besser ausdrücken können. Guaraní ist zusätzlich auch eine sehr bildlich beschreibende Sprache. Es gibt einfach ein paar Redewendungen und Ausdrücke, die in Guaraní einfach passender sind als in Spanisch.

Inzwischen höre ich vielmehr gespannt zu und gucke, was ich verstehe und lernen kann und das macht doch ziemlich Spaß. Obwohl ich zugeben, dass es nach wie vor echt nicht leicht ist und viele Wörter für mich eher wie Geräusche wirken und eine falsche Aussprache, das Wort gleich etwas anderes bedeuten lässt. Deswegen habe ich irgendwann eine Liste mit Vokabeln, Ausdrücken und der Aussprache angelegt, aber Achtung die Kinder lieben es sich einen Scherz daraus zu machen, Wörter in Guaraní falsch zu übersetzen. Es ist also trotzdem Vorsicht geboten, wenn man Ausdrücke auf Guaraní benutzen will.

Was mir außerdem geholfen hat, ist der Nachhilfeunterricht, denn dabei lernen wir mit den Kindern und Jugendlichen nicht nur Spanisch und Mathe, sondern natürlich auch Guaraní und dadurch verstehe ich dann auch einige Vokabeln oder die Aussprache besser.

Guaraní oder Jopara wird von daher immer eine Herausforderung sein, aber ich glaube ich habe einen Umgang damit gefunden und sehe es inzwischen als Bereicherung. 
Mal sehen, was ich noch alles für Wörter und Ausdrücke lerne bis es dann bald schon nach Hause geht.

Nos vemos!
Malena

Von Folklore bis zu Salsa

Halli hallo aus Paraguay. Gerade regnet es mal wieder in Strömen und ich kann kaum das Haus verlassen. Durch den heftigen Wetterumschwung habe ich mich außerdem erkältet und so sitze ich in meinem Bett, trinke Tee und nutze die gemütliche Ruhe um meinen nächsten Beitrag zu schreiben. 

Inzwischen bin ich einfach seit 8 Monaten in Paraguay und ich kann gar nicht glauben, wie schnell die Zeit vergeht. Der Arbeitsalltag hat sich nach den Sommerferien im Januar wieder eingeschlichen und alles nimmt so seinen Lauf. Der Februar und März war noch viel von Aufräumen, Putzen und Organisieren geprägt, aber ab Ende März kamen dann wieder Kinder und Jugendliche zu uns ins Projekt. Das zweite Halbjahr der Arbeit geht also richtig los und das brachte einige Veränderungen mit sich. Ich arbeite dieses Halbjahr in einem anderen Standort als zuvor und lerne außerdem noch einen ganz neuen Standort kennen. Statt in Km9 (meinem Standort im 1. Halbjahr) verbringe ich nun die meiste Zeit der Woche in Añua Roga, dem größten Standort der Callescuela hier. Zusammen mit einer Mitarbeiterin fahre ich außerdem einmal pro Woche in einen Standort, den ich vorher nie besucht habe, San Roque. Dort gibt es ab diesem Jahr auch Nachhilfeangebote und politische Gruppen. Dort kommen noch deutlich weniger Kinder als in den anderen Standorten, was aber eine angenehme Abwechslung ist und für eine familiäre Atmosphäre sorgt.

Eine weitere Veränderung ist der Englischunterricht, den ich ab diesem Jahr gebe. Jeden Freitag steht ab jetzt Englisch bei „Teacher Malena“ auf dem Programm und das macht extrem Spaß. Die Kinder freuen sich total eine weitere Sprache zu lernen und sind begeistert dabei. Wir lernen aktuell die Farben und einfache Begrüßungsformeln und tasten uns so langsam ran. Ich bin gespannt, wie sich dieser Kurs noch weiter entwickelt.

Doch was wenn mir einmal die Decke auf den Kopf fällt?

Auch wenn die Arbeit extrem Spaß macht, muss ich ab und zu einfach mal rauskommen und mit anderen Menschen Zeit verbringen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten habe ich mich dann bei gleich 2 Tanzschulen angemeldet. Bereits vor meiner Ausreise habe ich mir einige Ziele gesetzt, was ich in meinem Jahr in Paraguay lernen will, und was damals noch wie eine Vision war, ist plötzlich mein Alltag geworden. Eines meiner Ziele lautete „Tanzen lernen“. Ich wollte unbedingt einen Tanz von hier kennenlernen und so finde ich mich nun jeden Dienstag und Donnerstag in einem Kurs für „Danza Paraguaya“ wieder. Danza Paraguaya (paraguayischer Tanz) ist eine Art Folkloretanz und jeder Schritt sowie festgelegte Choreografien haben Namen auf Guaraní, der zweiten Amtssprache Paraguays. 
Daher ist es teilweise echt schwer, sich alle Namen zu merken, aber fest steht, es macht total Spaß und ist eine Art zu tanzen, die ich vorher noch nie kennengelernt habe. 

Meine erste Stunde beim Danza Paraguaya mit traditionellem Rock

Durch diesen Kurs habe ich außerdem schon viele Menschen in meinem Alter kennengelernt und genieße es sehr, einen Ort und Menschen zu haben, um einfach mal rauszukommen. 

Neben Danza Paraguaya lerne ich jetzt außerdem auch „Salsa“ und „Bachata“. Als ich auf dem Weg in die Stadt das Werbeplakat einer Tanzschule für den Kombikurs „Salsa&Bachata“ gesehen habe, war mir klar, dass ich das unbedingt auch ausprobieren will. Tja und nun tanze ich jeden Mittwoch auch noch Salsa und Bachata. Es macht unglaublich viel Spaß und alleine die Musik macht mich jedes Mal total glücklich. 

Ich bin sehr dankbar, diese Möglichkeit gefunden zu haben und so einen Ort zum Kopf Abschalten und auch einen körperlichen Ausgleich zu haben.


Langsam schleicht sich auch der Gedanke an den Abschied immer mehr in meinen Kopf, doch den versuche ich nach wie vor nach hinten zu drängen und die Zeit hier einfach in vollen Zügen zu genießen. 
So, jetzt ist mein Tee leer und ich muss neuen kochen. 

Macht es gut und bis zum nächsten Mal!
Eure Malena

Wo arbeite ich eigentlich?

Ich glaube es wird Zeit noch meine Einsatzstelle einmal näher vorzustellen, jetzt wo ich schon ein halbes Jahr hier bin und einen Alltag gefunden habe.

Ich arbeite hier in Ciudad del Este im Viertel Santa Ana, das direkt an mein Wohnviertel angrenzt. Ich wohne nämlich offiziell im „Barrio 23 de octubre“, wohne aber eigentlich direkt an der Grenze zum Viertel „Santa Ana“. 
Aber zurück zum Projekt, in dem ich meinen Freiwilligendienst leiste: meine Einsatzstelle nennt sich „Callescuela“, was übersetzt so etwas wie „Straßenschule“ heißt. Die Callescuela ist insgesamt ein ziemliches großes Projekt, das nicht nur hier in der Umgebung von Ciudad del Este mehrere Standorte hat, sondern auch in Asunción (Hauptstadt Paraguays). Hier in Alto Paraná (der Region, in der Ciudad del Este liegt) hat die Callescuela insgesamt 3 Standorte. Diese liegen in Ciudad del Este selbst, Presidente Franco und Minga Guazú. Insgesamt sind aber alle Standorte sehr miteinander verbunden und im ständigen Austausch, teils arbeiten auch die gleichen Mitarbeiter in den einzelnen Standorten und wechseln sich ab. 

Die Callescuela ist ein Projekt, das sich für die Rechte Kinder und Jugendliche einsetzt. Dabei geht es vor allem um Kinder und Jugendliche, die auf der Straße arbeiten und/oder aus finanziell schwächeren Familien stammen. Es gibt deswegen verschiedenste Angebote, die für die verschiedenen Altersgruppen sind. Es gibt somit einerseits einen Kindergartenzweig, der sich „CEPI“ (Centro primera infancia) nennt, Nachhilfeangebote (refuerzo escolar) und politische Gruppen. 

Ich darf als Freiwillige all diese 3 Bereiche begleiten und kennenlernen und das sogar an allen 3 Standorten. Bisher habe ich immer in Presidente Franco gearbeitet und einmal die Woche in Santa Ana. Für das zweite Halbjahr werde ich aber mit meiner Mitfreiwilligen Freia die Einsatzorte tauschen, was bedeutet, dass ich hauptsächlich in Santa Ana sein werde und einmal die Woche in Minga Guazú. So habe ich die Möglichkeit alle Standorte und Kinder kennenzulernen und darauf freue ich mich jetzt schon sehr.

CEPI- Der Kindergarten

Im CEPI kommen Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren, welche immer in 2 Gruppen kommen. Vormittags kommen die 2-3 jährigen und nachmittags dann die 4-5 Jahre alten Kinder. Beide Altersgruppen haben den gleichen Ablauf, was die Aktionen angeht, die wir mit ihnen machen. Nach dem Ankommen wird zunächst einmal gespielt. Die ersten eineinhalb Stunden haben die Kinder also erstmal Zeit zu spielen, sich gegenseitig ihre Spielzeuge zu zeigen und sich gemeinsam Geschichten auszudenken. Danach stellen wir uns dann alle gemeinsam auf und singen Lieder und tanzen dazu. Das macht immer besonders Spaß. Das hilft den meisten sehr sich auszupowern und danach anzufangen kreativ zu werden.
Nach dem Singen und Tanzen geht es dann nämlich ans Basteln. Dabei gibt es immer ein bestimmtes Thema, das behandelt wird, wie z.B. Farben, Tiere, Verkehrsmittel etc. Dafür zeigen wir den Kindern dann, wie wir einen bestimmten Gegenstand basteln oder ein Bild malen wollen und helfen den Kindern bei der Umsetzung. Zum Abschluss gibt es dann die „merienda“, einen kleinen Snack wie z.B. einen Joghurt, Kekse oder Bananen. Bis die Kinder dann abgeholt werden, wird wieder gespielt und schon ist der Tag vorbei.

Am Nachmittag geht es dann von vorne los nur eben mit den älteren Kindern und mit anderen Bastelaktionen.
Zudem werden Ausflüge organisiert bei denen wir mit den Kindern auf Spielplätze fahren und dort gemeinsam spielen. Auf diese Ausflüge freuen sich die Kinder immer besonders.

Refuerzo Escolar- Nachhilfe

Bei der Nachhilfe kommen Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren, die Hilfe und Unterstützung bei Hausaufgaben brauchen. Auch dabei sind die Kinder in Vormittags- und Nachmittagsgruppen eingeteilt, um nach Klassenstufen trennen zu können, wobei auch hier der Ablauf in beiden Gruppen ähnlich ist. Wenn die Kinder und Jugendlichen ankommen, werden allgemeine Themen wiederholt und geübt und anschließend individuell auf die Schwierigkeiten der Kinder eingegangen. Je nach dem ob Hausaufgaben anstehen, bei denen Hilfe benötigt wird, gehen wir anschließend auch diese durch. Zwischendurch machen wir dann eine kleine Pause, in der die Merienda (kleiner Snack) verteilt wird. Danach geht es dann zurück an die Aufgaben. 

Insgesamt behandeln wir vor allem die Fächer Mathe, Spanisch und Guaraní, weil das die Grundfächer sind, die alle Kindern am meisten brauchen und üben. Dabei üben wir besonders mit den Jüngeren die Grundlagen, wie Silben, das Alphabet und Groß- und Kleinbuchstaben und die Zahlenräume etc.
Gleichzeitig wiederholen wir aber auch viel Diktate und das Verstehen von Texten oder Addition, Multiplikation und Rechnen mit größeren Zahlen. Es geht vor allem darum, Grundlagen zu vertiefen und zu wiederholen, weil dafür in der Schule oft nicht genug Zeit ist.
Bevor dann alle nach Hause gehen, wird meistens noch kurz draußen gespielt oder gemalt.

Die politischen Gruppen

Die politischen Gruppen sind ein weiterer sehr wichtiger Zweig der Callescuela. Die Kinder und Jugendlichen, die an diesen Gruppen teilnehmen, sind Teil der CONNAT‘s (Coordinación nacional de niños, niñas y adolescentes trabajadores). Die CONNAT‘S ist eine Organisation von arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Paraguay, die sich für die Rechte dieser einsetzt. Die Callescuela arbeitet also mit der CONNAT‘S zusammen, wobei die CONNAT‘S auch unabhängig von der Callescuela aktiv ist.

In diesen politischen Gruppen wird dann über das politische System im Land gesprochen und analysiert, was es für Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten besonders im Bezug auf die Rechte von Kindern und Jugendlichen gibt. Es geht also beispielsweise um Themen wie Partizipation, Grundrechte, Sicherheit oder soziale Gerechtigkeit. Teil dieser Gruppen zu sein und ihre Aktivitäten mitzuerleben macht total Spaß und ist super interessant.

25.11. internationaler Gedenktag gegen Gewalt an Frauen

Um ein paar Beispiele von Aktivitäten zu nennen: Am 25.11. (internationaler Tag gegen Gewalt jeglicher Art an Frauen) haben wir Infoplakate in der Stadt aufgehängt, um auf den Tag aufmerksam zu machen und mit einem Megafon und Trommeln Aufforderungen gegen die Gewalt an Frauen gerufen. 

Im Dezember und im Februar gab es den „Terere-Jere“, ein Treffen aller Vertreter*innen der verschiedenen politischen Gruppen aus verschiedensten Standorten in Alto Paraná, bei dem sich über Inhalte ausgetauscht wird und weitere Aktivitäten geplant werden. Dabei gibt es außerdem immer auch Workshops zu neuen Themen. Bei dem Treffen im Februar standen die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Paraguay im Vordergrund. Es kamen Gäste, die von ihrer eigenen Realität erzählt haben und den Kindern Fragen beantwortet haben. Anhand der Berichte und eigenen Erfahrungen haben die Kinder und Jugendlichen dann Probleme in den Bereichen von Bildung, Gesundheit und Arbeit herausgearbeitet.

Außerdem werden zu vielen anderen Gedenktagen Aktionen vorbereitet, wie am 08.03. (internationaler Frauentag). In Vorbereitung auf diesen Tag haben die Kinder in Gruppen darüber geredet, was Frauen und Mädchen leid sind und was wir tun können, um diese Dinge zu ändern. 

Die politische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist also ziemlich vielseitig und besonders spannend. Ich bewundere jedes Mal aufs Neue, wie aktiv alle mitarbeiten und ihre Energie in all diese Projekte stecken und nie aufhören für ihre Rechte zu kämpfen. 

Die Callescuela soll insgesamt einen sicheren und liebevollen Ort für Kinder und Jugendliche darstellen und Unterstützung für die Kinder und Familien bieten. Die Angebote der Callescuela sind daher komplett kostenfrei und sie wird nur durch Fördergelder und Kooperationen finanziert.

Ich bin extrem glücklich, bei der Callescuela zu arbeiten und ihre Arbeit kennenzulernen und Teil davon sein zu können. Jeder Tag ist anders und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht total Spaß. Jetzt nach den Sommerferien laufen die Anmeldungen für das nächste Jahr auf Hochtouren und in 2 Wochen startet dann wieder das volle Angebot in den Standorten. Bis dahin steht noch ein wenig Instandhaltung und Büroarbeit an. Ich freue mich auf jeden Fall total auf das zweite Halbjahr und einen anderen Standort nochmal genauer kennenlernen zu können.

Bis bald!

P.S.: die Callescuela und die CONNAT’S haben auch ein Profil bei Instagram, auf dem über die Aktivitäten informiert wird. Falls jemand Interesse hat auf dem Laufenden zu bleiben 😉 @callescuela @connats_py

Danke dieses Mal an Felix, dass ich meinen Beitrag über seinen Account hochladen konnte 🙂

Felix Navidad!

Hallo ihr Lieben,

Es ist mal wieder Zeit ein paar von den vielen Ereignissen der letzten Monate aufzugreifen und hier in meinem Blog zu erzählen. In den letzten Monaten ist so viel passiert, dass ich echt lange nachdenken musste bevor ich mich dazu entschieden habe euch von meiner Weihnachtszeit zu berichten. 

Es gibt ja ganz viele Unterschiede zwischen Deutschland und Paraguay und ich hatte mich schon von Anfang an darauf eingestellt, dass Weihnachten dieses Jahr anders wird. Aber eine Gemeinsamkeit gab es trotzdem: die Vorweihnachtszeit begann mal wieder viel zu früh. Ich weiß nicht warum man Ende Oktober schon im Supermarkt Christbaumkugeln oder Schokoladenweihnachtsmänner kaufen kann. Auch in Deutschland komme ich also normalerweise erst so Anfang Dezember langsam in Weihnachtsstimmung. Ich dachte erstmal, dass die Zeit vor Weihnachten hier nicht so ein großes Ding ist. Aber wow habe ich gestaunt, als Anfang Dezember von ein auf den anderen Tag die komplette Stadt mit Weihnachtsdekoration und Lichterketten verziert war.

Weihnachtsdeko in der Stadt

Vor allem aber fand ich den europäischen Einfluss von der Deko sehr komisch. An jeder zweiten Ecke standen Schneemänner oder Geschenkeboxen mit „Schnee“ überdeckt. Dabei hat man in Paraguay wahrscheinlich noch nie echten Schnee gesehen. Trotzdem fand ich die Dekoration sehr schön und was mich vorallem gewundert hat, ist das die meiste Deko aus recyceltem Material selber gebaut wurde. Zum Beispiel befand ein großer Tannenbaum aus ganz vielen grün angemalten Plastikflaschen. Auch wir im Projekt haben unsere Weihnachtsbäume aus recyceltem Material gebastelt. Obwohl die Stadt durch den Weihnachtszauber deutlich schöner aussah, kam ich einfach nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Selbst die Tage vor Weihnachten oder sogar an Weihnachten, hatte ich einfach nicht dieses Weihnachtsgefühl. Besonders gewundert hat mich das aber nicht. Ich glaube der Hauptgrund ist einfach das Wetter. Ich meine fast jeder von uns verbindet Weihnachten mit Kälte, Schnee und einer gemütlichen Zeit zu Hause mit den liebsten. Und das war alles komplett anders. Bei 40 grad hab ich mir ein schattigen Platz gesucht und statt heißer Schokolade einen eiskalten Terere getrunken.

Plätzchen backen in unserer Wohnung

Dann stand Heiligabend vor der Tür. Mich haben drei andere Freiwillige aus Paraguay und Bolivien besucht. Geplant hatten wir nicht sonderlich viel. Wir wollten ein Asado (also ein typisches Grillen) machen und anschließend in der Stadt was trinken und feiern gehen. Während des Tages an Heiligabend, war ich noch in der Stadt, um die letzten Geschenke zu kaufen. Anschließend kauften wir noch die letzen Sachen für das Asado ein und bereiteten zu Hause alles vor. Das Wetter war, abgesehen von der Temperatur, tatsächlich ein wenig weihnachtlich. Der Himmel war grau und es hat geregnet. Zum Abend hin begannen wir mit dem Grillen, was sich aber als ziemlich schwierig gestaltete, da der Grill durch den Regen nicht so richtig heiß wurde. So richtig gut ist unser Asado also nicht gelaufen.

Den Rest vom Abend waren wir dann noch in der Stadt unterwegs. Am ersten Weihnachtstag hat sich das Wetter nicht wirklich gebessert. Das hieß für uns einen gemütlichen zu Hause Tag. Mit meinen Mitfreiwilligen haben wir eine kleine Bescherung gemacht. Ich habe unteranderem einen Guampa (einen Becher aus dem man Terere trinkt) von meinem Lieblingsfußballteam hier in Paraguay bekommen. Am Abend haben wir nochmal einen neuen Versuch gestartet, ein Asado zu machen, was auch diesmal deutlich besser funktioniert hat. Zum Glück klarte der Himmel ein wenig auf und wir haben den ganzen Abend gequatscht und Spiele gespielt.

Das war also mein Weihnachten. Es war auf jeden Fall eine Erfahrung und die Zeit auch sehr schön, aber ich wünsche mir dann doch nächstes mal wieder ein Weihnachten so wie ich es aus Deutschland kenne. 

Ganz anders hingegen war mein Silvester. Ich bin mit fast allen Freiwilligen aus Paraguay über Silvester nach Encarnacion gefahren. Das ist eine Stadt ganz im Süden von Paraguay an der argentinischen Grenze. Das besondere an Encarnacion ist, dass es direkt an dem Rio Parana liegt, welcher Paraguay und Argentinien trennt. Bei Encarnacion  breitet der Fluss sich aber so weit aus, dass es mehr wie ein sehr großer See oder fast schon wie ein Meer wirkt. Vor allem bekommt man aber ein Urlaubsgefühl, wenn man an der sehr modernen „Costañera“ also dem Strand von Encarnacion ist. Strandbars, viel Sand und Unmengen an Leuten, die ihre Stühle und Sonnenschirme aufbauen, geben einem ein richtiges Meerurlaubsgefühl. Vor allem wegen Silvester, war der Strand sehr gefüllt und man musste schauen, dass man überhaupt noch einen guten Platz bekam. Wir hatten uns alle ein Airbnb gemietet und verbrachten die Zeit mit spielen, am Strand baden und kochen. Dann rückte 2024 immer näher. Am Abend bereiteten wir ein Asaso zu, badeten im Pool und spielten Karten. Um 23 Uhr gingen wir dann alle zum Strand. Überall saßen Leute an langen Tafeln, aßen und tranken. Die ersten Raketen stiegen schon in den Himmel und dann war es auf einmal soweit. Wir zählten von 10 runter und feierten in das neue Jahr rein. Alle am Strand umarmten sich und wünschten sich ein schönes neues Jahr während man auf die Skyline von der gegenüberliegenden Stadt Posadas blickte. Den Rest der Nacht verbrachten wir noch in einem Club und fielen dann müde im neuen Jahr ins Bett. 

Mir persönlich hat das Silvester besser gefallen als in Deutschland. Zum einen konnte man ohne Jacke die ganze Nacht draußen verbringen, weil es sommerlich warm war und auch tagsüber konnte man mehr unternehmen. Wir waren am Strand und später auch noch bei den „Jesuitenmissionen“ in San Ignacio (Argentinien)  Auch das Feuerwerk und „böllern“ war nicht so extrem wie in Deutschland. Man musste keine Angst haben von irgendwelchen Böllern getroffen zu werden. Ein paar Raketen hatten wir aber auch gekauft was super schön aussah. Das war also mein Weihnachten und Silvester. Ich weiß, dass der Blog ein wenig spät erscheint. Bald hört ihr schon wieder von mir. Bis dahin alles gute und viele Grüße aus Paraguay,

Felix 

2024!!

Wo arbeite ich eigentlich?

Ich glaube es wird Zeit noch meine Einsatzstelle einmal näher vorzustellen, jetzt wo ich schon ein halbes Jahr hier bin und einen Alltag gefunden habe.

Ich arbeite hier in Ciudad del Este im Viertel Santa Ana, das direkt an mein Wohnviertel angrenzt. Ich wohne nämlich offiziell im „Barrio 23 de octubre“, wohne aber eigentlich direkt an der Grenze zum Viertel „Santa Ana“. Aber zurück zum Projekt, in dem ich meinen Freiwilligendienst leiste: meine Einsatzstelle nennt  sich „Callescuela“, was übersetzt so etwas wie „Straßenschule“ heißt. Die Callescuela ist insgesamt ein ziemliches großes Projekt, das nicht nur hier in der Umgebung von Ciudad del Este mehrere Standorte hat, sondern auch in Asunción (Hauptstadt Paraguays). Hier in Alto Paraná (der Region, in der Ciudad del Este liegt) hat die Callescuela insgesamt 3 Standorte. Diese liegen in Ciudad del Este selbst, Presidente Franco und Minga Guazú. Insgesamt sind aber alle Standorte sehr miteinander verbunden und im ständigen Austausch, teils arbeiten auch die gleichen Mitarbeiter in den einzelnen Standorten und wechseln sich ab. 

Logo der Callescuela

Die Callescuela ist ein Projekt, das sich für die Rechte Kinder und Jugendliche einsetzt. Dabei geht es vor allem um Kinder und Jugendliche, die auf der Straße arbeiten und/oder aus finanziell schwächeren Familien stammen. Es gibt deswegen verschiedenste Angebote, die für die verschiedenen Altersgruppen sind. Es gibt somit einerseits einen Kindergartenzweig, der sich „CEPI“ (Centro primera infancia) nennt, Nachhilfeangebote (refuerzo escolar) und politische Gruppen. 

Ich darf als Freiwillige all diese 3 Bereiche begleiten und kennenlernen und das sogar an allen 3 Standorten. Bisher habe ich immer in Presidente Franco gearbeitet und einmal die Woche in Santa Ana. Für das zweite Halbjahr werde ich aber mit meiner Mitfreiwilligen Freia die Einsatzorte tauschen, was bedeutet, dass ich hauptsächlich in Santa Ana sein werde und einmal die Woche in Minga Guazú. So habe ich die Möglichkeit alle Standorte und Kinder kennenzulernen und darauf freue ich mich jetzt schon sehr.

CEPI – der Kindergarten

Im CEPI kommen Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren, welche immer in 2 Gruppen kommen. Vormittags kommen die 2-3 jährigen und nachmittags dann die 4-5 Jahre alten Kinder. Beide Altersgruppen haben den gleichen Ablauf, was die Aktionen angeht, die wir mit ihnen machen. Nach dem Ankommen wird zunächst einmal gespielt. Das Spielen steht im Kindergarten sehr im Vordergrund. Die ersten eineinhalb Stunden haben die Kinder Zeit zu spielen, sich gegenseitig ihre Spielzeuge zu zeigen und sich gemeinsam Geschichten auszudenken. Danach stellen wir uns dann alle gemeinsam auf und singen Lieder und tanzen dazu. Das macht immer besonders Spaß. Das hilft den meisten sehr sich auszupowern und danach anzufangen kreativ zu werden. Nach dem Singen und Tanzen geht es dann nämlich ans Basteln. Dabei gibt es immer ein bestimmtes Thema, das behandelt wird, wie z.B. Farben, Tiere, Verkehrsmittel etc. Dafür zeigen wir den Kindern dann, wie wir einen bestimmten Gegenstand basteln oder ein Bild malen wollen und helfen den Kindern bei der Umsetzung. Zum Abschluss gibt es dann die „merienda“, einen kleinen Snack wie z.B. einen Joghurt, Kekse oder Bananen. Bis die Kinder dann abgeholt werden,  wird wieder gespielt und schon ist der Tag vorbei.

Am Nachmittag geht es dann von vorne los nur eben mit den älteren Kindern und mit anderen Bastelaktionen.
Zudem werden Ausflüge organisiert bei denen wir mit den Kindern auf Spielplätze fahren und dort gemeinsam spielen. Auf diese Ausflüge freuen sich die Kinder immer besonders.

Refuerzo Escolar – Nachhilfe

Bei der Nachhilfe kommen Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 17 Jahren, die Hilfe und Unterstützung bei Hausaufgaben brauchen. Auch dabei sind die Kinder in Vormittags- und Nachmittagsgruppen eingeteilt, um nach Klassenstufen trennen zu können, wobei auch hier der Ablauf ähnlich ist. Wenn die Kinder und Jugendlichen ankommen, werden allgemeine Themen wiederholt und geübt und anschließend individuell auf die Schwierigkeiten der Kinder eingegangen. Je nach dem ob Hausaufgaben anstehen, bei denen Hilfe benötigt wird, gehen wir anschließend auch diese durch. Zwischendurch machen wir dann eine kleine Pause, in der die Merienda verteilt wird. Danach geht es dann zurück an die Aufgaben. 

Insgesamt behandeln wir vor allem die Fächer Mathe, Spanisch und Guaraní, weil das die Grundfächer sind, die alle Kindern am meisten brauchen und üben. Dabei üben wir besonders mit den Jüngeren die Grundlagen, wie Silben, das Alphabet und Groß- und Kleinbuchstaben und die Zahlenräume etc. Gleichzeitig wiederholen wir aber auch viel Diktate und das Verstehen von Texten oder Addition, Multiplikation und Rechnen mit größeren Zahlen. Es geht vor allem darum, Grundlagen zu vertiefen und zu wiederholen, weil dafür in der Schule oft nicht genug Zeit ist. Bevor dann alle nach Hause gehen, wird meistens noch kurz draußen gespielt oder gemalt.

Die politischen Gruppen

Die politischen Gruppen sind ein weiterer sehr wichtiger Zweig der Callescuela. Die Kinder und Jugendlichen, die an diesen Gruppen teilnehmen, sind Teil der CONNAT‘S (Coordinación nacional de niños, niñas y adolescentes trabajadores). Die CONNAT‘S ist eine Organisation von arbeitenden Kindern und Jugendlichen aus Paraguay, die sich für die Rechte dieser einsetzt. Die Callescuela arbeitet also mit der CONNAT‘S zusammen, wobei die CONNAT‘S auch unabhängig von der Callescuela aktiv ist.

In diesen politischen Gruppen wird dann über das politische System im Land gesprochen und analysiert, was es für Probleme und Verbesserungsmöglichkeiten besonders im Bezug auf die Rechte von Kindern und Jugendlichen gibt. Es geht also beispielsweise um Themen wie Partizipation, Grundrechte, Sicherheit oder soziale Gerechtigkeit. Teil dieser Gruppen zu sein und ihre Aktivitäten mitzuerleben macht total Spaß und ist super interessant.

25.11. internationaler Gedenktag gegen Gewalt an Frauen

Um ein paar Beispiele von Aktivitäten zu nennen: Am 25.11. (internationaler Tag gegen Gewalt jeglicher Art an Frauen) haben wir Infoplakate in der Stadt aufgehängt, um auf den Tag aufmerksam zu machen und mit einem Megafon und Trommeln Aufforderungen gegen die Gewalt an Frauen gerufen. 

Im Dezember und im Februar gab es den „Terere-Jere“, ein Treffen aller Vertreter*innen der verschiedenen politischen Gruppen aus verschiedensten Standorten in Alto Paraná, bei dem sich über Inhalte ausgetauscht wird und weitere Aktivitäten geplant werden. Dabei gibt es außerdem immer auch Workshops zu neuen Themen. Bei dem Treffen im Februar standen die unterschiedlichen Lebensrealitäten in Paraguay im Vordergrund. Es kamen Gäste, die von ihrer eigenen Realität erzählt haben und den Kindern Fragen beantwortet haben. Anhand der Berichte und eigenen Erfahrungen haben die Kinder und Jugendlichen dann Probleme in den Bereichen von Bildung, Gesundheit und Arbeit herausgearbeitet.

Außerdem werden zu vielen anderen Gedenktagen Aktionen vorbereitet, wie am 08.03. (internationaler Frauentag). In Vorbereitung auf diesen Tag haben die Kinder in Gruppen darüber geredet, was Frauen und Mädchen leid sind und was wir tun können, um diese Dinge zu ändern. 

Die politische Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen ist also ziemlich vielseitig und besonders spannend. Ich bewundere jedes Mal aufs Neue, wie aktiv alle mitarbeiten und ihre Energie in all diese Projekte stecken und nie aufhören für ihre Rechte zu kämpfen. 

Die Callescuela soll insgesamt einen sicheren und liebevollen Ort für Kinder und Jugendliche darstellen und Unterstützung für die Kinder und Familien bieten. Die Angebote der Callescuela sind daher komplett kostenfrei und sie wird nur durch Fördergelder und Kooperationen finanziert.

Ich bin extrem glücklich, bei der Callescuela zu arbeiten und ihre Arbeit kennenzulernen und Teil davon sein zu können. Jeder Tag ist anders und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen macht total Spaß. Jetzt nach den Sommerferien laufen die Anmeldungen für das nächste Jahr auf Hochtouren und in 2 Wochen startet dann wieder das volle Angebot in den Standorten. Bis dahin steht noch ein wenig Instandhaltung und Büroarbeit an. Ich freue mich auf jeden Fall total auf das zweite Halbjahr und einen anderen Standort nochmal genauer kennenlernen zu können.

5-jähriges Jubiläum von Añua Roga
Spielen im Park

Bis bald!
Eure Malena

P.S.: die Callescuela und die CONNAT’S haben auch ein Profil bei Instagram, auf dem über die Aktivitäten informiert wird. Falls jemand Interesse hat auf dem Laufenden zu bleiben 😉

@callescuela @connats_py

Und plötzlich stand Weihnachten vor der Tür…

Seit ich mich das letzte Mal gemeldet habe, ist eine Menge passiert. Alltag, Abschlussfeiern im Projekt, Campamento (Feriencamp), Urlaubsplanung und dann plötzlich auch schon Weihnachten. Aber ich fange mal von vorne an…

Meine letzten Wochen waren tatsächlich relativ anders als der normale Alltag, den ich zuvor kennengelernt hatte. Besonders im Projekt standen viele Aktionen an, die zum Abschluss des Jahres veranstaltet werden, wie zum Beispiel die sogenannte „Clausura“. Clausuras sind im Grunde genommen Abschiedsfeste, die das Schul- und Kalenderjahr beenden und abschließen sollen. Dabei wird den Eltern und Familien der Kinder vorgestellt, was im Jahr alles bearbeitet und gemacht wurde, Fotos werden gemacht und es gibt zu Essen. Diese Clausuras fanden für die Kindergartenkinder statt. Im Nachhilfeunterricht und den politischen Gruppen gab es so etwas nicht. 

Clausura im Kindergarten

Dafür gab es aber das Campamento, das Feriencamp. Dieses wurde für alle Jugendlichen aus den politischen Gruppen der Callescuela angeboten und wird jedes Jahr als Abschluss gesehen. Außerdem ist es die Umsetzung eines der vielen Rechte von Kindern und Jugendlichen, das Recht auf Erholung und Pause. Bei diesem Campamento wurden viele Spiele gespielt, Gruppen gebildet und über bestimmte politische Themen gesprochen und ausgetauscht, was man über das Jahr darüber gelernt hat und viel gelacht und gegessen. Eine Kleingruppe habe ich auch betreuen dürfen und somit war meine Gruppe die Gruppe „Azul- los pitulibertadores“ . Teil von diesem Camp sein zu dürfen hat mich total glücklich und dankbar gemacht und es war trotz der anstrengenden Planung und Betreuung eine echt tolle Gelegenheit die Kinder besser kennenzulernen.

Zum Ende des Campamentos wurden dann Gruppentänze aufgeführt und natürlich durfte der Lehrer-Tanz auch nicht fehlen und alle Betreuer*innen haben fleißig getanzt. Das hat sehr viel Spaß gemacht. Nach 2 Tagen ging es dann aber auch schon wieder zurück und die Zeit, in der Kinder ins Projekt kamen, war offiziell vorbei. Ab dem Zeitpunkt stand dann viel Büroarbeit auf dem Programm. Anwesenheitslisten wurden kontrolliert, Berichte über die Aktivitäten des Jahres verfasst, Ordner und Fotos sortiert und PowerPoints zur Präsentation all dessen erstellt. Zu guter letzt wurde dann fertig aufgeräumt, Möbel abgedeckt und geputzt, um das gesamte Projekt für einen Monat zu schließen. Und dann war auch schon mein letzter Arbeitstag und es hieß so richtig Weihnachten und vor allem Sommerferien.

Tatsächlich war es gar nicht so schwer in Weihnachtsstimmung zu kommen wie gedacht. Ich muss sagen Musik und Kekse backen, kann schon sehr viel Weihnachten vermitteln. Außerdem habe ich mit meinen Mitbewohnerinnen Deko gebastelt und aufgehängt. Trotzdem war es aber ein ganz anderes Weihnachtsgefühl als sonst. Bei 35 Grad stand ich in Nachthemd auf der Terrasse und habe Kekse ausgestanzt und musste dann meine Backaktion unterbrechen, weil sich der Teig durch die Hitze verselbstständigt hat. Nach kurzem Schockfrosten im Tiefkühlfach konnte es dann aber weitergehen 😉

Natürlich haben aber auch die Klöße und der Rotkohl, den eine meiner Mitbewohner*innen aus Deutschland mitgebracht hat, für große Weihnachtsstimmung gesorgt.
Auch die Stadt war dekoriert. Die Municipalidad Ciudad del Este hat eine große Recyclingaktion gestartet und so war die gesamte Innenstadt mit Deko aus recycelten Plastikflaschen geschmückt. Das war so schön und ich fand die Idee total schön. Außerdem gab es Krippen jeglicher Art und vor allem jeglicher Größe am Straßenrand zu kaufen. Das kannte ich so vorher nicht und fand es total spannend.

Kurz vor Weihnachten kam dann tatsächlich auch Post aus Deutschland an. Eigentlich war die für meinen Geburtstag Ende November geplant, aber das war ganz egal, denn die Hauptsache war, dass sie angekommen ist. Ich muss sagen, mir war klar, dass ich mich freuen würde, aber den Moment in dem ich das Paket in den Händen hielt und mit meiner Familie am Telefon ausgepackt habe, werde ich nie vergessen. 

Jetzt aber mal zu Weihnachten selbst… Weihnachten war ein total besonderer Tag (ich rede jetzt vom 24.12.). Wir haben Heiligabend in Ciudad del Este bei einer Freundin und ihrer Familie verbracht und haben abends alle gemeinsam gegessen und gequatscht. Es war so schön, Weihnachten mit Freunden und bei einer Familie verbringen zu können und ein typisches Weihnachten in Paraguay zu erleben. Dabei haben wir festgestellt, dass Weihnachten hier irgendwie gar nicht so anders gefeiert wird, es aber trotzdem etwas ganz anderes als sonst für uns war. Wir haben uns abends getroffen und gemeinsam gegessen und viel geredet und gelacht. Um Mitternacht wurde dann angestoßen und sich frohe Weihnachten gewünscht und in der ganzen Stadt wurde Feuerwerk gezündet. Danach wurde dann erst richtig gefeiert. Es kam mir fast vor wie eine Mischung aus Weihnachten und Silvester. Am Morgen sind wir gemeinsam frühstücken gegangen und haben es uns gemütlich gemacht, was bei erneuten 35 Grad recht schwierig war. Nach dem erneuten Versuch Kekse zu backen habe ich außerdem mit meiner Familie telefoniert. 

Und so schnell Weihnachten kam, war es dann auch schon wieder vorbei. 

Jetzt ist beinahe Silvester und ich sitze gerade zwischen Haufen von Klamotten und Dingen, die ich mit in den Urlaub nehmen will. Im Januar geht es nämlich auf in den Urlaub bis dann auch schon das Zwischenseminar ansteht. Ich realisiere selbst gar nicht, wie schnell die Zeit vergeht und wie viele schöne Momente noch auf mich warten.

Kommt gut ins neue Jahr und bis bald 🙂

Malena

P.S.: Danke an Julia, dass ich meinen Blogbeitrag hier hochladen kann. Ich habe aktuell nämlich noch Technikprobleme und kann ihn nicht selbst hochladen. Deswegen so ein verspäteter Weihnachtsbericht 😉

War ich nicht schonmal hier? Meine Ankunft in Südamerika

Ein leichtes schaukeln, das etwas lautere Summen der Klimaanlage. Ich erfriere! Das denke ich gerade, während ich schon zum vierten Mal innerhalb von 2 Wochen eine fünf stündige Busfahrt von der Hauptstadt zu meiner Heimatstadt antrete. Warum das ganze? Ich fang von vorne an. Also ich meine von ganz vorne.

Haupei! Ich bin Felix, 19 Jahre alt und wohne in Berlin. Nachdem ich 2022 mein Abi endlich in der Tasche hatte, war mir ziemlich klar das ich jetzt erstmal für eine Zeit nichts mehr mit Schule oder Uni zu tun haben will. In erster Linie war mein Ziel mal von zu Hause wegzukommen und neue Leute kennenzulernen. Einmal habe ich mich verguckt, schon stand ich Anfang Februar am Flughafen in Rio de Janeiro. Drei Monate alleine durch Südamerika reisen waren das Ziel. Aber darum soll es in diesem Blog nicht gehen, deswegen fasse ich die drei Monate alleine reisen in einem Satz zusammen: Südamerika hat mir so enorm gut gefallen, dass ich mich mit Mühe und Not noch auf einen Nachrückplatz beim ZMÖ beworben konnte. Wie durch ein Wunder, wurde spontan noch eine Stelle in meinem Länder- und Städtefavorit frei. Ciudad Del Este, Paraguay. Um ehrlich zu sein, wusste ich anfangs, so wie ihr wahrscheinlich auch, nichts über Paraguay. Ich meine warum auch? Das Land hat keine weltbekannten Touristenattraktionen wie zum Beispiel eine riesige Christstatue oder einen Eifelturm. Dieser scheinbar unauffällige und nicht besondere Charme, machte für mich das Land noch viel interessanter. Was mich erwartet wusste ich aber trotzdem nicht. Nach einigen Seminaren und Komplikationen mit meinem Endgegner „Deutsche Bürokratie“ bei der Visa Vorbereitung (dazu später mehr) ging es also am 14. August endlich los.

Kurz vor Abflug am Frankfurter Flughafen

Nervös war ich überraschender weise kaum, was wahrscheinlich daran lag, dass ich zum einen erst vor kurzem für drei Monate weg war aber vor allem zum anderen daran, dass ich schon einige Leute von den Seminaren kannte und mein Kumpel Andreu auch nach Paraguay ging. Gegen 21 Uhr abends hob unser Flugzeug, gefüllt mit 60 Freiwilligen) Richtung Buenos Aires ab. Angekommen, durchatmen und sich fragen, was sich seit dem letzten Mal im April, als ich in der argentinischen Hauptstadt war, geändert hat. Nicht viel. Das Sonnenlicht wirkte eher kalt. Naja, Winter halt. Temperaturen auch nicht mehr so schön warm wie im noch spätsommerlichen Deutschland. Jetzt also zwei Wochen Vorbereitungsseminar in Buenos Aires. Die 60 Freiwilligen wurden in 4 verschiedene Unterkünfte aufgeteilt, die in der 12 Millionen Einwohner Stadt verteilt waren. Meine Unterkunft war direkt am Wahrzeichen von Argentinien, dem „Obelisto“. Jeden Morgen ging es für uns vom Zentrum aus zum Seminarhaus der IERP. Das Seminar bestand aus Workshops, einem Sprachkurs für alle Sprachlevel und Ausflügen in und außerhalb von Buenos Aires. Mir hat das Seminar deshalb so gut gefallen, weil man viele neue Freiwillige kennengelernt hat. Wir waren feiern, essen oder haben gemeinsam gekocht. Ich habe einige Orte wieder besucht, an denen ich schon 4 Monate vorher war.

Die zwei Wochen vergingen schneller als ich gedacht hätte und schon saßen wir am Dienstag den 29. August am Busbahnhof „Retiro“. Der Abschied von den neuen Bekanntschaften fiel nicht leicht. Zwanzig Stunden Busfahrt, bis ich in Ciudad Del Este ankam. Der Grenzübergang verlief problemlos und um 13 Uhr mittags kamen wir endlich verschlafen in Ciudad Del Este an. Mein Chef Jose und zwei Leute von der Arbeitsstelle von meiner Mitfreiwilligen Malena holten uns vom Busbahnhof ab und bringen uns zu unserem zu Hause für das kommende Jahr. Mein Zimmer hatte ein Bett und einen Schrank, weshalb es ziemlich leer und trostlos wirkte. Auf den ersten Blick hatte unser Haus einige Mängel. Trotzdem gefiel mir mein neues zu Hause echt gut. Unsere Vermieterin Julie ist super nett und nachdem ich von der Busfahrt ein wenig erkältet war, begann vier Tage nach der Ankunft mein erster Arbeitstag.

Ich arbeite in der „Hogar de Niños“, was man ein bisschen mit einem Hort vergleichen kann. Es geht darum, dass Kinder nach oder vor der „richtigen“ Schule einen Ort haben, an dem sie Unterstützung bei Hausaufgaben bekommen oder Sport machen können. Das Gelände von meinem Projekt ist richtig groß. Es gibt einen Sportplatz, eine Turnhalle, einen Computerraum und einige Klassenräume für die fünf Gruppen, in denen die 6 bis 18 jährigen Kinder eingeteilt werden. Am Anfang habe ich mich sehr unnötig bei meiner Arbeit gefühlt und stand oft nur daneben rum. Auch wenn man schon von den Vorfreiwilligen gehört hat, dass das am Anfang normal sei, hat es sich komisch angefühlt. Mittlerweile liebe ich aber meine Arbeitsstelle. Die Leute sind alle super nett und entspannt und man kann selber schauen, in welcher Altersgruppe man sich am wohlsten fühlt. Ich arbeite jetzt mit Jugendlichen zusammen und bringe ihnen die Basics von Computerprogrammen wie „Word“ bei oder unterstütze sie, ihre Arbeitshefte von der Schule zu bearbeiten. Manchmal machen wir Ausflüge an einen See zum Baden oder arbeiten im Garten.

Ich wohne ja in Ciudad Del Este, ganz im Osten von dem Land. Direkt am Drei Länder Eck von Brasilien Argentinien und Paraguay. Die Stadt Ciudad Del Este ist glaube ich vom Stadtbild einzigartig. Das Zentrum besteht aus Einkaufszentren, die sich bis zur brasilianischen Grenze ziehen und einem riesigen Markt auf dem vor allem Elektrogeräte verkauft werden. Jeden Tag kommen tausende Menschen aus Brasilien und Argentinien um in Paraguay günstige Elektronikgeräte zu kaufen. Wenn man ein bisschen aus dem Zentrum rausgeht, gibt es einen großen Stadtsee mit einem noch größeren Park an dem sich die Clubs und Bars anreihen. Wir wohnen eher am Rand von der Stadt aber mit Uber oder Bolt, was im Gegensatz zu Deutschland hier extrem günstig ist, kommt man schnell in die Stadt.  Was ich am liebsten mache, ist mit einem Motortaxi (also ein Taxi nur mit einem Motorrad) zu fahren, da es nochmal günstiger und man bei dem teilweise schlimmen Verkehr deutlich schneller ist. Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich momentan, zweieinhalb Monate nach Ankunft, erst einen Bruchteil der Stadt gesehen. Trotzdem liebe ich es, jeden Tag neue Sachen zu entdecken und bin mittlerweile mit einem Fahrrad auch ein bisschen flexibler.

Eine Sache muss ich noch erzählen: Die Sache mit dem Visum. Paraguay macht es einem echt nicht leicht mit der Beantragung von einer „Residencia Temporal“ also einer vorübergehenden Aufenthaltsgenehmigung. Das wundert mich auch nicht wirklich, da schon seit Jahrzehnten und besonders seit 2020 viele Deutsche nach Paraguay auswandern. Nachdem wir nun die letzten zwei Wochen zwei mal in der Hauptstadt „Asunción“ waren, nochmal neue Dokumente beantragt und kopiert haben, konnten wir nach einem großen hin und her endlich unsere „Residencia Temporal“ beantragen. Das war ziemlich knapp, denn einen Monat später hätten wir schon mit unserem Touristenvisum das Land verlassen müssen.

Ob ich jetzt angekommen bin? Keine Ahnung. Ehrlich gesagt, dachte ich schon nach den ersten zwei Wochen, dass ich mich eingelebt hatte. Aber einen richtigen Alltag mit neuen Hobbys habe ich mir erst jetzt, nach zweieinhalb Monaten aufgebaut. Ich kann aber sagen, dass ich es hier liebe und ich viele Sachen, die ich schon auf meiner Backpacking Reise kennengelernt habe, wiederkenne.

Ich werde wahrscheinlich bald wieder was zum schreiben haben, da es auch hier langsam weihnachtlich wird. Ich sehr gespannt bin, ob ich bei 30 Grad in Weihnachtsstimmung kommen kann.

Wo liegt eigentlich Paraguay?

Hallo, Hola und Mba’éichapa (Guaraní)

Ich bin Lea und ich mache meinen Freiwilligendienst in Asunción, Paraguay

Paraguay ist ein Land, in dem es nur wenig Tourismus gibt und welches für viele Menschen noch unbekannt ist. Für mich war das nicht anders. Als ich meinen Platz bekommen habe, waren alle natürlich neugierig und haben angefangen mir alle möglichen Fragen zu stellen. Die Tatsache, dass ich nur sagen konnte, dass Asunción die Hauptstadt ist, es zwischen Argentinien und Brasilien liegt und ich nirgends einen Reiseführer dafür finden kann, war da leider nicht ausreichend genug. 

Also musste erstmal gegoogelt werden…Ahh okay, fast 7 Millionen EinwohnerInnen, wenig Tourismus, überraschend viele deutsche und zwei Amtssprachen; Spanisch und die indigene Sprache Guaraní, welche genau so heißt wie auch die Währung vor Ort (1€ sind ungefähr 8.000 Guaraní). Stück für Stück konnte ich immer mehr über Paraguay herausfinden und die ganzen Fragen mehr oder weniger beantworten. Inzwischen weiß ich schon deutlich mehr über das Land, die Menschen und ihre Kultur und ich lerne jeden Tag dazu. 

Aber jetzt ist natürlich auch die Frage was ich hier eigentlich so mache; 

Ich arbeite in der Callescuela, diese ist eine Organisation, die sich für die Förderung der Rechte von Kindern und Jugendlichen einsetzt. Besonders für arbeitende Kinder und Jugendliche. Neben dem Büro gibt es in Asunción 4 Einsatzstellen, von denen dieses Jahr 3 besetzt sind. Ich arbeite in der Einsatzstelle “Villa Elisa”, welche eine von den Stellen ist, die sich direkt in einer der “Comunidades” (Gemeinschaft/Siedlung) befindet.

Dann gibt es noch “9 de Marzo” oder „Nueve de Marzo“, wo eine Freiwillige arbeitet und der “Mercado Abasto”, auf dem noch zwei weitere Freiwillige arbeiten.

Mein „Zuhause“ ist hier in einer Art Studentenheim, in dem ich gemeinsam mit 4 weiteren Freiwilligen lebe. Ich habe meine eigenen vier Wände (+ gelegentliche Besuche von Ameisen) und sogar ein eigenes kleines Bad. Auf dem Gelände leben ungefähr 30 StudentenInnen, die Vermieterin mit ihrer Familie, die deutsche Kirche mit dem deutschen Pastor und seiner Frau und 4 Hunde. Es gibt mehrere Gebäude auf dem Gelände verteilt, ein Fußballplatz, sehr viel grüne Fläche und Papaya Bäume.

Einen typischen Tag bzw. Woche könnt ihr euch so vorstellen: 

Um ca. 6:30 Uhr stehe ich auf, Frühstücke etwas und mache mich fertig. Zwischen 7:00-7:15 gehe ich los zu meiner Busstation und dann heißt es erstmal warten, bis der richtige Bus kommt, das kann manchmal sehr lange dauern und für eine Person, die aus einer Großstadt wie Hamburg kommt, fühlt es sich wie eine Ewigkeit an. Wenn der Bus dann da ist, muss ich ungefähr 30-45 Minuten fahren, je nach dem wie viel Verkehr es gibt. Manchmal nutze ich die Zeit zum Vokabeln lernen, meistens schlafe ich aber einfach ein.

Angekommen in Villa Elisa:

Dort gibt es drei verschiedene Altersgruppen. „CEPI“ (2-4), „Abeja‘s“(6-13) und „Goats“(Jugendliche). Dienstags und Donnerstags gibt es eine sogenannte „Refuerzo“ (Hausaufgabenhilfe), bei der auch eine Professorin/Lehrerin da ist und mit den Kindern schreiben, lesen und Guaraní lernt oder ihnen beim Hausaufgaben machen hilft. Am Mittwoch und Freitag Nachmittag ist immer die „CEPI“ Gruppe da. Es wird gespielt, gesungen, gebastelt und gegessen. Samstag Vormittags sind dann noch die Jugendlichen da. Dort gibt es meistens eine „Reunión“ (Eine Besprechung/Sitzung), bei der viele verschiedene Themen besprochen werden.

Mittwochs und Freitags habe ich nach der Arbeit von 18-20:00 noch Training. Ich habe das Glück hier, das Ringen weiter fortzuführen und habe mich sehr früh bereits über Vereine und Trainingsmöglichkeiten informiert. Das hat mir sehr geholfen eine gewisse Routine und etwas vertrautes, aber trotzdem auch neues/anderes in diesem ganzen Chaos zu haben. Auch wenn mir manchmal die Motivation fehlt, schaffe ich es meistens trotzdem mich zum Training zu motivieren und im Nachhinein bin ich auch immer sehr froh, da gewesen zu sein. 

Nach dem Training geht es wieder nachhause und meistens machen wir Freiwilligen noch etwas zusammen, wie reden, kochen oder spielen „Wizzard“. Das Wochenende fängt für mich am Samstag Nachmittag an und geht bis Montag. Wenn wir nicht gerade etwas gemeinsam unternehmen, ist das auch die Zeit, wo ich meine Wäsche waschen kann, einkaufen gehe oder ein bisschen mein Zimmer und Bad putzen kann.

Inzwischen lebe ich mich so langsam ein, auch wenn es mir manchmal noch etwas schwer fällt und ich noch viel an mein Zuhause denken muss. Ich bin aber sehr froh, hier in Asunción gelandet zu sein! Auch in meiner Einsatzstelle fühle ich mich immer wohler. Der Arbeitsweg wird zur Routine, der Bus ein guter Ort für Power-naps und jedes mal wenn ich meine Communidad betrete, überkommt mich ein wohliges Gefühl. 

Ich bin sehr dankbar für die ganzen Menschen, die mir diese Zeit hier ermöglichen und vor allem bin ich gerade sehr dankbar für die Personen, die mir das ankommen hier erleichtern, unabhängig davon, ob sie dabei tausende von Kilometern entfernt sind, nur durch eine regelmäßig abrechende WLAN Verbindung für mich da sind oder ob sie ganz nah sind und mit der Hilfe von Google Übersetzer mir hier vor Ort helfen, Ich bin sehr dankbar dafür! 

Was noch ein bisschen ein Stein im Schuh ist, ist das Thema Visum. Anders als die meisten, müssen wir erst hier vor Ort den größten Teil dafür machen. Was vor einem halben Jahr noch sehr toll war, ist jetzt leider sehr nervig. Für uns heißt das nämlich, regelmäßige Besuche bei verschiedenen Behörden und ständig von A nach B rennen. Aktuell haben wir aber alle Dokumente und müssen jetzt nur noch das finale Visum beantragen. Zum Glück werden wir viel dabei unterstützt, was die ganze Sache deutlich leichter macht. Ich werde aber trotzdem sehr froh sein, wenn das kein Thema mehr ist.

Dafür gibt es aber viele andere schöne Dinge und Momente hier, über die ich mich immer freuen kann. Zum Beispiel, wenn ich weniger als 15 Minuten auf meinen Bus warten muss, die Papaya Bäume im Studentenheim, der Beginn der Mango-Saison, Dienstags und Donnerstags „Cocido con leche“ trinken (Eine Art schwarzer Tee mit Milch und einem Jahresvorrat an Zucker), etwas anderes gekocht zu haben als Nudeln mit Soße, ein neues Wort auf Guaraní lernen, wenn es nach ein paar heißen Tagen wieder auf 25 Grad abkühlt oder wenn man sich endlich dazu aufbringen kann einen neuen 25L Wasserkanister die Treppe hoch zu schleppen. 

Wie ihr seht gibt es hier viele Dinge und noch mehr über die ich mich regelmäßig freuen kann, auch wenn ich anfangs einige davon als große Qual gesehen habe. Aber sin problema (ohne/kein Problem), wenn ich wieder zuhause bin, wird mir nie wieder zu heiß sein, ich kann 1A Nudeln kochen und habe Muskeln wie Arnold Schwarzenegger.

Willkommen in Südamerika!

Was vor 3 Monaten noch unvorstellbar war, ist nun Wirklichkeit. Inzwischen bin ich schon seit zweieinhalb Monaten auf südamerikanischen Boden und die einst so weit entfernte Vorstellung von dem Leben hier ist plötzlich mein Alltag geworden.

Am 14. August ging es los und ich stand mit meinen Eltern und meiner Schwester und so vielen anderen Lateinamerika-Freiwilligen vom ZMÖ und anderen Organisationen am Flughafen. Ich hatte mich in den letzten Wochen vor meinem Abflug von so vielen Menschen verabschiedet und war das Abschiednehmen gewöhnt und trotzdem war es komisch, dass es auf einmal so weit war. Ich war auf dem Weg in das Abenteuer, auf das ich mich Monate gefreut hatte.

Wir hatten das Glück, mit einem Direktflug von Frankfurt direkt nach Buenos Aires zu fliegen, wo wir mit insgesamt 51 Freiwilligen zwei Wochen lang ein Einführungsseminar besuchten. Die meisten Freiwilligen lernte ich bereits am Flughafen kennen, unter anderem meine Mitbewohnerinnen Freia und Klara. Aufregung, Vorfreude und gleichzeitig ein bisschen Angst lagen in der Luft und dann hieß es BOARDING. 

Die 14 Stunden Flug vergingen deutlich schneller als ich mir vorgestellt hatte und plötzlich trafen wir schon auf argentinischen Boden. Am Flughafen wurden wir direkt von Anna und Peter von der IERP, der Partnerorganisation, die Ansprechpartner für uns alle ist, in Empfang genommen und zu unseren Unterkünften gebracht.

Nachdem wir unsere WGs für die 2 Wochen kennengelernt hatten, ging es dann los die Stadt erkunden. Ich war unfassbar aufgeregt, das erste Mal außerhalb von Europa zu sein und unfassbar neugierig alles kennenzulernen.

Am nächsten Tag ging dann das Seminar los und nach und nach lernten wir uns alle kennen und verstanden uns auf Anhieb ziemlich gut. Durch das Zusammenleben in WGs wurden wir schon auf unseren späteren Alltag vorbereitet, was mir tatsächlich sehr geholfen hat und ich habe nach einem Tag bereits sehr zu schätzen gewusst, diese WG zu haben. 

Während des Seminars wurde uns nochmal super viel mit auf den Weg gegeben. Von organisatorischen Fragen, über länderspezifische Einheiten bis hin zu Sprachkursen und Workshops wurde alles abgeklappert. Besonders spannend fand ich die Einheit zur Geschichte Lateinamerikas und den Folklore-Workshop, das war einfach sehr berührend und inspirierend. Auch der Sprachkurs war ein perfekter Einstieg und hat uns alle langsam an den Alltag hier herangeführt. Die zwei Wochen in Argentinien waren einfach eine ganz besondere und vielfältige Zeit, für die ich sehr dankbar bin. 

Und so schnell, wie wir in Argentinien angekommen waren, ging es dann auch schon weiter nach Paraguay. Wir haben am letzten Tag des Seminars noch ein großes Abschiedsgrillen veranstaltet und die letzten Stunden alle zusammen genossen. Am nächsten Morgen ging es dann los.

Wir sind mit dem Bus, der wirklich sehr gemütlich war, von Buenos Aires direkt nach Ciudad del Este gefahren. Jede*r hatte einen breiten Sessel mit Fußablage und alles war sehr geräumig. An der Grenze verlief auch alles problemlos und bald waren wir auch schon in Hohenau, wo zwei Freiwillige ausgestiegen sind. Es blieben also nur noch wir vier auf dem Weg nach Ciudad del Este. Das war der Punkt, an dem ich das erste Mal so richtig realisiert habe, dass es jetzt wirklich losgeht zu dem Ort, der für ein Jahr mein Zuhause wird.

Angekommen! (Felix, ich, Klara, Yulie, Julia, Freia und José von links nach rechts)

Nach 24 Stunden im Bus kamen wir dann an und wurden von der Leitung unserer Projekte (Julia und José) abgeholt und mit einem landestypischen Essen begrüßt. Es gab „sopa paraguaya“, einen herzhaften Kuchen aus Maismehl und Käse, und Fleisch mit einer Gemüsepfanne. Danach ging es zu unserem Haus und uns wurde alles gezeigt und erklärt. Dort hat uns auch unsere Vermieterin Yulie in Empfang genommen, mit der wir uns ein Grundstück teilen. Die ersten Tage hatten wir erstmal Zeit, um uns einzuleben und zu organisieren, was Einkäufe und erste Anschaffungen anging. Durch Kollegen von der Arbeit oder unsere sehr hilfsbereiten Nachbarn haben wir z.B. herausgefunden, dass wir am besten auf dem Mercado einkaufen, wo es so gut wie alles gibt, oder wo wir unser Trinkwasser auffüllen können. Außerdem wurden Zimmer eingerichtet, Schränke eingeräumt, Fotos aufgehängt und Musik gehört.

Am Montag haben wir dann das erste Mal gearbeitet und wurden dem Team und nach und nach den Kindern vorgestellt. Das war total schön und überwältigend gleichzeitig. Freia und ich arbeiten beide bei der Callescuela und haben uns zusammen zwei Wochen zwei verschiedene Standorte der Callescuela angeschaut. In beiden Standorten gibt es mehrere Bereiche, wie den Kindergarten „CEPI“, die Nachhilfe „Refuerzo Escolar“ und Gruppen, die sich politisch engagieren. Wir haben uns nach diesen Einführungswochen dann auf die Standorte aufgeteilt und nun arbeite ich in „Kilometro 9“ und es macht mir wirklich Spaß. Durch die verschiedenen Altersgruppen und Aktivitäten ist es abwechslungsreich und ich arbeite mit verschiedenen Kollegen zusammen. Die Kinder haben mich alle direkt aufgenommen und sind super offen, was mir den Einstieg sehr erleichtert hat. Das Projekt ist außerdem relativ ländlich und langsam weiß ich schon, wer wo wohnt und erkenne Familien, die mich auch schon freundlich begrüßen, wenn ich zur Arbeit komme. Allgemein sind alle Menschen, die ich bisher getroffen habe, total nett und hilfsbereit und helfen mir sehr, mich hier einzufinden und mich zu verständigen. Dafür bin ich sehr dankbar!

Inzwischen haben wir uns alle noch mehr eingelebt und ich fühle mich wirklich wohl hier und bin richtig im Alltag angekommen. 

Ciudad del Este ist insgesamt eine sehr lebendige und vielfältige Stadt. Wir leben eher ländlich und nicht im Stadtzentrum, aber man merkt, dass wir am Dreiländereck mit Argentinien und Brasilien leben, weil immer viel Verkehr ist und ich z.B. anfangs oft gefragt wurde, ob ich aus Brasilien komme, wenn ich etwas nicht verstanden habe, weil es hier üblich ist, Brasilianer*innen zu begegnen. Durch unsere Vorfreiwilligen haben wir als WG außerdem schnell Kontakt zu einigen Freunden bekommen. Es tut total gut, mit Leuten in Kontakt zu sein und die Menschen und Kultur besser kennenzulernen und die Sprache natürlich auch.

Insgesamt also sehr viele neue Eindrücke, die mich alle auf irgendeine Art inspirieren. Dadurch tut es aber manchmal auch gut, einfach ein bisschen Ruhe zu genießen und Tagebuch zu schreiben oder mit meinen Mitbewohner*innen zu quatschen. Dadurch merke ich auch, wie viel sich schon in meiner Wahrnehmung verändert hat.

Feststeht, ich bin sehr gespannt auf alles, was ich noch erleben werde und bin sehr dankbar, hier zu sein und all diese Erfahrungen machen zu können.

Bis bald:)
Malena

Auf geht’s zum Campamento!

Gegen Ende November ging es für mich auf ein Campamento. Hier handelt es sich um ein Lager, welches wir gemeinsam mit allen Kindern und Jugendlichen von der Callescuela aus Asuncion besucht haben.Das Campamento ging von dem ersten auf den zweiten Dezember, da in dieser Zeit die Ferien für alle begonnen haben. Meine Mitfreiwillige Anna sowie andere KollegInnen der Callescuela und ich sind schon einen Tag vorher vorgefahren, um alles für die Kinder vorzubereiten. Wir sind ca. 2 Stunden hingefahren. Da es ein wenig abgelegen war, war unser Weg komplett mit grünen Landschaften bedeckt. Angekommen, guckten wir uns einmal das Gelände an. Es war eine große Campinganlage mitten im Grünen. Es war unbeschreiblich schön und voller Natur, was ich so noch nie gesehen hatte. Diese schöne Umgebung hatte natürlich seinen Preis, denn es gab leider kein Internet!
Wir haben alle später realisiert, dass das Internet gar nicht nötig war, da wir genug Beschäftigung hatten für die zwei Tage. Natürlich war es auch eine angenehme Abwechslung mal ohne das Handy. Die Räumlichkeiten waren gestaltet, wie es bei einem Campingplatz zu erwarten ist. Es gab zwei getrennte Räume. Einmal für die Frauen und einmal für die Männer. Um genau zu sagen, waren es ca. um die 58 Frauen und Kinder in einem Raum. Somit war es für mich eine einmalige Erfahrung, mit so vielen Menschen in einem Raum zu schlafen.

Ganz entspannt haben wir das Gelände für ca. 115 Personen geschmückt und vorbereitet. Ja, auch ich war erstmals erschlagen, als ich die Zahl gehört habe. Nach den Vorbereitungen ging es schon zu Bett, denn am nächsten Tag fing erstmals der richtige Spaß an. Morgens kamen drei Busse an, mit allen, die daran teilhaben wollten. Es sind viele Mütter mitgekommen, die über die beiden Tage verschiedene Speisen zubereitet und anderweitig mitgeholfen haben. Bei der Ankunft wurden alle erstmals herzlich begrüßt. Die Kinder und Jugendliche sind nach ihrem Alter in Gruppen aufgeteilt worden – diesen Gruppen wurde daraufhin eine Farbe zugeteilt. Mit den eigenen Gruppenmitgliedern saß man an den Essenstischen zusammen, um Chaos zu vermeiden. 
Nach dem ersten Mittagssnack ging es sofort in den Fluss schwimmen. Auch wir haben uns über die Abkühlung gefreut, da es zu Anfang sehr warm war. Natürlich spielten wir ebenfalls eine Aufsichtsrolle, falls etwas passieren sollte im Wasser. Wir hatten alle viel Spaß. Es wurden Spiele gespielt und jeder durfte sich frei bewegen. Von Fußball, Volleyball bis hin zu Brettspielen gab es alles im Angebot. Leider fing es später plötzlich an zu regnen. Doch das stellte glücklicherweise kein Problem dar, da man sowieso nass war vom Schwimmen und die meisten Kinder den Regen genossen haben nach den ganzen heißen Tagen. Abends gab es leckeres Essen von den fleißigen Müttern. Nach dem gemeinsamen Essen machten sich viele Mädels fertig für den Abend, da es noch eine kleine Vorführung gab. Eine Gruppe von Mädels haben einen typisch paraguayischen Tanz vorgeführt. Auch andere haben getanzt und uhren Talenten freien Lauf gelassen. Mit diesem schönen Abschluss ging es für alle ins Bett. Da wir doch mehr Leute waren als Betten, mussten sich einige mit Matratzen auf den Boden legen. Meine zwei Mitfreiwilligen und ich haben uns daher auch zu dritt zwei Matratzen geteilt. Das hat tatsächlich sehr gut geklappt. Da ich sehr kaputt war von diesem erfüllten Tag, bin ich schnell eingeschlafen.

Am nächsten Tag nach dem Frühstück ging es mit dem Spaß weiter. Wir haben für die Kinder Spiele vorbereitet und organisiert. Anna und ich haben ein Balance-Spiel angeleitet, welches „raquetas con aqua“ hieß. Der Name erklärt eigentlich schon im Groben, worum es geht: Die Kinder mussten sich in Gruppen aufstellen und je Gruppe gab es einen Schläger, auf dem ein Becher mit Wasser steht. Damit mussten die Kinder und Jugendlichen einmal um bestimmte Ziele laufen. Die Gruppe, welche schneller war und den Becher nicht verlor, hatte gewonnen. Das war eins von sieben Spielen insgesamt. Nach dem ganzen Spaß wurde noch ein letztes Mal der erfrischende Fluss ausgenutzt, bevor es nach ein paar Stunden wieder nach Hause ging. Zurück ging es für mich mit den anderen in den Bussen. Aufgrund von Platzmangel verbrachte ich die Rückreise auf der Treppe im Bus.
Zuhause angekommen musste viel Schlaf nachgeholt werden.
Ich hab diese Zeit auf jeden Fall mit allen sehr genossen, und konnte mit den Kindern eine engere Bindung aufbauen. Am Ende war ich aber dennoch froh darüber, in meinem Bett zu liegen.