Bei der Polizei

Das Handy

Um Ostern herum habe ich einen Freund in 日照 Rizhao besucht, der dort gerade auch einen Freiwilligendienst macht. Ein guter Freund von uns beiden, der zwei Jahre für einen Freiwilligendienst in Indien verbringt, hat uns besucht. So hatten wir ein kleines Jahrgangsstufentreffen im fernen China.

An einem Tag hat uns unser Kumpel eine Parkanlage in der Nähe gezeigt. Der Eintritt war kostenlos und es gab unglaublich leckeren Kakao. Außerdem gab es eine kleine Bäckerei, die etwas westlich angehaucht war.
Wir setzten uns also draußen hin, genossen Wurst im Schlafrock und chinesische Backwaren. Und währenddessen hatten wir noch einen schönen Blick auf Fluss und Natur.
Nach einer Weile gingen wir in einen Lesesaal der Parkanlage. Wir genossen den leckeren Kakao und schauten uns eine kleine Ausstellung über Schokolade an.
Währenddessen ist unserem Freund, der gerade aus Indien kam, aufgefallen, dass er sein Handy irgendwo liegen gelassen hat.

Die Suche

Er hat zunächst in der Bäckerei nachgefragt. Die Bäckerin hat daraufhin die Security gerufen.
Mein Kumpel ist dem Sicherheitsdienst in den Überwachungsraum gefolgt. Gemeinsam haben sie versucht, auf den Aufnahmen der Kameras nachzuverfolgen, wo das Handy liegen gelassen wurde.
Eine halbe Stunde später machte sich mein Kumpel auf den Weg, um mich zu suchen. Ich sollte ihm bei der Übersetzung helfen.

Die Suche nach dem Handy erschwerte sich dadurch, dass es einerseits ausgeschaltet war und andererseits in China Google gesperrt ist. So konnte man auch nicht über Google-Dienste den letzten Standort des Geräts einsehen. Dazu kam noch, dass wir eigentlich durchgehend in Totenwinkeln der Kameras saßen.

Nach etwa einer Stunde, in der wir uns das Videomaterial angesehen hatten, fiel meinem Freund ein Mann auf, der sein Handy vom Boden aufhob. Es war ihm also aus der Hosentasche gerutscht, als wir gerade aufgestanden sind, um zum Lesesaal zu gehen. Wie ihm das Handy rausrutscht, sieht man zwar nicht, da wir im Totenwinkel saßen, man sieht jedoch, wie sich der Mann beugt und sich dann, mit dem Handy meines Kumpels in der Hand, wieder aufrichtet.

Nun sind wir dem Mann also mit den Aufnahmen gefolgt. Das hat ziemlich lange gedauert, da es bei so vielen Kameras schwierig sein kann, zu koordinieren, welche Kamera auf dem Weg von der Bäckerei zum Parkplatz als Nächstes kommt. Mittlerweile kam auch unser Kumpel dazu, der seinen Freiwilligendienst in 日照 macht.

Nach einer Weile fragte uns das Sicherheitspersonal, ob wir eine Anzeige erstatten wollten, da die Sache mit der Polizei deutlich schneller geklärt werden würde.

Wir haben erst etwas überlegt (das Handy war schon ziemlich alt und sowieso nicht das beste und wir wussten auch nicht, was mit dem Mann passieren würde, wenn er das Handy gestohlen hatte), aber da man in China nur sehr schwierig ohne Handy leben und noch schwerer vom Fleck kommen kann, haben wir dann über die Organisation des anderen Freundes die Polizei dazuschalten lassen.

Die Polizei

Es kamen fünf Polizisten: zwei Frauen in Zivil und drei Männer in Uniform.

Zunächst schauten sie sich erneut die Kameraaufnahmen an. Nach einer Weile fand eine Polizistin die Kameraeinstellung, auf der zu sehen war, in welches Auto der Mann eingestiegen war. Dadurch hatten sie den ersten richtigen Anhaltspunkt: das Nummernschild. Mein Freund, der das Handy verloren hatte, war nämlich nur für drei Wochen in China zu Besuch, weshalb er auch keine chinesische SIM-Karte hatte, die die Polizei hätte orten können.

Während der Untersuchung der Kameraaufnahmen kamen noch drei weitere Polizisten vorbei, die zuvor draußen im Parkgelände nach der Handyhülle gesucht hatten, die der Mann anscheinend vom Handy entfernt hatte. Mittlerweile waren schon vier bis fünf Stunden vergangen, seitdem mein Freund gemerkt hatte, dass sich sein Handy nicht mehr in seiner Hosentasche befand. Es wurde langsam dunkel und es begann zu nieseln.

Nach einer Weile brachten uns einige Polizisten in ihrem Auto auf die Wache, wo wir warten sollten, bis sie das Handy gefunden hatten.

Der ganze Aufwand, der betrieben wurde, nur um dieses alte Handy zu finden, kam uns surreal vor.

In der Polizeiwache saßen wir zu dritt an einem Tisch. Neben uns befand sich eine Glasvitrine, in der verschiedene Drogen dargestellt waren. Schräg gegenüber von uns stand außerdem ein großes Virtual-Reality-Set.

Etwas später meinten die Polizisten, dass sie die Handyhülle wahrscheinlich nicht mehr finden würden, das Handy aber ziemlich sicher ausfindig machen könnten. Auf der Wache saßen wir noch einmal über eine Stunde und vertrieben uns die Zeit, indem wir „Wer/ Was bin ich?” spielten.

Nach einer Weile baten uns die Polizisten, ihnen in ein anderes Zimmer zu folgen. Ein Polizist reichte meinem Kumpel sein Handy. Dem Handy ging es noch genauso gut wie vorher. Lediglich die Hülle fehlte. Nach der Übergabe haben die Polizisten noch nach einem Foto gefragt und wollten dann auch schon wissen, wie wir nach Hause kommen.

Sie schienen ganz erleichtert, als wir ihnen sagten, dass wir ein Didi (Taxi) bestellen würden, denn es war mittlerweile Abend.

Nach dem langen Warten waren wir sehr dankbar, dass die Übergabe des Handys so schnell und unkompliziert verlief.

Die Berichte

Beim Schreiben dieses Blogbeitrags habe ich auf WeChat drei Artikel gefunden, in denen die Geschichte mit Bildern veröffentlicht wurde. (Bei den Bildern habe ich die Gesichter der Polizisten verpixelt – unsere und die des Mannes wurden so mit den Smileys hochgeladen).

In den Berichten wurde der Mann, der unser Handy mitgenommen hatte, positiv dargestellt. Das war eine große Erleichterung für uns, da wir auch keinen Kleinkriminellen in größere Schwierigkeiten bringen wollten. Im ausführlichsten Bericht steht, dass er, als die Polizei ihn anrief, geantwortet hat, er wolle das Handy gerade zur Polizeiwache zurückbringen.  

Auch wenn wir an dem Tag natürlich nicht mehr viel unternehmen konnten, war es super interessant einen Einblick in das Sicherheitssystem Chinas zu bekommen und mit den richtigen Menschen macht sogar stundenlanges Warten Spaß.

Bilder vom WeChat Konto: 五莲公安 (五莲县公安局; 山东)

Jiayuguan- „Chinas Tor in die westliche Welt“

Welche Assoziationen kommen einen als erstes in den Sinn, wenn jemand China sagt? 

Die meisten Leute denken wahrscheinlich sofort an Megacities, wie Shanghai oder auch Chengdu. 

Sie denken an das Essen, an die Politik/Wirtschaft und natürlich eben auch an Sehenswürdigkeiten, wie die Chinesische Mauer. 

Vom hören her kennen wir alle die Chinesische Mauer, doch was genau steckt hinter ihr? 

Nimm dir eine Sekunde Zeit. Was weißt du über die Mauer? 

Wahrscheinlich sagst du jetzt so etwas wie:

„Sie sollte das damalige Chinesische Kaiserreich (vor allem den östlichen Teil, in dem der Kaiser lebte und seinen Regierungssitz hatte), vor den Nomadenvölkern, die immer wieder über die heutige Mongolei in das Reich einfielen, schützen.“

Okay und wenn ich dich jetzt frage, wie die chinesische Mauer aussiehst, wirst du mir wahrscheinlich folgende Landschaft beschreiben:

„Es ist eine einzige gewaltige zusammenhängende Mauer aus Steinen im Norden Chinas, die in regelmäßigen Abständen von Wachtürmen unterbrochen wird und sich über sanfte Hügel und Berge erstreckt.“

(Vielleicht hast du bei deiner Beschreibung sogar an den Film Mulan gedacht.) 

Doch was steckt (noch) alles hinter der Mauer, ihrer Erbauung und ihrer Geschichte? 

Ist es wirklich eine einzige Mauer?Wie lang ist die Chinesische Mauer? Wann wurde sie gebaut und wie lange hat der Bau gedauert? Und zum Schluss, was macht den Abschnitt in Jiayuguan so besonders?

Wann wurde sie erbaut und wie lange hat der Bau gedauert? 

Die Mauer wurde nicht an einem Tag gebaut, im Gegenteil! 

Der Bau begann schon im 7.Jahrhundert v.  Chr. und wurde über die Jahrhunderte hinweg immer wieder fortgeführt/erweitert und verstärkt.

Gibt es nur eine chinesische Mauer? 

Die Chinesische Mauer ist nicht nur eine Mauer! 

Oft gehen viele Menschen fälschlicherweise davon aus, dass die chinesische Mauer eine einzige zusammenhängende Mauer ist.

In Wirklichkeit besteht sie jedoch aus vielen unterschiedlichen Abschnitten, die zu verschiedenen Epochen und Dynastien gebaut wurden. 

Die Mauer war somit niemals eine durchgehende „Linie“.  

Es gab viele Brüche in ihrer Struktur, weshalb sie auf Karten wie viele unterschiedlich lange und unterschiedlich positionierte „Linien“ aussieht.   

Wie lange ist die chinesische Mauer? 

Man vermutet, dass sich die chinesische Mauer insgesamt über 21 000 km erstreckt. 

Ich finde es schwierig sich unter so einer hohen Zahl etwas vorzustellen, deshalb hier ein kleiner Vergleich. 

Das ist die Hälfte des Äquators! (Dieser ist um die 40 000km breit.) Verrückt, oder? 

Jetzt fragt ihr euch bestimmt, folgendes:

„Lenka, warum vermutet man, dass die Mauer 21 000km lang ist?

Wie ist man auf diese Summe gekommen und warum weiß man es nicht genau?“ 

Das ist eine sehr gute und wichtige Frage, die ich mir auch gestellt habe.

Im Bezug auf die Mauer müsst ihr folgendes wissen. 

Es gibt tatsächlich noch viele unbekannte Abschnitte der Mauer, die nicht vollständig entdeckt oder erforscht wurden.

Weite Abschnitte, besonders in abgelegenen und schwer zugänglichen Gebieten, sind zum Teil noch unentdeckt, oder im schlechtem Zustand. 

In einigen Wüsten- und Gebirgsteilen gibt es Fragmente der Mauer, die von der modernen Welt weitgehend unberührt geblieben sind. 

Archäologen und Forscher arbeiten weiterhin daran, diese unbekannten Abschnitte zu finden und zu dokumentieren.

Ein Teil der Herausforderung liegt in der extremen Länge der Mauer, die in verschiedenen Perioden und unter verschiedenen Dynastien errichtet wurde, was bedeutet, dass es zahlreiche „Mauern“ gibt, die nicht immer gut dokumentiert sind.

Außerdem sind einige Abschnitte aufgrund von Erosion und natürlichen Katastrophen mittlerweile kaum noch sichtbar.

Doch wenn Forscher daran arbeiten, die tatsächliche Länge herauszufinden, wie setzt sich dann die Kilometeranzahl von 21 000 km zusammen? 

Als erstes muss man wissen, dass nicht nur ganz klassisch die „typische“ Mauer dazugezählt wird, sondern eben auch Abschnitte wie Festungsanlagen, Verteidigungsanlagen und Wachtürme. 

Außerdem basiert diese Zahl auf Schätzungen, die aus verschiedenen Quellen und historischen Aufzeichnungen zusammengesetzt wurden.  

Man kann es sich ungefähr so vorstellen: 

Historische Dokumente aus den unterschiedlichen Dynastien, insbesonders aus der Qin- und Ming-Dynastie enthalten Karten, die die Länge und Ausdehnung der Mauer angeben und dokumentieren. 

Außerdem wurden die unterschiedlichen Bauphasen in den letzten Jahrhunderten systematisch kartiert. 

Desweiteren haben Archäologen mithilfe von modernen Technologien (Satellitenbildern, Luftaufnahmen und GPS), die genaue Lage und Ausdehnung besser erfassen können. 

Dies ermöglicht eben auch Mauerabschnitte in die Schätzung mit einzubeziehen, die schwer zugänglich oder nur teilweise dokumentiert sind. 

Somit setzt sich die Zahl aus vorhandenen, dokumentierten Mauerteilen und den historischen Bauphasen zusammen.

Es wird angenommen, dass in abgelegenen Gebieten, wie in der Wüste Gobi oder in Gebirgsketten, noch unentdeckte Fragmente existieren könnten, aber diese sind in die Gesamtschätzung der Länge bereits mit einbezogen, auch wenn sie nicht vollständig erfasst oder zugänglich sind.

Kurz vor meiner Abreise nach China habe ich eine Doku gesehen, die sich mit genau dieser Frage beschäftigt hat. 

Wie lang ist die Mauer und gibt es noch unerforschte Abschnitte? 

Die Frage hat vor allem ihren Fokus auf die Region Gansu und die Stadt Jiayuguan gelegt. 

Während der Feiertage im Mai hatte ich die Möglichkeit Jiayuguan zu besichtigen und mich tiefgründiger mit der chinesischen und lokalen Kultur und ihrer Geschichte auseinander zu setzten. 

Denn dieser Abschnitt der chinesischen Mauer (Jiayuguan) ist aus vielerlei Gründen spannend und auch interessant für uns Europäer. 

Was macht den Abschnitt in Jiayuguan so besonders von andern Knotenpunkten? 

Jiayuguan markiert den westlichsten „Endpunkt“ der chinesischen Mauer, was ihn zu einem wichtigen Wendepunkt in der Geschichte und gleichzeitig zu einem entscheidende Knotenpunkt für die Geschichte Asiens und Europas macht.  

Der Jiayuguan-Pass, welcher mit der Festungsanlage,  die später erwähnt wird, um das 13.  Jahrhundert erbaut wurde, war eine wichtige Grenzfestung und vor allem strategisch wichtiger Angelpunkt der Seidenstraße, da an der Stelle die Mauer in die Wüste Gobi übergeht und es somit den westlichsten Punkt Chinas darstellte. 

Es galt sogar als „Tor zur Seidenstraße“, denn wer in den Westen reisen wollte, musste durch Jiayuguan und dessen Tor, bzw. Tore.

Jiayuguan, bzw die Region war deshalb entscheidend für die Kontrolle des Zugangs zu Zentralasien und stellte somit die Grenze zwischen China und der westlichen Welt dar.

Das ist der Jiayugan-Pass mit den berühmten drei Toren

Es war „wie das Ende der Welt“, denn hatte man damals das Tor verlassen, stand man in den unendlichen Weiten der Wüste Gobi.

Ich kann mir nur vorstellen, dass man sich damals ziemlich alleine und hilflos gefühlt haben muss. 

(Als ich in Jiayuguan in der Wüste draußen war, gab es extreme Sandstürme.  

Davor hätte ich nie gedacht, wie gefährlich es ist und vor allem was für Kräfte diese Winde teilweise haben. Wir wurden regelrecht umgestoßen und sind auch öfters fast hingefallen. ) 

Wichtig zum Bild: Die Grünanlagen sind in den letzten paar Jahren aus unterschiedlichen Gründen angelegt worden. Davor war alles Sandwüste.

Außerdem sind nicht alle Abschnitte der chinesischen Mauer aus Stein! 

Im Gegenteil, sie wurde aus unterschiedlichen Materialien (Ziegel, Stein, Holz, Erde und sogar Stroh!) gebaut. 

(Es gibt sogar Abschnitte, die aus Bambus gebaut wurden.) 

In der Wüste, wie es der Fall in Jiayuguan ist,  verwendete die Bauleute meistens Lehmziegel und andere Materialien, da die Gegend so trocken und heiß war. (Siehe Bild) 

Ein anderer Wichtiger Punkt ist die Jiayugan-Festung, die heute eine der am besten erhaltenen und beeindruckendsten Festungsanlagen entlang der Mauer ist. 

Sie wurde damals im 14. Jahrhundert (während der Ming-Dynastie) erbaut und diente als. Schutz vor Invasionen. 

Die Festungsanlage mitten in der Wüste

Zur Chinesischen Mauer zählen auch Mauerabschnitte, die man im klassischen Sinne nicht als „Mauer“ definieren würde. 

So zum Beispiel zählen auch Festungsanlagen, Verteidigungsanlagen, wie Wachtürme, oder auch Gräber dazu. 

Die Great Hanging Wall

Die Great Hanging Wall (Jiayuguan Hanging Wall), gehört eben wie der Jiayuguan Pas zur Festung. 

Dieser Abschnitt der Chinesischen Mauer wurde speziell an einem schwierigen Gebirgsgelände errichtet, um den Zugang zum Reich der Ming-Dynastie zu sichern. 

Diese drei „Gebäude“, bzw Mauerabschnitte dienten als wichtige Verteidigungsstruktur gegen Nomadische Stämme. 

Jedoch hatte Jiayuguan nicht nur eine einen militärischen Zweck. 

Sie spielte eine Rolle bei der Kontrolle des Handels und der Migration. 

Besonders während der Ming-Dynastie wurden dort viele Zollstationen eingerichtet, die den Handel mit waren in Zentralasien regulieren und somit auch die Seidenstraße überwachten. 

Doch warum hat Jiayuguan noch heute so eine symbolische Bedeutung nicht nur für die Chinesen, sondern auch für uns Europäer und den Rest der Welt? 

Die geographische Lage machte Jiayuguan damals zu einem wichtigen Eingangstor in das Alte China, und war somit bedeutend für den Handel und die Verbindung unterschiedlicher Länder. 

Die Seidenstraße war ein Netzwerk von Handelswegen, das China mit Zentralasien,  dem Nahen Osten und Europa verband. 

Sie ermöglichte den Austausch von Waren, aber auch technologischen Ideen. 

(FunFact: Marco Polo ist auf seinen Reisen auch über die Seidenstraße, bzw der Handelsroute nach Asien gereist. ) 

Die „Route“ trug zum kulturellen Austausch und zur Entwicklung von Zivilisation bei und förderte die Verbreitung von Religionen wie dem Buddhismus und dem Islam. 

Doch die historische Seidenstraße hat nicht nur eine kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung, sondern eben auch eine ganz aktuelle Relevanz. 

Die „One Belt, one Road Initiative“ Chinas ist eine moderne Umsetzung des alten Handelsnetzwerkes, die darauf abzielt die Handelsbeziehungen zwischen Asien, Europa und Afrika zu stärken. 

Diese Initiative umfass Infrastrukturprojekte wie Häfen, Flughäfen, Straßen und Eisenbahnen, die umstritten sind. 

Heute hat die Seidenstraße eine neue Bedeutung.

Sie ist ein Symbol für den globalen Handel und wirtschaftliche Zusammenarbeit. 

Sie spielt eine Schlüsselrolle in vielen Diskussionen (geopolitisch und wirtschaftlich),  besonders im Bezug auf die wachsende Rolle Chinas.  

Eins ist klar, das Erbe der historischen Seidenstraße lebt noch heute weiter und Initiativen,  wie die „Belt and Road Initiative“ zeigen, wie sehr sie noch heute, im 21. Jahrhundert integriert sind. 

Lernen, Lachen, Billiard

von Helena Bedenk


Die Amity Foundation

Die Amity Foundation wurde 1985 von chinesischen Christen gegründet. Ziel war es, die Bildung, soziale Dienste, Gesundheit, ländliche Entwicklung, Umweltschutz und Katastrophenhilfe zu fördern. Diese und weitere Projekte haben bereits mehr als zehn Millionen Menschen in China und im Ausland unterstützt!

Besonders trägt die Organisation zur sozialen Entwicklung und Offenheit Chinas bei. Die Unternehmenskultur richtet sich nach den Sechs C’s:

Compassion – Mitgefühl

Commitment – Engagement

Competence – Kompetenz

Communication – Kommunikation

Cooperation – Kooperation

Creativity – Kreativität

Das Young Adults Program

Das Programm, an dem wir Freiwilligen teilnehmen, nennt sich das „Young Adults Program“ (kurz: YAP). 

Es richtet sich an junge Erwachsene im Alter von 18 bis 23 Jahren und dient dem Sprachlernen mit einem Fokus auf soziale Dienste, speziell in der Gansu-Provinz.

Die Provinz Gansu liegt im Nordwesten Chinas und grenzt an Sichuan im Süden, Shaanxi im Osten, Ningxia im Nordosten und Qinghai im Westen. Die Hauptstadt ist Lanzhou, wo sich auch zwei von uns Freiwilligen befinden.

Besonders wichtig ist der Austausch von Englisch und Deutsch sowie das Lernen der chinesischen Sprache und Kultur für uns.

Der Mittelpunkt liegt darin, den mündlichen Unterricht zu gestalten. Das heißt, wir sollen die Schüler zum Reden und Sprechen motivieren. Anfangs war das etwas schwer, da die Kinder hier wirklich viel mit Büchern und Texten arbeiten. Geredet wird nicht oft, weshalb die Schüler oft schüchtern sind. In Deutschland empfand ich es als Schüler unangenehm, wenn die Lehrerin eine Frage stellte und sich daraufhin keiner der Schüler meldete. Hier empfinde ich es als völlig normal. Nach wiederholtem Fragen und vielen Beispielen funktioniert das aber auch schon! Ich bin am Anfang aber sehr irritiert gewesen, um ehrlich zu sein.

Mittlerweile würde ich aber behaupten, dass sich die Schüchternheit erheblich verbessert hat. Da meine Stunden hauptsächlich aus mündlichem Unterricht bestehen sollen, kann ich öfter Spiele und Dialoge einbeziehen. Ich denke, dass es ihnen hilft, sich etwas zu öffnen.

Seit 2005 wurden durch das Projekt insgesamt 135 junge Studierende aus Dänemark, Deutschland und Kanada nach China geschickt.

Auch an unserer Schule in Huixian bekommen wir wirklich viel von den ehemaligen Freiwilligen mit – sei es ein paar lustige Geschichten oder Gewohnheiten, die die Chinesen hier mitbekommen haben. Ich schätze sehr die Gastfreundschaft und bin beeindruckt davon, dass sich so viele Menschen an die damaligen „Ausländer-Lehrer“ erinnern können.

Ziel des Programms ist nicht nur die Förderung von interkulturellen Erfahrungen und einem besseren Verständnis der eigenen Stärken und Schwächen, sondern auch das Aufbauen der Toleranz und des Friedens zwischen jungen Menschen aus China und dem Ausland. Das bedeutet, dass den jungen Chinesen eine Chance gegeben werden soll, Englisch zu sprechen und ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, aber natürlich auch, von anderen Kulturen zu lernen.

Besonders lerne ich hier von der chinesischen Kultur durch die chinesischen Freunde, die ich teilweise außerhalb der Schule kennengelernt habe.

Lila

Meine beste Freundin hier in China: Lila.

Eine Lehrerin hat mich ihr vorgestellt. Sie ist die Tochter einer guten Freundin und spricht wirklich sehr gut Englisch. Das Beeindruckenste ist, dass sie sich das Meiste selbst beigebracht hat. 

Sie hat mir erzählt, dass sie in ihrer Mittelschule auch eine ausländische Lehrkraft gehabt hat, was teils dazu beigetragen hat, dass sie Interesse für die englische Sprache entwickelt hat.

Wenn ich mit ihr rede, bekomme ich sogar von chinesischen „Slang“ und Sprichwörtern mit. Durch sie weiß ich sehr viel mehr über chinesische Gebräuche und Üblichkeiten und sie hilft mir, falls ich in kulturelle Fettnäpchen trete. Das Eis war bei uns ziemlich schnell gebrochen und mittlerweile kann ich sie wirklich zu einer meiner besten Freundinnen zählen, unabhängig vom Land.

Zhang Sirui

Ihn kenne ich noch nicht so lange, aber wir haben uns schon ein paar Mal getroffen und sein Englisch ist alles andere als schlecht.

Wir spielen wirklich oft Billard.

Das Bild ist vor meiner Schule entstanden!

In China ist Billard unglaublich beliebt. Viele chinesische Spieler haben internationale Erfolge erzielt, es ist für mich praktisch das chinesische Äquivalent zu Fußball, da es wirklich viele Fans gibt. Tatsächlich wurde mir sogar schon einmal von einem Schüler eine Fotokarte von einem Billardspieler geschenkt.

Es ist eine wirklich verbreitete Freizeitaktivität und sogar einige meiner erst 14-jährigen Schüler spielen es regelmäßig und ziemlich gut.

Besonders unter Männern, in Bezug auf die Teilnahme, aber auch die Medienpräsenz, ist es beliebt. Das macht mich umso stolzer, sagen zu können, dass ich momentan immer besser werde und auch sehr viel öfter als zu Beginn gewinne.

Auf jeden Fall freue ich mich schon darauf, ihn das nächste Mal zu treffen (zu 60 % sogar im Billard zu besiegen!). Genauso freue ich mich natürlich auch meinen deutschen Freunde damit zu überraschen, dass ich plötzlich Billiard spielen kann!

Einer der vielen, vielen, vielen Billiard-Plätze hier…

Kleines Extra

Am 08.03. sind mein Mitfreiwilliger und ich 19 geworden (wir sind tatsächlich genau gleich alt). Ich möchte kurz erwähnen, dass ich eine wirklich unglaubliche Feier hatte. Wir haben Lila und einen weiteren chinesischen Freund eingeladen, und trotz des Vermissens meiner Familie hatte ich eine sehr schöne Zeit! Ich bin dankbar, die ersten Monate meines 20. Lebensjahres hier in China verbringen zu können. (Lila hat mir sogar Glückwünsche auf Deutsch geschrieben, wie kann jemand so sprachbegabt sein???)



Eure Heli ฅ ̳͒•ˑ̫• ̳͒ฅ♡

Zwischen Klassenzimmer und Kindergarten

k

von Helena Bedenk – Einen richtigen Arbeitsweg habe ich nicht. Da wir in der Schule wohnen, brauche ich nur meine Tür zu öffnen und bin direkt an meinem Arbeitsplatz. Das hat Vorteile und Nachteile. Vorteil ist, dass es ziemlich schwer ist, zu spät zur Arbeit zu erscheinen. So kann ich es auch, wenn ich 5 Minuten vor dem Unterricht aufwache, hinbekommen, pünktlich zu sein. In Deutschland wird das eine riesige Umstellung. Ich werde wirklich öffentliche Verkehrsmittel nutzen müssen und früh genug aufstehen, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen? Ganz schlimm!

Riesenvorteil ist, dass meine Schüler mich mega einfach erreichen können. Manche meiner Schüler klopfen inzwischen sogar am Wochenende an meine Tür. Das letzte Mal habe ich Süßigkeiten zur Belohnung dafür bekommen, dass ich mir nun endlich die englischen Namen meiner Schüler merken konnte.

Unsere Schule veranstaltet regelmäßig Basketballturniere, und als stolze Lehrerin lasse ich es mir natürlich nicht nehmen, meine Klasse anzufeuern.

Deshalb überraschen mich meine Schüler auch mal mit einem Klopfen, damit sie mich anschließend zum Basketballplatz bringen und mir ein Schild in die Hand drücken, sodass ich meine Schüler auch ordentlich anfeuern und supporten kann.

Nachteil ist, dass auch Lehrer mich jederzeit besuchen können. Diese muss ich höflicherweise, wie es sich eben gehört, in meine Wohnung hineinbitten. Deswegen muss es bei mir nun mal ordentlich sein, was für mich als Chaos-Manager manchmal ziemlich schwer zu regeln ist. Doch bis jetzt gab es keine Beschwerden, und ich finde, dass meine Unordnung noch ordentlich genug aussieht.

Nach ein paar Wochen, in denen wir uns daran gewöhnt haben, in der Schule zu unterrichten, wurde uns angeboten, auch im Kindergarten in Huixian Englischunterricht zu gestalten. Somit singen wir an jedem Montag überwiegend Lieder oder spielen einfache Spiele, mit denen man sich ein paar Vokabeln aneignen kann, da die 0- bis 6-Jährigen natürlich noch kein enorm großes Englischverständnis haben. So kann man eine Basis an Englischkenntnissen schaffen.

Dafür werden wir mit dem Taxi abgeholt. Ich denke, dass das nicht wirklich nötig ist, da man hierbei von einem 15-minütigen Spaziergang sprechen könnte und ich in Deutschland einen Fußweg von 50 Minuten zur Arbeit hatte. In China nimmt man oft schon für kurze Strecken ein Taxi. Alles über fünf Minuten Fußweg gilt für Einige schon als weit. Ich sehe das einfach als kulturellen Unterschied und genieße den damit verbundenen Komfort.

Weil mir die Arbeit mit den Kindern im Kindergarten so gefällt (sie sind wirklich unglaublich süß, und ich bekomme nach jeder Stunde ordentlich Umarmungen – dementsprechend ist Montag sogar mein Lieblingstag hier geworden), habe ich gefragt, ob es möglich wäre, noch mehr Unterricht im Kindergarten zu geben.

Unsere Ansprechperson hat mich daraufhin einem weiteren Kindergarten zugeteilt, an dem ich jeden Dienstag für ca. 4 Stunden unterrichte. Innerhalb dieser Zeit arbeite ich nicht nur, sondern nehme auch an ein paar Aktivitäten dort teil. Mein Weg zu diesem Kindergarten sieht ein wenig anders aus. Als ich zum ersten Mal dorthin gegangen bin, hatte ich wirklich Angst, da ich eine halbe Stunde den Bus nehmen muss, um dort anzukommen. Die Bushaltestellen werden hier nicht wirklich sichtbar gemacht (zumindest nicht für mich als Ausländerin), sodass es am Anfang ein Ratespiel war, ob ich aussteigen sollte oder nicht. Doch nach einiger Zeit fiel es mir immer leichter, abzuwägen, ob ich mich schon an der richtigen Stelle befinde.

Mittlerweile sehe ich auf jedem Weg so viele bekannte Gesichter und vertiefe mich immer öfter und schneller in Gespräche. Alles fühlt sich mit jeder Woche immer vertrauter an, und mir wird immer bewusster, wie dankbar ich dafür bin, hier zu sein, und wie sehr ich all die Wege vermissen werde.

Auch zu erwähnen ist, dass Huixian, die Stadt, in der sich meine Arbeitsstelle befindet, relativ unbekannt ist. Doch wenn den Leuten einfällt, was genau Huixian für eine Stadt ist, dann ist meist das Erste, woran sie denken, die Möglichkeit, wandern zu gehen. Grund dafür sind die vielen Berge und die wunderschönen Aussichten hier. Diese Wertschätzung kann ich nachempfinden.

Bis zum nächsten Blog!
Eure Heli! ⸜(。˃ ᵕ ˂ )⸝♡

Meine Winterferien

Die Winterferien sind hier in China sehr lang, an meiner Schule gingen die Ferien von Mitte Januar bis Mitte-Ende Februar.

Während die Schüler an meiner Schule täglich mindestens eine Stunde Hausaufgaben machen müssen, habe ich das Privileg meine Aktivitäten in den anderthalb Monaten frei gestalten zu können.

In den Wochen vor den Ferien hatten wir Freiwilligen in den Schulen nicht so viel zu tun, da die Lehrer unsere Stunden brauchten um die Kinder für die Halbjahresprüfung vorzubereiten. Deswegen war es auch ganz praktisch, dass unser Zwischenseminar eine Woche vor den Ferien war.

7.1.-11.1. Vorbereitungsseminar -Kunming (Yunnan)

Wir sind also alle drei zusammen nach Kunming geflogen, wo wir dann die weiteren vier Mitfreiwilligen, die drei für unser Programm zuständigen Person von Amity, unserer chinesischen Organisation, und den Ost-asien Referent von dem Berliner Missionswerk getroffen haben.

Wir haben unsere Erfahrungen geteilt und über unsere Pläne für die kommende Hälfte unserer Lerndienste gesprochen. Der intensive Austausch mit den anderen Mitfreiwilligen war super interessant. Es war auch total schön mal wieder bekannte Gesichter zu sehen.

Ansonsten haben wir in Kunming noch das angenehm warme Wetter genossen.
昆明四季如春(Kun1ming2 si4ji4 ru2 chun1) ist eine Redewendung die bedeutet, dass es in Kunming das ganze Jahr wie Frühling ist.

11.1.-14.11. Sightseeing- Chengdu (Sichuan)

In der Panda-Forschungs- und Zuchtstation

In Chengdu habe ich ausnahmsweise mal das typische Sightseeing Programm durchgemacht und im Reiseführer nach sehenswerten Orten gesucht.

Normalerweise ziehe ich es vor ein Ort auf eigener Faust zu erkunden. Vor allem, weil ich auch naturbelassene Parks und ruhige Gegenden, touristischen und kommerzialisierten Plätzen vorziehe.

Dadurch, dass aber die offiziellen Ferien teilweise noch gar nicht angefangen haben, und Winter auch nicht die beliebteste Jahreszeit für Ausländer ist nach China zu kommen, waren die meisten Orte an denen ich war nicht überfüllt.

Angeschaut habe ich mir dann das Tempelkloster Wenshu Yuan mit dem vegetarischen Restaurant, ein Varieté mit traditionellen Bühnenkünsten im Kulturpark am Tempelkloster Qingyang Gong und eine Menge süße Pandas in der Panda-Forschungs- und Zuchtstation.

ein junger Panda

15.1.-18.1. Wandern- Zhangjiajie (Hunan)

Aussicht nach langem Treppensteigen

In Zhangjiajie habe ich mich mit einem Schulkameraden getroffen, der mit einer anderen Organisation auch ein FSJ in China macht.

Dort konnten wir dann nach über vier Stunden Treppen steigen die fliegenden Berge aus Avatar bestaunen und die Kletterkünste der vielen frechen Affen bewundern.

Ich hab mir dann dazu noch die Stairs to Heaven angeschaut und bin da auch nochmal 1000 Treppenstufen hochgestiegen.

Generell war die Landschaft in Zhangjiajie super schön, allerdings war der Ort auch super touristisch und so war der Eintritt in die Naturgebiete dort auch nicht ganz billig.

Alte Tempelruine

19.1.-1.2. Sprachschule- Yangshuo (Guangxi)

Beginn der 20km langen Wanderung

Zum Ende meiner Reise durch China habe ich einen zweiwöchigen Intensivkurs in einer chinesischen Sprachschule gebucht. Die Sprachschule liegt in einem wunderschönen Ort mit toller Landschaft außendrum. In der Sprachschule habe ich dann auch chinesisch Neujahr gefeiert (an den ersten beiden Tagen hatte die Sprachschule anstatt Unterricht viele Aktivitäten geplant).

Die zwei Wochen in Yangshuo haben mir super gut gefallen: einmal richtig intensiv chinesisch lernen, viele ungefähr gleichaltrige Leute treffen und zusammen Sachen unternehmen, eine 20km lange Wanderung mit einer Frau, der ich einen Tag vorher beim Spazieren begegnet bin, machen, viel Mahjong spielen, dass leckere Essen genießen, Badminton spielen, …

麻将(ma2jiang4)

3.2- Jetzt Zuhause- Huixian (Gansu)

Nach der zwei tägigen Zugfahrt bin ich dann mittags bei bestem Wetter in Huixian angekommen und hab dann am Nachmittag erst nochmal einen kleinen Spaziergang gemacht, bei dem ich einer Lehrerin mit ihrer Familie begegnet bin, die mich dann zum Essen eingeladen hatten.

Ich wollte die letzten beiden Wochen in Huixian verbringen um den Ort noch besser kennenzulernen und mehr mit den Leuten hier vor Ort zu unternehmen.

Eine Lehrerin hat mich zum Yoga eingeladen und jetzt gehe ich für zwei Wochen jeden Tag zum Yoga. Ansonsten gehe ich noch ab und zu spazieren/wandern, werde von Lehrern zum Essen eingeladen, spiele Klavier, höre Podcasts und Serien (vorzugsweise auf Chinesisch), koche, esse und telefoniere viel.

Beim Yoga

„In China Essen alle doch Reis!“

Die Klischees und Unterschiede zwischen dem Norden und Süden Chinas 

Wenn wir über China reden, ist vielen Leuten gar nicht bewusst, wie groß und vielfältig das Land ist. 

In Gesprächen bringe ich gerne den Vergleich:

„China ist ähnlich groß wie Europa und allein die Provinz in der ich meine Einsatzstelle habe (Gansu) ist größer als Deutschland. (Die Provinzen könnte man im deutschen den Bundesländern gleichsetzen.) 

Insgesamt besteht China aus 23 Provinzen und fünf autonomen Regionen. 

Die Diversität und Vielfalt Chinas lässt sich unmöglich in einem Blogbeitrag festhalten. 

Dennoch möchte ich ein paar Klischees über China, und vor allem Klischees über den Norden und Süden Chinas aufgreifen und darüber sprechen was an ihnen dran ist und wie ich sie wahrgenommen beziehungsweise wahrnehme. 

Dabei möchte ich mich vor allem auf zwei Provinzen beziehen, nämlich Yunnan und Gansu. 

An diejenigen, die meinen letzten Beitrag gelesen haben, die wissen schon, dass meine Mama aus China, um genauer zu sein aus Yunnan, kommt.

 Aus diesem Grund konnte ich schon einige (tolle) Erfahrungen und Erinnerungen als Kind hier in Yunnan sammeln. 

Desweiteren, sind gerade Ferien, die ich hier in Yunnan verbringe. 

Als Vergleich zu Yunnan (Süd-China) möchte ich mich auf die Provinz Gansu beziehen, die ich als zweites zu Hause hier in China betrachte. 

Gansu liegt im Norden Chinas, zwischen der Wüste Gobi, dem tibetischen Hochplateau und Xinjiang. 

Sie ist vom Gelben Fluss geprägt und weite Teile der Provinz sind gekennzeichnet durch Wassermangel. 

Gansu ist ein zentrales Bindeglied der Seidenstraße, auch deshalb leben dort unterschiedlichste Ethnien und Minderheiten. 

Die meisten ethnischen Minderheiten in China leben jedoch in den westlichen und südwestlichen Regionen des Landes, insbesondere in den Provinzen Yunnan, Guangxi (Süden), Guizhou (Süden), Xinjiang (Norden), Tibet und der inneren Mongolei. 

(In diesen Provinzen ist die Bevölkerungsdichte der Minderheiten deutlich höher, als in den anderen Teilen Chinas.) 

Doch warum leben gerade insbesonders in Yunnan so viele Minderheiten? 

Yunnan ist geschichtlich betrachtet eine entscheidende Landbrücke gewesen, über die immer wieder verschiedene Gruppen (Völker) aus dem heutigen Südchina nach Süd-Ostasien migrierten/auswanderten. 

Yunnan war/ist ein unvermeidlicher Knotenpunkt der südlichen Seidenstraße, die Sichuan (China) mit Indien verbindet und somit eine wichtige politische, militärische und historische Rolle darstellt. 

Meine Familie gehört nicht nur zu Dai-Minderheit, sondern hat auch „Anteile“ von anderen Minderheiten wie Lisu, etc..

In Dehong sind die beiden größten Minderheiten Dai und Jingpo. 

Die Dai gehören zu den Thai-Völkern und sind während ihrer Wanderung nach Süd-Ostasien hier geblieben. 

Sie leben vor allem in den Ebenen und praktizieren Reis-Anbau. 

Die Jingpo kamen vom tibetischen Plateau und wohnten traditionell in den benachbarten Bergen. 

Ihr wichtigstes Fest ist das Munao Zongge Fest in Dehong, meiner Heimat in Yunnan Mangshi, welches 15 Tage nach dem chinesischen Neujahr jährlich gefeiert wird. 

Es ist eines der wichtigsten Feste in der Jingpo Kultur und wird auch von ein paar anderen Minderheiten gefeiert. 

Munao Zongge wird als ,,Tanz in Maß“, oder ,,Tanz ins Paradies“ übersetzt. Früher hat man es vor allem vor einem wichtigen Kampf , nach einem Sieg oder einer guten Ernte gefeiert. 
Ich liebe dieses Fest und habe auch schon als Kind zweimal mitgetanzt.

Ähnlich wie in vielen anderen Ländern, gibt es auch viele Vorurteile und Klischees was den Norden und Süden Chinas betrifft.

 Doch was ist an den Klischees dran? Und was genau unterscheidet die ,,Südchinesen“ von den ,,Nordchinesen“? 

Als erstes muss man erwähnen, dass es keine klare geographische Grenze gibt, die den Norden vom Süden abgrenzt. Oft nimmt man die Einzugsgebiete zwischen Yangtze (Süd-China) und Gelber Fluss (Nord-China) als Grenze. 

(Alles was über dem Fluss ,,liegt“ zählt somit zu Nordchina und alles was ,,drunter liegt“ zu Südchina. 

Aufgrund der großen Ausdehnung von Nord nach Süd, von West nach Ost und der großen Höhenunterschiede kommen in China fast alle Klimate vor. 

In den nördlichen Teilen Chinas sind die Winter oft lang, kalt, trocken und oft unter dem Gefrierpunkt. 

An meiner Einsatzstelle beträgt die Temperatur im Winter oft um die -20 Grad sogar tagsüber. 

Der Sommer ist auch lang, heiß und trocken,  aber dafür sind die Übergangszeiten sehr kurz. 

In den südlichen Regionen, insbesonders in Yunnan, herrschen subtropische Klimabedingungen.

 In meiner Heimatstadt, Manghsi, liegt die Temperatur im Winter bei durchschnittlich 15/20 Grad. Aber Yunnan ist besonders im Sommer vom Monsum mit seinen vielen Starkregen geprägt. 

Gerade die unterschiedlichen Klimate lassen sich unter anderem in der Architektur widerspiegeln. 

Im Norden, wo das Klima rauer, kälter und trockener ist, wird die Architektur vor allem durch Baumaterialien wie Stein und Ziegel geprägt. 

Diese bieten nämlich mehr Schutz vor der Kälte und dem Schnee. 

Im Süden hingegen setzt man eher auf Materialien wie Holz und Bambus. Diese kommen nicht nur reichlich in der Natur vor, sondern ermöglichen gleichzeitig auch eine authentische Anpassung and die Umgebung. 

(Früher, denn heutzutage setzt man wie in vielen anderen Ländern auf Beton und einen moderneren Baustil.) 


Ein weiterer Unterschied der nicht nur zwischen Nord- und Südchina, sondern in allen Teilen erkennbar ist, ist die Sprache

Die allgemeine Amtssprache in China ist Mandarin. Die Realität ist aber, dass in den verschiedenen Provinzen unterschiedliche Dialekte gesprochen werden, die sich sehr stark vom Hochchinesisch unterscheiden. 

Ich vergleiche dies gern mit den Unterschieden zwischen Deutsch und Schweizerdeutsch, bzw. Dänisch. 

Allein in den Provinzen Yunnan und Gansu gibt es eine Vielzahl an Dialekten. 

In meiner Einsatzstelle habe ich mich mit ein paar Lehrer*innen über die Dialekte unterhalten. Sie alle sind in der Provinz Gansu aufgewachsen und meinten, dass selbst sie enorme Probleme haben den Dialekt („Hezhenghua“ im deutschen Hezhengsprache zu verstehen, der in meiner Stadt Hezheng gesprochen wird, da sie selbst mit anderen Dialekten aufgewachsen sind. 

Doch es ist nicht nur die Vielfalt der Sprache, der Kultur, des Klimas, der Architektur und noch vieles mehr, welches China so vielfältig und einzigartig macht, sondern auch das Aussehen der Menschen. 

Eigentlich schon paradox, dass ich diesen Punkt ansprechen muss. Aber nicht nur in meiner Kindheit, sondern auch jetzt noch höre ich leider sehr oft das Klischee: „In China sehen alle Menschen gleich aus“. 

Nein! Das tuen sie nicht! 

Ironischerweise finden auch viele Chinesen, dass wir „Europäer alle gleich aussehen“, welches wir wahrscheinlich überhaupt nicht bestätigen würden. 

Es gibt aber leider ein paar Vorurteile, die sich anscheinend nur schwer aus der Welt zu schaffen lassen. 

Ein weiteres Vorurteil über das Aussehen, welches man immer wieder hört, ist die Aussage, dass die Menschen im Norden größer sein sollen? 

An dem Klischee ist aber was dran. Tatsächlich ist die Durchschnittsgröße sowohl von Männern, als auch Frauen im Norden höher, als im Süden Chinas. 

Ein letzter großer Punkt auf den ich noch eingehen möchte ist das Essen, denn bekanntlich geht die ,,Liebe ja durch den Magen“. 

Doch essen alle in China nur Reis? 

In China herrschen eine Vielzahl an unterschiedlichen Küchen. Offiziell gibt es 8 traditionelle Küchen, die sich nicht nur am Kochstil, sondern auch in den Zutaten unterscheiden. 

In Gansu im Norden essen viele Leute sehr gerne Weizen oder Nudelgerichte. Im Süden hingegen setzt man viel mehr auf Reis. 

Doch warum ist das so? 

Das liegt vor allem am Klima und der damit möglichen Agrarwirtschaft. Ein damit verbundenes ,,Klischee“ ist, dass sich die unterschiedlichen Anbauweisen auf die Mentalität der Menschen ausgewirkt haben soll. 

Kurzgefasst sagt man, dass man früher zum Bewässern von Reisfeldern eine Vielzahl an Menschen benötigt habe, beziehungsweise ein ganzes Dorf. 

Das heißt die Menschen waren auf die Hilfe von anderen angewiesen, was dazu führte, dass die Südchinesen tendenziell im Kollektiv denken mussten. 

Im Norden hingegen konnte man aufgrund des Klimas nur auf den Weizenanbau zurückgreifen.     Die Ernte von Weizen schafft ein Bauer auch „alleine“, was dazu führte, dass die Menschen im Norden dazu tendieren individuell zu denken. 

Was ich auf jeden Fall dazu sagen kann ist, dass die Menschen in Gansu noch jetzt trotz der Globalisierung noch sehr gerne Nudeln und Weizen essen. 

Meine Freunde in Hezheng sagen immer zu mir: „Ich könnte 3-Mal am Tag Nudeln essen, aber niemals 3-Mal am Tag Reis“.

 (Allein in der Schulkantine meiner Schule, kann man neben dem Reis jeden Tag zwischen fünf unterschiedlichen Nudelgerichten wählen. ) 

Zum Schluss möchte ich nochmals erwähnen, dass mir bewusst ist, dass es noch viel mehr Unterschiede und Klischees gibt auf die man eingehen könnte, wie zum Beispiel die Kultur, die Religion, das Aussehen und vieles mehr…. 

Leider ist es aber nicht möglich diese in einem so kleinen Rahmen zu erläutern, da es dem Thema und den Menschen nicht gerecht werden würde. 

Ich bin aber sehr dankbar einen so tollen Einblick in die zwei Provinzen zu bekommen und allein diese Vielfalt der zwei Provinzen so hautnah mitzuerleben. 

Ich möchte mich von euch damit verabschieden indem ich das Eingangsklischee,  („In China essen alle doch Reis“) aufgreife, um es als Metapher weiter zu nutzen. 

„Nein, nicht alle Chinesen essen Reis“. 

Die Wege die man geht

Mein Arbeitsweg zu den Klassenräumen

Mein Arbeitsweg ist unglaublich kurz. Meistens brauche ich keine Minute von meiner Wohnung zu dem nächsten Klassenraum.

Sobald ich aus der Tür gehe, befinde ich mich schon auf einem Schulgang und somit mitten im Geschehen drinnen.

Mir begegnen Energie geladene Teenager die schreiend durch die Gänge rennen. Mir begegnen sehr müde Schüler. (Ob sie so müde sind, weil sie, wie so oft, nach der langen Schule und drei Stunden Hausaufgaben noch gelernt haben oder weil sie unbedingt noch diese eine Serie zu Ende sehen wollten, ist für mich schwer zu beurteilen.) Mir begegnen Schüler die freudestrahlend meinen Namen rufen, und anderen, die ganz in Gedanken versunken mich gar nicht wahrzunehmen scheinen.

Der Schulgang ist zu einer Seite offen und so habe ich, vor allem wenn ich im vierten oder fünften Stock unterrichte, einen wunderschönen Ausblick.

Mein Arbeitsweg zum Kindergarten

Mein wöchentlicher Arbeitsweg zum Kindergarten ist zwar deutlich länger als der zu den Klassenräumen meiner Schule, aber für meinen Geschmack immer noch nicht so lang, dass es sich lohnen würde, uns jedes Mal persönlich mit dem Taxi abzuholen.

Wir fahren an Marktständen mit frischem Obst vorbei und an unglaublich vielen kleinen Läden. Man kann Essen, Kleidung, Getränke, Elektrozubehör, Motorräder und noch ganz viel mehr kaufen. Wir sehen viele Meituanfahrer, die gerade das bestellte Essen an die Leute verteilen und auch super viele kleine Postwagen, welche die ganzen online Shop Päckchen an die Packstationen abliefern.

Ich wundere mich ab und zu, wie die kleinen Läden es schaffen, trotz des ganzen Bestellens, noch zu überleben.

Mein Arbeitsweg zu den anliegenden Schulen

Wenn wir manchmal in Schulen in den anliegenden Dörfern unterrichten, fahren wir durch wunderschöne Landschaften. Die Region ist hier sehr Hügelig beziehungsweise schon eher Bergig. Auf den Bergen sind meistens entweder sehr wild Wälder oder Terrassenartige Felder auf den zurzeit vor allem Kohl angebaut wird.

Park in Huixian

Wege zum Spazieren gehen

Ich liebe es zu wandern und spazieren zu gehen, vor allem in der Natur. Sehr gerne gehe ich auf kleinen Pfaden durch sehr naturbelassene Gegenden. Dementsprechend habe ich mich bei meiner Ankunft super gefreut, als uns sehr viele Lehrer zum „mountain climbling“ und „hiking“ eingeladen haben. Bald habe ich dann herausgefunden, dass meine Vorstellung vom Wandern und Berge besteigen/ hochklettern sich doch etwas von den meisten Lehrern hier differenziert. Die vier größten Unterschiede die ich zwischen den beiden Vorstellungen vom Wandern finden konnten sind:

  1. Die Länge: Für mich gilt eine Wanderung als Wanderung, wenn sie mindestens drei bis vier Stunden lang ist. Für einige von den Lehrern mit den ich mich getroffen habe, ist eine Wanderung auch gerne mal unter einer Stunde lang.
  2. Der Ort: In Parks, durch Felder und Wälder, Flussbetten, … Hauptsache ruhig, wenig Leute, und viel Natur. Demgegenüber stehen hier häufig auf Besucher ausgelegte Parks, die auf Social Media bekannt und beliebt sind.
  3. Die Wege: Gewohnt bin ich kleine Pfade und sehr Natur belassene Wege, desto mehr Baumstämme quer über dem Weg liegen desto besser. Im Gegensatz dazu findet man hier häufig breit ausgebaute Wege neben denen fein geschnittene Büsche wachsen und auf den Wegen liegen nur sehr sehr wenige Blätter.
  4. Das Ziel: Der Weg ist das Ziel aber gegen einen schönen Aussichtspunkt habe ich auch nichts. Hier haben wir auch schon ganz häufig in einem Restaurant geendet (daran könnte ich mich auch gewöhnen).

Mittlerweile habe ich auch meine eigenen kleinen Wanderwege gefunden – abseits von den Ausflugsparks. Meistens sind das Wege die vor allem von den Bauern hier benutzt werden. Und so genieße ich hier sowohl mein gewohntes Wandern, als auch das hier sehr beliebte „climbing mountains“.

Shanghai

Angekommen

Angekommen bin ich nicht nur einmal, damit meine ich jetzt nicht physisch und psychisch jeweils einmal, sondern wirklich den Ort.
Ich war insgesamt schon in vier Städten ungefähr eine Woche oder länger und weil die aller meisten Orte der Welt sich von anderen unterscheiden, ob jetzt der Südpol vom Äquator oder der Frankfurter Hauptbahnhof von der alten Oper zwei Straßen weiter, habe ich das Glück hier in China ganz oft ankommen zu dürfen und jedes Mal ein anderes neues China zu entdecken.

1. Station

Meine erste, etwas größere, Station war Nanjing. Nanjing, vielleicht auch schonmal unter Nanking gehört, ist eine riesengroße Stadt im Osten von China mit über neun Millionen Einwohnern.
Meine ersten Gedanken beim Rausgehen aus dem Flughafen waren: „OMG ist es heiß!“ und „Könnte auch in Frankreich sein“. Alles wirkte sehr gewohnt, vielleicht liegt das auch daran, dass ich schon einige chinesische TV Dramen geschaut hatte.

In Nanjing anzukommen war nicht schwer. Wir haben in einem Hotel gewohnt und nach und nach haben wir neue Sachen entdeckt: wie kann man mit dem Handy bezahlen, wie fährt man mit der U-Bahn, wie bestellt man ein Taxi, wie funktionieren die Restaurants, wie bestellt man Essen mit dem Handy, wie benutzt man Baidu Ditu( das chinesische Google Maps),…
In Nanjing haben wir von unser Partnerorganisation, der Amity Foundation, einen zweieinhalb wöchigen Workshop bekommen, um China und die chinesische Kultur besser kennenzulernen.
Wir hatten Vorträge über die Provinzen (besonders Gansu), das Schulsystem, die Religionen (besonders den Islam) in China, wir hatten Kalligraphie und traditionelle Malerei Workshops, wir durften beim social Service unserer Organisation mitmachen und haben so mehrere Tage ein Altersheim, ein Social Center für ältere Leute und ältere Leute bei sich zu Hause besucht.

Am Ende unserer Zeit in Nanjing hatten wir unsere Lieblingsrestaurants gefunden und haben es endlich geschafft bei der riesigen U-Bahnstation aus dem richtigen Ausgang rauszugehen.

die alte Stadtmauer in Nanjing

2. Station

Meine nächste größere Station zum ankommen war Lanzhou. Lanzhou ist die (Landes)Hauptstadt der Provinz Gansu, in der unserer Einsatzstellen liegen. Gansu liegt in Nord-Zentralchina und ist etwas größer als Deutschland.
In Lanzhou waren wir für intensivere Vorbereitung auf den Unterricht, den wir geben werden. Wir hatten Vorträge über (Verhaltens-)Regeln in chinesischen Schulen, wie bereite ich meinen Unterricht am besten vor und wie gestallte ich eine Präsentation im Unterricht. Dazu haben wir uns dort auch einen chinesischen Namen ausgesucht. Meiner ist 古沁茹 (gǔ qìn rú).

In Lanzhou bin ich vor allem sehr gut im Hotel angekommen, da es mich nach zwei Tagen dort mit einer kleinen Grippe erwischt hat.
Ich habe Meituan, eine App mit der man Essen bestellt, ein weiteres Mal für mich entdeckt und habe mich mit dem Roboter des Hotels angefreundet, welcher mir jeden Tag mit einem süßem Lächeln das bestellte Essen bis vor mein Zimmer gebracht hat.

In Lanzhou waren wir eine Woche und so bin ich erst nach fast einem Monat in meiner Einsatzstelle angekommen.

Mein bester Freund und Helfer

3. Station

Meine dritte Station war dann also Huixian (徽县陇南), eine Stadt mit ca. 200 tausend Einwohnern, wenn man auch die kleineren Städtchen und Dörfer außen rum mitzählt.

Huixians Umgebung besteht aus vielen etwas größeren Hügeln/ Bergen mit Wäldern drauf. Durch Huixian fliest ein Fluss in einem künstlich hergerichteten Flussbett.
Meine Mitfreiwilligen und ich haben jeweils eine eigene riesige zwei Zimmer Wohnung mit Küche und Bad bekommen. Die Lehrer die unter der Arbeitswoche auch hier in der Schule schlafen teilen sich eine Wohnung die nur halb so groß ist. Das fühlt sich extrem falsch an.

Wir bekommen hier unter der Woche drei Mahlzeiten am Tag ohne das wir dafür bezahlen müssen und das Essen wird extra für uns gekocht. Wir leben hier also auch extrem Privilegiert.

Den ersten Schock den wir hier bekommen hatten war, dass wir nicht alleine das Schulgelände verlassen durften, sondern dass immer eine Englische Lehrkraft dabei sein musste. Es wurde uns etwas später eine Liste überreicht mit Kontaktpersonen, die für uns zuständig waren. Die Liste ging bis Januar.

Wir haben uns extrem bevormundet gefühlt und die Regel kam uns sehr willkürlich und schlecht kommuniziert vor.
Andererseits haben wir durch diese Regel aber auch einige nette Lehrer kennengelernt und wir wurden so auch schon ab und zu mal nach Hause zum Kartenspielen und Essen eingeladen.

Nach einer Woche Einlebungszeit fing dann unser Unterricht hier an. Wir sollten erstmal neun Stunden pro Woche geben, in denen wir den Kindern der siebten Klassen das englische Sprechen näherbringen sollten.

Unser Alltag bestand also aus, Unterricht geben, in der Schule Essen, und in unseren Zimmern sein und, wenn wir einen Lehrer angerufen hatten, vielleicht auch mal kurz spazieren gehen.

die Huixian Middle School Number 4
ein normaler Klassenraum für 50 -60 Schülern
der Flusspark
sehr leckeres Streetfood

4. Station

Wir hatten eine Einladung vom Auswärtigem Amt bekommen, um den Tag der deutschen Einheit in Peking zu feiern. Wir haben den Anlass mit dem Mond Fest hier in China verbunden und sind zu dritt eine Woche nach Peking gefahren.

Meine vierte Station zum Ankommen war also Peking.
Wir haben mit Couch Surfing bei einer super netten jungen Dame gelebt, die in Deutschland studieren möchte.
Dort waren wir das erste Mal in einer nicht krass privilegierten Umgebung. Wir haben uns zu dritt ein Zimmer geteilt und die Küche und die Toilette wurden sich mit anderen Mitbewohnern noch geteilt.
In Peking hatte ich das erste Mal das Gefühl auch mein Leben etwas selbst gestalten zu können. Ich habe Klavier gespielt, mein eigenes Essen gesucht, viele Parks besucht, bin Fahrrad gefahren, im Wohnviertel auf den Markt gegangen und habe insgesamt einfach die Freiheit genossen.

der Bahnhof
zu meiner Überraschung ein extrem grünes Peking

im Hobby-Alltag ankommen

Zurück in Huixian kamen mehr Aufgaben für uns dazu, wir gaben nun einmal die Woche Stunden im Kindergarten, einmal die Woche eine Art AG mit dem 8. Jahrgang, hatten einmal die Woche chinesisch (mehr Kultur als Sprach-) Unterricht und auch Kalligraphie.

Dazu habe ich auch angefangen mich selber um meine Freizeitgestaltung zu kümmern.
Ich durfte schon ein paar Mal auf dem Klavier der Schule spielen. Ich habe eine Querflöte geliehen bekommen und spiele jetzt von Dienstag bis Freitag zwei Mal am Tag im Bläserorchester mit (wir hatten sogar schon unsere erste Aufführung). Und ich war schon öfters mal Abends beim Square Dance mit dabei (das machen eigentlich eher Rentner aber die haben sich sehr gefreut, dass ich die Tänze auch lernen möchte).
Mittlerweile dürfen wir auch ohne englische Lehrkräfte raus, und so konnte ich auch deutlich besser bei Stundenlangen Spaziergängen die Umgebung entdecken.

Mittlerweile komme ich auch etwas mehr in der chinesischen Sprache an, zu mindestens mit meinem Hörverstehen – Sprechen ist dann nochmal etwas schwieriger.

der Kindergarten
der Feng Shan Park und im Hintergrund Huixian
die Aufführung

Insgesamt bin ich also gut in China angekommen. Aber das heißt auf keinen Fall, dass ich schon meinen festen Alltag habe, der das restliche Jahr so bleiben wird. Ich hoffe ich kann noch ganz oft in China ankommen, ob an unterschiedlichen Orten oder in unterschiedlichen Hobbys oder Stadtvierteln.

Karin

Von Flugzeug zu Nudeln

Als ich das erste Mal in China angekommen bin, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich durchlebte ein komplettes Gefühlschaos, war aufgeregt, neugierig – und ehrlich gesagt, ziemlich nervös. Ich habe mich gefragt, was wohl alles schiefgehen könnte, wie ich bei Problemen agieren sollte und hatte teilweise wirklich Angst. Ein Jahr meines Lebens würde ich nun in einem fremden Land verbringen.

Schon die ersten Tage haben mir jedoch ein sicheres Gefühl gegeben. Meinem jetzigen Gefühlsstand nach bin ich mir sicher, dass diese Reise mein Leben nachhaltig prägen wird, da jeder einzelne Schritt meiner Seite und jeder neue Eindruck, sowie jede neue Begrüßung eines neuen Menschen in meinem Leben mir das Gefühl gibt, dass ich hier willkommen bin.

Wir Freiwilligen in China haben eine Achterbahn an Gefühlen erlebt, von unzähligen neuen Ankünften und Reisen, aber auch Besichtigungen und Kennenlernen von wichtigen historisch-kulturellen Orten oder das Kennenlernen von Personen, die man schon nach kurzer Zeit in sein Herz geschlossen hat. Von einigen dieser Momente und Personen, die ich, auch wenn ich wieder in Deutschland bin, mit Sicherheit niemals vergessen kann, aber auch niemals vergessen möchte, und auch von einem Teil meiner bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse möchte ich jetzt erzählen.

Am 6. August war es soweit: Meine Mitfreiwilligen und ich sind nach einem langen, aber tatsächlich problemlosen Flug in Nanjing angekommen. Zunächst gab es Abendessen, welches das erste chinesische Essen für uns gewesen ist. Obwohl ich den für uns Verantwortlichen im Voraus nicht über meine vegetarische Ernährung Bescheid gegeben habe, fiel es mir nicht schwer, Essen ohne Fleisch und Fisch zu bekommen, da in China viel Gemüse gegessen und zubereitet wird. Was mir an China sehr gefällt, ist, wie hier gegessen wird: Es gibt bestimmte Regeln und Essgewohnheiten, auf die man zu achten hat, da diese zur Kultur und Tradition Chinas gehören.

Glücklicherweise wurden uns diese Regeln nicht nur bei den Vorbereitungen, sondern auch an dem Tag während des Essens mitgeteilt. Fehler waren jedoch nicht sehr schlimm, da wir nur unter uns gegessen haben, wodurch das Essen eine perfekte Übung für kommende Anliegen dargestellt hat. Das Essen wird traditionellerweise in die Mitte eines drehbaren Tisches gestellt, und jeder kann sich von den verschiedenen Gerichten etwas auf seinen eigenen kleinen Teller tun, was ich als sehr vorteilhaft empfinde, da man sich so nicht nur für ein Gericht, wie es normalerweise in Deutschland ist, entscheiden muss, sondern von allem probieren kann.

Einen besonderen Eindruck hat auf mich unsere erste Kalligrafie-Stunde gemacht. In dieser Stunde hat uns ein Kalligraf (书法家) gelehrt. Auf Chinesisch nennt man einen Kalligrafen Shūfǎ jiā, was übersetzt so viel wie „Meister der Kalligrafie“ bedeutet. Faszinierend ist vor allem, wie hier Kunst und Schrift verbunden werden. Die fließenden Linien lassen die geschriebenen Schriftzeichen wie Kunstwerke aussehen. Um die Wirkung eines Kunstwerks zu erreichen, braucht man aber sehr viel mehr als einige Stunden an Übung, wie wir feststellen mussten, da wir trotz fleißiger zwei bis drei Stunden noch immer nicht komplett zufrieden gewesen sind. Mit Sicherheit werdet ihr in ein paar Monaten in meinem Blog von Fortschritten hören, ich werde dranbleiben!

Am 9. August haben wir schon unseren ersten Freund in China gefunden. Getroffen haben wir uns, als wir in ein Restaurant gehen wollten. Er war gerade dabei, nach der Arbeit nach Hause zu gehen, doch haben wir ihn gefragt, wo wir hingehen könnten, woraufhin er zusammen mit uns in einen kleinen Laden gegangen ist. An dem Abend haben wir die Möglichkeit bekommen, ihn genauer kennenzulernen. Sein Name ist für uns genauso schwer auszusprechen, wie es für ihn mit unseren Namen ist, weshalb er den Spitznamen „Peter“ und ich den Spitznamen „Nana“ bekommen habe. Da Gastfreundschaft in China besonders großgeschrieben wird, bestand er darauf, für uns zu bezahlen. Dies war der Anlass für uns, ihn am nächsten Tag, an dem wir etwas mehr Freizeit zwischen unseren Vorbereitungsstunden bekommen haben, auf ein Mittagessen einzuladen. Was mir durch das Zusammenkommen zum Essen aufgefallen ist, ist, dass die Menschen in China völlig anders mit ihren Handys am Tisch umgehen. Anders als in Deutschland, wo es unhöflich ist, auch nur kurz am Handy zu sein, wird es hier als normal angesehen, sich während des Essens Videos anzuschauen und anderen Menschen zu schreiben. Selbstverständlich ist das anders bei Arbeitsessen oder bei Essen mit Menschen, die hier in einer Autoritätsposition sind, doch ist es unter Freunden und Bekannten gängig.

Eine weitere Freundin, die ich in Nanjing kennenlernen durfte, heißt Mai. Nachdem wir in einer Mall in Nanjing unterwegs gewesen sind, haben sich ein paar Freiwillige und ich auf die Treppen eines Skateplatzes hingesetzt. Mai, die mit anderen Freunden dort gewesen ist, kam auf uns zu, und wir haben eine kleine Unterhaltung gehabt. Sie hat gefragt, ob wir Freunde auf WeChat sein können, und ich habe zugestimmt. Später haben wir geschrieben und uns für die kommenden Tage verabredet. An den darauffolgenden Tagen haben wir uns sehr oft getroffen. Sie hat uns einen Tempel in Nanjing gezeigt und ist mit uns in eine belebte Einkaufsstraße gegangen, wo wir nach Souvenirs schauen konnten. Zudem hat sie uns einige typisch chinesische Gerichte gezeigt. Interessant an Mai ist ihre Weltoffenheit. Nicht nur, weil sie extrovertiert und aufgeschlossen genug war, um auf uns zuzukommen, sondern auch, weil eines ihrer größten Interessen das Reisen und das Kennenlernen von anderen Kulturen ist. Zum Beispiel hat sie uns erzählt, dass sie in Australien surfen gewesen ist oder hat uns von ihrem Aufenthalt in Deutschland berichtet. Ihre Vorliebe zum Reisen erklärt, warum ihr Englisch so gut ist, wir konnten uns wirklich lange unterhalten.

Da wir in der ersten Woche in Nanjing besonders viel Freizeit gehabt haben, hatte es sich für uns die Möglichkeit ergeben, neben dem Eingewöhnen besonders viele Kontakte zu knüpfen, was wir dementsprechend auch genutzt haben. Bei den meisten Chinesen gibt es eine Sprachbarriere, die jedoch kein Problem darstellt, da jeder Mensch in China WeChat hat. Der Messenger übersetzt jede Nachricht, die man erhält, in die Muttersprache um.

Beschäftigter sind wir in den zwei Wochen darauf in Lanzhou gewesen, da wir dort intensiver und sehr viel länger darauf eingegangen sind, wie man zu unterrichten hat.

Wir haben gelernt, wie man sich zu kleiden hat, beziehungsweise was man bedecken soll, wie man sich den Respekt der Schüler „verdient“ und wie man seine Stunden zu planen und durchzuführen hat. Als Übung hierfür sollten wir schon richtige Stunden planen und dabei genauer auf die Einführung, das Aneignen von neuem Wissen, das Arbeiten mit dem neuen Wissen und auf die Schlussfolgerungen vom Unterricht achten. Auch sollten wir unsere erste Stunde, die wir an unseren Schulen halten würden, schon planen, sollten also Präsentationen vorbereiten, in welche wir uns selbst etwas vorstellen, um Feedback voneinander und von unseren Lehrern vor Ort bekommen zu können.

Nebenbei haben wir auch Wichtiges kulturelles gelernt, so waren wir beispielsweise im „Gansu Provincial Museum“. Das Museum liegt am Ufer des Gelben Flusses, dem zweitlängsten Fluss Chinas, und ist eines der frühesten umfassenden Museen in China. Es verfügt über mehr als 80.000 historische Artefakte und Naturexemplare. Von der Antike bis zur Neuzeit Gansus, man fand dort alles.

Im Kopf ist mir die Stadt Jiankang geblieben. Während der Zeit der sechs Dynastien, in denen China politisch instabil gewesen ist, da es mehrere konkurrierende Dynastien gab, die um die Vorherrschaft kämpften und Süden und Norden oft getrennt gewesen sind, hat die Stadt Jiankang die Rolle des politischen Zentrums, oder auch die der Hauptstadt, insbesondere für den Süden übernommen. Der soziale und politische Aufruhr trug damals zur Verbreitung von Taoismus und Buddhismus bei, sodass zahlreiche buddhistische Tempel um Jiankang errichtet wurden. Bevor dies geschah, gab es nur den Konfuzianismus und den chinesischen Volksglauben.

Nach den zwei Wochen wurde es Zeit für mich, meine eigene Einsatzstelle kennenzulernen: Wir sind endlich nach Huixian gefahren. Begleitet haben uns zwei Lehrer, die wir schon in Lanzhou treffen konnten. Am selben Abend schon haben wir mit vielen Lehrern und dem Schulleiter zusammen gegessen, weshalb ich umso mehr dankbar dafür bin, dass wir die Chance bekommen hatten, schon in Nanjing über die Regeln des gemeinsamen Essens hier aufgeklärt zu werden.

Über Huixian und meine Einsatzstelle gibt es natürlich auch noch ganz viel zu erzählen und ich freue mich schon darauf meinen nächsten Bericht zu schreiben…

  ∧,,,∧
(  ̳• · • ̳)
/    づ♡ Eure Heli<3

Nicht aller Anfang ist schwer

Noch jetzt, fast zwei Monate später fällt es mir manchmal schwer zu realisieren, dass ich in China angekommen bin und das Abenteuer, auf das ich so lange drauf hin gefiebert habe schon mitten im Gange ist….


Noch jetzt, fast zwei Monate später fällt es mir manchmal schwer zu realisieren, dass ich in China angekommen bin und das Abenteuer, auf das ich so lange drauf hingefiebert habe schon mitten im Gange ist. 

Die letzen Wochen sind wortwörtlich wie im Fluge vergangen.

Ich habe lange darüber nachgedacht, wie ich einen Außenstehenden bestmöglich an meinen Erfahrungen teilhaben lassen kann und ich bin zu dem Entschluss gekommen, dass es garnicht mal so einfach ist, die ganzen vielen Eindrücke in einem Text wiederzugeben, aber ich versuche mein Bestes. 

Bevor ich anfange möchte ich noch ein kleines Vorwort loswerden, versprochen, dann beginne ich wirklich mit meinen „ersten“ Eindrücken. 

In den letzten Wochen habe ich so viele neue Menschen kennengelernt, die mich sehr herzlich aufgenommen haben.
Sie haben mir einmal mehr deutlich gemacht,  wie wichtig es ist offen gegenüber diesem Land zu sein, das es wichtig ist seine eigenen Erfahrungen zu machen und den Menschen, der Kultur und der Gesellschaft ohne Vorurteile und Erwartungen gegenüber zu treten und sich auf sie einzulassen.

Alte Kindheitserinnerungen mischen sich mit neuen Erfahrungen 

„你吃过饭了吗?“ oder auch „Hast du schon etwas gegessen?“ 

Das ist mit einer der häufigsten Sätze, die man als Begrüßung zu hören bekommt. Dieser Satz beinhaltet vor allem zwei Intentionen.
Ganz nach dem Motto Liebe geht durch den Magen möchte sich dein gegenüber damit erkundigen, ob du heute schon etwas gegessen hast und ob es dir gut geht.

Sollte das nicht der Fall sein, so wird man entweder immer direkt zum essen eingeladen, oder man bekommt etwas angeboten. Das ist somit die zweite Intention. 

Ich finde die Idee dahinter eigentlich echt schön, denn man kommt viel einfacher mit anderen Leuten ins Gespräch, und entdeckt nebenbei auch ganz viele „geheime“ Lokale, die man als nicht-einheimischer nicht gefunden hätte. 

Einen großen Teil meiner Kindheit habe ich in China, um genauer zu sein in Yunnan, verbracht, da meine Mama Chinesin ist. 
Aus diesem Grund waren meine ersten Eindrücke ein Gemisch aus Altbekannten und neuen Erfahrungen. 

Angekommen sind wir in Nanjing, der geschichtlichen Hauptstadt im Osten Chinas, wo unser Vorbereitungsseminar starten sollte.

Insgesamt ging dieses Seminar einen Monat. Drei Wochen davon haben wir in Nanjing verbracht. Eine Woche in der Landeshauptstadt Lanzhou in der Provinz Gansu im Norden Chinas. 

Unsere Partnerorganisation ist die Amity Foundation. Sie ist eine unabhängige chinesische Nichtregierungsorganisation, die 1985 auf Initiative chinesischer Christen von Bischof K.H. Ting gegründet wurde, um Bildung, soziale Dienste,  Gesundheit, ländliche Entwicklung, Umweltschutz und Katastrophenhilfe von Chinas Küstenprovinz im Osten bis zu den Minderheitengebieten des Westens zu fördern. 

Während unserer Zeit dort haben wir nicht nur die Möglichkeit bekommen einige Projekte der Amity näher kennenzulernen indem wir einige Tage einen Blick hinter die Kulissen werfen durften,  sondern haben auch einen tollen Einblick in die chinesische Kultur und ihre Traditionen bekommen. 

Von Kalligraphie, chinesischer Kunst bis zu Museen und spannenden Präsentationen über Themen wie die muslimische Kultur in China war alles dabei.
In diesem Beitrag alles zu beleuchten würde den Themen und Menschen, die das alles möglich gemacht haben nicht gerecht werden.
Aus diesem Grund möchte ich mich auf drei Erfahrungen beschränken, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind und diese näher erörtern. 

Der Kalligraphie Workshop und der Workshop zur chinesischen Kunst.         
                   
Auch wenn ich zugeben muss, dass ich kein besonders großer Kunstliebhaber bin, haben mir diese Workshops sehr viel Spaß gemacht. Wir haben nicht nur für uns einzigartige Souvenirs daraus mitgenommen, sondern auch einen tieferen Einblick in die Kultur und Traditionen bekommen. 

Ein paar Ergebnisse unseres Kalligraphie Workshops


Das Haolaiwu Home Elderly Care Service Center                         
                                                 
 
Für drei Tage hatte ich die Möglichkeit in einem Altenheim zu helfen und die Menschen bei ihrem Alltag zu begleiten.
Das Altenheim befindet sich momentan in einem Krankenhaus, da das eigentliche Gebäude renoviert wird. 
Vorort haben wir kleinere Gymnastikeinheiten geleitet und ich habe auch ein paar Lieder auf meiner Kürbisflöte (ein traditionelles chinesisches Instrument aus Bambus, welches ich seit meiner Kindheit in China spiele) für die Bewohner gespielt.

Das schönste dabei für mich war vor allem mit den Leuten in den Austausch zu kommen und sich mit ihnen zu unterhalten.
Meine Mitfreiwilligen waren aufgrund von einer Grippe, die der Klimaanlage zu schulden ist, krank geworden.

Kleiner Funfact, Nanjing zählt zu den drei größten „Hitzekesseln“ Chinas.
Während unseres Aufenthaltes hatten wir meistens 39 Grad und ein sehr schwüles Wetter,  weshalb sich eine Klimaanlage mit nur 32 Grad echt erfrischend angefühlt hat, und ja, ich hätte auch nie gedacht, dass ich das mal sagen werde. 

„The Memorial Hall of the Victims in Nanjing Massacre“                

Vom 13. Dezember 1937 bis Januar 1938 besetzten japanische Truppen Nanjing, die damalige Hauptstadt Chinas, und massakrierten über 300.000 Zivilisten und Kriegsgefangene.
Dieses blutige Ereignis wurde später der Welt als „Nanjing-Massaker“ bezeichnet.

Das Museum zeigt eine Fülle von historischen Aufzeichnungen, Artefakten und Fotografien, die einen tiefgreifende Gedenkraum schaffen und mich tiefberührt und zum nachdenken angeregt haben. 

Nach drei Wochen sind wir dann tausend Kilometer weiter geflogen in die Landeshauptstadt der Provinz Gansu. 

Gansu ist eine chinesische Provinz,  die zwischen der Wüste Gobi, dem tibetischen Hochplateau und Xinjiang liegt. Sie wird vom Gelben Fluss geprägt und weite Teile der Provinz sind gekennzeichnet durch Wassermangel. 

Gansu ist ein zentrales Bindeglied der Seidenstraße, auch deshalb leben dort unterschiedlichste Ethnien und Minderheiten. 

Etwas was ich hier an der Stelle nochmal ins Bewusstsein rücken möchte ist, dass Gansu flächentechnisch sogar ein kleines bisschen größer als Deutschland selbst ist. 

In Lanzhou haben wir unseren zweiten Teil des Seminars absolviert. Wir haben ein intensives Training rund um das Thema Schule in China bekommen und uns mit den Fragen „Wie gestalte ich eine Unterrichtsstunde?“, „Was für Regeln gibt es an einer chinesischen Schule?“ und vieles mehr beschäftigt.  

Das alles ist nun über einen Monat her, aber es fühlt sich für mich an, als wäre es erst gestern gewesen. 

Seit einem Monat bin ich nun an meiner Einsatzstelle und jetzt schon fühle ich mich sehr wohl hier und kann es kaum erwarten euch mehr über meinen Alltag und die Menschen um mich herum zu erzählen und sie euch vorzustellen. 

Ich möchte mich nun mit der Frage: „你吃过饭了吗?“ verabschieden und bin neidisch auf die Leute dessen Antwort gewesen wäre „ja ich habe gerade Brot gegessen“, denn ich muss zugeben, so langsam vermisse ich Brot welches nicht süß ist.