Zuhause auf Zeit – Meine ersten Wochen in Brasilien

Abschied nehmen

Am 24.08.2026 musste ich mich von meiner Familien und meinen Freunden verabschieden und meine Reise nach Brasilien ging los. Doch bevor mein Auslandsjahr in São Paulo richtig losging, hatte ich zunächst ein Anfangsseminar in Porto Alegre. Dort habe ich gemeinsam mit anderen Freiwilligen die ersten Tage in Brasilien verbracht. Wir konnten uns kennenlernen, erste Eindrücke vom Land sammeln und uns auf unser bevorstehendes Auslandsjahr vorbereiten. Es war schön, die Reise gemeinsam mit anderen Freiwilligen zu beginnen, die vor einer ähnlichen Erfahrung standen wie ich.

Ankunft in Brasilien

Am 28.08. ging es für mich dann endlich weiter nach São Paulo, wo ich für ein ganzes Jahr leben und arbeiten werde. Am Flughafen wurde ich herzlich von meinem Chef abgeholt. Er hat mir direkt das Projekt und meine neue Umgebung gezeigt, sodass ich schon am ersten Tag einen ersten Eindruck von meinem zukünftigen Alltag bekommen konnte. Ich habe mich sofort willkommen gefühlt und war gespannt darauf, was mich in den nächsten Monaten erwarten würde.

Während der Reise nach Brasilien war ich sehr neugierig auf die kommende Zeit. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie es wohl sein würde, ein ganzes Jahr in einem anderen Land zu leben, neue Menschen kennenzulernen und einen komplett neuen Alltag zu haben. Gleichzeitig habe ich mich sehr darauf gefreut, einen neuen Lebensabschnitt zu beginnen, neue Erfahrungen zu sammeln und auch einmal Situationen zu erleben, die ich von zu Hause nicht kenne.

Nach meiner Ankunft begann ich langsam, mich an mein neues Leben zu gewöhnen. Natürlich war am Anfang vieles ungewohnt und neu, aber ich habe mich hier von Anfang an sehr wohlgefühlt. Mittlerweile habe ich mich richtig gut eingelebt und fühle mich in meiner Umgebung sicher. Auch meine Ansprechpartner vor Ort sind immer für mich da und helfen mir, wenn ich Fragen oder Probleme habe. Dadurch fällt es mir leicht, mich hier zurechtzufinden und meinen neuen Alltag zu genießen. Natürlich vermisse ich meine Familie und meine Freunde zu Hause, aber ich weiß, dass ich hier eine besondere Zeit erleben darf, auf die ich mich jeden Tag aufs Neue freue.

Meine Arbeit

Ein besonders wichtiger Teil meines Auslandsjahres ist die Arbeit in meinem Projekt, bei der ich mit Kindern zusammenarbeite. Dabei gibt es zwei verschiedene Standorte, an denen ich eingesetzt werde. An einem Standort arbeite ich in einer Kita mit kleineren Kindern. Die Arbeit dort macht mir sehr viel Spaß, ist aber auch ziemlich anstrengend. Man muss ständig aufmerksam sein und gut auf die Kinder aufpassen. Es ist eine große Verantwortung, auf so viele kleine Kinder zu achten, und manchmal kann es ganz schön anstrengend werden. Trotzdem genieße ich die Zeit mit ihnen sehr und freue mich immer, wenn ich sehe, wie viel Freude sie haben.

Am zweiten Standort arbeite ich mit älteren Kindern zusammen. Dort unternehmen wir viele verschiedene Dinge miteinander. Es wird viel Tischtennis und Tischkicker gespielt, wir malen gemeinsam oder machen Sportaktivitäten. Besonders viel Spaß macht es mir, zusammen mit den Kindern neue Dinge auszuprobieren. Außerdem gibt es auch Capoeira-unterricht im Projekt und ich habe schon viel darüber gelernt und mitgemacht. Capoeira ist eine brasilianische Mischung aus Tanz, Kampfkunst und Musik, bei der Bewegung und Rhythmus eine große Rolle spielen. Es ist schön, auf diese Weise auch etwas über die brasilianische Kultur zu lernen und selbst aktiv zu werden.

Was mich besonders freut, ist, wie herzlich mich die Kinder und Kollege aufgenommen haben. Obwohl ich noch nicht lange hier bin und die Sprache natürlich noch nicht perfekt beherrsche, helfen sie mir sehr viel. Sie erklären mir Dinge, unterstützen mich im Alltag und sorgen dafür, dass ich mich schnell als Teil der Gruppe fühle. Gleichzeitig kann ich durch den täglichen Kontakt mit ihnen mein Portugiesisch immer weiter verbessern. Auch meine Arbeitskollegen haben mich von Anfang an sehr herzlich aufgenommen. Sie helfen mir bei vielen Dingen und sorgen dafür, dass ich mich bei der Arbeit wohlfühle. Ich gehe jeden Tag gerne in mein Projekt und freue mich immer auf die Zeit mit den Kindern und meinen Kollegen.

São Paulo

Auch außerhalb der Arbeit habe ich schon einiges erlebt. Ich habe bereits oft etwas mit meinen Arbeitskollegen unternommen und war auch schon mehrmals im Zentrum von São Paulo, um die Stadt zu erkunden. São Paulo ist eine wirklich beeindruckende und schöne Stadt, in der es unglaublich viel zu entdecken gibt. Besonders ungewohnt ist für mich, wie weit hier teilweise alles voneinander entfernt ist. Wenn ich zum Beispiel mit dem Auto ins Zentrum fahre, brauche ich ungefähr eine Stunde. Für mich war das am Anfang eine ziemlich lange Strecke, aber für brasilianische Verhältnisse ist das eine ganz normale Fahrzeit. Mittlerweile habe ich mich schon ein bisschen daran gewöhnt. Je öfter ich die Strecke fahre, desto kürzer kommt sie mir vor. Ich freue mich darauf, in den nächsten Monaten noch viele weitere Orte kennenzulernen und São Paulo noch besser zu erkunden.

Wenn ich auf die vergangenen anderthalb Monate zurückblicke, bin ich sehr froh darüber, wie gut ich mich bisher eingelebt habe. Ich habe neue Menschen kennengelernt, viele Erfahrungen gesammelt und bereits einiges gelernt. Besonders schön finde ich, dass ich mich sowohl bei der Arbeit als auch in meinem Alltag wohl und willkommen fühle. Natürlich gibt es auch Momente, in denen ich meine Familie und Freunde vermisse, aber das gehört zu einem Auslandsjahr dazu.

Auf das, was da noch kommt

Ich bin gespannt, was mich in den nächsten Monaten noch alles erwartet, und freue mich auf die weitere Zeit in Brasilien. Ich möchte noch viel lernen, mein Portugiesisch weiter verbessern, neue Erfahrungen sammeln und die Kultur noch besser kennenlernen. Auch auf die vielen Dinge, die ich in São Paulo noch entdecken werde, freue ich mich sehr. Die ersten Wochen haben mir bereits gezeigt, wie viele neue Eindrücke und schöne Begegnungen ein Auslandsjahr mit sich bringen kann. Umso mehr freue ich mich auf alles, was noch vor mir liegt!

Quartalsbericht aus Brasilien

In den ersten zwei Monaten in unserer Einsatzstelle bestand meine Hauptaufgabe zunächst darin, eine gute Beziehung zu den Kindern aufzubauen und sie besser kennenzulernen. Dafür nehme ich selbst an verschiedenen Workshops teil, die von den anderen Mitarbeitenden geleitet werden. So kann ich gemeinsam mit den Kindern Aktivitäten machen und gleichzeitig langsam eine Verbindung zu ihnen aufbauen. Das funktioniert bisher auch gut, weil sich die Kinder schnell an mich und meine Mitfreiwillige gewöhnt haben. Sie kommen mittlerweile von selbst auf uns zu, möchten mit uns spielen und begrüßen uns, wenn sie uns sehen. 

Allerdings gibt es auch Situationen, in denen ich nicht an allen Workshops teilnehmen kann. Ein Beispiel dafür ist der Judo-Workshop. In solchen Fällen habe ich weniger Aufgaben und muss die Zeit abwarten, bis der nächste Workshop beginnt. Dadurch können einzelne Tage etwas lang erscheinen. Trotzdem finde ich es aber sinnvoll, dass ich zunächst die Möglichkeit bekomme, die Kinder und die Abläufe in der Einsatzstelle kennenzulernen, bevor ich nach und nach weitere Aufgaben übernehmen soll. In dem kommendem Monat soll ich selber auch damit beginnen Workshops wie Englischunterricht für die Mitarbeiter oder Basteln anzuleiten. 

Auch meine Sprachkenntnisse haben sich in den letzten Monaten ein bisschen weiterentwickelt. Da ich bereits vor meiner Ausreise Spanisch gelernt habe, kann ich vieles verstehen und komme im Alltag meistens ganz gut zurecht. Besonders beim Zuhören merke ich, dass ich Fortschritte mache. Schwieriger ist es manchmal noch, selbst spontan zu antworten oder genau das auszudrücken, was ich sagen möchte. Das liegt unter anderem daran, dass viele Menschen hier relativ schnell und teilweise undeutlich sprechen. Trotzdem funktioniert die Verständigung insgesamt besser, als ich vor meiner Ausreise erwartet hatte. 

In meiner Freizeit habe ich angefangen zu häkeln. Meine Mitfreiwillige hat mir gezeigt, wie man kleine Taschen häkelt, und mittlerweile macht mir das Spaß. Außerdem haben wir uns angewöhnt, regelmäßig an den Wochenenden unsere Stadt und die Städte in der Umgebung zu erkunden. Ich habe mich auch in einem Fitnessstudio angemeldet.

In den ersten Monaten habe ich auch viel über das Land gelernt. Besonders positiv aufgefallen ist mir, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen hier sind. Wenn wir bisher ein Anliegen hatten, wurde uns meistens sehr schnell weitergeholfen. Das hat uns gerade am Anfang sehr geholfen. Als wir beispielsweise in unserer Unterkunft angekommen sind, waren bereits einige Lebensmittel für uns eingekauft worden. Auch bei der Ausstattung unserer Küche wurde uns von unserer Einsatzstelle sehr geholfen. 

Gleichzeitig musste ich feststellen, dass die Kommunikation an manchen Stellen etwas anders funktioniert, als ich es aus Deutschland gewohnt bin. Informationen werden nicht immer so frühzeitig oder ausführlich weitergegeben. Es gab beispielsweise Tage, an denen keine Kinder in der Einsatzstelle waren und man vorher nicht darüber informiert wurde. Dadurch musste man sich erst daran gewöhnen, dass nicht immer alle Informationen im Voraus weitergegeben werden und manche Dinge spontaner entschieden werden.

Mein allgemeines Befinden im Einsatzland ist insgesamt gut, auch wenn die Eingewöhnung nicht immer einfach war. Besonders unsere Wohnsituation hat die ersten Wochen etwas schwieriger gemacht, da sich unsere Unterkunft in einem weniger guten Zustand befindet. Meine Einsatzstelle ist sich dessen aber bewusst und versucht bereits, eine andere Wohnung für uns zu finden. Uns wurde mitgeteilt, dass sich hoffentlich bis Dezember eine neue Möglichkeit ergeben könnte. 

Eine weitere Herausforderung ist es bisher, neue Freundschaften zu schließen. In der Stadt, in der ich wohne, gibt es nicht besonders viele junge Menschen, weshalb meine Mitfreiwillige und ich einen großen Teil unserer Freizeit miteinander verbringen. Das ist natürlich schön, kann aber manchmal auch dazu führen, dass man sich etwas einsam fühlt. Gleichzeitig haben wir aber auch Kontakt zu anderen Freiwilligen aus umliegenden Städten und treffen uns regelmäßig mit ihnen. 

Heimweh hatte ich bisher vor allem in Situationen, in denen ich gemerkt habe, wie anders mein Alltag hier im Vergleich zu Deutschland ist.Dadurch, dass ich während der ersten Monate außerdem zweimal krank war, wurde das Heimweh teilweise noch verstärkt. Trotzdem merke ich, dass die Zeit sehr schnell vergeht und ich mich immer besser an mein neues Leben gewöhne. Die freundlichen Menschen hier und die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Freiwilligen Erfahrungen zu sammeln, helfen dabei sehr.

Mit Problemen und Herausforderungen versuche ich vor allem dadurch umzugehen, dass ich mit meiner Familie oder meinen Freunden telefoniere. Manchmal hilft aber auch einfach eine Pause oder ein kleiner Mittagsschlaf, um wieder neue Energie zu bekommen. Insgesamt versuche ich, Schwierigkeiten nicht zu sehr an mich heranzulassen und mir bewusst zu machen, dass die Eingewöhnungszeit ein Teil des Auslandsjahres ist. Auch Ablenkung durch z.B neue Hobbys oder Interessen hilft sehr. Ich nehmen mir hier auch die Zeit um zu überlegen und zu recherchieren welcher Studiengang mich interessiert.  Auch wenn nicht jeder Tag einfach ist, sammle ich gerade viele neue Erfahrungen und lerne dabei viel über das Leben in einem anderen Land, aber auch über mich selbst.

Endlich angekommen!

Seit unserem ersten Vorbereitungsseminar im Januar ist die Zeit gefühlt verflogen. Der Freiwilligendienst kam mit Riesenschritten näher, und trotzdem schien das Ganze im alltäglichen Trott immer in weiter Ferne zu sein. Umso surrealer war es, plötzlich im Flieger zu sitzen. So richtig realisiert hatte ich es am Flughafen noch nicht: Ein ganzes Jahr in einem fremden Land leben, dessen Sprache ich nicht spreche und dessen Kultur völlig neu ist! Mit einer gesunden Mischung aus Vorfreude und Respekt ging es los. Nächstes Ziel: Porto Alegre!

Chaos in São Paulo und ein herzlicher Empfang

Der Flug bis São Paulo war ziemlich entspannt. Nach der Einreisekontrolle kam dann der erste bürokratische Boxenstopp: Gepäck vom Band holen und direkt wieder neu aufgeben. Beim Schalter realisierten wir schrittweise, dass ein Teil unserer Gruppe einen anderen Weiterflug hatte. Es entstand ein kleines Chaos – auch deshalb, weil am Flughafen gefühlt niemand Englisch sprach. Zum Glück haben wir es am Ende alle rechtzeitig zu unserem Gate geschafft.

Müde, aber glücklich in Porto Alegre angekommen, wurden wir von unserer Seminarleitung Simone herzlich empfangen. Nach einem kurzen Kennenlernen im Seminarhaus fielen wir wegen des Flugs und der Zeitverschiebung nur noch tiefentspannt ins Bett. Die erste Woche war vollgepackt mit nützlichen Infos über die Geschichte, Geografie und die gesellschaftlichen Herausforderungen Brasiliens. Natürlich durfte auch ein Portugiesisch-Crashkurs nicht fehlen. Während dieser intensiven Tage sind wir als Gruppe eng zusammengewachsen.

WG-Leben für Anfänger und der erste Arbeitstag

Für meinen Mitfreiwilligen und mich ging es mit dem Nachtbus weiter nach Curitiba, wo unsere Einsatzstelle liegt: das Projeto Dorcas. Die Fahrt war superkomfortabel – die Busse hier sind extrem gemütlich und bieten richtig viel Platz. Vor Ort wurden wir direkt herzlich aufgenommen. Man half uns sogar beim ersten Einkauf für unsere WG. Das war auch bitter nötig: Zwei Jungs, die noch nie allein gewohnt haben, sind im Supermarkt nicht unbedingt die geborenen Experten für den Erstbezug einer Wohnung! Am nächsten Morgen wurde es dann allerdings ernst: Um 8:40 Uhr wurden wir abgeholt. Mein erster Arbeitstag stand an!

Der Bus war echt bequem…

Erste Eindrücke und musikalische Arbeit

Kaum im Projekt angekommen, verflog meine anfängliche Aufregung wie im Flug. Wir wurden begrüßt und sofort von den Kindern belagert, die uns alle Hallo sagen wollten. Für viel mehr hätten meine Portugiesischkenntnisse ohnehin nicht gereicht. Nur unscheinbare fünf Minuten später drückte mir ein Musiklehrer eine Tuba in die Hand – es hatte sich wohl schon herumgesprochen, dass ich ein Instrument spiele. Ehe ich mich versah, saß ich mitten im Blechblasunterricht! Das Projekt legt enorm großen Wert auf die musikalische Entwicklung der Kids.

Das Projekt Dorcas

Nachdem wir in der ersten Woche das Projekt kennengelernt hatten, bekamen wir einen Musterstundenplan, dem wir so gut es geht folgen sollen. Vormittags begleite ich die Gruppe „Arco-Íris“ (Regenbogen) bei ihren Aktivitäten, spiele und bastle mit ihnen. Mittags steht für eine halbe Stunde Tellerwaschen auf dem Programm. Mein Rücken lässt grüßen – die Spülen hier sind definitiv für kleinere Menschen gebaut! Nachmittags kommen dann die älteren Kinder. Entweder mache ich bei den Musikangeboten mit (Chor und Blechbläserensemble) oder helfe beim Sortieren der Sachspenden. Manchmal läuft es auch einfach auf ein nettes Gespräch mit einem Kollegen hinaus, denn Brasilianer unterhalten sich sehr gerne!

Mein Arbeitsgerät

Neuer Rhythmus

Während der Schulzeit war meine Freizeit sehr durchgetaktet und ich wusste immer genau, was ich in den nächsten 2 Stunden machen werde. Hier ist das ein wenig anders. Ich habe 3 Tage die Woche frei und arbeite an den anderen Tagen von 9 bis 16:30. Wenn ich dann eine Stunde später zu Hause bin, habe ich dann gar keine Verpflichtungen mehr. Keine Hausaufgaben, kein Leistungsdruck, so gut wie keine Termine und auch keine festen Gruppen. Das war erstmal eine ziemliche Umstellung. Klar, viel Freizeit ist toll, aber so viel…….. Im Moment ist sie allerdings bitter nötig. Die ganzen neuen portugiesischen Wörter, die neue Kultur, da braucht der Kopf wirklich viel Pause. Natürlich habe ich mir auch die typische Freiwilligenerkältung eingefangen, durch die ich etwa 2,5 Wochen dauerschlapp und krank war. Aber damit musste ich rechnen. In der restlichen Zeit, in der ich Lust habe, etwas zu unternehmen, schaue ich mir sehr gerne Curitiba an und besuche die Parks, für die die Stadt bekannt ist. Allerdings muss dafür das Wetter passen. Hier regnet es nämlich andauernd. Und warm ist es hier nun wirklich nicht. Es ist zwar Winter, aber das es in Brasilien ein so kaltes Wetter mit Dauerregen und Gewitter (mind. Jeden zweiten Tag) gibt, hätte ich nicht erwartet. Zum Glück habe ich viele dicke Sachen eingepackt, denn Heizungen gibt es hier blöderweise nicht.

Der alltägliche Regen…

Trotzdem bin ich sehr froh, in der Stadt gelandet zu sein. Sie wird nicht umsonst als die sicherste Großstadt mit der besten Lebensqualität in Brasilien betitelt. Ich bin mir ziemlich sicher: Dieses eine Jahr wird unvergesslich!

Jardim Botanico

“Welcome to the jungle”…

…mit diesen Worten begrüßte mich mein Chef in Padilha. Aber bis dahin war es eine lange Reise:

Mein Freiwilligendienst startete leider erst 2 Wochen später als geplant, da mein Visum nicht rechtzeitig ankam. Deswegen konnte das Abenteuer erst am 24.08. in Frankfurt am Flughafen beginnen. Von dort aus flogen wir über Rio de Janeiro nach Porto Alegre. Es hieß also von der Familie Abschied nehmen und Koffer abgeben. Zum Glück konnte ich auf beiden Flügen schlafen und so ausgeruht mit den 4 anderen verspäteten Teilnehmern an dem Ankunftsseminar teilnehmen. Dieses fand in São Leopoldo (ca. 30 Minuten vom Flughafen entfernt) statt. Eine kleine Überraschung war, dass uns einige Freiwillige, welche schon 2 Wochen vorher angekommen waren, vom Flughafen abholten. Das Seminar war leider aufgrund unserer verspäteten Ankunft etwas kürzer (nur 3 Tage). Trotzdem hatten wir einen kleinen Sprachkurs, haben mehr über die Kultur gelernt und allgemein noch mehr Infos zu Brasilien bekommen. Natürlich hatten wir trotz des engen Zeitplans auch die Gelegenheit uns die Stadt anzugucken, das erste Mal Açaí zu essen und Xis (eine burgerähnliche Speise, typisch für Rio Grande do Sul) zu bestellen. Dabei konnten wir auch unsere neu erlernten Portugiesisch Kenntnisse anwenden.

 

Aussicht mit Stacheldraht
Zwischenseminar in São Leopoldo

Erster Tag

Am 28.08. hieß es dann erneut Abschied nehmen, aber diesmal von den anderen Mitfreiwilligen. Dafür durfte ich aber auch ganz viele neue Gesichter kennenlernen, nachdem mich mein Chef zusammen mit meiner Mitbewohnerin abgeholt  hat. Wir sind von dort aus ca. 1,5 Stunden in das 700 Einwohner kleine Dorf Padilha gefahren. Auf dem Weg dorthin wurden die Empfangsbalken immer weniger, die Dichte der Häuser immer geringer  und dafür die Natur immer schöner. Es tauchten im Regen viele verschiedene Baumarten auf, Hunde saßen neben der Straße und die Hühner liefen fast vor das Auto. Dann war auf der linken Seite ein Fluss zu sehen und es war nicht mehr weit, bis wir das charakteristische Ortsschild erblickten. Wenige Minuten später waren wir auch schon bei unserer Doppelhaushälfte angekommen.

Nun hieß es Koffer auspacken, Wände dekorieren und die Macken des Hauses kennenlernen. Schon am ersten Nachmittag bin ich zum ersten Mal zu meiner Einsatzstelle gelaufen und alles war neu. Ich lernte einige Mitarbeiter kennen, probierte die ersten Kindernamen zu lernen und mich an der Einsatzstelle zu Recht zu finden. Nach der Arbeit gingen wir in den Supermarkt, welcher nur 30 Sekunden von unserem Haus entfernt liegt. Dieser ist deutlich kleiner als die meisten in Deutschland und trotzdem findet man alles, was man zum Leben braucht. Mit den eingekauften Sachen haben wir dann das erste Mal zusammen in der WG gekocht und einen Filmabend gemacht.

Der erste Weg zu Arbeit
Hunde gibt es hier in jedem Garten

Alltag in Padilha

Dieser Tag ist inzwischen schon fast einen Monat her und seitdem ist viel passiert. 

Mein neuer Alltag begann. Dabei gibt es hier auch immer wieder kleine und große Highlights: Dazu zählen die regelmäßigen Spieleabende mit den Kollegen, das Lagerfeuer machen, Spaziergänge und auch einige Ausflüge.

Wie die erste Fahrt nach Taquara, was hier die nächstgrößere Stadt ist. Die Busfahrt über die Berge ist dabei schon ein Highlight für sich, da man die wunderschöne Natur der Region bestaunen kann. In Taquara haben wir erstmal in einem “großen” Supermarkt eingekauft und dann Açaí gegessen. Es gab noch viele weiter Aktivitäten über die man schreiben könnte: etwa der Ausflug zur Bundespolizei für die Registrierung, der Tag in Novo Hamburgo, bei dem wir mit anderen Freiwilligen und dem Chef unserer Hauptorganisation (ABEFI) in Kontakt gekommen sind oder die Teilnahme an lokalen Gottesdiensten.

Açaí in Taquara
Aussicht auf Padilha nach einer Wanderung

Tiere sind hier ein täglicher Begleiter

Das Projekt

Aber bei einem Freiwilligendienst geht es ja hauptsächlich um etwas anderes, nämlich ein Projekt, das man mit seiner Arbeit unterstützt: bei mir ist es Lar Padilha, was ich nun genauer vorstellen möchte.

Lar Padilha ist ein Kinderheim, das Kinder und Jugendliche aufnimmt, die aus verschiedenen Gründen nicht bei ihren Eltern oder anderen Familienangehörigen leben können. Einige haben auch gar keine Familie mehr und sind dann zur Adoption freigegeben. Das oberste Ziel bleibt es dennoch, die Kinder wieder bei ihren Familien wohnen zu lassen, weshalb den Kindern (je nach Situation) der Telefonkontakt, ein Besuch der Eltern/Verwandten oder auch ein Wochenende bei ihrer Familie ermöglicht wird. Das besondere bei diesem Projekt ist es, dass es für Kinder ein Zuhause ist (wenn auch nur zeitweise) und sie dadurch eine stärkere Bindung zu ihren ErzieherInnen aufbauen. Diese werden von den Kindern oft als “tia” bzw. “tio” (Tante bzw. Onkel) bezeichnet werden. Durch diese Besonderheiten ist das Projekt sehr lebhaft und die Kinder wachsen einem schnell ans Herz. 

Die Kinder und Jugendlichen werden in vier Gruppen bzw. Häuser eingeteilt: Es gibt die Krippe (0-5 Jahre), die Kleinen (6-11) Jahre und dann die Großen (12-17), die aber in Jungs und Mädchen unterteilt werden. Jedes Haus enthält ca. 20 Kinder, wovon die Hälfte Vormittags und die andere Hälfte Nachmittags die Schule besucht. Die Aufgaben der Freiwilligen bestehen darin, die Erzieher während des Vor- und Nachmittags zu unterstützen und die Kinder zu beschäftigen. In meinen ersten Wochen habe ich unter anderem Fußball gespielt oder an Kartenspielen teilgenommen (bei denen jeder mehr oder weniger nach seinen eigenen Regeln spielt). Im weiteren Verlauf des Jahres sollen die Freiwilligen dann auch eigene Projekte/Workshops anbieten, was meine Mitbewohnerin, die schon seit Januar da ist, bereits macht. Hierbei unterstütze ich sie auch regelmäßig. So haben wir letztens mit Hilfe von Hand Umrissen verschiedenste Tiere erschaffen oder mit Wattestäbchen und Farbe wunderschöne Landschaften entstehen lassen.

Arbeit im Projekt

Wetter, Stromausfall und mehr

Das Wetter ist dabei meistens schön, aber eben auch nicht immer: Als ich letztens schlafen ging, wurde ich mitten in der Nacht von heftigen Sturmböen geweckt, welche das Haus erschütterten. Noch halb im Schlaf habe ich die Wäsche auf der Terasse vor dem Regen gerettet. In der restlichen  Nacht habe ich kaum ein Auge zu bekommen. Als ich dann morgens endgültig von einem Donnerschlag geweckt wurde, ist mir schnell klar geworden, dass wir einen Stromausfall hatten – dies ist in Padilha allerdings keine Seltenheit. Im Dorf konnte man die Verwüstung sehen: Bäume waren umgefallen und Brücken wurden überschwemmt. Dadurch, dass wir diesen Tag mit einer Odyssee zur Bundespolizei verbrachten, wurden wir aber kaum beeinflusst. Leider war der Strom auch nach der Rückkehr nicht wieder da. Dies führte einzigartigen Situationen: das Einkaufen mit Taschenlampen, das nicht bezahlen können (wie haben dann nen Zettel bekommen um die Rechnung am nächsten Tag zu begleichen) oder auch das Heim als Treffpunkt, da es dort Satelliteninternet und einen Stromgenerator gab. Ab 18 Uhr war es schon dunkel und wir konnten nur noch bei Kerzenlicht am Küchentisch sitzen. Die Situation war auch am nächsten Tag nicht besser, da nun zusätzlich das Wasser ausgefallen ist, wodurch wir nicht mehr duschen, kochen oder spülen konnten. Zum Glück waren die Probleme gegen Mitte des Tages gelöst und der Alltag im wunderschönen Padilha konnte weitergehen.

Einkauf mit Taschenlampe

Inzwischen kenne ich alle Menschen und Tiere auf dem drei Minuten langen Weg zur Arbeit, kann schon viele der Kinder beim Namen nennen und habe meine Kollegen näher kennengelernt. Ich bin gespannt, was mich in den nächsten Monaten erwartet!

Die letzten drei Monate

Es ist kalt! Denkt man bevor man im Winter hier ist gar nicht, dass es so in Brasilien Möglich wäre, Brasilien wird meiner Meinung nach in vielen Hinsichten sehr unterschätzt. Mit der Kälte bekommt der Chimarrão, die Stricksocken und mehrere Lagen Decken kombiniert mit einer Wärmflasche eine neue Bedeutung, denn leider sind die Häuser nicht so dicht und gedämmt wie bei uns. Aber man gewöhnt sich mehr oder weniger dran.

Für mich geht es nochmal für ein langes Wochenende nach Urugay, nach Montevideo um andere Freiwillige zu besuchen. Dort konnte ich endlich mal wieder am Strand sein, dort Spazieren gehen und haben dort auch ein paar stunden bei Sonne und mit dem Fußball verbracht.Wir hatten auch ein wenig wärmeres Wetter was recht angenehm war, am Tag und in der Nacht. Gespräche über was machen wir alle eigentlich nach diesem Jahr, das selbstgemachte und an Urugay angepasste Siedler wurde viel bespielt und die riesen Feria (ein riesen Markt, der über das Wochenende in den Straßen Montevideos steht), Zusammen Musik machen und einen abend unterwegs sein haben unsere Tage gefüllt.

Dann geht es nach diesen paar Tagen wieder zurück in das Dörfchen nach Padilha, ein Zwölfstunden Bus, den halben Tag warten und dann noch zwei kürzere Busse und dann bin ich nach so zwanzig Stunden unterwegs endlich wieder zurück, das hört sich nach richtig viel an und ist es natürlich auch. Das ist man In Deutschland absolut nicht gewohnt aber man gewöhnt sich richtig schnell an die weiten Distanzen.

In Padilha angekommen, auch hier ist es Tagsüber ein wenig wärmer, das nutzen wir häufig zum Spazieren gehen und haben endlich einen Tucan gesehen, zweimal sogar und einmal eine Brüllaffen Familie, das hat mich riesig gefreut, denn die kann man immer brüllen hören aber zu sehen bekommen kann man sie eher selten. Oben auf dem Berg angekommen wird man mit einem richtig schönen Blick über das Dorf und wieder den Mandarinen belohnt.

Das Wetter nutzen wir auch häufig mit den Kindern, dann gehen wir aber in der Regel zum Fußball/- Spielplatz, dann begleiten uns oft auch die Heimhunde. Dort wird dann auch fleißig ball gespielt, geschaukelt und geklettert. Ich lasse die Kinder jetzt auch oft auf meinen Schultern stehen um Mandarinen zu pflücken, da haben einige Kinder mal was neues ausprobieren und ihre Angst überwinden können.

Dann die Umstrittene WM:

Das Erste Brasilienspiel haben wir mit den Kindern geschaut. Die Kinder haben in Brasilienfarben ihr Gesicht bemalt bekommen und wir haben mit ihnen Flaggen gemalt die wir später zu einer Girlande getackert haben.

Als Deutschland rausflog waren wir zum Glück bei anderen Freiwilligen in Porto Alegre zu besuch und mussten uns erst zwei Tage später von den Kindern anhören, dass Brasilien besser ist als Deutschland. Das „sieben zu eins“ das sitzt hier noch tief in den Knochen und wird manchmal als blöd gelaufen genutzt.Was man vielleicht denken würde nachdem auch Brasilien ausgeschieden ist, ist dass die Brasilianer dann für Argentien wären, das war nur ganz vereinzelt der Fall. Ansonsten gibt es ziemlich viel Abneigung (so wie ich das wahrgenommen habe), ein paar Gründe dafür sind die Kolonialmächte, die damals von der Regierung aktiven „verweißung“ in Argentinien und anderen Ländern und dem aktivem Rassismus der damit zusammenhängt und leider auch bei der WM in den Sozialen Medien zu sehen war.

Sich mit der Geschichte näher und aktiv zu beschäftigen lässt einen die Menschen in Brasilien/Argentinien/Urugay/… und natürlich generell Nord und Südamerika besser verstehen (Das sind nur die Beispiele die ich über dieses Jahr besser kennengelernt habe.). Das Lohnt sich, sich damit zu beschäftigen!

Dann durfte das Haus 1 in dem die 7 bis 12 Jährigen sind und mit denen wir die meiste Zeit verbringen in ein Archäologisches Museum, wo aus der ganzen Region Ausgrabungen ausgestellt sind. Dort konnten die Kinder einiges über ihre Nativen Vorfahren lernen, aber auch über sich und was von damals noch heute tief in der Kultur und im täglichen Leben verankert ist. Was wurde gegessen und was ist noch heute Tagtäglich dabei, ist zum Beispiel Fejão (Bohnen), Reis, Mandioka und Pinhão und sonst ging es natürlich darum, wie gejagt, gewohnt, gemeinsam getanzt wurde und natürlich noch einiges weitere. Zum schluss durften die Kinder noch einwenig draußen spielen und Chimmarão (der Mate der hier getrunken wird) trinken, der hier auch in dem Süden Brasiliens ganz stark immer mit dazugehört.

Blog Beitrag Nr.4 Wetter

Hi, ich bin Johannes,

19 Jahre alt und jetzt schon 10 Monate in Brasilien. Hier absolviere ich in Curitiba bei dem Sozialprojekt Dorcas einen Freiwilligendienst. In diesem Blog möchte ich euch etwas über das Wetter und Klima hier in Curitiba erzählen.

Bevor ich nach Brasilien gekommen bin, dachte ich, dass es hier das ganze Jahr überall heiß ist. Das ganze Jahr schwitzen, in Sandalen rumlaufen und in Shorts zum Strand gehen. Ich habe sogar extra viel Sonnencreme mitgenommen. In Curitiba habe ich aber schnell gemerkt, dass das nicht stimmt und die ich die Mengen Sonnencreme nicht brauche.

Die Stadt liegt auf etwa 900 Metern Höhe, weshalb das Klima deutlich kühler ist als in vielen anderen Regionen Brasiliens.

Besonders im Winter können die Temperaturen morgens sogar auf wenige Grad über dem Gefrierpunkt fallen. Tagsüber wird es dann oft wieder angenehm warm. Deshalb erlebt man hier häufig alle vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag. Morgens braucht man eine Jacke, mittags reicht ein T-Shirt und am Abend wird es wieder kühl.

Außerdem ist Curitiba für sein wechselhaftes Wetter bekannt. Es kann innerhalb kurzer Zeit von strahlendem Sonnenschein zu Regen wechseln. Deshalb habe ich inzwischen fast immer eine Regenjacke oder einen Regenschirm dabei.

Im Sommer wird es zwar wärmer, aber durch die Höhenlage sind die Temperaturen meist angenehmer als in vielen anderen brasilianischen Städten. Gleichzeitig regnet es in dieser Jahreszeit häufiger, sodass die Parks und Wälder rund um Curitiba das ganze Jahr über grün bleiben.

Mittlerweile habe ich mich an das Wetter gewöhnt. Gerade weil es nicht dauerhaft heiß ist, kann man viel unternehmen und die Natur in und um Curitiba gut erkunden. Nur der Regen kann sehr nervig werden… aber wenn man aus Norddeutschland kommt, kennt man solche Problemchen.

Wie stellt ihr euch das Wetter in Brasilien vor? Hättet ihr gedacht, dass es hier im Winter so kühl werden kann?

Schreibt es gerne in die Kommentare.Bis zum nächsten Mal,

euer Johannes

Blog Beitrag Nr.3 Natur

Hi, ich bin Johannes,

19 Jahre alt und jetzt schon 10 Monate in Brasilien. Hier absolviere ich in Curitiba bei dem Sozialprojekt Dorcas einen Freiwilligendienst. In diesem Blog möchte ich euch etwas über die beeindruckende Natur und Tierwelt in und um Curitiba erzählen.

Obwohl Curitiba eine Millionenstadt ist, gibt es hier viele Parks und Grünflächen. Diese sind auch eines der aushänge Schilder für Curitiba.

In den Parks begegnet man regelmäßig verschiedenen Tieren. Besonders häufig sieht man Capivaras, die größten Nagetiere der Welt. Sie leben oft an Seen und Flüssen und wirken sehr entspannt. Auch viele verschiedene Vogelarten sind hier zu Hause. Mit etwas Glück kann man Tukane, Spechte oder Papagein entdecken.

Nicht weit von Curitiba entfernt gibt es außerdem den Atlantischen Regenwald auch Mata Atlantica genannt. Dieses einzigartige Ökosystem gehört zu den artenreichsten der Welt. Bei Wanderungen kann man Wasserfälle, tolle Landschaften und eine beeindruckende Pflanzenwelt entdecken. Mit etwas Glück lassen sich sogar Affen oder Nasenbären beobachten.

Ein weiteres Highlight ist die Serra do Mar, das Gebirge östlich von Curitiba. Dort führen Wanderwege durch dichten Wald und hinzu hohen Bergen mit tolle Ausblicke über die Landschaft. Oft ist es allerdings zu empfehlen mit Guide Orte wie den Nationalpark Pico Parana zu besuchen. Die Natur ist dort noch sehr ursprünglich und zeigt eine ganz andere Seite Brasiliens als die bekannten Strände.

Die es in Parana mit zum Beispiel der Ilha do Mel aber auch gibt!

Ganz andere Landschaften lassen sich im Parque Nacional Vila Velha bestaunen. Dort prägen große Sandsteinformationen die Landschaft. Mit etwas Vorstellungskraft lassen sich sogar Skulputen und Muster in ihnen wieder finden. Außerdem lässt sich dort auch ein kleiner Einblick in ein anderes brasilianisches Biom werfen; das Cerrado.

Ich genieße es immer wieder, nach der Arbeit oder am Wochenende Zeit in den Parks zu verbringen. Es ist eine schöne Abwechslung zum Alltag und man entdeckt jedes Mal etwas Neues.

Seid ihr lieber in den Bergen, im Wald oder am Meer unterwegs? Oder habt ihr schon einmal wilde Tiere in ihrer natürlichen Umgebung gesehen?

Schreibt es gerne in die Kommentare.

Bis zum nächsten Mal,

euer Johannes

Blog Beitrag Nr.2 Essen

Hi, ich bin Johannes,

19 Jahre alt und jetzt schon 9 Monate in Brasilien. Hier absolviere ich in Curitiba bei dem Sozialprojekt Dorcas einen Freiwilligendienst.

Besonders oft esse ich Feijão(schwarze Bohnen) mit Reis, dazu Fleisch, Salat und manchmal Farofa. Das ist so die gängliche Hausmannskost. Dabei ist Farofa ein Mehl aus entweder Maniok oder Mais. Je nach Region ist es tatsächlich sehr unterschiedlich! Wenn ihr die Gelegenheit bekommt mal durch Brasilien zu kommen solltet ihr mal darauf achten.

Apropo, falls man unterwegs ist, isst man meistens Salgados. Das ist eine Sammelbezeichnung für verschiedenste gebackene oder Fritierte Snacks. Der bekannteste Salgado davon ist wahrscheinlich Coxinha. Ein fritierter Klumpen aus Maniokmehl mit einer Karotten/Hünchenmischung. Sehr lecker! Geheimtipp; die besten Coxinhas des Bundesstaats Paranas bekommt man bei Tres Corações.

Falls es mal etwas schicker sein soll geht man zu einer der vielen Churrascarias. Dort wird verschiedenes Fleisch direkt am Tisch serviert, bis man wirklich satt ist. Für Fleischliebhaber ist das definitiv ein Erlebnis. Etwas billiger kriegt man Espetinhos in kleineren Straßenständen, dass sind Fleischspießen die auf die Hand bestellt werden.

Curitiba ist eine sehr internationale Stadt. Deshalb findet man hier nicht nur typisch brasilianisches Essen, sondern auch viele Einflüsse aus Deutschland, Italien, Polen, der Ukraine und Japan. Dadurch ist die Auswahl an Restaurants und Cafés unglaublich groß.

In der Vergangenheit ist Curitiba als Umschlagplatz für Mate zu gewissen Wohlstand gekommen. Aud Portugiesisch Chimarrão gemannt.

Ein Klassiker in Curitiba ist die Carne de Onça. Trotz des Namens hat das Gericht nichts mit einem Jaguar zu tun. Es besteht aus fein gewürztem rohem Rindfleisch auf einem Stück Brot und wird oft mit Zwiebeln und Schnittlauch serviert. Anfangs war ich etwas skeptisch… bin ich auch bisher geblieben. Manche Personen schwören aber drauf.

Viele Restaurants bieten deshalb mittags günstige Buffets an, bei denen man sich selbst bedienen kann. So lässt sich ziemlich viel für relativ günstig probieren.Was ist euer Lieblingsgericht aus dem Urlaub oder welches brasilianische Gericht würdet ihr gerne einmal probieren?

Schreibt es gerne in die Kommentare.Bis zum nächsten Mal

Euer Johannes

Ein Leuchten geht durch unser Leben – Leben in einem kleinen Dorf in Brasilien

Hey Guys, I’m back, and I hope you didn’t miss me too much.

Es ist nun gar nicht so lange her, seitdem mein letzter Blog online gegangen ist, aber in dieser kurzen Zeit ist bei mir echt einiges passiert, von dem ich euch heute berichten möchte.

Aber fangen wir doch genau an dem Punkt an, an dem mein letzter Blog geendet hat:

Es war Januar und ich war gerade auf dem Weg zurück nach Padilha. Als ich aus dem Auto direkt vor unserer Haustür stieg, lachte sie mich an. Das war das erste Mal, dass wir uns persönlich sahen. Meine neue Mitbewohnerin. Ich wusste, dass sie kommt, und trotzdem hatte ich fünf Minuten davor noch nicht gewusst, wie unsere Wohnsituation überhaupt aussehen würde.

[Kurze Info für euch: Das Haus, in dem Tilo und ich in den letzten sechs Monaten gewohnt haben, hat genau zwei Schlafzimmer, ein Bad sowie einen überschaubaren und gemütlichen Ess- und Wohnbereich.]

Bis zu meinem Urlaub stand noch nicht fest, ob ich mir nun ein halbes Jahr lang mein Zimmer teilen würde. Aber Spoiler für euch: Das sollte ich nicht. Denn während ich unsere neue Mitbewohnerin und Tilo begrüßte, teilten die beiden mir mit, dass Tilo ausziehen musste.

„Musste“ ist ein großes Wort, wobei er in diesem Punkt keine andere Wahl hatte. Unser Chef hatte nämlich eine weitere Wohnung, nicht einmal drei Minuten von unserem Haus entfernt, gefunden. Da diese aber direkt über der Billard-Bar der Gegend lag, war es unserem Chef lieber, wenn dort ein Mann einziehen würde.

Und so kam es, dass im Zimmer neben mir Lydia einzog. Anfangs muss ich sagen, war das Ganze noch sehr ungewohnt, eine WG zu dritt zu haben. Denn trotz des Fakts, dass Tilo jetzt in einem anderen Gebäude schlief, verbrachte er weiterhin die Zeit mit uns im Haus. Doch nach nicht einmal einer Woche verflog das Gefühl, denn wir kamen echt gut miteinander klar und waren schnell ein gut eingespieltes Team. Zu dritt kann man deutlich mehr Kartenspiele spielen als zu zweit, und es gibt auch wirklich immer eine Person, die okay damit ist, den Abwasch zu machen.

Nach nun mittlerweile vier Monaten, in denen wir zusammen leben, muss ich sagen, dass ich mir eine WG ohne Lydia gar nicht mehr vorstellen kann. Ich bin froh, dass sie uns auf unserem Weg begleitet, und unsere WG leuchtet wirklich noch einmal in einem ganz anderen Licht als zuvor.

Nun habt ihr zumindest mal ein kleines Update zum Punkt Mitbewohnerin bekommen. Lasst uns weitergehen und schauen, was noch so alles passiert ist.

Im Februar stand dann nämlich unser Zwischenseminar vor der Tür, das ich auch bereits im letzten Blog-Beitrag angeteasert hatte. Doch davor möchte ich noch ein Ereignis ansprechen, das man beim Gedanken an Brasilien meist nicht vergisst: Karneval. Karneval wird zwar hier im Süden nicht in der größe gefeiert wie in den Großstädten im Norden, wie zum Beispiel Rio de Janeiro oder Salvador. Aber auch hier findet man schöne Paraden.

Trotz dem Fakt, dass es in Padilha keinen Umzug gibt, haben die Mitarbeiter des LARs einen Mini-Karneval für die Kids veranstaltet, die sichtlich Freude daran hatten, sich bunt zu bemalen, leckere Süßigkeiten zu naschen und wild zu guter brasilianischer Musik zu tanzen. Ein buntes Licht ging in diesen Tagen durchs LAR.

Nach Karneval kam dann auch endlich das bereits erwähnte Zwischenseminar. Schon Anfang des Jahres stand fest, dass dieses in einem kleinen Ort namens Barra Velha in Santa Catarina stattfinden würde. Dahin machten Tilo, Lydia und ich uns dann auf den Weg.    

Dort angekommen bestaunten wir erst einmal die schöne Szenerie, die uns das süße Airbnb nahe dem Strand bot. Gleich danach kam dann aber auch das langersehnte Wiedersehen mit den anderen Freiwilligen. Einige neue Gesichter waren diesmal dabei. Denn zu unserer Gruppe stießen außer den Nachzüglern Emily und Lydia fünf weitere Freiwillige hinzu, die ein ökologisches Jahr in Brasilien absolvierten, und das machte unsere Gruppe komplett.

Trotz der Tatsache, dass unser Airbnb direkt am Meer stand und das Wetter zu dem Zeitpunkt auch nicht gerade das schlechteste war, konnten wir nicht die ganze Zeit am Strand verbringen – verständlicherweise.

Zwischenseminar 2025/26

Simone, unsere Ansprechpartnerin in Brasilien, und Regina, eine Stellvertreterin der Organisation in Deutschland, hatten ein abwechslungsreiches Programm für uns vorbereitet. Zu diesem Programm gehörte es vor allem, unseren Fortschritt anzuschauen, und zum ersten Mal hatte ich auch wirklich gesehen, welche Hürden ich schon überwunden habe. Und natürlich durfte auch nicht fehlen, einen Blick in die Zukunft zu wagen und zu schauen, was denn noch alles vor uns liegt.

Zwischen den Einheiten hatte man dann aber doch Zeit, sich mit den anderen Freiwilligen auszutauschen und sich besser kennenzulernen. Und während des Kochens entstanden dann auch wirklich interessante Gespräche. Es war eine schöne Zeit.

Ich bin wirklich froh, ein Teil dieser tollen Gemeinschaft sein zu dürfen, und wünsche allen Freiwilligen schöne letzte Monate. Nicht nur die Sonne hat während dieser Woche gestrahlt.

Trip zu den Fortaleza Canyons

Nach dem Seminar waren dann auch sechs Monate vorbei und der März begann. Und schon Anfang März klopfte es an unserer Tür … und davor stand Julia, unsere Teamerin und gleichzeitig auch unsere Vorfreiwillige. In den nächsten Wochen begleitete sie uns im Alltag. Wie ich hatte sie sich in das Projekt verliebt und war froh, es mal wieder besuchen zu können und sich außerdem mit den Teamern zu reconnecten. Aber bei Alltag blieb es nicht nur. Es ist ja nicht alle Tage so, dass man zurück nach Padilha kommt. Deshalb sind wir an einem Tag gemeinsam mit unserem Chef, ein paar Kollegen und natürlich Julia zu den Fortaleza Canyons gefahren. Der Ausflug war wirklich schön und der Blick auf die Canyons ist atemberaubend. Ich bin mir sicher, dass Julia ihre kurze Zeit hier bestimmt in Erinnerung behalten wird und sie mit einem Leuchten in sich trägt. Und während wir Julia schon fast fest in unsere WG eingespannt hatten, war es dann auch wieder Zeit für den Abschied. In nicht einmal vier Monaten werden wir sie ja schon wiedersehen.

Nachdem wir wieder zur Normalität zurückgefunden hatten, fiel uns auf, dass es nicht mehr lange bis Ostern war. Und da wir fanden, dass das Haus von Casa 1 noch nicht bunt genug war, beschlossen wir, mit den Kids Ostergirlanden zu basteln. Die Kleinen hatten auf jeden Fall eine Menge Spaß dabei, die süßen Osterformen mit viel Farbe auszumalen. Danach war der große Saal definitiv bereit für Ostern.

Aber nicht nur im LAR fehlte es an Farbe. Nein, wir fanden, auch bei uns daheim würde ein wenig Farbe nicht schaden. Und während wir dabei waren, unsere bemalten Ostereier direkt neben unserer noch hängenden Weihnachtsdeko anzubringen, dachten wir, dass auch wir ein bisschen Farbe vertragen konnten. Und so begannen wir, meiner Mitbewohnerin Lydia die Haare zu färben. Und während ich dabei war, Schnörkel und Muster auf ihre Haare zu malen, fiel uns auf, dass noch einiges von der lila Farbe übrig war, die wir benutzt hatten. Also entschied sich Tilo dazu, auch seinen kurzen Mohawk zu färben. Und dann war nur noch ich übrig. Da ich aber nicht ganz so der Fan von komplett lila Haaren war, beschloss ich, nur meine Bangs zu färben. Die Kinder fanden diese Veränderung auf jeden Fall gut und meinten, unsere Haare passten super zu ihren gefärbten Strähnen.

Und dann begann auch schon die Osterwoche.

Gleich am Gründonnerstag, also dem Donnerstag drei Tage vor Ostern, fand in Padilha der Lichterlauf statt. Dafür hatten die Kinder im Voraus die Leute aus der Nachbarschaft eingeladen. Und als dann an diesem Tag die Sonne unterging und die Straßenlichter angingen, begann eine große Traube von Menschen mit leuchtenden Kerzen, sich vom LAR aus auf den Weg zu machen, um mit ihren Lichtern die Nacht ein wenig zu erhellen. Es war wirklich ein unglaublich schöner Anblick. An den von den Pastorinnen vorbereiteten Stationen hielten wir an, sangen, lauschten Geschichten und feierten Abendmahl, an dem Groß und Klein teilnehmen durften. Ich bin immer wieder dankbar, an solchen herzerfüllenden Tagen das Licht zu sehen und zu sehen, wie sehr es strahlt.

Der Karfreitag hat auch hier, wie in vielen christlich geprägten Familien, die Tradition, kein Fleisch zu enthalten. Stattdessen gab es Fisch und Reis und für mich einfach nur eine MENGE Reis. 😉

Und dann … dann war auch schon Ostersonntag. Tilo hatte sich am Freitagmittag in seinen Urlaub aufgemacht und Lydia verbrachte das Wochenende in Porto Alegre, also war von unserer WG nur ich übriggeblieben. Aber das war nicht weiter schlimm, denn auch ich hatte Pläne. Von meinem Kollegen Vitor war ich eingeladen worden, den Ostermorgen gemeinsam mit seiner Familie zu verbringen. Darüber habe ich mich natürlich super gefreut.

Bereits am Abend zuvor habe ich mit Rani, meiner Kollegin und Vitors Freundin, den Nachtisch vorbereitet.

Es gab Mango-Sagu.

[Kurze Sideinfo: Sagu ist ein beliebtes Dessert hier im Süden Brasiliens. Dabei werden Tapiokaperlen meist in Wein oder Traubensaft aufgekocht oder – wie in unserer Abwandlung – mit Mango zubereitet. Dadurch entsteht ein geleeartiges Gemisch, das oft mit Vanillesoße serviert wird.]

Die Familie meines Kollegen hat mich wirklich herzlich aufgenommen und seine kleinen Neffen waren auch allerliebst. Zum Mittagessen gab es Churrasco mit vielen Side Dishes und zum Nachtisch dann die verschiedensten brasilianischen Desserts und natürlich unser selbstgemachtes Sagu.

Ich bin meinem Kollegen wirklich dankbar, dass er mich mitgenommen hat. Seine Familie hat mir Wärme und ein freudiges Licht geschenkt. – Vielen lieben Dank dafür! –

Glücklich und mit vollem Magen fuhren wir dann wieder nach Hause. Doch mein Tag sollte hier noch nicht enden. Gegen Abend war ich nämlich noch zu Friends Easter eingeladen. Also machte ich mich gegen 17 Uhr auf den Weg zur WG meiner Kollegen. Einer meiner Kollegen, Fernando, ist wirklich super kreativ und kocht und backt gerne. Er hatte schon im Voraus riesige Schokoeier hergestellt, die wir gemeinsam an diesem Tag befüllen durften, was eine Menge Spaß bereitete. Danach schauten wir noch einen Film. Und als ich an diesem Abend nach Hause lief und dabei noch Rolfs Zuckowskis Hasengeschichten anhörte, war ich wirklich ein glückliches Kind. Zwar war dieses Ostern ganz anders, als ich es von daheim gewohnt war, aber trotzdem war es wunderschön.

Ich habe so viele Lichter strahlen sehen dürfen, dass ich nur Freude empfinden konnte.

An dieser Stelle noch eine kleine Empfehlung für Rolfs Zuckowskis Hasengeschichten und daraus das Lied „Frohe Ostern“. [Einfach ein Stück Kindheit für mich, das mich an all das Schöne denken lässt.]

Ich hoffe, ihr hattet in dieser Zeit alle ein gesegnetes Wochenende.

Am nächsten Tag ging es für mich wieder ins Projekt. Die Kids waren alle am Strahlen, vor allem als sie mir zeigten, wie viel Schokolade sie zu Ostern bekommen hatten. Außerdem standen noch eine Hüpfburg und ein Trampolin auf dem Platz, wodurch die frohe Energie nur verstärkt wurde. Denn wer kann schon schlechte Laune haben, wenn er auf einer Hüpfburg herumturnen kann?

Super süß fand ich vor allem auch die Tatsache, dass ganz viele Kids die Schokolade untereinander und auch mit den Mitarbeitern teilten. Über den ganzen Tag bekam ich von mehreren Kindern Süßigkeiten geschenkt. An manche hatten ein paar der Mädels sogar Zettelchen geklebt, auf denen stand: „Feliz Páscoa, Tia“. Wirklich eine schöne Geste, die zeigt, dass Teilen Freude macht.

Als dann nach einer Woche die ganze Schokolade vernascht war, wurde es auch wieder ein wenig ruhiger im LAR. Aber nicht in Padilha, denn in der Woche nach Ostern fuhr ein echt hoher LKW durchs Dorf, der dummerweise einige der Strom- und Internetkabel abräumte und damit einen kleinen Stromausfall in den betroffenen Gebieten verursachte. Da das Wochenende vor der Tür stand, war eine schnelle Reparatur nicht in Sicht, zum großen Bedauern der Anwohner. Zu dieser Zeit war unser Licht also leider aus, aber auch diese Zeit haben wir überstanden. Und als der Strom dann endlich wieder da war, freuten wir uns umso mehr.

Nun zu meinem letzten Punkt, von dem ich euch in diesem Blog erzählen möchte. Denn vor einigen Wochen hatten Lydia und ich beschlossen, ein wenig mehr von Padilha zu erkunden. Dabei fiel mir ein Ort ein, den ich bereits mit meinen Kollegen besucht hatte. In meinem Kopf wusste ich den ungefähren Weg, was auch nötig war, denn in Padilha hat man keinen Mobilfunkempfang. Also machten Lydia und ich uns auf den Weg, um zu dieser schönen Stelle zu laufen. Als wir nach zweieinhalb Stunden immer noch nicht angekommen waren und schon einige Abzweigungen erkundet hatten, beschlossen wir, wieder umzukehren und in der Nähe unseres Hauses zu picknicken. Das Licht führte uns also wieder zurück. Aber ich dachte mir: Es kann doch nicht sein, dass ich mich so in der Richtung geirrt habe und wir uns verlaufen haben. Stellt sich heraus: Ich hatte nur vergessen, wie lange wir damals mit dem Auto dorthin unterwegs waren.  

Ungefähr 25 Minuten waren wir gefahren. Was bedeutet, dass wir noch etwa eine Stunde hätten weiterlaufen müssen, dann wären wir angekommen. Ich sollte wirklich noch an meinem Einschätzungsvermögen arbeiten. Oder was meint Ihr?

Und das war’s auch schon, wovon ich euch in diesem Blog berichten wollte.

Ich hoffe, Ihr hattet Spaß beim Lesen und keine Sorge: Das war noch nicht das letzte Mal, dass Ihr von mir gehört habt.

Beim nächsten Mal erzähle ich euch, wie uns die Kälte eingeholt hat, was wir mit den Kids unternommen haben und wie sich die wirklich letzten Monate in Brasilien angefühlt haben.

Und bis dahin hoffe ich, dass Euch ein Licht durch die nächsten Wochen begleitet.

Adeus, eure Romy

Alles steht Kopf (oder doch nicht?)

Eine Reise durch sechs Monate Padilha

Ich lade dich ein: Komm mit mir auf meine Reise in einen kleinen Ort in Brasilien, der meine Welt auf den Kopf stellt – oder vielleicht gar nicht so sehr, wie ich anfangs dachte. Ich wünsche dir ganz viel Spaß beim Lesen.

Ein halbes Jahr ist es nun schon her, seitdem ich in einen neuen Abschnitt meines Lebens aufgebrochen bin. Und ich muss ehrlich sein: Als es dann wirklich losging, war ich ganz schön nervös. Meine Gefühle waren all over the place. Von großer Vorfreude, die ich fühlen durfte, bis hin zur Trauer über die Realisation, dass ich meine Familie ein ganzes Jahr nicht sehen würde – es war wirklich alles dabei. Gefühlschaos pur. Zum ersten Mal stand fast alles Kopf.

Doch schon im Flugzeug überwogen Spannung und Vorfreude vieles. Auch wenn das Navigieren durch die Flughäfen interessant war – vor allem in São Paulo war es gar nicht so einfach, das nächste Gate zu finden –, merkte man schnell, dass man mit Schulenglisch nicht weit kam und erstmals versuchen musste, sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Das funktionierte am Ende aber erstaunlich gut, denn schließlich saßen wir wirklich alle im richtigen Flieger.

Die erste Woche durfte ich dann mit genauso blutigen Anfänger*innen verbringen wie ich selbst. Das machte die Sache um einiges leichter, vor allem, weil es mir zeigte, dass auch die anderen zum ersten Mal in genau derselben Situation steckten und ebenfalls nicht auf alles vorbereitet waren – ganz anders, als ich es mir zuvor vorgestellt hatte.

Eine Sache, die mir in dieser Woche ebenfalls sehr deutlich vor Augen geführt wurde, war, dass es in Brasilien tatsächlich richtig kalt werden kann. Etwas, das einem beim Gedanken an Brasilien kaum in den Sinn kommt. Während in Deutschland zu dieser Zeit Hochsommer herrschte, liefen wir in unserer Unterkunft mit Wollpulli und Kuschelsocken herum. Natürlich hatten wir dabei auch unseren Spaß: Am Kamin sitzend tranken wir Tee, spielten Spiele und machten es uns gemütlich.

Es war, als hätte man die Jahreszeiten, so wie ich sie kannte, einmal komplett auf den Kopf gestellt. Also hieß es, sich erst einmal ein neues Bild von den Jahreszeiten zu machen und sich auf weitere kalte Tage vorzubereiten.

Nach unserer ersten Seminarwoche, in der wir wirklich viel lernen durften – unter anderem auch mehr Portugiesisch –, fühlte ich mich deutlich sicherer. Besonders Grammatik fiel mir nach dieser Zeit um einiges leichter, da Duolingo bis dahin keinen besonders guten Job in diesem Bereich gemacht hatte. Auch die Workshops und die vielen Gäste, die uns von ihren unterschiedlichen Tätigkeiten in Brasilien berichteten, machten das Seminar sehr interessant und ließen mich mit Gefühlen von Bewunderung und gewecktem Interesse zurück.

Die Woche ging zu Ende, und plötzlich hieß es wieder Abschied nehmen. Es kam mir vor wie eine Ewigkeit, die ich mit dieser Gruppe verbracht hatte, und umso schwerer fiel mir das Tschüss sagen. Tschüss zu Menschen, die man gerade erst richtig kennenlernen durfte, und Tschüss zu einem Alltag, der langsam begann, Routine zu werden.

Doch nun ging es los in das eigentliche Neue: der Ort, an dem ich ein ganzes Jahr verbringen würde. Wenn ich jetzt hier sitze und darüber nachdenke, wie sich alles abgespielt hat, kann ich mich doch noch recht gut erinnern.

Was ich noch ganz genau weiß, ist der Gedanke, den ich hatte, als wir das erste Mal mit dem Auto den Weg zu unserem Haus fuhren. Ich dachte, wie wunderschön die Natur um mich herum war, die das ganze Dorf wie ein schützender Mantel umgab. Ein Gefühl von Wohligkeit und Vertrautheit stieg in mir auf …

In den Wochen danach hieß es erst einmal ankommen – leichter gesagt als getan. Trotz der Tatsache, dass wir im Projekt, einem LAR (Heim) in Padilha, sehr herzlich aufgenommen wurden und auch unsere Kolleg*innen uns sofort willkommen hießen, fiel mir das Ganze anfangs nicht leicht. Zu Beginn unserer Zeit im LAR waren Tilo und ich dem Berçário zugeteilt, dem Haus, in dem die Kinder von null bis fünf Jahren schlafen und ihren Alltag verbringen. Ich fühlte mich damals leicht überfordert – nicht, weil ich nicht mit Babys umgehen konnte, sondern weil ich bei all den Fragen der Kinder oft nicht einmal die Hälfte verstand.

Doch das änderte sich langsam und stetig über die Wochen hinweg. Mittlerweile bin ich wirklich stolz darauf, wie sehr sich meine Portugiesischkenntnisse verbessert haben. Das verdanke ich vor allem meinen Kolleg*innen, die mich dabei unglaublich unterstützt haben.

Als ich nach einigen Wochen endlich sagen konnte: „Ich bin angekommen“, ging der Spaß erst richtig los.

Meine Welt, die bis dahin noch ziemlich auf dem Kopf gestanden hatte – durch Sprachbarrieren, neue Tagesabläufe, ein anderes Klima und einem Ort, der doch recht abgeschottet liegt –, begann sich langsam zu drehen. Und irgendwann, ob es die Tage waren, an denen mich die Kinder „Tia Romy“ nannten oder es zumindest versuchten (kleine Side-Info: In Brasilien wird das R oft wie ein H ausgesprochen, sodass ich häufig „Tia Homy“ genannt wurde – aber der Gedanke zählt), oder die gemeinsamen Unternehmungen mit den Kindern oder Kolleg*innen: Ab einem gewissen Punkt stellte sich ein echtes Gefühl von Angekommen sein und Heimat ein. Und das machte mich sehr glücklich.

Blumen von meinen Kids <3

Lass uns nun einen kleinen Sprung ein paar Monate weiter machen. In den Monaten danach hatte sich der Alltag perfekt eingependelt, und nach den verschiedensten Events, an denen ich bereits teilnehmen durfte – wie zum Beispiel den Gincanas (schaut euch dazu gern den Beitrag auf meiner Instagram-Seite an) –, hatte ich zu den Kindern im LAR eine viel engere Bindung aufgebaut.

Ich freute mich jeden Tag aufs Neue darauf, ins Projekt zu gehen und Zeit mit ihnen zu verbringen. Während der Schulzeit spielten wir oft Karten, malten oder machten – solange das Wetter es zuließ – Spaziergänge.

Langsam wurde es immer wärmer, und plötzlich war November. Das Ende des Frühlings begann.

Im November fand auch eines meiner absoluten Lieblingsereignisse statt, von dem ich dir gern erzählen möchte: das „Festa de Cultura“, das jedes Jahr im LAR veranstaltet wird. Zu diesem Anlass kommen an einem Abend viele Menschen ins LAR, um eine großartige Show zu sehen. Das Programm war breit gefächert: Gesangseinlagen, ein Auftritt einer großen Hip-Hop-Gruppe, Capoeira und viele weitere Talente – es war wirklich alles dabei.

Schon Wochen im Voraus probten die Kinder fleißig. Auch ich durfte Teil einer Performance sein. Gemeinsam mit einer Kollegin studierte ich mit einigen Kids den Cup-Song ein, den ich sogar noch aus meiner Grundschulzeit kannte.

Als es an diesem Abend endlich hieß „Bühne frei“, waren viele der Kinder sehr nervös. Doch alle meisterten ihren Auftritt mit Bravour und erhielten dafür einen absolut verdienten Applaus. Die fröhliche Stimmung, die gute Laune und vor allem das Gefühl von Gemeinschaft, das zeigte, wofür das LAR steht – nämlich Zusammenhalt und ein Zuhause –, haben mich tief berührt. Ich bin sehr dankbar, Teil dieses besonderen Abends gewesen zu sein.

Unser Auftritt

Kurz darauf begann der Dezember – und mit ihm der Sommer in Brasilien. Die Hitze überrollte mich förmlich, und das Gefühl, dringend Abkühlung zu brauchen, begleitete mich täglich. Wieder stand alles Kopf.

Die Kinder sahen das ähnlich. Da ihre Sommerferien begonnen hatten, drehte sich alles ums Rausgehen und Spielen. So verbrachten wir die meisten Tage des Dezembers am Fluss oder tanzten bei den immer wieder auftauchenden Sommergewittern im Regen.

Am meisten Kopfzerbrechen bereitete mir jedoch der Gedanke an Weihnachten bei fast 32 Grad. Trotz der vielen Weihnachtsdeko wollte anfangs keine richtige Weihnachtsstimmung aufkommen, und natürlich vermisste ich auch meine Familie. Doch meine Kolleg*innen, mit denen ich in den letzten Monaten viel Zeit verbracht hatte, zeigten mir schnell, dass diese Sorge unbegründet war. Weihnachtstraditionen wie Plätzchen backen und verzieren, den Weihnachtsbaum schmücken oder Wichteln gibt es auch hier – und so brachten sie mir den brasilianischen Weihnachtszauber näher.

Auch Heiligabend und den ersten Weihnachtsfeiertag verbrachten wir gemeinsam. An Heiligabend waren Tilo und ich bei der Familie eines Kollegen eingeladen. Seine Mutter hatte reichlich für uns gekocht, sogar kleine Geschenke vorbereitet und der Abend verging so schnell, dass man die Zeit völlig vergaß.

Der ertse Weihnachtsfeiertag startete genauso schön. Während wir morgens die Kinder im LAR besuchten, die uns stolz ihre neuen Geschenke zeigten, stand am Abend auch für uns Bescherung an. Wir tauschten unsere Wichtelgeschenke aus, spielten Spiele und sangen laut Weihnachtslieder – fast so, wie ich es von zu Hause kannte. Trotz der Wärme und der anderen Umgebung war es ein unvergessliches Weihnachten, für das ich sehr dankbar bin.

Nun sind wir im neuen Jahr angekommen. Viele Gefühle, Aufgaben und Herausforderungen durfte ich in den letzten sechs Monaten erleben.

Und auch wenn Padilha mir anfangs fremd erschien, sehe ich heute jeden Morgen die Schönheit und den Zauber dieses Ortes. Ich würde ihn sogar Heimat nennen. Und manchmal, wenn ich genau hinschaue, erkenne ich sogar Parallelen zu dem Ort, an dem ich zuvor gelebt habe.

Ich bin wirklich dankbar. Dankbar für all die Menschen, die ich auf dieser Reise kennenlernen durfte. Dankbar für die schönen und auch schweren Momente, die mich dorthin gebracht haben, wo ich heute stehe. Dankbar für meine Kolleg*innen – und inzwischen Freund*innen –, die mir gezeigt haben, die kleinen Dinge hier zu schätzen und zu lieben, und dankbar für all die Emotionen, die mich bis hierhin begleitet haben und es auch weiterhin tun werden.

Ich hoffe, dieser kleine Einblick in meine Reise hat dir gefallen und ich konnte dich ein wenig catchen. Beim nächsten Mal berichte ich davon, wie es ist, plötzlich eine neue Mitbewohnerin zu haben, wie unser Zwischenseminar ablief und was ich sonst noch alles erlebt habe.

Und falls du zwischendurch gerne Updates bekommen möchtest, folge mir doch gern auf meinem Instaacount:

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Und bis dahin eine gute Zeit.

Viele Grüße aus Brasilien

Deine Romy