Nun ist bereits der dritte Monat hier in Argentinien vergangen und das Gefühl wird immer stärker, richtig angekommen zu sein. An meine Umgebung habe ich mich gewöhnt, sie kommt mir nicht mehr „auffällig anders“ vor. Auch an die mittlerweile hohen Temperaturen und die – ebenfalls hohe – Luftfeuchtigkeit habe ich mich so gut es eben geht gewöhnt (mal sehen, ob ich das in einem Monat immer noch von mir behaupten kann, wenn die Temperatur die 40 Grad überschreitet).
Es hat sich aber seit dem letzten Bericht nicht nur das Wetter verändert. Im Kindergarten herrscht zurzeit Hochbetrieb, jeden Tag kommen nahezu alle Kinder. Das bedeutet mehr Arbeit, was mir gut gefällt, da mittlerweile immer mehr Kinder mir gegenüber „aufgetaut“ sind und mit mir spielen wollen. Nur noch ein paar vereinzelten Kindern geht das nicht so. Das freut mich und macht mich auch ein bisschen stolz. Gleichzeitig ist der erhöhte Spielbetrieb aber auch mit mehr Anstrengung und gelegentlichen Kopfschmerzen verbunden. Bestimmt gewöhnt man sich aber noch daran.
Wie wir von der Köchin erfahren haben, ist der Kindergarten aktuell gar nicht groß. Vor noch 15 Jahren, als noch Freiwillige da waren, war er doppelt so groß, also konnte ca. 60 Kinder aufnehmen und hatte ein Nachmittagsprogramm, welches Dinge wie lernen, Sport treiben und malen umfasste. Dafür kamen sogar extra Lehrer in den Kindergarten. Warum dieser Teil des Kindergartens abgeschafft wurde, weiß ich leider nicht, ich schätze aber, dass entweder die Nachfrage groß genug war oder das Geld ein Problem darstellte.
Wie gesagt ist im Moment aber wieder einiges im Kindergarten los, so war auch die letzte Geburtstagsfeier wieder ein echter Hingucker. Gefeiert wurden zwei Brüder (Zwillinge), und es gab Muffins, Süßigkeiten und die bisher größte Hüpfburg. An Tagen wie diesen sind alle Kinder natürlich sehr aufgeregt und aufgedreht (wahrscheinlich auch durch den vielen Zucker!) und es wird unmöglich, die Kinder wenigstens etwas zu beruhigen.
Genauso war es auch, als mit allen Kindern Tereré getrunken wurde. Tereré ist die Sommerversion vom Mate Tee, das Yerba Kraut wird also mit kaltem Saft anstatt mit heißem Wasser aufgegossen. Mir persönlich schmeckt gut, allerdings ist der Saft kein echter Saft, sondern ein Saftpulver, welches mir ein bisschen zu süß ist. Außerdem verstehe ich nicht warum man den Saft nicht einfach so trinkt, sondern eben mit dem Yerba. Wie beim Tee „lösen“ sich die Inhaltsstoffe der Pflanze mit heißem Wasser, es ist aus meiner Sicht also Verschwendung, es auch für Tereré zu verwenden. Aber das sehen die Argentinier mit Sicherheit anders.
Diese Events sind dennoch schön, da sie den Alltag etwas verändern und wie etwas Neues kennenlernen. Am vergangenen Freitag wurden alle Mithelfer des großen Empanadasbacken eingeladen, von dem ich in einem vorherigen Bericht erzählt habe. Dazu hat meine Chefin Mirta gekocht (ich durfte übrigens die Kartoffeln, 20 Kg, dafür schälen) und alle fanden sich im Innenhof des Kindergartens am Abend zusammen. Das war sehr nett, da man sich auch noch ein wenig mit der evangelischen Kirchengemeinde austauschen konnte.
Diese Möglichkeit wurde uns auch geboten, als wir von unserem Freund und Helfer Brian zu einem Studententreff mitgenommen wurden, welches in der Universität von Parana stattfand. Das Zusammenkommen war eine Veranstaltung sämtlicher Sprachkurse und so gab es zu jeder Nationalität einen Stand und jeder Kurs führte außerdem etwas vor, z.B wurden Lieder gesungen oder ein Sketch aufgeführt. Dort merkte man, dass die Studenten sehr offene Menschen zu sein scheinen, was sich bestätigte, als wir in der Stadt eine gay parade antrafen, die mehrere hundert Menschen umfasste. Dies fand ich sehr erstaunlich, da Argentinien so sehr vom Katholizismus geprägt ist.
Einen weiteren Ausflug tätigten wir in die nahegelegene Stadt Santa Fe, die wir nach einer halbstündigen Busfahrt erreichten. Dort zeigten uns Brian und eine Freundin von ihm den sehr schönen Strand und die noch schönere Promenade der Stadt.
Leider haben wir es an dem einen Tag nicht mehr geschafft, das Stadtinnere zu sehen zu bekommen, aber das werden wir bestimmt noch nachholen!
Hallo lieben Freunde der
weiten Welt, ich grüße euch aus dem weiten Argentinien,
Heute
ist der 11.November, und 3 Monate ist es her, dass ich Argentinien mein neues
Zuhause nennen darf. Langsam, aber sicher lebe ich mich ein und auch mein
Arbeitsalltag geht mir jeden Tag leichter von der Hand. In diesem Bericht gebe
ich euch einen kleinen Einblick in meine kleine argentinische Welt.
Mein normaler Arbeitsalltag, fängt mit dem
wunderschönen klingeln meines Weckers an, der mich aus dem Land der Träume herausholt,
um genau 6:30 Uhr. Nach einer kurzen Morgenroutine, essen meine Mitbewohnerin
Joya und ich noch kurz Frühstück und machen uns schon auf dem Weg zur
Bushaltestelle. Dieser lässt manchmal lange auf sich warten, ein gutes Zeichen ist,
wenn an der Ecke, wo der Bus hält, noch Leute stehen. Dann kann man sich sicher
sein, dass er noch nicht gekommen ist. Nachdem man ein Bus erwischt hat, geht
alles ganz schnell. Ein Paar Unebenheiten auf der Straße sind im Bus lebendig spürbar,
sowie jede Bremsung vom Bus, die einem fast gegen die Fenster klatschen lassen.
Nach 10-15 min., erreiche ich meine Haltestelle und steige mit vielen Schülern
und Kindergartenkinder aus. Zum Projekt muss ich noch zwei Quadras
(Ecken) bis ich an ,,El Arca de los Ninos´´ angekommen bin. Der Kindergarten
ist sehr einladend mit seiner Lianen Hauswand, die man aus der Ferne schon erkennt.
Doch, bevor der Kindergarten geöffnet wird setzten sich die Maestras (Lehrerinnen)
in der Küche zusammen und reden über die Ereignisse, die am Wochenende
geschehen sind und über dies und jenes. Der Mate dabei kann nicht fehlen. Dabei
gibt es die bittere Variante und die Süße, ich tendiere zur Süßen Variante.
Kindergarten ,,El Arca del los Niños´´
Um 8 Uhr werden die Tore geöffnet und die Kinder strömen voller Energie die Gänge lang zu ihren Räumen. Mein Raum heißt Sala Rosa und beherbergt die 3-Jährigen des Kindergartens, dann haben wir noch Sala Celeste, die 4-Jährigen und Sala Verde die 5-Jährigen. Nach dem Ankommen der Kinder, wird noch kurz gespielt. Jeden Morgen gibt es eine Begrüßungsrunde aller Salas mit Liedern, bei denen die Kinder, Maestras und auch wir Freiwillige begrüßt werden. Auch werden der argentinische Flagge Lieder gewidmet und der Sonnengruß, wo sich die Kinder Kostüme anziehen und an den Händen gehalten im Kreis tanzen und die Sonne grüßen, gesungen. Bei mir sind die Lieder ganz schnell zu einem Ohrwurm geworden, die nicht so einfach loszuwerden sind. ?
Nach der Begrüßungsrunde
fängt der Arbeitstag erst richtig an. Das Frühstück besteht meistens aus „Yo
quiero mas“ (Ich will mehr), „Mas, Mas“ (Mehr, Mehr) oder „No quiero mas“ (Ich
will nicht mehr). Mit meinen zwei Händen versuche ich jedem Wunsch der kleinen
Nachzukommen, was nicht immer funktioniert, aber ich versuch mein bestes.
Nach
dem Frühstück wird eine kleine Gruppenrunde gemacht und über das aktuelle Thema
besprochen, worüber der Monat handelt. Im Monat August ging es um Kochen, dort
kamen immer Eltern von den Kindern, um mit ihnen bestimmte Backrezepte zu
machen. Wir haben verschiedenes gemacht, von Plätzchen über Trüffel und
Obstsalat war alles dabei. Auch wurde der Frühlingsanfang bunt gefeiert, dort
haben wir Blumenbilder, Schmetterlinge und Sonnen gemalt und gebastelt.
Kinder beim Plätzchen Taller
Im September hatten wir das
Pflanzen-Projekt dort haben wir über die Pflanzen in unsere Umgebung geredet
und über wie wir Pflanzen sehen. Erstmals haben wir die Kinder nach den Pflanzen
gefragt, die sie kennen. Dann haben wir uns langsam vorgetastet und gelernt was
Pflanzen brauchen: Luft, Wasser, Sauerstoff und das Sonnenlicht. Außerdem die
einzelnen Teile der Pflanze und zum Schluss haben wir in selbstgemalten Dosen, Samen
gepflanzt.
Das Thema des Monats Oktober, fand ich mit am beeindruckendsten, „Sala Rosa se vuelven artistas“ (Raum Rosa werden zu Künstlern). Wir haben über verschiede Künstler gelernt wie, Frida Kahlo, Emilio Pettoruti oder Jackson Pollock. Auch haben wir die Maltechniken gelernt und selbst angewendet, beispielsweise hat Jackson Pollock eine Spritztechnik verwendet, oder haben wir uns Selbst porträtiert so wie Frida Kahlo. Die Kinder haben aber nicht nur die Maltechniken gelernt, sondern auch über das Leben des Künstlers. Am Monatsende gab es auch eine Muestra (Ausstellung) von den gesamten Werken die, die Kinder gemalt haben.
Muestra de la Sala Rosa
Es war sehr schön alles im Gesamtbild
zu sehen, erstens für die Kinder und Eltern, jedoch auch für mich als
Freiwillige, teil von diesem Projekt zu sein. Jedoch muss ich sagen, wenn ich
mich an meine Kindergartenzeit zurückerinnere, muss ich sagen das ich noch
nicht so weit war, wie die jetzigen 3-Jährigen. Ich glaube ich wäre mit 3
Jahren maßlos überfordert gewesen solche Sachen zu lernen. Das hat mich schon sehr
beeindruck, da ich in den Kindergarten kam und so etwas nicht erwartet hatte.
Kommen wir wieder zurück zu dem
Alltag. Nach der kleinen Gruppenrunde, sind wie beschrieben die verschiede Tallers
(Projekte) dran. Abgesehen von den Monatsprojekten, gibt es zum Beispiel am
Montag meistens Musik mit Maruka (eine Maestra) oder am Mittwoche gehen wir in
den Sum und spielen mit großen, bunten Schaumstoffblöcken, dort haben die
Kinder die Möglichkeit sich richtig auszutoben. Auch gehen wir oft auf den Patio
(Hof), damit die Kinder auch mal an die frische Luft kommen.
Der Patio (Innenhof)
Die Zeit verfliegt im Kindergarten und eh ich mich versehen habe, ist es auch schon 12 Uhr und es ist Mittagessenszeit. Vor dem Essen werden immer Lieder gesungen, um die Kinder zu beruhigen und sie auf das bevorstehende aufmerksam zu machen. Es gibt, meiner Meinung nach super leckeres Essen, welches von der Köchin Moni zubereitet wird. Anschließend wird die Siesta (Mittagsschlaf) gehalten, wo wir den Kindern beim einschlafen helfen. Wenn es dann alle mal in das Land der Träume geschafft haben, können wir auch aufatmen und auch einen kurzen Power Nap halten. Danach die Zeit wird genutzt, um Aktivitäten vorzubereiten, aufzuräumen oder einfach um bei einem Mate zu charlar (Quatschen). Die Kinder werden dann ab 15 Uhr geweckt oder sie wachen selbst auf, von da an geht der Nachmittag schnell. Es gibt noch eine Merienda (Nachmittagssnack) und die letzten Sachen werden in die Mochilas (Rucksäcke) gepackt. Danach geht es für die Kinder schon nachhause und der Tag wird mit einem Lied noch beendet. Um 16 Uhr geht es dann auch für mich Heim. Meistens sehr müde und erschöpft, aber auch sehr glücklich.
Gemälde auf dem Patio, mit Flaschendeckeln gemacht
Manchmal gehe ich auch mit
meinem Mitfreiwilligen Jonathan in die Stadt, um paar Erledigungen zu machen,
wo wir uns auch über unsere Arbeit austauschen. Was ich sehr gut finde, da man
am Anfang sich noch einfinden musste und nicht genau wusste ab das eigene Verhalten
gegenüber den Kindern richtig war. Da ist es wichtig, bestärkt zu werden, dass
es so wie man es macht okay ist.
Was ich auch noch berichten
will sind die Regentage im Kindergarten, dass sind die einzigen Tage wo weniger
Kinder kommen. Dann sieht der Himmel nicht mehr so blau aus und die Straßen
verwandelt sich in Flüsse. Für viele Familien ist es deswegen schwer bei Regen
in den Kindergarten zukommen, da viele kein Auto besitzen und die Straßen in
einem nicht passierbaren Zustand sind. An solchen Tagen werden die 3 Gruppen zusammengelegt
und es gibt keine richtige Struktur. Normalerweise sind in meiner Gruppe immer ungefähr
20 Kinder da, doch wenn die dunklen Wolken den Himmel verdecken, kommen vielleicht,
wenn es gut läuft 2 oder 3 Kinder. Da steht auch die Stadt gefühlt still und die Straßen sind wie ausgestorben. Aber die sonnigen Tage sind am schönsten.
So
wie jeder Freiwillige, träume auch ich von wunderschönen Ausflügen und
aufregenden Reisen. Mit meiner Mitbewohnerin reden wir aufgeregt von den schönen
Orten die man hier besuchen kann. Einen genauen plan für den Januar Urlaub
haben wir aber noch nicht, doch das wird sich schon ergeben, da bin ich
optimistisch gestimmt. Bei einem verlängertem Wochenende bin ich mit meinen drei
weiteren Freiwilligen hier in Quilmes nach Cordoba gefahren. Dort haben wir die
andren Freiwilligen getroffen und auch bisschen Touri durch die Stadt gemacht.
Für die Zukunft will ich in die Umgebung von Cordoba gehen, dort soll es schöne
Landschaften geben.
Cordoba
Was
ich mir aber immer klar werden muss, ist das ich gerade in einer 13 Millionen
Stadt bin, nämlich in Argentinien, Buenos Aires und ich hier für ein Jahr leben
werde. In manchen Momenten kommt mir das so unrealistisch vor das ich wirklich
hier bin. Doch die Entscheidung getroffen zu haben diesen Schritt zu wagen und
ein FSJ zu machen, in einem Fremden Land ist einfach unglaublich. Ich freue
mich auf die weitern 9 Monate hier und dieses unglaubliche Land bessere kennenzulernen,
sowie seine Kultur und alles andere was es mit sich bringt.
Seit zwei Monaten lebe ich nun Argentinien. Im Folgenden werde ich genauer auf Veränderungen, Neuigkeiten und Gemeinsamkeiten zu meinem ersten Bericht eingehen.
Zuerst einmal: Vieles hat sich nicht geändert. Meine Arbeitszeiten sind gleichgeblieben, immer noch wünsche ich mir jeden Morgen, der Kindergarten möge doch erst ein oder zwei Stunden später öffnen, damit ich noch etwas schlafen kann. Meine Aufgaben sind auch gleich, oder eher ähnlich, denn in Argentinien hat der Frühling angefangen, weshalb es nun öfter regnet. Das bedeutet, wie im letzten Bericht angedeutet, dass nur ein Bruchteil der Kinder im Kindergarten erscheint. Der Hintergrund ist, dass viele der Eltern kein Auto besitzen, wodurch sie den Weg bei schlechtem Wetter nicht auf sich nehmen können/ wollen. Nur die Kinder, deren Eltern arbeitstätig sind, kommen jeden Tag. Durch die verdünnte Anzahl Kinder werden auch die Aufgaben weniger, und ich fühle mich, als hätte ich auch gut zu Hause bleiben können. Oftmals sitze ich nur daneben, wenn die wenigen Kinder in ihren Gruppen spielen. Mit hervorkommender Sonne kommen dann aber auch wieder die Kinder in den Kindergarten, und es gibt wieder mehr zu tun.
Der Frühling hat aber auch etwas Gutes, denn ich durfte einen Garten im Innenhof anlegen, in dem Gemüse für den Kindergarten wachsen soll. Dafür musste ich zuerst die alte Sandkiste von sämtlichem Unkraut befreien, was sich, auf Grund der langen Zeit, in der die Sandkiste nicht in Benutzung war, zu einem Kraftakt entwickelte. War das geschafft, wurde der Boden mit Planen ausgelegt und eine Art Dach aus Netz zum Schutz vor mutwillig zerstörenden Katzen gespannt. Die Erde wurde aber nicht wie erwartet einfach auf die Planen geschüttet und eventuell mit Steinen oder Holz zu kleinen Beeten geformt. Diese Aufgabe erledigen alte Autoreifen. Der Anblick war für mich erst noch etwas gewöhnungsbedürftig.
Außerdem wurde ein Frühlingsfest gefeiert, wozu Lena und ich Blumen und Tiere aus Pappe bastelten. Zum Fest kamen dann fast alle Kinder verkleidet und für die Erzieherinnen und uns Freiwillige lustige Hüte, es wurde getanzt und gespielt und zum Mittagessen gab es eine Auswahl aus herzhaften Dingen wie Pizza oder Blätterteigkreationen und salzigen und süßen Snacks, die die Kinder von zu Hause mitbrachten.
Außerhalb des Kindergartens ging das Leben natürlich auch weiter. So besuchten wir manchmal mit und manchmal ohne argentinische Hilfe das Zentrum Paranas. Beispielsweise wird hier in der Woche vor dem Kolumbus Tag ein Tag zur Erinnerung an die vielen Verbrechen der „Entdecker“ an die indigenen Völker gefeiert. Dazu gab es eine Feria (Markt), organisiert von Studenten, eine Parade aus Musik und Tanz eben dieser Völker, und Veranstaltungen zur Aufklärung des Geschehenen. All dies war sehr eindrucksvoll und hat zum Nachdenken angeregt, dass tatsächlich immer noch einen Tag gibt, der die Entdeckung und Eroberung Südamerikas feiern soll. Fairerweise muss ich hinzufügen, dass dieser Tag in Argentinien seit 2010 „Tag des Respekts vor der kulturellen Diversität“ heißt und auch in den meisten anderen Ländern Latinoamerikas umbenannt wurde.
Die Veranstaltung bot auch Raum für politische Statements. Kaum zu übersehen war die Vielzahl von grünen und orangenen Tüchern an den Ständen und den Menschen, die für die Legalisierung der Abtreibung aufmerksam machen (grüne Tücher) und sich für die Idee der Trennung von Kirche und Staat im Parlament stark machen sollen (orangene Tücher). Leider erfuhr ich aber zu wenig zu dem letzteren Thema, als eine eigene Meinung bilden zu können, was schade war. Der Legalisierung der Abtreibung stehe ich positiv gegenüber, ehrlich gesagt ist es eine ziemliche Umgewöhnung für mich, dass Argentinien ein überaus katholisch geprägtes Land ist. Man hat uns bereits komisch angeschaut, als erfahren wurde, dass wir mit der protestantischen Kirche hier in Argentinien sind.
Den Kolumbus Tag, oder Tag des Respekts vor der kulturellen Diversität, konnte ich leider nicht miterleben, da ich das erste Mal etwas gereist bin. Ich habe ein Wochenende lang andere Freiwillige in der Hauptstadt der Provinz Cordoba, Cordoba Capital, besucht. Diese Erfahrung war schön und auch neu für mich, da ich nun das erste Mal allein in Argentinien unterwegs war. Ich bin am Freitag nach dem Kindergarten in einen Reisebus gestiegen und sechs Stunden nach Cordoba gefahren, was viel klingen mag, aber für argentinische Verhältnisse recht wenig ist. Die Stadt war sehr schön, und als zweitgrößte Stadt Argentiniens auch erheblich größer als Parana. Durch eine Stadtrundfahrt und einige Besichtigungen von Kirchtürmen glaube ich aber, wenigstens das Zentrum gut erkundet zu haben. Außerhalb Cordobas habe ich La Cumbre besichtigt, wo eine Rio-ähnliche Jesusstatue steht, die zwar viel kleiner als das brasilianische Vorbild, aber doch sehr eindrucksvoll ist.
Dieses Erlebnis hat den zweiten Monat in Argentinien beendet und bildet auch nun den Schluss für meinen zweiten Bericht. Ich hoffe, auch er konnte darüber berichten, wie ich hier lebe und was ich erlebe. In einem Monat, wenn der nächste Bericht fällig wird, ist schon fast Weihnachten; ich bin bereits gespannt darauf, wie ich es verbringen werde. Vielleicht bietet es ja ein bisschen Motivation für die Regentage, die aber auf jeden Fall auch daher kommt, die kleinen Kinder größer werden zu sehen – sehr beeindruckend!
(eine kleine Zusammenfassung meines ersten Monats hier in Argentinien)
Einen Monat bin ich
hier,
mehrere Wochen und zwar schon vier.
Aus Deutschland und Europa raus,
also ziemlich weit weg vom gewohnten Zuhaus.
Von Hamburg aus gestartet, in Frankfurt dann gewartet, Augen auf den Reisepass, damit ich den nicht verlier‘ und nach schlaflosem Flug war ich dann hier.
Seminar die ersten zwei Wochen Abends die Frage: „Was wollen wir kochen“ Nudeln mit Tomatensoße war die Antwort und schon war für 2 Wochen gesorgt.
Zu elft in einer
kleinen Wohnung,
klang erst wie eine Bedrohung.
Doch alles haben wir gemeistert
und waren nachher von allem begeistert.
Kleine Problemchen
hier und da
aber das war ja irgendwie auch schon klar.
Kein WLAN und kein Wasser damit muss man sich arrangieren
und irgendwann dann auch einfach akzeptieren.
Der argentinische
Peso verliert an Wert,
was es den Menschen hier erschwert.
Mal sehen wie es wird im Oktober nach der Wahl,
hoffentlich endet es nicht im Skandal.
Seit vier Wochen muss ich aus dem Koffer leben, denn die Vorfreiwilligen waren die Wohnung nicht gut am Pflegen. Jetzt müssen wir hoffen und warten und können dann irgendwann mit dem großen Auspacken und Einrichten starten.
Doch so muss ich um
viertel vor sechs aufstehen
und um circa sieben Uhr aus dem Hause gehen,
da mein Weg sehr lang ist
und zwei Stunden Zeit frisst.
Ansonsten ist es hier
noch kalt,
aber der Frühling kommt schon bald
und dann sitze ich in der Wärme
und sehe dann euch zu beim Frieren aus der Ferne.
Meine Hausschuhe und
Wärmflasche sind mir hier sehr wichtig,
aber das leckere Brot vermisse ich richtig.
Bisher fehlt mir etwas anderes nicht,
ich lege eher zu an Gewicht.
Denn hier kann ich Chipas, Dulce de Leche und Medialunas essen und kann definitiv sagen, ich bin davon besessen. All das besteht eigentlich nur aus Zucker und Fett und schon hat man das Rezept komplett.
Auf der Arbeit mit
den Kindern Fußball spielen,
von dem gesprochenen Spanisch wenig kapieren,
mit ihnen Kekse und anderes naschen,
um später Becher und Teller abzuwaschen.
Mandala malen,
Ligretto spielen und Tischkickern,
sowie das Anbringen von Herzchenstickern.
Besos und Umarmungen jeden Tag,
was total herzlich ist und ich sehr mag.
Eingebrochen ins
Projekt wurde auch schon,
weg ist ein Monitor und das Telefon.
Basteln mit Blüten, Blättern und Zweigen,
lässt die Kreativität in den Kindern steigen.
Abends in der Wohnung
angekommen,
wird dann nichts mehr unternommen,
sondern nur noch etwas Feines kochen
und dann wird nur noch ins Bett gekrochen.
Das soll für heute
genügen
Liebe Grüße aus Amerikas Süden!
Am 12. August um 6:40 Uhr Ortszeit landete ich mit ca. 50 Freiwilligen aus ganz Deutschland in Buenos Aires. Wir kamen nach ein paar anstrengenden Stunden in unseren Unterkünften in der Nähe der IERP, der Iglesia Evangelica del Rio de la Plata, an und konnten unsere Zimmer beziehen.
Ich kam in eine Wohngemeinschaft mit 24 anderen Mitfreiwilligen, was einerseits nett war, da man schnell viele Leute kennengelernt hat, andererseits wurde die Lautstärke dann aber besonders nachts doch zu einem Problem. Die Wände hier in Argentinien sind äußerst dünn, „man fühlt sich, als ob man immer überall dabei wäre“ (Zitat Mitfreiwilliger). Diese Umstände führten zu einem gewissen Schlafmangel.
Trotzdem waren die zwei Wochen in Buenos Aires ein voller Erfolg, mehrere Führungen und eigenständige Erkundungen konnten mir die Umgebung, in der ich mich befand, zeigen. So sah ich viel vom „kleinen Zentrum“, welches sehr schön war, zum Beispiel der „Plaza de Mayo“, das Regierungsgebäude „Casa Rosada“ oder der ehemalige Hafen, der nun eine der teuersten Wohngegenden in Buenos Aires ist. Aber auch weniger schöne Dinge, wie zum Beispiel das ehemalige ESMA (Mechanikerschule der Marine) Gebäude, in welchem wir eine Führung zur Geschichte der Nutzung dieser Anlage erhielten. Kurz gesagt wurden Teile des Gebäudes dazu benutzt, um während der letzten Diktatur politische Gegner aller Art zu foltern und „verschwinden zu lassen“.
Außerdem weniger schön war und ist der viele Müll und Dreck überall in den Straßen, auf Hauswänden, auf dem Gehweg. Wirklich überrascht war ich aber nicht davon, schließlich ist Buenos Aires eine wirkliche Großstadt mit ca. 13 Millionen Einwohnern – zum Vergleich: In Argentinien leben ca. 44 Millionen Menschen.
Somit lässt sich auch vermuten, dass es nicht nur Regionen wie das Zentrum gibt. Das wurde uns allen aber noch klarer, als wir einen Projektbesuch in einer Villa (Armenviertel) machten. Der viele Müll (viel Mehr als in der „Innenstadt“), die heruntergekommenen Hütten, einfach alles erinnerte an etwas, das man sonst so nur aus dem Fernsehen kennt. Hier erkannten wir den krassen Gegensatz von Arm und Reich in der Stadt.
Insgesamt war das Seminar aber wirklich schön, nach welchem ich mich gut vorbereitet gefühlt habe, da ich ja nun alles gesehen hatte, bzw. mir alles vorstellen konnte.
Diese Gefühle oder Hoffnungen wurden zu dem Zeitpunkt zerstört, als ich in Parana ankam. Noch vor der Abfahrt scherzte ich mit Mitfreiwilligen, dass wir nach den zwei Wochen in einer ziemlich heruntergekommenen Wohnung auf alles vorbereitet wären – nun wohne ich aber selbst in einem Armenviertel, zwar ist dieses ganz anders als das Eine, das ich in Buenos Aires zu Gesicht bekam. Es wirkt viel weniger „aufgetürmt“ viel offener auf eine Art und Weise und nicht so extrem Arm. Trotzdem musste ich mich erst einmal an die Vorstellung gewöhnen, hier die nächsten 11 ½ Monate zu verbringen.
Dabei half aber der sehr nette Empfang am Busbahnhof (es gibt in Argentinien keine Bahn) meiner neuen Chefin Mirta, meinem Mentor Juan und zwei seiner Freunde, und der schnelle Einstieg in die Arbeit. Juan half uns (das sind Lena, meine Mitbewohnerin oder besser Zimmernachbarin und ich) dabei, den ersten Einkauf im Supermarkt zu vollbringen und zeigte uns ein wenig die Umgebung.
Einen Tag später ging es dann auch im Kindergaren los, wir arbeiten von 7:30 Uhr bis 13:30 Uhr, wir wurden ein wenig herumgeführt und begannen dann mit unserer Arbeit. Das bedeutet: Mit den Kindern spielen und darauf warten, dass alle Kinder ankommen, damit es dann um ca. 8:45 Uhr Frühstück geben kann, bei welchem wir ein wenig helfen dürfen. Danach wird die Argentinische Flagge gehisst, während zwei bis drei Lieder gesungen werden. Dann geht es wieder an die Spielgeräte bis die Kinder in ihre Gruppen gehen. Die Gruppen sind nach Alter aufgeteilt, d.h. es gibt vier Gruppen, da Kinder im Alter von 0 bis 3 Jahren in den Kindergarten kommen können (im Alter von 4, bzw. 5 Jahren kommt man hier in die Vorschule).
In den Gruppen gibt es je nach Alter verschiedenes Angebot, bei den Jüngsten geht es eher darum, die Kinder zur Ruhe zu bringen, während die Ältesten Unterricht zu Dingen wie den Körperteilen, den Sinnen, etc. bekommen. Natürlich wird überall auch viel gespielt. Lena und ich sind jeden Tag in einer anderen Gruppe und bekommen dadurch viel zu sehen. Nach den Gruppen gibt es Mittagessen (inklusive Nachtisch) und dann wird wieder gespielt bis die Kinder von ihren Eltern abgeholt werden.
Bisheriges Highlight im Kindergarten waren zwei Geburtstagsfeiern, bei denen die Familie des jeweiligen Kindes eine kleine Feier veranstaltet. Zu diesem Anlass leiht sich die Familie eine Hüpfburg aus und es gibt nach dem Mittagessen Kuchen und Geburtstagslieder. An diesen Tagen fallen die Gruppen aus, damit die Kinder genügend Zeit haben, sich auf der Hüpfburg auszutoben.
Die Kindergärtnerinnen und die Kinder sind alle sehr nett, aber das sind die wohl die meisten Menschen hier. So haben wir schon einen favorisierten Gemüsestand gefunden, an dem die Verkäufer immer überaus nett und interessiert sind. Leider war es uns in der kurzen Zeit, in der wir hier sind, nicht möglich, viele andere Menschen kennenzulernen. Hauptproblem ist hierbei die Kälte – besonders nachts – die uns beide bereits eine Erkältung zugefügt hat, die einfach nicht verschwinden will. Da wir keine Heizungen haben, wacht man jeden Morgen erneut mit dem Gefühl auf, man habe sich angesteckt. Frieren müssen wir hier tagsüber aber nicht wirklich, ich greife dafür gerne auf den „Zwiebellook“ zurück, also ziehe ich mir mehrere Schichten Kleidung übereinander an. Tatsächlich soll es aber in den nächsten Tagen wärmer werden, hoffentlich bessern sich dann die Erkältungen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die wenigen Menschen, die ich bisher getroffen habe, äußerst nett sind und das Einleben erleichtern. Meine Umgebung hier gehört leider zu den weniger schönen Dingen, das Zentrum von Parana sieht aber erheblich besser aus. Ich hoffe, dass ich ein wenig über den ersten Monat in Argentinien berichten konnte, bis zum nächsten Bericht,
Heute ist der 11. September, und ein Monat ist es her, dass ich nach langem Warten und vielen Vorbereitungen in den Flieger gestiegen bin, um meine Reise nach Argentinien anzutreten. Meine Ankunft in Buenos Aires war gut, schön und ich war nach dem Flug auch bisschen müde.
Wir wurden dann in WGs eingeteilt, für die Zeit der Capacitacion, je nachdem, wo wir in Argentinien unseren Freiwilligendienst absolvieren. Meine WG hieß Yerbal und war mit 11 Personen im Vergleich zu den anderen recht klein, doch dadurch war es auch viel familiärer und unsere täglichen Abendessen-Runden waren auch immer sehr lustig 🙂 . Doch unsere WG war auch eine kleine Baustelle, am Anfang war es ,,zwar nur “, dass wir kein warmes Wasser hatten, doch dann folgte, dass der Boiler in der Küche anfing zu zischen und Wasser raustropfte. Daraufhin mussten wir den Haupthahn zudrehen, dass hieß kein Wasser. Kein Wasser, keine Dusche, keine Klospülung… . Tja, dass war auch noch zu ertragen, doch dann wollten wir am nächsten Morgen das Haus verlassen, das ging natürlich auch nicht, da das Schloss kaputt war. Weder nach links noch nach rechts drehen hat geholfen, also haben alle mal probiert, doch das hat auch nichts geholfen. Also haben wir gewartet bis der Schlüsseldienst kam, in dieser Zwischenzeit haben wir in unserer Wohnung Kniffel gespielt. Irgendwie musste ja unsere Zeit in dem eingeschlossenem Gebäude ja vergehen. Doch wir haben es mit kleiner Verspätung dann doch noch zum Seminar geschafft. Ahh, aber eine Sache war dann doch noch, von den 3 Schlüsseln, die wir bekommen hatten war nach 1 Woche nur noch 2 Schlüssel vorhanden. Aber am Ende haben wir auch dieses Problem auf die Reihe bekommen.
Unser Alltag war immer sehr unterhaltsam und die Abenteuer, die wir alleine in unserer WG erlebt haben, geben ein gutes OMEN zu dem kommendem Jahr. Was immer hilft ist: Nimm alles mit Gelassenheit und Humor, sich darüber zu ärgern, hätte sowieso nichts gebracht. Aber auch die Capacitacion neigte sich dem Ende zu und wir wurden zu unseren neuen Wohnungen und Projekten gebracht. Das hieß aber auch Abschied nehmen von den Freiwilligen, die nach Uruguay und Paraguay gehen würden.
Abendliche Sonne bei der Ankunpft in Quilmes
Am Montag, den 26.August wurden Joya (meine tolle Mitbewohnerin) und ich, in Quilmes, Ezpeleta bei einer Gastfamilie im Hinterhäuschen untergebracht. Wir wurden sehr nett und herzlich empfangen. Am ersten Abend haben wir sogar selbstgemachte Empanadas bekommen, die waren nicht zu vergleichen mit denen, die ich schon während der Zeit in Argentinien gegessen haben.
Die Quilmes-Leute mussten dann schon am nächsten Tag in ihr Projekt, während alle anderen noch frei hatten, doch auf diesen einen Tag kommt es am Ende nicht an. Doch der Tag bestand daraus, die Kinderkrippe und den Kindergarten sowie die Gruppen anzuschauen, in die man kommen wird. Der erste richtige Arbeitstag war am Mittwoch den 28.August. Die Busfahrt meisterte ich gut und ich bin auch angekommen, allerdings bin ich ein wenig zu früh gekommen. Ich stand schon ne halbe Stunde davor auf der Matte. Doch da hatte ich Gelegenheit die Maestras (Lehrerinnen), bei einem Mate näher kennenzulernen. Meine Gruppe, die mir zugeteilt wurde, war die der 3-Jährigen, Sala Rosa. Erstmal wird man von den Kinder angeschaut und beobachtet, man ist ja die Neue. Doch der Tag verlief gut und ruhig, aber das lag auch daran, dass der größte Teil aus erstmal schauen bestand, wie der Alltag abläuft. Von Tag zu Tag wird es dann leichter, da man die Routine irgendwann kennt. Um 13 h war dann auch mein Tag zu Ende und ich konnte nach Hause gehen, da merkte ich schon das jeder Anfang schwer ist und die Müdigkeit zog mich in mein Bett für eine landestypische Siesta (Mittagsschlaf). Am Abend wurde gegessen und dann war der Tag vorbei. Und für Heute auch dieser Blog 🙂
Es ist nun schon 21 Tage her, wo ich das erste Mal
argentinischen Boden unter den Füßen hatte. Und ja, die 21 Tage musste ich auszählen,
denn die Zeit, die ich schon hier bin, fühlt sich eher wie ungefähr eine Woche
an, obwohl schon so viel passiert ist.
In den ersten zwei Wochen hier in Argentinien, Buenos Aires,
hatten wir unsere Capacitación. Das ist ein Seminar, welches nochmal zur
Vorbereitung und zum Einleben in Südamerika dienen sollte.
„Wir“ bedeutet: 64 Freiwillige aus ganz Deutschland von verschiedenen
Organisationen, die ihre Freiwilligendienste in Argentinien, Paraguay und
Uruguay leisten. Zusammen hatten wir dieses Vorbereitungsseminar, in dem wir
über verschiedene Dinge informiert wurden z.B. etwas zur Geschichte
Lateinamerikas, Schulsystem Argentiniens, Arbeiten mit Menschen mit
Behinderung, Sucht und Abhängigkeiten sowie der tägliche Spanischunterricht.
Untergebracht waren wir die zwei Wochen in verschiedenen Unterkünften. Meine WG bestand aus elf Freiwilligen und gehörte damit zu den kleineren WGs. Unsere WG hieß Yerbal und war bekannt für die „WG mit Problemen“, denn anfangs hatten wir tatsächlich so mehr oder weniger kleine Schwierigkeiten. Es fing damit an, dass wir absolut kein warmes Wasser hatten. Hier in Argentinien ist noch Winter, das heißt das Wasser war eiskalt und duschen nach dem langen Flug war nicht möglich. Am nächsten Tag wurde der Boiler jedoch zum Glück repariert. Dachten wir jedenfalls, denn als wir abends in die WG kamen und die ersten endlich duschen wollten, platzte irgendetwas im Boiler und Wasser flutete unsere Küche. Wir fanden schnell den Haupthahn. Doch nun gab es gar kein Wasser mehr und der Hausmeister konnte erst am nächsten Tag vorbeischauen, weil es schon recht spät war. Dass wir nun nicht mehr duschen konnten, war nun das geringste Problem, denn jetzt hatten wir ja gar kein Wasser mehr. Das heißt es kam auch nichts aus dem Wasserhahn und auch nichts aus der Klospülung… Aber auch das haben wir mit einer Leichtigkeit genommen und wir wertschätzten, dass wir noch Strom hatten, sodass die paar Heizungen, die wir hatten, funktionierten. Am nächsten Tag wollten wir dann alle schnell zum Seminargebäude. Dort wollten wir uns dann frisch machen und auf Toilette. So war der Plan. Jedoch wartete schon die nächste Hürde: die Haustür ging nicht auf. Wie sich im Nachhinein feststellte, ging das Schloss bei einer Nachbarin beim Aufschließen kaputt. Nun hockten wir da und kamen nicht aus dem Haus. Jede Situation nahmen wir jedoch alle mit Humor und so waren die „Probleme“ nur noch kleine Aufgaben. Der Boiler wurde komplett ausgetauscht, die Tür wurde repariert und alles war wieder in Ordnung. Ein bisschen Abenteuer muss ja sein.
In meinem ersten Blog darf auf keinen Fall das Thema Fortbewegung fehlen. Warum? Weil ich die SUBE liebe! Die SUBE ist eine Karte mit der man Bus und Bahn bezahlt. Man kauft sich einmalig die Karte und lädt dann Geld darauf zum Beispiel an Automaten, die überall zu finden sind. Fährt man nun Bus, sagt man dem Busfahrer wo man hin will, hält seine SUBE an ein Scan-Gerät und dann wird das Geld davon abgezogen. Beim Subte- (U-Bahn) und Zugfahren, geht man durch ein Drehkreuz und das Geld wird wieder von der Karte abgezogen. Ist kein Geld mehr auf der Karte lädt man einfach wieder etwas rauf. Das System ist so einfach und gut. Ich wünschte, das würde sich in Deutschland etablieren, dann gäbe es keinen Stress mit Fahrkarten usw.
Außerdem unterscheidet sich das Bus- und Bahnfahren etwas
von dem in Deutschland. Ich dachte ich bin durch meinen damaligen Schulbus
schon viel gewohnt, aber hier fahren sie doch noch wilder. Wenn der Bus es
nicht mehr über Grün oder Gelb schafft, dann hupt er einfach und fährt über
Rot. Außerdem schließen erst die Türen des Busses, wenn der schon längst
losgefahren ist. Blöd, wenn man dann so wie ich im extrem vollen Bus an der
offenen Tür stand bzw. schwankte und von der Masse in Richtung offene Tür
gedrückt wurde.
Positiv überrascht hat mich, wie sehr darauf geachtet wird, dass alte Menschen
und Personen mit Kindern einen Sitzplatz erhalten, sowohl im Bus als auch im
Zug oder in der Subte. Sofort springen mehrere Personen auf um den Platz
anzubieten. Das ist mir so ausgeprägt in Deutschland noch nicht aufgefallen.
Ein weiterer Unterschied: in der Subte (U-Bahn) und im Zug
laufen fast ununterbrochen Personen umher, die etwas verkaufen wollen, etwas
vorsingen oder einfach nach Geld fragen. Anfangs war es noch irgendwie spannend
und fast schon faszinierend. Mittlerweile ist es manchmal schon anstrengend,
wenn die Verkäufer ihre Preise und ihr Angebot ständig durch den Zug schreien.
Aber ohne dem, würde wahrscheinlich auch etwas fehlen und vielleicht wird
einer/eine mal das verkaufen, was ich genau in diesem Moment gut gebrauchen
kann.
Seit einer Woche sind wir nun auch in unseren Projekten
tätig, aber dazu wird nochmal ein anderer Blog erscheinen.
Obwohl ich das Castellano hier noch sehr wenig verstehe und
noch weniger spreche und hier einiges anders läuft als in Deutschland, fühle
ich mich nicht komplett fremd. Es fühlt sich trotzdem irgendwie vertraut an und
mir gefällt es sehr. Ich bin jetzt schon froh, hier sein zu dürfen und bin
extrem gespannt auf das, was kommt.
für alle an meinem Freiwilligendienst in Argentinien Interessierten möchte ich gerne meine Erlebnisse aus diesem Land schildern. Ich arbeite hier in der 300.000 Einwohner Stadt Paraná knapp ein Jahr lang im Kindergarten Yardin Caminito.
Der Weg aus Hamburg hierher startete für mich am 13 Oktober: Über Amsterdam flog ich innerhalb von 14 Stunden auf die andere Seite der Welt. Ich finde das trotz 2019 doch beeindruckend.
Am Flughafen in Buenos Aires bin ich von der Freiwilligen Referentin Theresar in Empfang genommen worden, eine Exfreiwillige aus bei Nürnberg die nach Argentinien zurückgekehrt ist und jetzt bei der örtlichen evangelischen Kirche IERP arbeitet. Dort habe ich erst zwei Nächte geschlafen um noch einige Infos zu erhalten bevor ich meinen neuen Alltag antreten sollte. Ich bekam so auch die Möglichkeit einen kleinen Teil von der riesigen Stadt Buenos Aires zu sehen, mit weiteren Freiwilligen (ua. auch Jenny), Leuten von der IERP und zwei Pastoren aus Halle.
Buenos Aires: Hohe Häuser, Avocado Bäume, kreative Ansätze beim Verhalten im Straßenverkehr, Menschen, Hunde, allesamt im Fußballtrikot, Autos, Autos und Sonne. Ich will auf jeden Fall noch einmal mit mehr Zeit und Füßen (Flugzeug nix Beinfreiheit) Buenos Aires etwas besser kennenlernen.
Schließlich nach Parana fuhr ich mit dem Bus, in Argentinien gibt es kein Bahnstreckennetz. Ich hatte einen der obigen Plätze ganz vorne und somit die kommenden sieben Stunden argentinisches Panorama. Es zeigte weites flaches Land mit grünen Wiesen, Kühen und Pferden, am Rand immer wieder elende Hütten neben gigantischen Werbetafeln und vor allem ohne Ende Müll.
Als ich ankam wurde ich bereits von meinem Mentor Juan und noch zwei Freunden erwartet.
Er hat 2016 einen Freiwilligendienst in Mühlhausen gemacht und sich seitdem dafür engagiert, die Stelle in seiner Stadt nach 15 Jahren wieder besetzen zu lassen. Dass er Deutsch spricht erleichterte es mir sehr hier anzukommen, mein Spanisch war noch nicht.
Mit seinem Auto konnten wir gleich zum Yardin fahren.
Hier wohne ich jetzt seit 3 Monaten in einem der 10 Zimmer die über dem Kindergarten vermietet werden, mit eigenem Badezimmer, Gasherd und Kühlschrank. Meine Nachbarschaft besteht aus jungen Lehrern, Pärchen und Studenten. Von allen wurde ich sehr nett aufgenommen und konnte mit 3 Studentinnen auch leicht weitere Kontakte in Paraná knüpfen. Man ist in Argentinien allgemein schnell amigo o amiga. An der Stadt selbst wirklich schön sind beispielsweise die Plazas mit Springbrunnen unter Palmen, die vielen Sportplätze, der Rio Paraná oder auch die riesige Kathedrale. Paraná ist als Hauptstadt der Provinz Entre Rios der Standort vieler Universitäten und hat so ein sehr junges, alternatives und belebtes Stadtbild. Luft, Häuser und Straßen gehören hingegen zu den weniger schönen Dingen die mir hier begegnen. Hinzu kommt immer und überall der Müll, auf den Straßen, den Grünflächen, in den Flüssen wie angelegte Staudämme.
Bei Bier und Pizza, hier gibt es viel Pizza, lernte ich abends noch Juan’s Mutter und meine neue Chefin Mirta kennen, eine etwas schroffe aber herzliche und witzige Señora. Mirta hat wolgadeutsche Vorfahren, Argentinien ist stark von früherer Einwanderung aus Europa geprägt, und da sie zur älteren Generation gehört spricht sie noch etwas Deutsch, wie auch Juans Mutter, das alles damals sehr zu meinem Glück.
Mein erster Arbeitstag begann am nächsten Morgen um 7:30 Uhr. Je nach nach Wetterlage kommen bis zu 40/50 Kinder von 0 bis 5 Jahren hier in den Kindergarten. Zu meinen Hauptaufgaben, dem Beaufsichtigen und Bespaßen der Kinder, kommt auch noch ganz Allgemeines. Abwaschen, Müll und hausmeisterliche Tätigkeiten, wie Reinigung der Abflussrohre oder die Reparatur von Kapputtgespieltem. Neben Mirta habe ich noch 6 weitere Kolleginnen: Vier Maestras, eine Köchin und eine für den Kampf gegen die Kleinkind Hinterlassenschaften auf Böden, Wänden und in Bädern. Die Letztere ist weit aus über zehn Jahre hier und damit „die Neue“ der Gruppe, zum Teil sind die anderen schon seit über 30 Jahren ein eingespieltes Team. Entsprechend routiniert ist der Ablauf des Tages: Fernsehen, 9 Uhr Frühstück mit Keksen, Saft und Joghurt, Spielen, Hände waschen, 11 Uhr warmes Mittagessen plus Nachtisch, Spielen und Fernsehen. Vor dem Essen wird gebetet, an manchen Tagen außerdem nach dem Frühstück die argentinische Flagge von einem der Kinder gehisst und dazu gesungen. Zum Spielen werden manchmal Sachen wie Knete oder Bauklötze rausgegeben. Meist sind die Kinder aber sich selbst überlassen, im Voraus geplantes Programm seitens der Maestras gibt es leider nicht. Schade ist auch, dass man relativ wenig in Kontakt mit den Eltern kommt, da die Kinder stets nur schnell an der Tür, welche ich nicht öffnen darf, abgegeben werden, die danach sofort wieder verriegelt wird. Sich von außen in diese über so viele Jahre gewachsenen Strukturen einzufügen fällt nicht immer leicht, auch deswegen weil es kein großes Bedürfnis nach Abwechslungen zu geben scheint. So sind wir in den Garten vor dem Yardin, mit den Wippen und Schaukeln, seit ich hier bin noch nicht einmal gegangen, sondern nur in den betonen Innenhof, den sich der Kindergarten mit der IERP Kirche nebenan teilt. Auf Fragen meinerseits dazu,und auch bei anderen Themen wie Ernährung, Medienkonsum oder Konfliktlösung, folgt dann ein höfliches „Si Si“, oder Erklärungen die ich nicht aufgrund meiner bescheidenen Spanisch Kenntnisse nicht verstehe. Persönlich komme ich aber gut mit meinen Kolleginnen klar und auf diese Weise habe ich auch Connections zu den besten Fünfzigsten Partys in Paraná.
Ich hoffe bis hierhin konnte ich einen ersten Überblick von meinen neuen Lebensumständen vermitteln. Nähere Auseinandersetzung mit den schon angeschnittenen Themen und meine Erlebnisse hier will ich gerne in den folgenden Texten teilen.
„Wenn Sie, verehrte Leserin und verehrte Leser, verwundert feststellen, dass
Sie an der Uni 12 Semester Spanisch gelernt haben und jetzt einen Übersetzer brauchen, um ein Busticket zu kaufen;
Die Menschen um Sie herum mit einer Thermoskanne unter dem Ellenbogen und einem Matebecher in der Hand auf die Welt gekommen zu sein scheinen;
Einheimische, die Ihnen bis vor fünf Minuten unbekannt waren, Sie als hermano („Bruder“) oder amigo („mein Freund“) oder querido („mein Lieber“) anreden;
Der Straßenverkehr Ihnen vorkommt wie Bürgerkrieg auf vier Rädern;
Sie vor einem Grillrost stehen, auf dem eine halbe tote Kuh geröstet wird, und der Gastgeber sagt: „Ich weiß nicht, ob das für uns beide reicht“; (…)
Das ganze Land einer Gruppe von Inseln hinterherzutrauern scheint, die knapp vor dem Südpol liegen und außer Schafscheiße nicht viel zu bieten haben;
Morgens, mittags, abends, im Joghurt, auf dem Brot, im Kuchen, im Marmeladenglas dulcedeleche serviert wird;
In der gesprochenen Rede auf jedes normale Wort dreimal dale („auf geht’s!), viermal che („ey“) und sechzehnmal boludo („Schwachkopf“) kommen;
Ein einheimischer Bekannter Ihnen am Handy mitteilt: „Ich bin nur fünf Straßenblöcke von dir entfernt“- und Sie nach anderthalb Stunden immer noch warten;
Die Menschen um Sie herum nicht bei Ihren Vornamen, sondern nur „Dicke“, „Dünne“, „Zwergin“, „Glatzkopf“ gerufen werden;
Sie bei Einheimischen zum Abendessen eingeladen sind und um Mitternacht die Vorspeise abgeräumt und so langsam der Hauptgang aufgetragen wird; (…)
Die Einheimischen Sie entgeistert anschauen, sobald Sie sagen, wie gut es Ihnen doch in Lateinamerika gefalle, dann sind Sie, verehrte Leserinnen und Leser, in Argentinien.
Das ist nicht schlimm, kein Grund zur Panik, das ist schon vielen vor Ihnen passiert und wird anderen nach Ihnen passieren. Was Sie in solchen Fällen tun können und vor allem warum das alles so ist – das wissen Sie hoffentlich nach Lektüre dieses Buches.
Wenn Sie dieses Land allerdings ausgiebig bereist haben, wenn sie Freundschaften oder gar Liebschaften mit Einheimischen geschlossen haben, wenn sie Bücher über Argentinien gelesen und Filme gesehen haben, wenn Sie also kurzum das Gefühl haben, das Land gut zu kennen, aber Sie gleichzeitig das Gefühl haben, je mehr Sie über Argentinien wissen, desto weniger begreifen Sie das Land – dann, aber auch wirklich erst dann haben Sie Argentinien verstanden.
Dann allerdings sollten sie die Finger von diesem Buch lassen. Es wird Ihnen auch nicht weiterhelfen.“ Diese Zeilen küren das Vorwort in dem Buch „Gebrauchsanweisung für Argentinien“ und lassen mich jedes Mal aufs Neue schmunzeln. Einige von euch werden wahrscheinlich nicht viel mit dem Gefasel dieser Worte anfangen können, wobei auch zu ergänzen ist, dass Manches etwas übertrieben dargestellt ist. Dennoch haben mich diese Stichpunkte von Anfang an gefesselt und mir meiner aktuellen Lage bewusst gemacht. Meine Gedanken dazu wollte ich daher gerne mit euch teilen. Nach meinen nun 4 Monaten in Südamerika bin ich jedem einzelnen oben genannten Szenarien schon mindestens einmal begegnet und es war, als würde jemand meine aktuelle Vorstellung von Argentinien zu Papier gebracht haben. Einfach auf den Punkt gebracht. Besonders der tägliche Gebrauch von dulce de leche und Mate ist mir mittlerweile ein Ritual und unvergesslich worden. Dulce de Leche, zu vergleichen mit Nutella, aber deutlich karamelliger wird hier zu wirklich allem serviert. Doch man muss selber entscheiden, ob man es liebt oder hasst. Ich habe mich glaube ich einfach dran gewöhnt und könnte mir keinen Nachmittagssnack mehr im Kindergarten ohne dieses furchtbar süße Zubehör vorstellen. Mag sein, dass sich auch langsam eine Sucht ausgebildet hat, was natürlich unvorteilhaft für den bevorstehenden Sommerurlaub ist. Aber nun gut. Suchtgefahr bildet sich auch beim Mategenuss aus. Das traditionelle, heiße Getränk, welches aus einem Matebecher mit bombilla („Strohhalm“) getrunken wird, ist ein Muss beim Frühstückstisch und auch sonst bei jeder Tageszeit. Da kann es auch schonmal passieren, dass große Hektik in Küche des Kindergartens ausbricht, wenn kein Yerba mehr vorhanden ist. Und nein, nicht jeder hat sein eigenes Becherchen, hier wird, egal wie groß die Runde ist, aus einem Matebecher getrunken, was ein Gefühl von Gemeinschaft hervorrufen lässt. Eine Tradition, die ich definitiv mit nach Deutschland nehmen werde, zumal Wachheit ein netter Nebeneffekt des Getränks ist.
Doch auch wenn ich meine, einiges schon sicher von Argentiniens Kultur zu wissen, bringt es das Buch gut auf den Punkt, dass trotz all dem immer noch Momente auftreten, wo man einfach nicht versteht, was gerade passiert. Doch dazu zählen eben auch die Momente, die zwar überraschend aber sonst einfach bloß schön und überwältigend gastfreundlich sind. Die Male, wo ich im Bus angesprochen werde und in ein nettes Gespräch gewickelt werde oder mir gesagt wird, dass ich auf mich aufpassen solle, als würde sich jemand Fremdes um mich Sorgen machen. Die Male, wo wir auf der Zugfahrt nach Capital plötzlich mitten bei einem Lifekonzert, einer Zumbastunde oder einer Magiershow dabei sind. Die Male, wo uns unser freundlicher Obsthändler noch zusätzlich ein paar Früchte gratis unterjubelt, wo der Einkauf doch eh umgerechnet bloß 1,50 € kostet. Oder eben dieses Mal, wo wir von einer uns eigentlich noch gar nicht so bekannten Familie aus unserer Gemeinde zum Weihnachtsessen an Heiligabend eingeladen wurden. Eine gastfreundliche Geste, die mich zu tiefst berührt hat und mir dann doch ein wenig Heimwehstimmung entraubt hat. Denn die packte mich die letzten Wochen doch ein bisschen. Zu wissen, dass so langsam alle Zuhause eintrudeln, gemeinsam Plätzchen backen, auf den Weihnachtsmarkt gehen und redselige Abende verbringen, lies mich etwas grübeln und nachdenklich werden. Dennoch kam ich zu dem Entschluss, dass ich einerseits gerne mit meiner Familie an Heiligabend zusammensitzen würde. Andererseits aber bin ich glücklich, die Chance zu haben, einmal in meinem Leben ein kulturell anderes, spiegelverkehrtes Weihnachten erleben zu dürfen. Und bevor ich noch nicht herausgefunden habe, wie es ist ohne das gewohnte Umfeld drum herum Weihnachten zu feiern, darf ich auch noch nicht darüber urteilen. Mag ja sein, dass es ein unvergessliches Fest sein wird. Nein, es wird so sein. Allein die Tatsache, dass ich es in Argentinien bei einer brühenden Hitze mit wunderbaren Menschen, die ich hier kennenlernen durfte, verbringen werden, bestätigt dies.
Und auch wenn mich die Weihnachtsstimmung dieses Jahr noch nicht so wirklich gepackt hat, machen wir Freiwillige hier das Beste draus. Ein kleiner dekorierter Plastikbaum und ein selbstgemachter Adventskalender schmücken zurzeit unsere Wohnung und es dauert nicht mehr lange, bis wir unseren Vorweihnachts – Trip nach Tigre antreten. Dort werden wir uns ein wenig `mental´ auf unsere eigentliche, große Reise vorbereiten.
Denn die startet am 28. Dezember. Drei Wochen Reisen durch ein Land, das ich vielleicht ein wenig zu verstehen meine, durch verschiedenste Städte mit verschiedensten Temperaturgraden. Durch ein Land, das immer offen für Überraschungen ist und mir mittlerweile ans Herz gewachsen ist. Das Abendteuer beginnt im Norden von Argentinien, Mendoza, führt über zahlreiche Orte in Patagonien und endet mit einem Stopp in El Calafate, bekannt für seinen überwältigenden Pertio Moreno Gletscher. Vorfreude auf das Erkunden neuer Orte und das Sammeln neuer Erfahrungen strömen momentan durch meinen Körper, doch auch die Bedenken, wie bloß all meine Klamotten und Dinge für 3 Wochen in einen Reiserucksack passen sollen und, ob mein iPhone Speicher für so viele Fotos reichen wird, durchkreuzen einige dieser Funken voller Eifer.
Aber naja, irgendwie werden wir das schon meistern, dieses vielseitige und vielleicht auch unbegreifbare Land zu erobern.
Und natürlich werde ich mich nach meiner Reise sofort melden, damit ihr erfahrt, ob alles in meinen Rucksack gepasst hat…
Un beso muyyy grande Eure Eva
„Alles was wir haben ist Zeit. Selbst der, der nichts hat, hat Zeit. Und es liegt an jedem selbst, was er damit anstellt“ – Baltasar Gracian
Ein Zitat, das mir heute entgegensprang, als ich am Früstückstisch saß. Irgendwie eine indirekte Aufforderung, die Zeit sinnvoll zu nutzen und was zu erleben, nicht wahr? Aber auch kein Vorwurf, wenn man Dinge langsam angeht. Es liegt eben in der Hand jedes Einzelnen, was er mit seiner Zeit anfängt. Jeder hat andere Maßstäbe, an die er zu messen weiß, ob er seine Zeit richtig genutzt hat oder ob ihn ein Tag so richtig erfüllt hat.
Was sind deine Maßstäbe? Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich meine gefunden habe.
Doch was ich in den letzten Wochen herausgefunden habe, ist, dass man sich keinen Druck machen darf, Zeit verlieren zu können. Unter Zeitdruck oder der Angst, Dinge zu verpassen, verschwindet der Zeitgenuss und die eigentliche Lebensfreude. Mit dem ständigen Gedanken im Hinterkopf, ‚ich muss das jetzt machen, sonst erlebe ich das nie wieder‘, verbinde ich eher das Gefühl von Zwang, als das von Freiheit. Und gerade das Gefühl von Freiheit und Selbständigkeit will ich doch in diesem Jahr finden.
Ob ich sonst meine Zeit in diesen fast 2 Monaten sinnvoll genutzt habe?
Ich denke, ja. Wobei für mich „sinnvoll“ nun mehr bedeutet, als das Gefühl, besonders hilfreich auf der Arbeit gewesen zu sein, besonders viele neue Wörter auf Spanisch gelernt zu haben oder besonders viel von Buenos Aires gesehen zu haben. Sondern eben auch die kleinen Dinge. Die Momente, in denen ich mit meinen Mitfreiwilligen abends einen Film schaue oder Kartenspiele und mich immer mehr wie zuhause fühle. Die Momente, in denen ich mich mit dem Obsthändler über das Wetter oder auch das Nachtleben in Quilmes unterhalte. Die Momente, in denen ich ein trauriges Kind nach einem Streit wieder zum Lachen bringen kann. Die Momente, in denen wir den Abwasch und die Wäsche endlich geschafft haben. Und auch die Momente, in denen ich mal nur in meinem Bett liege, Zeit für mich habe, über Erlebnisse nachdenke und versuche, wieder gesund zu werden. Denn Gesundheit kommt bei dem ganzen Tatendrang und der Motivation, Neues zu erleben, oft zu kurz. Das habe ich jetzt auch verstanden. Gerade wenn man nicht mehr Zuhause ist, wo Mama mit Tee an dein Bett kommt und dich schon gesund pflegt, nimmt einen das Ganze schon etwas mehr mit. Obwohl man am liebsten alles schaffen, den besten Eindruck bei der Arbeit machen und so schnell wie möglich mit der Sprache und der neuen Lebenssituation zurechtkommen will, ist man mit 18 eben noch kein Superheld.
Naja, was ich eigentlich sagen will ist, dass ich in dieser kurzen Zeit hier schon sehr an mir gewachsen bin und irgendwie zu mir finde. Auch eine gewisse Gelassenheit und Ruhe macht sich zurzeit in mir breit. Gerade die Arbeit im Kindergarten macht mir unglaublich viel Spaß und ich vermisse schon die kreischenden Kinder um mich herum, nachdem ich solange nicht mehr dort war. Mit der Zeit bemerkt man einfach, wie sehr sie einem ans Herz wachsen. Anfangs waren wir noch die neuen, großen Leute in der sonst gewohnten Umgebung. Jetzt bekomme auch ich morgens ein Beso auf die Wange, werde herzlich umarmt und bekomme spannende Erzählungen vom Wochenende zu hören (die ich mehr oder weniger auch verstehe). Allgemein komme ich nun immer mehr im Alltag des Kindergartens an. Ein Alltag, der von Tag zu Tag unterschiedlich sein kann und mit wirklich einfallsreichen Ideen der Erzieherinnen ausgeschmückt wird. Wer da denkt, im Kindergarten werden bloß Spielsachen in die Mitte geworfen, irrt sich gewaltig. Basteleinheiten, Kreativangebote, Musikstunden mit Maruka, Austoben im Turnraum oder auf dem Innenhof. Alles was das Kinderherz begehrt. Und zusätzlich auch noch intensive Einheiten über verschiedenste Themen, was mich sehr überrascht hat. So war der gesamte September beispielsweise mit einem roten Faden der Tier- und Pflanzenwelt durchzogen. Daher beschäftigten wir uns an vielen Tagen mit Eigenschaften und Charakterzügen der verschiedenen Lebewesen. Malten oder bastelten passend dazu, lauschten Geschichten oder schauten uns Videos an. Fast schon wie in der Schule, dachte ich mir manchmal. Erstaunlicher Weise verhielten sich die meist eher aufgedrehten Kinder dabei aber sehr interessiert und machten fleißig mit. Auch ich nehme besonders aus diesen Stunden ganz viel für meinen Wortschatz mit, wenn man schon die Gelegenheit dazu bekommt. ? …
Doch über meinen genauen Alltag im „Arca“ werdet ihr noch ein anderes Mal mehr erfahren.
Also seid gespannt! Schließlich habe ich ja noch etwas Zeit und muss nicht alles sofort machen, oder?
Ich bin ja noch eine ganze Weile hier. ?
Ach ja, und was ich in Zukunft mit meiner Zeit anstelle: in den Tag hineinleben. Kleine Dinge wahrnehmen. Aber auch Pläne schmieden für die kommenden Woche, Reisen und vielem mehr. Denn es wird so einiges passieren.