Auf geht’s nach Hause!!


Zuhause. Zuhause zu sein, ist großartig und schön. Zuhause ist, finde ich nicht ein Ort, sondern das Gefühl. Das Gefühl sich ruhig, sicher und geborgen zu fühlen. Ich habe mich in Argentinien zuhause gefühlt und war angekommen. Als die Nachricht kam, dass wir nach Deutschland müssen, musste ich erstmal weinen, ich glaube das haben alle erstmal gemacht. Für mich kam es sehr unerwartet und ich konnte es nicht glauben bald wieder meine Familie, meine Freunde, mein Zimmer und alles andere zu sehen. Ich war nicht drauf vorbereitet und für mich war es hart, Argentinien so schnell Tschüss zu sagen. Denn ich hatte mich dort schon zuhause gefühlt, ich hatte mich eingelebt und es lief alles gut.

Nach langem Warten bin ich auch durch ein Rückholflug nach Hause gekommen. Geplant war es, wenn ich im August wiedergekommen wäre, meine Mutter und meinen Vater zu überraschen, dass ich da bin. Doch das war schwer unter den Umständen. Ich dachte mir jedoch, dass ich mir nicht wegnehmen lasse meine Familie zu überraschen – nicht wegen Corona. Also habe ich meiner Mutter erzählt, ich hätte einen späteren Rückholflug. Mit ihrer besten Freundin machte ich dann gemeinsame Sache und sie holte mich am Berliner Bahnhof ab. Sie hatte meine Mutter davor angerufen und gesagt, dass sie ihr noch Kuchen vorbeibringt. Nur zur Info am Rande, ich kam um 22 Uhr am Bahnhof an, meine Mutter fand das auch suspekt, doch sie dachte sich naja okay. Dann sind wir bei mir angekommen und ich habe mich hinter der Treppe versteckt. Die beste Freundin ging in die Wohnung und blieb im Hausflur stehen. Dann als ich klingelte, machte sie die Tür auf und ich schrie ganz laut „ÜBERRASCHUNG“. Meine Mutter stand wie angewurzelt da und hat erstmal nicht reagiert. Ganz fassen konnte sie das nicht. Doch meine Eltern waren überglücklich, dass ich wieder da war. Meinen Freunden habe ich auch nicht gesagt, dass ich wieder da bin.Erst nach paar Tagen und bis jetzt wissen nicht alle Bescheid. Doch alle freuten sich über die Überraschung und ich war auch sehr gerührt. Das war schön.

Eins muss ich noch erwähnen. Meine ersten Gefühle, als ich wieder Berliner Luft schnupperte. Als ich am Bahnhof ankam, war ich voller gemischter Gefühle, ich war zu überwältigt wieder da zu sein. Der 14-stündige Flug kam mir viel kürzer vor und ich fand es so surreal im Flugzeug zu sitzen und bald Zuhause anzukommen. Alles war komisch. Die Straßen, die Straßenlaternen, die Leute, die S-Bahn, die Autos, die Häuser, alles war komisch. Gleichzeitig war es so wie ich es gewohnt war zu kennen, aber zur gleichen Zeit auch ungewohnt und einfach komisch. Die ersten Tage hatte ich den schlimmsten Jet Lag. Aufgestanden bin ich so um 17 Uhr und schlafen legte ich mich um 6 Uhr, als es draußen gerade hell wurde. Ich bin sehr unproduktiv gerade, aber ich glaube das liegt einfach auch nur daran, dass mir das alles sinnlos vorkommt. Dieses Jahr habe ich so sehr gewollt und ich habe mich riesig gefreut als ich es hatte. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, waren unglaublich und die Personen, die ich getroffen habe, sind Freunde geworden. Es war hart zu realisieren, dass ich nichts mehr davon haben werde. Ich sage nicht, dass es hier in Deutschland schlecht ist, doch in Argentinien wollte ich reisen, Freunde gewinnen und einfach mal jeden Tag leben.

Ich denke an all die Freunde, meine Kindergartenkinder und Arbeitskollegen, die ich nicht verabschiedet habe. An das, was ich zurück gelassen habe und an all die Chancen und Erfahrungen, die ich noch erlebt hätte. Ich habe das Gefühl, dass es mir genommen wurde und mir niemand auf der Welt es je zurück geben wird. Ich werde diese Zeit nie wieder haben. Das war und ist hart für mich zu realisieren. Ich kann es immer noch nicht ganz verarbeiten. Aber es wird besser.

An sich kenne ich mein Zuhause, doch es war komisch anzukommen, weil ich an all das gedacht habe, was ich zurückgelassen habe. Am meisten, an die Person, die ich geworden wäre, wenn ich dort geblieben wäre, aber naja ändern kann man es nicht. Tja, es bleibt nur akzeptieren und es irgendwie zu verarbeiten. Dabei bin ich noch…

Hier ein Bild meiner geliebten Stadt!

Dieses Bild hat ein leeres Alt-Attribut. Der Dateiname ist Berlin2-1.jpeg

Vivimos EnAcción

Über das Zurückkommen habe ich jetzt schon erzählt. Aber viel wichtiger ist ja eigentlich, wo ich eigentlich herkam, wo ich war und ganz am Anfang hingekommen bin.

Mein Projekt heißt EnAcción. Das passt ziemlich gut und auch schon die Art, wie es entstanden ist, hängt mit viel Aktion zusammen. Das Projekt besteht aus einem sehr großen Campus mit Fußballfeld, kleinem Spielplatz und zwei Häusern, in denen die Aktivitäten stattfinden können, außerdem gibt es dort noch Büros, Küche und Lagerräume. All das existiert seit 21 Jahren. Davor war der Campus ein Platz, um Müll dort abzuladen. An den Wänden hängen noch heute viele Bilder des Aufräumens und des Aufbaus der Organisation, an dem viele Menschen aus der Nachbarschaft beteiligt waren.
Die neuen Gebäude, die ich als selbstverständlich wahrnahm, gab es allerdings noch nicht 21 Jahre, sondern erst seit dem Vorjahr. Vorher hatten die Aktivitäten im einen Block weiter liegenden Gemeindehauskomplex der katholischen Kirche von Los Polvorines statt gefunden.

Aktivitäten gibt es wirklich viele. Gesprächsrunden für Frauen in verschiedenen Altersgruppen und eine für Männer, Schulnachhilfe und Jugendgruppen, Tanzen, Malen und Zeichnen, Garten, Fotografie, Programmieren, Fußball nach Altersgruppen, früher auch Musik, Computerkurs für EinsteigerInnen, Treffpunkte für NachbarInnen und Kinderbetreuung.

“Kunst” ein Wandgemälde vom Kinderkunstkurs

Die Fülle dieser Angebote ist auch Grund für das große Team von über 40 Leuten, die bei EnAcción arbeiten. Irgendwie muss so ein Team koordiniert werden und daher ist es in Sparten unterteilt: Die, die sich mit den Aktivitäten befassen, diejenigen, die für die Nachbarschaftsarbeit zuständig waren, die PR und Kommunikation, das Team für Instandhaltung und Haushalt, Sistematisation und die Koordination, was aber nicht bedeutet, dass man als MitarbeiterIn von EnAcción nur einer dieser Sparten angehören kann.

Tatsächlich hatten viele meiner KollegInnen noch andere Jobs neben EnAcción, entweder in der Schule, an Unis oder in ganz anderen Bereichen und es gab auch einige, die noch nebenbei studierten und sich über EnAcción hinaus engagierten. Ich habe mich häufig gefragt, wie das überhaupt möglich sein kann und war sehr beeindruckt.

An dieser Stelle möchte ich euch eine meiner Kolleginnen vorstellen. Sie arbeitet in ena (so wird EnAcción organisaionsintern abgekürzt) vor allem in den Projekten Apoyo Escolar (Schulnachhilfe und Treff von Kindern der Grundschule) und Educación Joven (ähnliches Format, aber für Jugendliche der weiterführenden Schule). Außerdem ist sie auch Koordinatorin der Sparte bildungsorientierter Angebote und im Sistematisierungsteam, das sich mit der digitalen Verwaltung der Mitgliederlisten, der Datenerhebung für die Reflexionsdynamiken usw. beschäftigt. Das ist schon ziemlich viel Arbeit, aber gleichzeitig ist sie auch noch in der Frauenbeweung engagiert und bestimmt habe ich auch noch was vergessen.

Am Vormittag finden abgesehen vom Alphabetisierungskurs keine Angebote statt und in dieser Zeit waren ich und mein Mitfreiwilliger Nico dann zusammen mit Nestor und Emi beim Mantenemiento, was meistens aus Rasenmähen (für mich aber mehr zusammenhaken), Zaun reparieren, Müll sammeln, Streichen usw. bestand. Danach kochten wir zusammen etwas und es muss nur noch gesagt werden, dass beide ziemlich gute Köche sind.
Eine alternative Vormittagsbeschäftigung wäre auch der Sabor de Vida (Geschmack des Lebens), ein Lebensmittellager, das viel Sortieraufwand erfordert. Dort werden Produkte des alltäglichen Bedarfs, die Ena kauft oder gespendet bekommt, gelagert und an TeilnehmerInnen der Angebote nach bestimmten Kriterien ausgegeben. Außerdem bietet diese Arbeit aber auch viel Zeit zum Austausch, was wir ausgiebig genutzt haben.
Zu guter Letzt wäre da noch das Putzen. Klos, Böden, Küchen und Müll rausbringen gehört auch hier dazu, denn es ist ein echt großes Gelände mit vielen Leuten, die sich dort bewegen.

Nachmittags wird es dann noch etwas abwechslungsreicher, denn die verschiedenen Angebote finden statt und es kommen viele der NachbarInnen, schauen kurz vorbei, um ein bisschen zu erzählen, haben ein Gespräch mit MitarbeiterInnen der Nachbarschaftshilfe oder nehmen an den Projekten teil.
Ein Format, das vor allem im Sommer viel statt fand, weil dort die Projekte ausgesetzt sind, ist das Campito Abierto (Offenes Campito, also Gelände von Ena). Dort gibt es freie Bastelangebote und kleine Spiele, die Leute kommen und gehen, trinken einen Mate, bringen etwas zu essen, es ist Zeit für den Garten, Zeit Fahrräder anzusprühen und sehr viel Tischkicker zu spielen.
In der Saison, in der es Aktivitäten gibt, findet das Campito abierto nur Samstags statt, der aber auch für die Ferias (kleine Märkte) und Feste (Siehe Titelbild vom Artikel) von EnAcción genutzt wird.

Außderdem gibt es einmal monatlich Weiterbildungen und Planungstreffen der einzelnen Sparten, die sehr lustig sind und für mich gerade am Anfang mit einem erheblichen Aufwand verbunden waren, wenn ich der Unterhaltung folgen wollte. Doch letztendlich kam es dadurch zu einem guten Gleichgewicht zwischen körperlicher Arbeit, geistiger Planungsarbeit und dem Begleiten von Aktivitäten.

Danach wird noch kurz aufgeräumt, der Mate ausgespült, das Licht ausgemacht und ich suche mir jemanden, der/die mich nach Hause bringt, um noch ein bisschen zu schnacken.

Vivimos EnAcción
Das Campito in der Abendröte

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Seit gut einem Monat bin ich jetzt wieder zuhause. Mittlerweile bin ich wirklich angekommen und habe mich auch in meiner Familie gut wieder eingelebt. In den ersten Wochen habe ich aber gefühlt jeden zweiten Satz mit „Auf den Philippinen haben wir…“ oder „Auf den Philippinen war…“ begonnen. Deshalb möchte ich jetzt noch einmal auf den […]

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Nur ein Gefühl.

Ich komme nach Hause. Zuhause ist ein Begriff, den gibt es auf Spanisch gar nicht so richtig. „En casa“ bedeutet zwar in einem Zuhause, wörtlich eher „in einem Haus“, aber mir fehlte häufig ein Begriff, um zu sagen, dass man sich zuhause fühlt. Vielleicht habe ich ihn auch einfach nicht entdeckt und es gibt ihn […]

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Nur ein Gefühl

Ich komme nach Hause. Zuhause ist ein Begriff, den gibt es auf Spanisch gar nicht so richtig. „En casa“ bedeutet zwar in einem Zuhause, wörtlich eher „in einem Haus“, aber mir fehlte häufig ein Begriff, um zu sagen, dass man sich zuhause fühlt. Vielleicht habe ich ihn auch einfach nicht entdeckt und es gibt ihn und es ist ein wohlklingendes Wort, so wie ein Wort klingen sollte, das dieses Gefühl beschreibt und nicht die örtliche Bestimmung der sprechenden Person ist.

Die Tatsache aber, dass ich ihn gesucht habe, gefällt mir gut, auch wenn das danach Suchen nicht als „ich bin dort zuhause“ gedeutet werden darf. Ich bin, ganz unwissend, dass ich bald wieder nach Deutschland zurückkehren würde, eine Straße in Los Polvorines entlang gegangen und dachte plötzlich, dass mir dieser Weg inzwischen normaler als mein Schulweg erscheint. Aber schon eine Woche später war ich damit beschäftigt, mich von dieser Einschätzung zu verabschieden und mich mit einer ganz anderen zu beschäftigen, nämlich der, was es bedeutet jetzt wieder zurück zu fahren.

Das Zurückkommen hatte ich mir eigentlich relativ schön vorgestellt. Endlich wieder die Dinge machen, die ich nur zuhause machen kann, endlich wieder alle meine FreundInnen treffen usw. Das Weggehen wäre das Opfer gewesen, das ich dafür hätte bringen müssen und ich hätte 12 Monate Zeit gehabt, mich darauf einzustellen, hätte mich verabschiedet und es wäre okay gewesen.
Doch die global existierende Gesundheitsfrage macht da ordentlich einen Strich durch die Rechnung und irgendwie kam durch die Aussicht auf eine baldige Ausreise auch die Vorfreude abhanden, die das wieder irgendwo hinkommen, wo ich erwartet werde, eigentlich hätte auslösen sollen, oder?

Naja, angesichts der Situation war es okay, nicht so gut drauf zu sein, es gab viele Leute, die waren in der gleichen Situation und mit der ganzen Freizeit hatte ich dann ja genug Muße, mal an meiner Resilienz zu arbeiten.
Resilienz und Selbstmitleid hin oder her, nach einigen spontanen Planänderungen, vielen Telefonaten, Check-Ins und Check-Outs wurde ich von zwei deutschen Polizisten beäugt, während ich Schmelzkäse auf Schwarzbrot aß und auf mein Gepäck wartete.
Ich finde es ja immer noch sehr beeindruckend, dass man in 14 Stunden von Buenos Aires nach Frankfurt kommt, aber mein Rücken fand das nicht beeindruckend und ich wollte eigentlich nur noch schlafen. Aber was soll’s, ab ins Auto, ab auf die Autobahn. An der Raststätte Paprikabrotaufstrich auf Vollkornbrötchen, ein ungeahnter Luxus und ein sehr klischeehaftes Dorf aus Mitteldeutschland. Noch einige Stunden mehr und Stadtrandlichter tauchen auf und bringen mich nach Haus.

Da bin ich also. Doch eigentlich ist meine Ankunft noch nicht vollzogen, nicht vollständig. „Bitte bleiben sie 14 Tage im Haus“, sagt das Dokument, das ich im Flugzeug in die Hand gedrückt bekommen habe. Also nicht FreundInnen wiedersehen, nicht die Stadt erkunden, sehen, was neu ist, was geblieben ist, was ich vermisst habe.
Okay, ich bleibe #@home und freu mich über die vielen Sonderzeichen, deren Name, „Sonderzeichen“, im krassen Gegensatz zu meinen Beschäftigungsmöglichkeiten zu stehen scheint.

Es war ein wenig merkwürdig, sich in einem Umfeld wiederzufinden, von dem ich mich eigentlich schon verabschiedet hatte. Sehr vertraut, aber plötzlich nicht mehr ganz so passend und alte Verhaltensmuster kommen schneller wieder hoch, als ich mir das gewünscht hatte.
Lesen, Telefonieren, Kochen und dann geht es plötzlich los und ganz viele Erinnerungen aus dem Freiwilligendienst tauchen wieder auf, Situationen von davor noch oben drauf und darüber muss viel nachgedacht werden, denn sonst fühlen sich die Erinnerungen nicht ernst genommen und irgendwann sind die zwei Wochen vorbei. Und jetzt bin ich irgendwann auch mal angekommen, doch mein Freiwilligendienst ist nicht vorüber, geht weiter, ein bisschen anders als davor.

Ein Unterschied ist ja schon mal, dass jetzt Blogeinträge von meiner Seite kommen, ich bin also gespannt, was die verbleibende Zeit sonst noch so bringen wird.

Nach Hause kommen?

Verfasst bitte einen Beitrag zum Thema „Nach Hause kommen“, so hieß der Arbeitsauftrag. „Zuhause“, was ein seltsames Wort. Was ist denn ein Zuhause?

In Argentinien bin ich doch jeden Tag nach der Arbeit nach Hause gekommen?! Ich liebte meine WG, die besten Mitbewohner, die man sich wünschen kann. Ich fühlte mich wohl, ich war dort gerne, ich fühlte mich sicher. Obwohl es so einige viele Probleme mit diesem Haus auch gab:
Es war mein Zuhause.

Aber der Beitrag soll darüber gehen, wie das Zurückkommen nach Deutschland und zu meiner Familie für mich war.
Ich kann soviel sagen, für mich hat sich das Gefühl „Zuhause“ in diesen Monaten (leider kein Jahr, nochmal danke Corona) verändert.

Man könnte ja jetzt denken, vielleicht habe ich jetzt zwei Orte, die sich für mich wie „Zuhause“ anfühlen. Doch das ist nicht ganz so. Nach wochenlanger Warterei in Hausquarantäne, kam ich mit einem Rückholflieger nach Frankfurt. Und kam dann schließlich „Zuhause(?)“ an. Fast alles wie vorher, nur kleine Veränderungen z.B. dass die kleine Schwester, gar nicht mehr so klein ist oder ein paar neue Kissen auf dem Sofa.
Die ersten Tage und Wochen waren sehr seltsam. Ich glaube „seltsam“ beschreibt die Zeit am Besten. Manche Tage fühlten sich wie betäubt an, sie flogen an mir einfach so vorbei. Dann gab es traurige, emotionale Tage, aber auch Tage, an denen ich gar nicht an Argentinien dachte.

Aber ein Gefühl blieb konstant. Dieser Ort hier ist nicht mehr derselbe. Er wechselte von „Zuhause“ zu „Zuhause von meinen Eltern und meiner kleinen Schwester“. Und das ist völlig in Ordnung für mich. Denn ich weiß, dass auch jetzt bald etwas Neues beginnen wird und ein neuer Ort mein neues Zuhause wird.

Liebe Grüße aus mittlerweile wieder Deutschland

Abrazo virtual Sarah

Das alles und noch viel mehr

Meine Zeit in Argentinien wurde zwar aufgrund der Pandemie abgebrochen, dennoch berichte ich euch gerne, wie so ein Arbeitstag von mir aussah.

Es ist 8 Uhr und mein Wecker klingelt. Vor 8:25 Uhr schaffe ich es nicht aus dem Bett, sodass ich mich wie immer mit Anziehen und Zähnputzen beeilen muss. Um entspannt zur Arbeit zu gehen, sollte ich um 8:40 Uhr das Haus verlassen. Naja… hat mal wieder nicht ganz geklappt, jetzt ist es 8:50 Uhr. Also sprinte ich los zum Projekt. Schon bin ich an meiner Einsatzstelle „La Casona“ angekommen und der ungewollte Morgensport ist vorbei und ja ich habe es zeitlich geschafft, es ist kurz nach neun.

Paola meine Kollegin ist schon da. Paola oder wie sie alle nennen, Pao, ist die Erzieherin für die Kinder, die am Vormittag in das Projekt kommen. Außerdem ist sie Tallerista der Panaderia (Bäckerei) für die 6-11jährigen sowie einiger Talleres (Workshops) für die Jugendlichen.

Ich fange direkt an das Frühstück vorzubereiten, währenddessen schon die ersten Kinder (6-11 Jahre alt) ins Projekt kommen und spielen.
Brot mit Dulce de Leche (Karamellaufstrich), Butter oder Marmelade. Außerdem gibt es Mate Cocido (Tee) mit ganz viel Zucker.

Mittlerweile ist auch meine andere Arbeitskollegin Sofi eingetroffen. Sie organisiert alles im Bereich Niñez (Kindesalter).
Und nun wird auch schon ein Tischlied gesungen, weil die Kinder essen wollen, entscheiden sie sich für das Kürzeste:

„Barabaram ^^ Barabaram ^^ Barabaram Barabaram Barabaram ^^
Bendice señor la mesa, Bendice los alimentos, Bendice a los pekes para poder comer
Barabaram ^^ Barabaram ^^ Barabaram Barabaram Barabaram^^“

„MANOOOS!“ (Hände) Alle geben sich die Hände und rufen „Buen provecho!“ (Guten Apetit)

Abdecken, Abwaschen und nun geht es in die Panadería (Bäckerei) mit Pao. Die Kinder sind fleißig am Kneten und freuen sich schon auf das Ergebnis, um es zu probieren und anschließend mit nach Haus zu nehmen.

Vor ein paar Tagen habe ich bereits meinen neuen, heutigen Dibujo-Taller (Zeichnen-Workshop) vorbereitet.
Mit einer Vorlage von mir und Hilfslinien zeichnen die Kinder selbst Mandalas. Nur wenige Kinder sind da, sodass es eine ruhige, angenehme Gruppengröße ist.

Jetzt wird gespielt. Erst drinnen dann draußen. Von Kartenspielen über Tischkicker bis Seilspringen und Fußballspielen ist alles dabei.
Um meinen Arm vom Seilschlagen auszuruhen, was ich nun eine halbe Stunde tat, setze ich mich und trinke zusammen mit den anderen Mate.
Ich schaue auf die Uhr. Nun ist es 11:40 Uhr und nach und nach werden die ersten Kinder abgeholt bzw. gehen in Grüppchen nach Hause. Für sie beginnt der Unterricht erst am Nachmittag.

Inzwischen habe ich ca. 2 Stunden Mittagspause. Zum Mittagessen habe ich mir etwas vom Vortag von Zuhause mitgenommen und sitze im Schatten der Bäume.
Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und die „Nachmittagskinder“ kommen ins Projekt. Sie waren am Vormittag in der Schule. Heute bin ich allerdings nicht für die Kinder am Nachmittag eingeteilt, sondern begleite die Talleres für die Jugendlichen.

Im Taller Cine (Kino) schnitten alle fleißig an Videos, um Spezialeffekte und Übergänge auszuprobieren. Ich sitze daneben und unterhalte mich mit einem Süd-Nordrückkehrer, der ein Jahr in Deutschland arbeitete. Super interessant!

Da die Schule seit dieser Woche erst wieder begonnen hat, ist der Taller Estudio heute leicht überflüssig. Eigentlich bringen hierfür die Jugendlichen ihre Schulaufgaben mit, um sie hier in Ruhe zu machen, nachfragen zu können und Materialien sowie den Computer benutzen zu können. Doch noch haben die Jugendlichen wohl keine Aufgaben bekommen, sodass keiner kam. Naja, dann hören wir eben Musik und singen.

Um 18 Uhr endet mein Tag und ich mache mich auf den Rückweg nach Hause. Den Rückweg gehe ich entspannt.
Zuhause in der WG angekommen, ist mein Mitbewohner Aron bereits da und wir trinken Mate. So endet mein Arbeitstag.

Das alles passiert an einem Tag, und selbst das kratzt irgendwie doch nur an der Oberfläche, denn auf dem Arbeitsweg, auf der Arbeit und Zuhause passieren so viele Dinge, wenn auch manchmal nur kleine.
Aber es ist trotzdem so unfassbar viel, dass man das gar nicht alles erzählen kann…

Liebe Grüße
Sarah

Mein Alltag im Projekt

7:30 Uhr:

Lena und ich gehen nach unten in den Kindergarten. Uns erwarten bereits zwei Kindergärtnerinnen. Der Kindergarten hat zwar schon seit 7 Uhr auf, jedoch sind um diese Uhrzeit noch keine Kinder da, weswegen wir eine halbe Stunde später kommen dürfen. Nun kommen die ersten Kinder.

8:00 Uhr:

Mittlerweile sind einige weitere Kinder von ihren Eltern gebracht worden. Die Meisten sind noch müde und gucken stehend den Kindern beim Spielen zu, die schon etwas länger da sind. Manche schlafen auch.

8:30 Uhr:

Es ist Zeit für das Frühstück! Zu dieser Uhrzeit haben es meistens ca. zehn bis 14 Kinder in den Kindergarten geschafft, besonders die sehr kleinen Kinder kommen etwas später. Außerdem sind nun alle vier Kindergärtnerinnen, die Köchin, die Putzfrau und die Chefin da. Zum Frühstück gibt es immer etwas Süßes, meistens Kekse und Milch, manchmal Trinkjogurt, manchmal Kakao. Das Frühstück ist die nahezu ruhigste Zeit im Kindergarten; fast alle Kinder sitzen ruhig am Tisch und essen. Nur einige wenige Kinder sind schon wach genug um Lärm zu machen.

Nach dem Essen wird die Flagge gehisst. Dabei stehen die Kinder in einem Kreis um den Fahnenmast und es werden Kinderlieder gesungen. Danach dürfen die Kinder im großen Saal spielen. 

9:30 Uhr:

Nach einer Stunde Spielzeit geht es in die Gruppen. Diese sind nach Alter aufgeteilt, d.h. es gibt vier verschiedene Gruppen, eine für die Nulljährigen, eine für die Einjährigen, eine für die Zweijährigen und eine für die Dreijährigen. Die Ältesten müssen zuerst mit dem Spielen aufhören, da es für sie zum Händewaschen ins Bad geht. Je nach Anzahl der Kinder in den anderen Gruppen bleiben diese noch etwas länger im Saal. 

Während der Gruppenphase kommen auch die restlichen Kinder; insgesamt sind zwischen 20 und 25 Kinder da. 

Lena und ich sind meistens bei Gruppe drei oder vier, da dort die meisten Kinder sind und somit unsere Hilfe am sinnvollsten ist. 

10:30 Uhr:

Nachdem in den Gruppen gespielt, gelesen, gesungen, getanzt oder geschlafen wurde, geht es nun für die Kinder wieder in den großen Saal. Sie dürfen sich noch einmal etwas austoben, bevor es zum Mittagessen geht. Nur die Dreijährigen haben diesen Luxus nicht, sie müssen in der Gruppe bleiben um noch etwas zu lernen oder zu spielen. 

11:00 Uhr:

Pünktlich um elf Uhr sitzen alle Kinder am Tisch. Vorher mussten die Zwei- und Dreijährigen noch einmal die Hände waschen. Gegessen wird meistens Fleisch mit Nudeln oder Reis oder Kartoffeln. Die Kinder bekommen das Essen in kleinen Schälchen mit Löffeln serviert. Natürlich ist alles klein geschnitten. Zum Nachtisch gibt es Apfel, an manchen Tagen aber auch Wackelpudding. Außerdem gibt es Saft. 

Beim Essen ist die Schwierigkeit für Lena und mich, gleichzeitig alle Kinder zu „bedienen“ und den Erzieherinnen dabei zu helfen, aufzupassen, dass sich alle Kinder benehmen. Das Mittagessen ist somit die stressigste Zeit des Tages.

12:00 Uhr:

Nach dem Mittagessen werden bereits die ersten Kinder abgeholt. Für die anderen Kinder geht es nun in einen Kreis und die Flagge abgenommen. Gesungen werden dazu wie am Morgen Kinderlieder und nicht die Nationalhymne. Danach dürfen die Kinder (bis auf die Dreijährigen, die müssen wieder in die Gruppe) im großen Saal weiterspielen. Für Lena und mich geht es nun in die Küche; wir helfen beim Abtrocknen. 

12:20 Uhr:

Wenn wir aus der Küche kommen ist die Mehrzahl der Kinder abgeholt worden. Wir spielen noch etwas mit den verbliebenden Kindern, bis auch sie abgeholt werden. 

13:15 Uhr:

Nun ist der Kindergarten leer. Theoretisch hat der Kindergarten noch bis um 14:00 Uhr auf, doch auf Grund der fehlenden Kinder lässt uns unsere Chefin früher gehen. 

So sah also mein Projektalltag aus. Dieser wurde zwar zu besonderen Anlässen auch mal geändert, jedoch blieb das Grundkonzept immer gleich. Nur die Prozedur mit der Flagge wurde nach dem Jahreswechsel aufgegeben. 

Das Ende meiner Zeit in Argentinien

Die Rückkehr nach Deutschland war durch meine zwei Wochen gedanklicher Eingewöhnungszeit in Quarantäne in Buenos Aires weniger traurig als gedacht. Der Argentinische Ministerpräsident Alberto Fernandez reagierte früh mit Ausgangssperren für das ganze Land. Dadurch konnte ich mich gedanklich ein bisschen besser auf die Abreise vorbereiten. 

Schwerer war hingegen die schnelle Abreise aus meiner Einsatzstelle in Parana. Als ich am Montag die Nachricht bekam, das Land verlassen zu müssen, war ich erst einmal sehr geschockt und traurig, jedoch kündigte besagter Präsident bereits Maßnahmen an, weshalb ich davon ausging, noch etwas bleiben zu dürfen, bzw. nicht direkt ausreisen zu können. Am Dienstag wurde mir dann gesagt, dass ich ein Ticket für einen Rückflug am Freitag derselben Woche bekommen hätte, weshalb ich schnellstmöglich nach Buenos Aires musste. Am Mittwoch begann also meine Rückreise.

In Buenos Aires angekommen, wurde ich nett von der Freiwilligen-Wg empfangen, bei denen ich die verbleibenden zwei Nächte verbringen sollte. Jedoch trat dann das eigentlich Erwartete ein; der Flug wurde gecancelt. Somit musste ich dann zusammen mit allen anderen Freiwilligen auf einen Flug der Rückholaktion der Bundesregierung warten, was in meinem Fall weitere zwei Wochen dauerte, bei anderen Freiwilligen sogar noch ein paar Tage länger. Somit flog ich am ersten April, ein vielleicht ganz passendes Datum, nach Frankfurt.

Zuhause angekommen musste ich mich zwar ein bisschen an die neue/ alte Umgebung gewöhnen, jedoch fiel mir dies recht leicht. Nur an die Zeitumstellung musste ich mich ein paar Tage gewöhnen. Ich verbringe die Tage mit viel Sport, Kochen, Backen und einigen anderen Aufgaben. Unglaublich anders als in den Sommerferien des letzten Jahres ist es für mich aber nicht, weshalb es nicht gerade viel zu berichten gibt. Außerdem geht es mir gut, natürlich ärgere ich mich auch manchmal über die Situation (mindestens einmal am Tag), denn insgesamt bin ich nicht zufrieden über die schnelle Rückreise. Dennoch versuche ich das Beste daraus zu machen.

Ein halbes Jahr in Argentinien

Vor zwei Wochen bin ich ins zwei Stunden von Buenos Aires entfernte Baradero zum Zwischenseminar gereist. Dieses markierte die „Halbzeit“ meines Freiwilligendienstes – Wahnsinn! Und – wie die Zeit doch vergeht! Für mich kaum vorstellbar, dass ich 2017 aus Kanada schon nach fünf Monaten zurückgekehrt bin.

Der letzte Monat im Kindergarten war wie angekündigt ein Entspannter. Es kamen maximal zehn, eher aber sechs bis acht Kinder. Außerdem wurden die Öffnungszeiten des Kindergartens auf 8 bis 12 Uhr gelegt. Trotzdem gab es so manches zu tun, denn alle drei Erziehrinnen hatten in diesem Monat Urlaub. Somit mussten Lena, unsere Chefin Mirta und ich diese Aufgaben übernehmen. 

Insgesamt wurde aber nicht viel verändert, der typische Ablauf blieb gleich, was ich ein bisschen schade fand – für meinen Geschmack hätte man mit den wenigen Kindern auch mal einen Ausflug oder zumindest auf die Wiese vor dem Kindergarten gehen können. Scheinbar wurde diese Wiese früher auch mal als Spielplatz benutzt; es gibt dort zwei alte Wippen, eine etwas windschiefe Rutsche und ein Schaukelgerüst. Vor einigen Wochen sollte ich auch eine alte Metallkonstruktion (eine Art Leiter, die sich aber in Halbkreisform dem Boden neigt) mit frischer Farbe bepinseln. Außerdem wurde mir gesagt, dass die erwähnten Spielgeräte neu gestrichen werden sollen – seitdem war aber nicht mehr die Rede davon. 

In allzu naher Zukunft wird dieser Plan auch nicht verwirklicht werden können, schließlich kommen wieder immer mehr Kinder in den Kindergarten. Bei vielen Kindern ist interessant zu beobachten, wie groß sie über die Ferien geworden sind. Andere hingegen scheinen ihre Entwicklung vorerst pausiert zu haben. Besonders die beiden ältesten Kinder, die aus ihrer Gruppe zurückgeblieben und noch nicht in die Schule gekommen sind, heimsen sich viel „Ärger“ für ihre Art ein, da sie trotz ihres Alters zum Beispiel nicht stillsitzen können. Teilweise finde ich diese Umgangsweise zu hart, andererseits kann man sich bei diesen Kindern auch nicht vorstellen, sie einschulen zu lassen. 


Ansonsten war aber wie gesagt nicht viel los, und so ging es scheinbar auch ganz Parana, da die (Studenten-)Stadt teilweise wie leergefegt zu sein schien. Auch in unserem Studentenwohnheim waren wir fast ganz alleine. Anscheinend fahren viele Studenten über die Ferien zu ihren Familien, und insgesamt gehen die Menschen erst sehr spät aus ihren Häusern – einerseits wergen den Ferien, andererseits wegen der Hitze. Aktuell hält sich die Temperatur über 30 Grad, nur manchmal, wenn es regnet, kühlt es ab auf ca. 28 Grad. 

Also haben auch wir nicht gerade viel unternommen. An einem Wochenende fand im Freilichttheater am Rio Parana ein Konzert statt, zu dem wir mit einem Freund gingen. Zuerst traten zwei etwas unbekanntere (wie uns gesagt wurde) Bands auf. Diese spielten Coverversionen von bekannten argentinischen Hits. Danach trat eine wohl sehr berühmte Band auf, was gut an der Reaktion der Menschen abzulesen war – wo vorher noch gesessen wurde, wurde jetzt getanzt und mitgesungen. Das war ein sehr schönes Erlebnis und danach haben wir uns noch mit einigen weiteren Leuten auf ein Bier getroffen. 

Außerdem wurde uns ein Freibad in der Nähe gezeigt, wohin wir jetzt zwei Mal die Woche gehen, solange es noch offen hat. 

Das war also der Januar, jetzt geht es mit mehr Arbeit weiter! Bis zum nächsten Bericht,

Jakob

5 Monate in Argentinien

Zuerst einmal: Frohes neues Jahr!

Mit dem Jahreswechsel ist nun fast die Hälfte meiner Zeit in Argentinien herum, bereits fünf Monate bin ich schon hier. Für mich fühlt es sich so an, als ob die Zeit rennen würde, der Gedanke an die Heimreise ist noch sehr weit entfernt.

Dazu trägt natürlich auch bei, dass der vergangene Monat überaus ereignisreich war. Lena und ich waren an Weihnachten bei der Familie unseres Ansprechpartners Juan eingeladen, mit dem wir auch im Weihnachtsgottesdienst eine kleine Präsentation über die Unterschiede der Weihnachtsfeste in Argentinien und Deutschland hielten. 

Der Gottesdienst begann um 20:30 Uhr und ging ca. eine Stunde. Es war ein sehr „bunter“ Gottesdienst mit viel Gesang und Vorführungen, darunter auch ein kleines Krippenspiel (leider ohne Kinder aus dem Kindergarten), was ich sehr schön fand. Es wurden sogar zwei deutsche Weihnachtslieder gesungen. Durch den Gottesdient kam für mich das erste Mal wirklich Weihnachtsstimmung auf, vorher war dies auf Grund von fehlender Dekoration und der allgemeinen sommerlichen Stimmung eher schwierig. 

Nach dem Gottesdienst ging es dann zu Juans Haus und es wurde viel gegessen und auch ein paar Geschenke ausgepackt. Der Abend war wie der Gottesdienst sehr schön, ich fühlte mich willkommen und immer einbezogen. Der wahrscheinlich größte Unterschied zum Fest in Deutschland war die Uhrzeit der Feier; sie ging von ca. 22 Uhr bis drei Uhr morgens, was ungewöhnlich war, aber auch seine guten Seiten hatte, da der Abend, bzw. Tag so nicht so schnell vorbei war. 

Zwei Tage später stand für mich das nächste Ereignis an, mein erster Urlaub in Argentinien. Ich bin mit einer Freundin für eine Woche nach Patagonien, in den Süden Argentiniens gefahren. Unser erstes Ziel war El Calafate, am südlichen Ende des Nationalparks „Parque Nacional Los Glaciares“. Besichtigt haben wir dort zunächst den Gletscher Perito Moreno, welcher auf Grund seiner Größe sehr eindrucksvoll war. Außerdem war auch die Umgebung im Nationalpark äußerst schön anzusehen. Leider mussten wir dorthin eine Tour buchen, da wir ohne Auto nicht die Möglichkeit hatten, den Gletscher zu besichtigen. 

Unter vielen anderen Touris zu sein zählt nicht gerade zu den Träumen meiner schlaflosen Nächte, aber für das eine Mal war es auszuhalten. Außerdem haben wir eine Bootstour gemacht, wodurch man den Gletscher noch besser zu sehen bekam, was die anderen Umstände relativierte. 

An den anderen zwei Tagen, die wir dort waren, haben wir uns das nähere Umfeld, hautsächlich aber den Lago Argentino angschaut.

Danach ging es mit dem Bus weiter nach El Chalten, was nördlich von El Calafate liegt. Dort war es natürlich auch touristisch, was aber viel weniger auffiel, da wir dort keine Touren buchen mussten, um zu den Zielorten zu gelangen: Es wurde gewandert. 

Direkt nach Ankunft brachen wir zu einer der längeren Routen auf, in Richtung des Cerro Torres Am Fuße dieser Bergformation befindet sich eine Lagune, die das Ziel des Trips war. Wir sind insgesamt 18 Kilometer gelaufen, was sich für den Ausblick sehr lohnte. 

Direkt neben dem Cerro Torre befindet sich der Fitz Roy, zu dem wir am darauffolgenden Tag gewandert sind. Diese Wanderung war 20 Kilometer lang, und bei unglaublicher Hitze kamen wir ziemlich kaputt wieder zurück. Gut, dass die noch übrigen Wege nur vier und sechs Kilometer lang sind, dadurch waren die beiden letzten Tage weniger anstrengend, natürlich bieten diese Wege aber nicht so eine schöne Aussicht wie die ersten beiden. 

Insgesamt war der Urlaub recht schnell vorbei, aber dennoch unglaublich schön. So viel es mir nicht sofort leicht, wieder in den Alltag zu starten, weswegen die letzte Woche mit etwas Stress verbunden war. Zu meinem Vorteil hat der Kindergarten wegen der Sommerferien im Januar nur vier Stunden am Tag auf… 

Mittlerweile habe ich mich wieder gut eingelebt, doch bald muss ich schon wieder los, da in wenigen Tagen das Zwischenseminar in der Nähe von Buenos Aires stattfindet. Von dem werde ich dann im nächsten Bericht berichten.

4 Monate in Argentinien

Nun ist bereits ein Drittel meiner Zeit hier in Argentinien vergangen und Weihnachten naht. Dass sich das gar nicht so anfühlt, liegt wahrscheinlich an den hohen Temperaturen und der Jahreszeit insgesamt, schließlich wird dieses Weihnachtsfest das erste sein, welches ich im Sommer feiern werde. 

Zu Gast werden wir bei unserem Mentor und seiner Familie sein, worauf ich schon sehr gespannt bin. Mal sehen, ob das Fest dem in Deutschland ähnelt. 

Dekorationen gibt es bisher noch kaum, aber vielleicht kommt das noch, da es hier keine Adventszeit gibt. Am ersten Adventssonntag gab es aber in der kleinen evangelischen Kirche einen Gottesdienst, welcher aber auch keine Anzeichen auf die bevorstehende Zeit gab. Leider ist die Kirche so klein, dass es keinen Pastor gibt, weshalb der Gottesdienst mehr im Gemeinschaftsverfahren geleitet wird; es gibt viele Vorlesungen aus der Bibel und viele Lieder. So dauerte der Gottesdienst immerhin eine ganze Stunde an, was lustigerweise länger als zu Hause in Zarpen ist.   

Wie schon einmal erwähnt, geht hier das Schuljahr nicht wie in Deutschland von August / September bis Juli, sondern von Februar bis Dezember. Das bedeutet, dass sich das Kindergartenjahr auch dem Ende neigt. Zu diesem Anlass gibt es diesen Freitag eine Abschlussfeier im Kindergarten, von deren Programm wir noch nicht sehr viel wissen, aber jede Gruppe führt einen kleinen Tanz auf und es gibt Essen und Trinken. Außerdem werden amerikanisch anmutende Hüte für die Absolventen der Gruppe Drei gebastelt. Leider schaffen drei Kinder den Sprung in die Vorschule nicht, da sie noch etwas zu klein sind. Wir müssen uns also nicht an eine ganz neue Gruppe gewöhnen. 

Diese Veränderung wird die größte seit langer Zeit sein. Der Tagesablauf ist jeden Tag der Gleiche. An dieser Stelle möchte ich die Gelegenheit nutzen, zumindest den Morgen etwas genauer zu beschreiben.

Wenn wir um 7:29 Uhr die Treppe runter zum Kindergarten gehen, um pünktlich um 7:30 Uhr anzukommen, erwarten uns bereits zwei Kindergärtnerinnen und einige wenige Kinder, von denen die Meisten noch, bzw. wieder schlafen. Wir setzen uns dann an einen Tisch, wo wir die erste halbe Stunde verbringen, da es dort noch nicht zu tun gibt; die Erzieherinnen nutzen diese Zeit um zu Frühstücken. Ab 8 Uhr kommen dann immer mehr Kinder, die dann, noch etwas verschlafen, spielen. In dieser Zeit spielen wir mit den Kindern oder passen auf sie auf, häufig fehlt so früh am Morgen einfach noch die Energie herumzutoben. In Argentinien sind die Tage bekanntlich länger als in Deutschland, weshalb die Kinder teilweise auch bis Mitternacht aufbleiben. 

Um 8:30 Uhr ist es Zeit für das Frühstück. Dazu gibt es Kekse und Milch oder Kakao. Hierbei erzählen die älteren Kinder den Erzieherinnen häufig Dinge aus den letzten Tagen oder fragen stolz, ob sie nach dem Aufsagen des Gebets zu Beginn der Mahlzeit gehört wurden. Die Kinder sitzen ziemlich ruhig, bis dann um 8:45 eine weitere Erzieherin kommt, wodurch einige Kinder dann etwas unruhig werden und aufstehen wollen, um sie zu begrüßen. 

Alle Kinder müssen aber sitzen bleiben und die Erzieherin geht um den Tisch und begrüßt jedes Kind mit Handschlag oder Kuss. Danach wird der erste Mate eingeschenkt und die Erzieherinnen unterhalten sich über den letzten oder kommenden Tag, andere besondere Ereignisse oder – natürlich- das Wetter. Das Wetter scheint hier Gesprächsthema Nummer eins zu sein, was aber verständlich ist, da viele Themen wie Politik zu sensibel sind und somit für eine nette Unterhaltung nicht geeignet sind. 

So richtig höre ich bei den Unterhaltungen der Kindergärtnerinnen aber nicht hin, da mittlerweile die vierte und letzte Erzieherin gekommen ist und die Einjährigen (eigentlich schon zwei) kaum auf ihren Stühlen zu halten sind und somit alle Hände voll zu tun ist. 

Nach dem Frühstück wird die Flagge gehisst und gesungen. Dazu ist dann auch die Chefin dabei. Danach geht es ans spielen der Tag nimmt seinen Lauf. Dies war an zwei Tagen im letzten Monat aber nicht der Fall.

Anlässlich der neuen Kinderrechte wurden die Familien eingeladen, im Kindergarten ein Fest zu feiern. Dazu wurden verschiedene Stationen aufgebaut, beispielsweise gab es Crocket, Verkleidungen und andere Spiele. Das war sehr schön, da ich die Chance hatte, viele Elternteile kennenzulernen, die ich bisher noch nicht kannte. Außerdem hatten die Kinder viel Spaß und es stellte eine Abwechslung des Alltags dar. Gedauert hat diese Veranstaltung leider nur zwei Stunden, wodurch ich das Gefühl hatte, dass die Feier gerade begonnen hatte und schon wieder aufhörte. 

Eine weitere Abwechslung war dann der Zahnarztbesuch im Kindergarten, zu dem ein animierter Kurzfilm gezeigt wurde, in dem auf Karies aufmerksam gemacht werden sollte, was auch dringend nötig ist, da sehr viele Kinder Karies oder sogar einen bereits verfaulten Zahn haben. Nach dem Film gab es dann eine Vorführung, wie man sich richtig die Zähne putzt, was die Kinder dann auch mit Einmalzahnbürsten selbst ausprobieren konnten. Insgesamt hat mich der Vormittag sehr an einen Besuch eines Zahnarztes in Deutschland erinnert, offen bleibt aber natürlich, ob das erlernte auch umgesetzt wird. Aufmerksam und interessiert waren die meisten Kinder aber.

Weihnachten steht jetzt also vor der Tür und ich wünsche allen ein fröhliches und gesegnetes Weihnachtsfest.