Die ersten Tage in Paraná

Am Freitag wurden Emil und ich morgens um halb 8 abgeholt und es ging los zum Busbahnhof von Buenos Aires. Nach einer kurzen Wartezeit und dem Abgeben unser viel zu vielen Koffer haben wir erstmal den Schlaf nachgeholt und kamen dann nachmittags um 5 Uhr in unserer neuen Heimat an. Hier wurden wir von unserer tollen Mentorin Mónica empfangen, mit der wir dann gemeinsam zu unserem Apartment und gleichzeitig unserer Einsatzstelle (direkt unter uns) gefahren sind. Dort haben wir zu zweit eine schöne Wohnung, die aus einem Wohnzimmer mit Küchenzeile, einem eigenen Bad und einem geteilten Schlafzimmer besteht.

Am Abend ging es dann nach einer kurzen Verschnaufpause und Frischmachen zu einem Treffen der „Jóvenes Paraná“, der Jugendgruppe der Kirche vor Ort. Hier haben wir uns mit anderen Student*innen und dem Pastor nett unterhalten und ein neues Kartenspiel kennengelernt: Chinchón de 4 cartas. Jede*r startet mit 4 Karten. Alle geben gleichzeitig eine Karte nach rechts und bekommen eine von links, dabei wird „¡Che va!“ gerufen. Ziel ist es, 4 gleiche Karten zu sammeln. Wer das schafft, ruft ein vereinbartes Signalwort und legt die Hand in die Mitte. Alle anderen legen nach, der letzte verliert. Durch die Schnelligkeit ist es ein spannendes und lustiges Spiel, bei dem auch Glück eine Rolle spielt.

Dabei haben wir Mate getrunken – für die, die sich jetzt fragen, was Mate überhaupt ist, hier eine kurze Erklärung: 

Mate ist ein Aufgussgetränk aus den Blättern der Stechpalme Ilex paraguariensis, das Yerba Mate heißt. Dafür braucht man drei Dinge. Den mate, also den Becher sowie die bombilla, ein Metallrohr mit einem Sieb am unteren Ende, das als Strohhalm dient. Und schließlich die yerba mate, die getrockneten und geschnittenen Blätter, aus denen der Aufguss bereitet wird. Es ist aber nicht nur ein Getränk, sondern ein Ritual: Mate wird meistens gemeinsam getrunken. Eine Person, der Cebador, bereitet den Mate zu und reicht ihn reihum. Jeder trinkt den Mate aus, gibt ihn zurück, und der Cebador füllt neu auf. Es gibt nur einen Becher und eine Bombilla für alle, das Teilen gehört fest dazu. Wenn man Danke sagt, bedeutet das dass man nichts mehr möchte. In Argentinien gibt es dabei je nach Region und Kontext Unterschiede, wie genau Mate zubereitet oder getrunken wird.

Dazu gab es Empanadas, Pizza und als Nachtisch verschiedene Eissorten. Auch hier gab es wieder die Sorte „Dulce de Leche“, eine süße Milchkaramell-Creme. Die hatten wir schon als Brotaufstrich in Buenos Aires und wird auch für Alfajores verwendet, die ich zufälligerweise gerade beim Schreiben neben mir liegen habe. Danach haben wir noch bis nachts unsere Sachen weiter einsortiert und soweit es ging die Wohnung eingerichtet, auch wenn Dekorationen und Pflanzen noch fehlen. 

Alfajores

Am Samstag haben wir erstmal lange ausgeschlafen und haben danach mit Sol und Cami unseren ersten Einkauf gemacht. Wir haben in der Nähe einen Supermarkt der üblichen Größe, aber auch einen sehr großen Markt, der von unseren Mitbewohner*innen mit einem Walmart in den USA verglichen wurde. Wir sind zu dem größeren “Chango Mâs” gegangen und haben erstmal alles gekauft, was wir die nächsten Tage brauchen – unsere neuen Freund*innen waren dabei eine große Hilfe, um nicht unnötig Geld auszugeben und um zu wissen, was wo gekauft wird. Fleisch, Käse, Obst und Gemüse werden in extra Läden gekauft, da es dort günstiger ist. Die Fleischerei war leider zu, aber an Obst und Gemüse haben wir fast genug für den gesamten nächsten Monat gekauft. Yerba für Mate haben wir schon gekauft, jetzt fehlt uns noch ein Mate Becher mit bombilla und eine Thermoskanne. 

Nach dem Einkaufen saßen wir noch etwas mit Sol und Cami zusammen, bis wir mit dem Abendessen bzw. eigentlich unserem Mittagessen angefangen haben. Wir haben uns für Burger, mit Bratkartoffeln und Salat entschieden. Und ohne hier zu viel Selbstlob zu vergeben, muss ich sagen, dass es echt gut geworden ist. 

Am nächsten Tag waren wir bei unserer Mentorin Mónica mit ihrer Familie zum Grillen eingeladen. Als Vorspeise gab es kleine Häppchen in Form von Chips, Käse, Salami und Schinkenscheiben. Danach gab es Ofenkartoffeln, verschiedenes Gemüse und vor allem Fleisch & gegrillten Kürbis mit Zucker. Nicht nur war das Essen sehr reichhaltig und vor allem sehr lecker, sondern auch die Gespräche mit der Familie waren sehr schön und interessant, auch wenn unser Spanisch (nett ausgedrückt) noch viel Potenzial nach oben hat. Mónica und Thiago sprechen etwas Deutsch und Thiago konnte uns mit seinem Englisch sehr gut unterstützen. Zur Familie gehört auch 2-Pac, eine süße Bulldogge, die konstant gestreichelt werden möchte.

Als Nachtisch gab es noch Eis, danach sind wir mit Thiago (den wir schon Freitag Abend kennengelernt haben) und seiner Freundin Marti zu dem, laut ihm, schönsten Park “Parque Urquiza” gefahren. Und ich muss sagen, sie hatten recht! Der Park war riesig und direkt am Fluss gelegen, überall waren Palmen und blühende Lapacho rosado, die mich etwas an blühende Kirschbäume erinnert haben. Es war mega schön, auch wenn es echt heiß war – ich will nicht wissen, wie es sich im Sommer anfühlen wird. Ansonsten haben wir noch ein paar Aufgaben erledigt: Wäsche waschen, Aufräumen und neuen Content für unseren Instagram-Account kreiert. 

Am Montag hatten wir unseren ersten Arbeitstag im Kindergarten. Der Kindergarten Caminito („Ein Weg für die Kleinen“) wird von der örtlichen Kirche getragen und setzt sich seit mehreren Jahrzehnten für Kinderrechte und Gesundheitsförderung ein. Die Kinder erhalten hier Betreuung, Frühstück und Mittagessen. Es war schön, endlich die Einsatzstelle kennenzulernen und unsere erste Woche hat uns sehr gut gefallen. Sobald wir ein paar Wochen dort verbracht haben, wird zu unserer Arbeit und dem Projekt auch ein ausführlicher Blog-Beitrag kommen.

Insgesamt bin ich hier sehr glücklich (glaube das lässt sich ganz gut an der Anzahl von “sehr” in diesem Text heraushören) und wir haben direkt viele neue, tolle Menschen kennengelernt und unsere ersten Freundschaften geschlossen.

Lollapalooza in Buenos Aires

So nun sind schon wieder 2 Monate um und hier sitze ich und schreibe meinen
vorletzten Blogbeitrag. Es waren ereignisreiche 2 Monate. Meine Eltern waren zu
Besuch und zusammen waren wir 2 Wochen in Brasilien. Außerdem war ich mit
meinen Freunden zusammen auf dem Lollapalooza (ein internationales Festival,
welches auch in Buenos Aires stattfindet). Außerdem haben sich bei der Arbeit
ein paar Dinge ins positive verändert was jetzt für die letzten 3,5 Monate natürlich
sehr schön ist. Aber fangen wir von vorne an.

Besuch meiner Familie+ Trip nach Brasilien:
Ende Februar ist meine Familie in Buenos Aires angekommen. Wir haben uns
dann das erste mal nach 8 Monaten wiedergesehen. Das war super super schön!
Nach ein paar Tagen Buenos Aires ging es dann nach Brasilien. Ich bin für diese
Reise auch im Nachhinein noch sehr sehr dankbar, da ich absolut weiß, was für
ein großes Privileg es ist so eine einmalige Reise so jung machen zu dürfen.
Unsere erste Station war Rio de Janeiro. Wir sind zu den letzten Tagen des
Karnevals nach Rio gefahren, was das Ganze natürlich nochmal mehr besonders
gemacht hat. Rio hat mich wirklich etwas verzaubert. Es ist nochmal so anders
als Buenos Aires und einfach ein super coole Stadt. Die Vegetation, die Sprache,
das Essen es war einfach sehr beeindruckend. Mein Highlight in Rio war definitiv
das Sambódromo. Dort treten die Sambaschulen in einer Art Wettkampf auf. Die
Umzüge waren echt sehr beeindruckend. In Rio waren wir dann am Ende 3-4 Tage
was auch definitiv gereicht hat, da es gerade wegen dem Karneval unglaublich
überfüllt überall war. Deshalb war ich dann froh, als wir zu unserem nächsten
Stopp gefahren sind. Paraty. Das ist ein eher kleineres süßes Dorf was sehr
angenehm nach den Massen in Rio war. Nach ein paar Tagen dort sind wir weiter
gereist auf die Ilha Grande. Das ist eine Insel in der Nähe von Rio und hat mich
komplett geflasht und war definitiv mein Highlight der Reise. Es war einfach diese
Kombination aus Dschungel, Strand und Meer. Ich war davor noch nie auf solch
einer Insel, was das ganze sehr besonders für mich gemacht hat. Nach etwa 2
Wochen ging es für mich und meine Familie wieder zurück nach Buenos Aires.
Nach ein paar Tagen dort war dann Abschied angesagt. Das war natürlich erstmal
ziemlich traurig, aber es war natürlich nicht mit dem Abschied im August
vergleichbar, da ich mir auch zu dem Zeitpunkt bewusst war, das ich sie zu dem
damaligen Zeitpunkt bereits in 4 Monaten wiedersehen würde.

Festival:
Lollapalooza war echt eine coole Zeit. Das Festival ging 3 Tage lang. Es waren
echt coole Acts dabei wie: Shawn Mendes, Rüfüs de Sol und viele argentinische
Bands wo mein persönliches Highlight CA7RIEL& Paco Amoroso waren. Was ich
besonders gut an dem Festival fand war das ich dadurch noch mehr
argentinische Artists kennenglernt habe. Nach den 3 Tagen war ich dann echt
ziemlich erschöpft, aber es hat sich definitiv gelohnt.

Lollapalooza in Buenos Aires

Änderungen auf der Arbeit:
Gerade im März hat sich bei mir auf der Arbeit einiges geändert. Erstmal hat mein
Projekt La Casona wieder an mehreren Wochentage auf. Das war schonmal sehr
gut, da zu wenig Arbeit natürlich auch nicht gut ist. Außerdem bieten Gloria
(meine Mitfreiwillige) und ich mittlerweile einen eigenen Musikkurs an. Außerdem
leiten wir jetzt einmal monatlich den Kurs in der Bäckerei an. Das bereitet vor
allem mir sehr viel Freude, weil wir dadurch unsere eigenen Rezepte im taller
(Kurs) machen. Vor 2 Wochen erst haben wir zusammen mit den Kindern Brezeln
gebacken. Aber nochmal zum Musiktaller: Es ist natürlich auf der einen Seite
super schön den Kurs anbieten zu können, stellt sich aber auch als größere
Herausforderung heraus als wir im vorhinein dachten. Was nämlich gut ist das es
relativ viele Instrumente in der Casona haben. Gloria und ich spielen jeweils
Klavier und Gitarre. Da dachten wir uns, dass es ja theoretisch sehr schön wäre
den Kindern ein bisschen beizubringen was wir so wissen, da sie auch schon
öfter ihr Interesse daran geäußert haben, ein Instrument zu lernen. Allerdings sind
wir dann nach ein paar Stunden zu dem Schluss gekommen, das es echt
schwieriger ist als wir dachten einer anderen Person ein Instrument beizubringen.
Da haben wir mal wieder gemerkt, das wir am Ende des Tages auch keinerlei
Ausbildung oder Erfahrung mitbringen, was unterrichten angeht. Das war
natürlich am Anfang etwas frustrierend. Jetzt haben wir uns dazu entschieden
etwas einfachere Projekte anzugehen, die realistischer sind umzusetzen. Ich
hoffe das wir damit in Zukunft mehr Erfolg haben werden.

Wochenendtrips nach Gualegauychu und Montevideo

Und schon wieder sind zwei Monate um. Die Zeit ist mal wieder wie im Flug
vergangen. Hier in Argentinien ist es erst Herbst und jetzt allmählich Winter
geworden. Ich persönlich hab es sehr angenehm gefunden, als es wieder kälter
geworden ist. Das liegt daran, das der Sommer in Argentinien teilweise schon
anstrengend war, aufgrund der hohen Temperaturen. Jedenfalls ist auch in den
letzten 2 Monaten mal wieder vieles passiert. Manche Dinge haben sich
verändert, aber vieles bleibt gleich. Ich habe meine Routine gefunden, was sehr
schön ist. Natürlich war diese Anfangsphase natürlich auch toll, wo noch alles
und jeder neu war, allerdings ist es mit der Zeit schön seine Routinen. Obwohl ich
jetzt in meinem Alltag mehr Routine und viele gewohnte Abläufe habe, sind
definitiv auch Dinge hervorzuheben. Meine Highlights der letzten zwei Monate
waren definitiv mein Wochenendtrip nach Uruguay und Gualegauychu, und mein
erstes Fußballspiel von Quilmes.

Auch lag in den letzten zwei Monaten Ostern.
Das war auch ziemlich besonders, weil es auch mein erstes Ostern weg von
zuhause war. Aber fangen wir mal am Anfang an:

La Casona (Mein Projekt):
In meinem Projekt läuft es nach wie vor ziemlich gut. Ich habe das Gefühl bei der
Arbeit komplett angekommen zu sein. Ich kenne alle Mitarbeitenden und Kinder,
alle Räume Abläufe der Casona. Das ist sehr schön, da ich inzwischen auch
meine eigene Rolle in diese Abläufe gefunden. Gerade am Anfang hatte ich ja
starke Probleme mit langweile, aber das ist jetzt viel besser. Ich habe für mich
persönlich gemerkt, das mir bei Arbeit mit Kindern, am meisten Dinge Spaß
machen, die mir auch damals Kind Spaß gemacht bzw. immer noch Spaß
machen. So ist es dazukommen, das meine Mitfreiwillige und ich mittlerweile
einen Art Origami-taller (Kurs) anbieten. Das macht mir persönlich sehr viel Spaß.
Außerdem spielen wir mit den Kindern regelmäßig Feuer-Wasser-Luft (inzwischen
mit vielen vielen Extrakategorien). Das ist inzwischen zu einem Dauerbrenner
geworden. Und außerdem arbeiten wir gerade noch weiter daran in einem der
Innenräume der Casona eine Wandmalerei mit den Kindern zu machen.
Zusammenfassend kann ich sagen das ich wirklich sehr dankbar für meine
Entwicklung auf der Arbeit bin. Inzwischen gehe ich eigentlich immer zufrieden
nach Hause. Gerade jetzt wo ich diesen Blog schreibe und nur noch 2 Monate
bleiben, stimmt mich das schon etwas Nostalgisch bzw. traurig, da ich weiß das
ich viele von den Kindern wahrscheinlich nie wieder sehen werde. Das ist schon
ein komischer Gedanke, jetzt wo ich so viel Zeit mit ihnen verbracht habe. Na ja
jetzt bleiben auf der Arbeit noch ein paar Wochen und die versuche ich auf jeden
Fall richtig zu genießen!!

Uruguay, Gualegauychu:
Über ein verlängertes Wochenende sind meine Freunde und ich nach Montevideo
und Colonia gefahren. Das war wie bisher all meine Wochenendtrips extrem
schön. In Montevideo waren wir Freiwillige besuchen. Das war sehr sehr schön.
Ich finde es nämlich immer interessant wie und an was für einem Ort die anderen
Freiwilligen leben. Wir machen zwar in vielen Bereichen sehr viel gleich, aber es
gibt dann doch noch immer mehr Unterschiede als man denkt. Colonia ist ein
altes Städtchen circa 3 Stunden mit dem Bus von Montevideo entfernt. Dort war
ich zwar nur eine Nacht, aber es hat sich sehr gelohnt. Colonia ist zwar sehr klein
aber hat sehr viel Charme und war ein sehr schöner Abstecher. Gualegauychu ist
ungefähr 4 Stunden von Buenos Aires entfernt. Dort hatte ich eine sehr sehr
schöne Zeit. Wir waren auf einer Fahrradtour haben gemeinsam gekocht und viel
Spaß gehabt. Generell zu meinen Wochenendtrips kann ich sagen das ich diese
immer sehr genieße. Sie holen einem komplett aus seinem Alltag raus, obwohl es
nur ein paar Tage sind.

Strand in Montevideo

Fußballspiel Quilmes:
Im Mai war ich auf einem Fußballspiel von Quilmes. Das hatten Gloria (meine
Mitfreiwillige) unserer gemeinsamen Freundin Ida zum Geburtstag geschenkt.
Das war eine sehr coole interessante Erfahrung. Ich habe das Gefühl, das Gefühl
das Fußball hier noch einmal vielmehr Teil der Kultur ist. Gerade das Quilmes
Spiel war in intergenerationales Event. Von Baby im Kinderwagen bis hin zu
Menschen weit über 70 waren alle Altersgruppen da. Das Spiel war echt richtig
cool. Ich hatte richtig das Gefühl einen wichtigen Teil der Kultur und Identität
vieler argentinischer Menschen kennezulernen.

Beim Quilmes Fußballspiel

Gedankenwirrwarr und was sonst noch so ansteht…

Hey, hey, 10 Monate sind rum und damit ist das hier einfach der letzte Blog, den ich aus dem Ausland schreibe – verrückt, wie unfassbar schnell doch die Zeit vorbeigeht. Ich habe das Gefühl mittlerweile kann man echt langsam die Wochen zählen, viel ist schon vollgeplant und es entsteht schon eine ganz komische Gefühlsmischung aus Endlich-nach-Hause und Ich-will-gar-nicht-von-hier-weg. Alles Gedanken, die mich gerade irgendwie nicht loslassen… Ich denke die letzten anderthalb Monate werden eine emotionale und auf jeden Fall wunderschöne Zeit. Noch einmal alles aufsaugen, bevor man es dann erstmal für ganz lange nicht mehr so hat oder vielleicht auch nie wieder so haben wird:

Kinderlachen, Straßenlärm, Gespräche mit den Nachbarn im Flur, Papageienkrächzen, Spielerunden mit Freunden, Mate trinken und mit Keksen im Park sitzen, beim Volleyball in der Halle stehen, der tägliche Klang von Spanisch – all die Gerüche, die man täglich einatmet; die Geräusche, die man tägliche hört; die vielen Dinge, die man täglich aufs Neue sieht und die vielen Erlebnisse und Begegnungen, die einen den Alltag schöner machen.

All das und noch viel mehr wird fehlen, sobald ich gehe und es wird erstmal wieder eine Umstellung kommen. Man hat sich über ein Jahr ein Leben in einem anderen Land mit einer anderen Sprache, anderen Menschen und einer anderen Kultur aufgebaut und kommt dann auf einmal wieder zurück.

Aber ganz so weit will ich dann jetzt doch noch nicht denken. Denn mir bleibt hier ja schon noch ein wenig Zeit und die möchte ich auf jeden Fall gut nutzen und das werde ich bestimmt auch, denn es steht noch viel Tolles an:

Nächste Woche geht es nämlich schon nach Buenos Aires. Vom 24.-27.06. findet unser Endseminar statt! Und da am Freitag zuvor schon Feiertag ist, ist das eine super Gelegenheit, um nochmal ein verlängertes Wochenende in der Hauptstadt zu verbringen. In der Zeit sind dann auch schon die meisten andere Freiwillige da mit denen viel gelacht, gequatscht und erlebt wird, bevor es dann auf zum eigentlichen Seminar geht.

Auch auf die Seminartage freue ich mich schon sehr, denn was ich vor dem Auslandsjahr ein bisschen unterschätzt hatte, ist doch, wie sehr mir persönlich die Seminare helfen. Es ist Zeit, um mal kurz aus dem Alltag rauszukommen, um Freunde wiederzusehen, um ganz viel über sich selbst, seine Rolle, seine Art hier zu leben nachzudenken und zu lernen. Und es bietet auch direkt ganz viele Möglichkeiten zum Austausch. Denn man kann noch so viel Kontakt mit Familie und Freunden in Deutschland haben und denen noch so viel erzählen über sein Leben, seine Erfolge und seine Probleme hier – am Ende verstehen einen immer noch am besten die Mitfreiwilligen, die in der gleichen Situation sind, die oft auch die gleichen Gedanken und Probleme haben und wo man sich gegenseitig helfen und stützen kann. Und mit denen man sich umso mehr über schöne Erlebnisse, Erfahrungen und Erfolge freut. Dementsprechend denke ich, dass das Seminar wieder einmal wunderschön werden wird und wahrscheinlich, wie immer, viel zu schnell vorbeigehen wird.

Das Wochenende danach verbringe ich auch noch in Buenos Aires mit vielen Mitfreiwilligen und es wird schon ein erster Abschied werden. Denn da die Freiwilligen der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata – meiner Partnerorganisation) von mehreren deutschen Organisationen kommen und auch alle deutschen Organisationen ihre eigenen Rückflugdaten Ende Juli/Anfang August haben, wird es tatsächlich so sein, dass man einige der Freiwilligen zum letzten Mal sieht. Irgendwie komisch, wenn man darüber nachdenkt, dass einen diese Menschen schon seit 10 Monaten im Ausland begleiten und jetzt nach dem Jahr wieder alle ihre eigenen Wege gehen. Aber natürlich heißt das alles nicht, dass man sich in Deutschland nicht wiedersehen kann und vor allem die Freundschaften, die man hier innerhalb der Gruppe geschlossen hat, werden bestimmt noch weiterbestehen.

Nach dem Seminar geht dann wirklich der Countdown langsam los, denn meine letzten 4 Wochen in Paraná stehen an. Am ersten Juliwochenende wird es nochmal auf ein Campamento, also ein Zeltlager der Jugendlichen der IERP in meiner Provinz (Entre Ríos) gehen, wo meine Mitfreiwillige und ich zusammen hinfahren werden. Unsere Nachbarn kommen auch mit und dadurch, dass wir im September, kurz nach unserer Ankunft, auch schon mal auf einem Campamento dort waren, kennen wir schon einige Leute und es ist schön, alle noch einmal wiederzusehen und eine weitere Fahrtenerfahrung zu machen. Jetzt vielleicht auch mit ein bisschen mehr Verständnis, besseren Sprachkenntnissen und nochmal einem neuen Blick auf einige Dinge.

Das Wochenende darauf bekommen wir nochmal Besuch. Mia, eine Mitfreiwillige aus Buenos Aires wird vorbeikommen und ich freue mich schon sehr darauf ihr Paraná zu zeigen und nochmal Zeit zusammen zu genießen. Bereits letztes Wochenende hatten wir schon Besuch von drei Mitfreiwilligen aus Buenos Aires und es war unfassbar schön. Wir konnten die schönsten Ecke von Paraná zeigen, zusammen zum Volleyball gehen und mit Freunden Billard spielen. Wir haben das Wochenende also in vollen Zügen genossen und konnten unsere Mitfreiwilligen auch von der Schönheit Paranás überzeugen, obwohl sie das vielleicht anfangs gar nicht so erwartet hatten.

Abgesehen davon haben die Universitäten hier im Juli vorlesungsfreie Zeit, was bedeutet, dass die Freunde, die studieren, dann mehr Freizeit haben und endlich mit ihrer gerade sehr anstrengenden Klausurenphase durch sind. Also viel Zeit für viele Aktivitäten!

Der Juli ist noch lang und der Juli hat noch viel Platz, um Dinge zu erleben – so sehe ich es zumindest. Noch einmal ins Lieblingscafé gehen, auf einen Markt gehen, einen Sonnenuntergang an der Flusspromenade genießen, Empanadas und Torta fritas machen, ein Volleyballspiel angucken, einen Glühwein mit den Leuten vom Deutschkurs trinken, eine Runde Fahrrad zum Hippodrom fahren, Mate nochmal so richtig genießen, Quatsch mit den Kindergartenkindern machen, den Babys in der Kita beim Laufen lernen zusehen und noch viel mehr.

Und dann auch am Ende anfangen Koffer zu packen, das Leben was man sich hier für ein Jahr aufgebaut hat, irgendwie versuchen „einzupacken“, Abschied nehmen und die letzten Tage genießen, bevor es am 28. Juli raus aus Paraná geht, um nach Buenos Aires zu fahren, wo meine Mitfreiwillige am 29.07. schon nach Hause fliegt. Für mich geht es dann am 04.08. in den Flieger zurück nach Hause, was auch gleichzeitig heißt mein anderes Zuhause zu verlassen… denn das ist Argentinien auf jeden Fall für mich in diesem Jahr geworden.

Bis dahin, wird die letzte Zeit aber nochmal umso mehr genossen und es werden noch ein paar mehr Erinnerungen für die Ewigkeit geschaffen, die sich dann zu all den schon hier entstanden wundervollen Erinnerungen dazugesellen können! <3

P.S.: Damit der Blog nicht so ganz ohne Fotos bleibt, hier noch ein paar Impressionen aus den letzten zwei Monaten:)

Neues aus Paraná

Hey, hey, jetzt ist es wirklich schon lange her seit meinem letzten Blog und es wird mal wieder Zeit euch auf den neusten Stand zu bringen, denn in den letzten Wochen und Monaten ist echt viel passiert. Was ich auf jeden Fall schon mal von vornerein sagen kann, ist, dass ich in letzter Zeit irgendwie nochmal mehr hier angekommen bin, meine Zeit hier total genossen habe, viel mit Freunden gemacht habe und es mir jetzt schon schwerfällt daran zu denken, dass ich mich in 3 Monaten von alldem hier wieder verabschieden muss… Aber erstmal zu alldem, was in letzter Zeit hier so los war:

Was meine Arbeit im Kindergarten betrifft, hat sich ein wenig was geändert. Einige Wochen nach unserem Zwischenseminar kam unser Referent (von meiner Partnerorganisation, der IERP) uns und unsere Einsatzstelle besuchen und da wir schon vorher einige Probleme hatten, wurde über mögliche Lösungen oder Alternativen gesprochen. Erst stand die Idee im Raum, dass wir auch noch zusätzlich in ein anderes Projekt gehen und dann quasi immer in Wechselwochen arbeiten, aber letztendlich hat sich das doch als zu kompliziert rausgestellt und wir haben entschieden in unserem Projekt zu bleiben. Jetzt wo auch mehr Babys da sind, ist auch automatisch mehr zu tun, da sie mehr Aufmerksamkeit benötigen und für Zeiten, in denen dann doch nichts los ist, kriegen wir teilweise zusätzliche Aufgaben oder haben halt einfach mal eine Pause. Heißt nicht alles im Projekt ist unbedingt besser geworden, aber es wurde sich auf jeden Fall drum bemüht und uns wurde ein besseres Gefühl gegeben für die letzten Monate in denen wir hier noch arbeiten. In zwei Wochen geht jetzt auch eine der Erzieherinnen in Rente und die Stelle wird erstmal nicht neu besetzt, deswegen wird das dann bestimmt auch nochmal mehr Arbeitsaufwand, aber wir werden sehen…

Zusätzlich zur Arbeit im Kindergarten sind meine Mitfreiwillige und ich jetzt auch noch jeden zweiten Samstag bei der Bibelschule in der, direkt am Kindergarten angrenzenden, Kirche der IERP dabei, wo wir einfach ein bisschen mithelfen, mit den Kindern spielen oder uns mit den Eltern unterhalten können.

Auch etwas Neues, was die Kirche hier angeht, ist dass nun alle zwei Wochen ein Angebot für die Jugend der IERP in Paraná angeboten wird. Die Gemeinde hier hat kürzlich einen neuen Pfarrer bekommen und er hat die Jugendtreffen wieder eingeführt. Wir sind zwar nicht viele Jugendliche hier, aber es ist immer total nett!  Wir gehen zusammen mit unseren Nachbarn hin, quatschen dann dort ganz viel, spielen Spiele oder kochen auch – So haben Lina und ich uns auch direkt an typisch argentinischen Empanadas probiert; sehr lecker:)

Auch unabhängig davon ist meine Freizeit echt immer ziemlich gut gefüllt. Wir haben vor einigen Monaten über eine zufällige Begegnung mit einer Deutschlehrerin Kontakt zu weiteren Deutschlehrerinnen hier in Paraná und den Schüler*innen aus ihren Kursen bekommen und hatten auch schon einige Treffen mit den ganzen Kursen, gehen jetzt freitags immer den einen B1+ Kurs besuchen und es haben sich auch privat dadurch gute Freundschaften entwickelt, mit denen man mal in eine Bar geht, sich auf einen Filmeabend trifft oder typisch argentinisch Mate im Park trinkt. Es ist supercool zu sehen, wie Leute von hier sich auch für die deutsche Sprache und das Leben in Deutschland interessieren und vor allem auch dieses Verständnis haben, wie schwer es eigentlich ist eine neue Sprache zu lernen. Da fühlt man sich oft einfach echt gut verstanden! Man kann sich echt super ergänzen und auch wenn fast alle Gespräche auf Spanisch stattfinden, lernen letztendlich doch beide Seiten etwas und es ist einfach ein extrem schöner Austausch!!

Durch eine Freundin vom Sprachkurs sind wir auch nochmal zusätzlich auf ein neues Volleyballteam gekommen. Eine komplett gemischte Mannschaft, wobei die meisten von der technischen Uni hier sind, die komplett freizeitmäßig jeden Dienstagabend spielen, einfach um Spaß zu haben. So haben wir also zusätzlich zu den anderen beiden Malen Volleyball in der Woche, bei denen wir in einer Mannschaft hier mitspielen, noch ein drittes Mal Volleyball und es macht total Spaß!!

Tatsächlich habe ich mich aber in der Woche vor Ostern beim Training verletzt und somit ist die letzten Wochen Volleyball spielen natürlich ausgefallen und stattdessen standen ein kurzer Klinikbesuch, um abzuchecken, was es ist und im Anschluss ganz viel Physiotherapie und im „Bota“ (quasi einen Schuh als Schiene) laufen auf dem Programm. Gottseidank ist es nur eine Verstauchung und kein Bruch, aber leider bin ich immer noch nicht die Schiene los und muss auch nächste Woche noch öfters zur Physiotherapie. Danach sollte es dann aber auch so langsam wieder wie vorher sein, denn schon jetzt ist es auf jeden Fall deutlich besser als es anfänglich war. Natürlich gibt es Schöneres als über Ostern nichts wirklich machen zu können, aber ich hatte trotzdem ganz tolle Tage. Es hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass man sowas auch im Ausland super schaffen kann und was für tolle Menschen ich hier eigentlich habe, die mich dabei unterstützen. Ich wurde von einer Freundin und ihrer Mama in die Klinik mitbegleitet, wahnsinnig viele haben mir angeboten für mich einkaufen zu gehen oder mir bei dem was ich brauche zu helfen und alle Pläne, die ich hatte, wurden einfach so umgelegt, dass ich sie trotzdem umsetzen konnte. Ich wurde entweder von Freunden abgeholt und irgendwo hingebracht oder Freunde kamen zu mir nach Hause, um mich zu besuchen. So hatte ich dann über die Ostertage, wo meine Mitfreiwillige etwas mit ihrer Familie gemacht hat, doch immer etwas zu tun, was richtig schön war. Einige Tage habe ich auch mit Lina und ihrer Familie verbracht, was auch richtig toll war!

Insgesamt hatte ich also trotz allem ein richtig schönes Ostern und in der Woche nach Ostern kamen dann tatsächlich auch schon meine Eltern zu Besuch! Ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, sie endlich wiederzusehen und obwohl ich natürlich nicht extrem viel laufen konnte, haben sie das Wichtigste hier gesehen und ich konnte ihnen mein Zuhause in Paraná zeigen:) Gerade sind sie noch ein wenig in Argentinien am Reisen (ich habe leider keinen Urlaub mehr bekommen), doch nächstes Wochenende sehe ich sie trotzdem nochmal wieder, denn vor ihrem Rückflug legen sie noch einen kurzen Zwischenstopp in Buenos Aires ein, wo ich dann auch hinfahre. Ich freue mich total darauf, sie noch einmal wiederzusehen, vielleicht auch einige der anderen Freiwilligen zu treffen und einfach ein schönes Wochenende in Buenos Aires zu verbringen!!

Nach den ganzen Familienbesuchen kam uns jetzt auch die letzten Tage noch eine weitere Freiwillige aus Asunción besuchen und wir hatten extremschöne Tage, in denen wir ihr ein wenig von Paraná und unserem Leben hier zeigen konnten. Es ist immer so schön andere Freiwillige wiederzusehen, sich mal wieder auszutauschen und einfach eine schöne Zeit zu haben.

So, das war´s jetzt aber auch erstmal. Das nächste Mal, wenn es wieder Zeit für einen Blog ist, ist schon Juni und der Endspurt rückt immer näher. Aber bis dahin werde ich auf jeden Fall noch ganz dolle meine Zeit hier genießen:)

Schon Halbzeit

Hey, hey, einfach schon über die Hälfte meiner Zeit hier in Argentinien ist vorbei und ich kann es selber kaum glauben. Vor allem die letzten zwei Monate ist unfassbar viel passiert und ich versuche jetzt einfach mal euch ein bisschen davon zu berichten:

Weihnachten

Weihnachten das erste Mal getrennt von seiner Familie und in einem komplett anderen Land zu verbringen, hört sich vielleicht erstmal sehr beängstigend an – aber das ist es gar nicht.

Natürlich ist es nicht das gleiche wie in Deutschland, dennoch war es eine wahnsinnig schöne und vor allem sehr besondere Erfahrung: Meine Mitfreiwillige und ich hatten das große Glück Weihnachten, hier in Paraná, mit einer Freundin und ihrer Familie feiern zu dürfen. So sind wir also am 24.12. abends nach der Messe zu ihrer Familie gefahren. Es war ein richtig großes Fest mit der ganzen Verwandtschaft; ungefähr so 40 Personen waren vor Ort. Es wurde viel gequatscht, gespielt und natürlich gegessen. Um Mitternacht sind dann alle rausgegangen und es wurde sich Frohe Weihnachten (“Feliz navidad“) gewünscht, man hat Wunderkerzen angezündet und in der Ferne konnte man Feuerwerk hören und sehen. Mal eine ganz andere Tradition, die ich aus Deutschland nicht kannte, aber hier so schön miterleben konnte. Danach waren wir noch zusammen feiern – auch das ist etwas, was ich aus Deutschland nicht gewohnt bin und Heiligabend niemals machen würde. Aber hier machen das recht viele junge Menschen und es war extrem cool auch das mal mitzunehmen!

Zwar insgesamt ein anderes Weihnachten als gewohnt, aber genau deswegen wird es mir noch lange in Erinnerung bleiben!

Silvester

Silvester war mein erster richtiger Urlaubstag, denn die Kita hatte anschließend den ganzen Januar geschlossen, und den habe ich natürlich direkt genutzt und habe mich auf den Weg gemacht, um mit anderen Mitfreiwilligen zusammen in Córdoba zu feiern. Wir hatten uns zu fünft ein wunderschönes AirBnB gemietet, indem wir gut ins neue Jahr reinfeiern konnten. Da nicht nur wir, sondern auch noch ganz viele andere Freiwillige über Silvester in Córdoba waren, haben wir dann letztendlich alle zusammen gefeiert. Es war so schön, so viele Freiwillige nach langer Zeit mal wiederzusehen!! Die folgenden Tage haben wir dann auch noch entspannt zusammen verbracht, bevor es weiterging, ab in den Süden!

Urlaub

Nach Córdoba habe ich meinen weiteren Urlaub dann an den unterschiedlichsten Orten verbracht. Erst war ich im wunderschönen Patagonien, im Süden Argentiniens, wo ich mit zwei Freunden in El Bolsón wandern war und anschließend noch ein paar Tage in Bariloche verbracht habe. Vor allem in El Bolsón war das ein richtiges Abenteuer: mein erstes Mal richtig wandern und dann gleich von Hütte zu Hütte, das hatte es auf jeden Fall in sich. Aber es war sooo toll und die Natur dort ist wirklich einfach atemberaubend schön, das kann man gar nicht in Worte fassen!! Argentinien ist ja wirklich groß (Deutschland passt fast 8mal rein) und dadurch landschaftlich so unfassbar vielseitig und hat wirklich von allem etwas. Patagonien mit seinen Bergen, Wäldern und Seen war demnach ein großer Kontrast zu der Region, in der ich lebe (Provinz Entre Ríos).

Danach zog es mich dann nochmal in eine komplett gegenteilige Landschaft, und zwar nach Chile in die Atacama-Wüste. Sehr heiß tagsüber und nachts absolut frisch, aber sonst wunder-, wunderschön! Auch etwas, was ich zuvor noch gar nicht irgendwie ansatzweise ähnlich gesehen hatte und vielleicht auch deswegen nochmal beeindruckender. Dort verbrachte ich mit einigen Freundinnen ein paar Tage, bevor es dann in die Hauptstadt Chiles, nach Santiago, ging.

Auch dort konnte ich nochmal unfassbar viel Neues sehen und die Zeit einfach echt genießen. Santiago ist so eine tolle Stadt mit unglaublich vielen Möglichkeiten für Aktivitäten aller Art. Gehört definitiv zu einer der coolsten Städte, in denen ich bisher war!

2h entfernt von Santiago kommt man an den Pazifik, nach Valparaíso und Viña del Mar, wo ich dann mit meiner Mitfreiwilligen Lina meine letzten Urlaubstage verbrachte, bevor es wieder zurück nach Hause ging.

Wieder in Paraná angekommen wurden wir direkt erstmal von der Hitze erschlagen und wettertechnisch gesehen waren es ein paar sehr unangenehme Wochen die folgten, aber es war trotzdem ein schönes Gefühl mal wieder zu Hause zu sein… Mal richtig den Koffer auszupacken, alles an die Orte zu tun, wo sie ihren festen Platz haben, mal wieder richtig runterzukommen und sich zu entspannen. Das alles tut nach so langer Zeit auch mal wieder gut.

Jetzt nochmal kurz ein etwas anderer Gedanke zum Urlaub: Es ist wirklich unfassbar krass, wenn man darüber nachdenkt, was für Möglichkeiten wir hier in diesem unfassbar jungen Alter haben, dass wir so viel sehen, erleben und rumreisen können! Ich weiß, dass viele meiner Arbeitskolleginnen und Freund*innen hier noch nie die Chance hatte weit weg, geschweige denn überhaupt, in den Urlaub zu fahren und das lässt einen schon nochmal sehr über seine eigenen Privilegien nachdenken. Natürlich war auch für mich dieser Urlaub extrem groß und würde in Deutschland niemals in diesem Umfang stattfinden – da kommt dann doch durch, dass man das Gefühl hat, nur einmal so lange hier zu sein und möglichst viel sehen zu wollen – aber das spricht ja trotzdem nicht dagegen, dass es einfach unvorstellbar für viele hier ist, so viel Tourismus zu machen.

Gleichzeitig mit diesem Gedanken kommt natürlich aber auch die riesige Dankbarkeit, dass ich das alles hier erleben kann, so unfassbar viel sehen durfte und vor allem mit ganz tollen Menschen reisen durfte. Dieser Urlaub wird mir noch ewig in Erinnerung bleiben und war wirklich einzigartig!

Zwischenseminar

Nachdem wir dann wieder zwei Wochen in unserem Alltag angekommen waren, gearbeitet hatten und unsere Kitazeit vor allem mit basteln und die neuen Babys versorgen, verbracht hatten, ging es dann schon wieder los, und zwar zum Zwischenseminar. Dies fand letzte Woche (17.-22.01.) mit allen Freiwilligen der IERP (Partnerorganisation), die gerade ihren Freiwilligendienst in Uruguay, Paraguay oder Argentinien absolvieren, statt. Wir waren wieder ca. 50 Freiwillige und alle zusammen in einer Art Jugendherberge in Baradero (ca. 1-2h entfernt von Buenos Aires) untergebracht. Es war so eine unglaublich schöne Woche, die definitiv viel zu schnell vorbeiging!! Es wurde gequatscht, Mate/Terere getrunken, gebadet, gespielt, gesungen, gelacht und noch so viel mehr. Natürlich hatten wir auch wieder einige inhaltliche Einheiten, Workshops und vor allem ganz viel Zeit in Gruppen, um unsere bisherigen sechs Monate zu reflektieren und uns auszutauschen. Das tat so gut, mal mit anderen darüber zu reden und dadurch auch zu bemerken, dass wirklich viele auch die gleichen Probleme und Herausforderungen haben und man zu keinem Zeitpunkt allein damit ist. Die Gruppe der Freiwilligen ist echt so eine tolle Gemeinschaft und ich will die ganzen Menschen definitiv nicht missen!  

Wie ihr sehen könnt, ziemlich viel los gewesen, und echt alles so tolle Erlebnisse, die ich in der letzten Zeit hier sammeln durfte. Ich bin unfassbar dankbar für diese ganzen Möglichkeiten und die wirklich ganz, ganz vielen wunderbaren Menschen, die mich hier auf meinem Weg begleiten!! Auch in nächster Zeit stehen noch ganz viele tolle Dinge, wie zum Beispiel, Karneval an, aber darüber werde ich euch bestimmt dann berichten:)

Weihnachtszeit ist Abschiedszeit

Hey, hey, 4 Monate sind bereits vergangen und plötzlich steht schon Weihnachten vor der Tür. Und mit der Weihnachtszeit steht auch ein weiterer Abschied an: Nämlich der von einem großen Teil meiner Kitakinder. Denn hier endet, genau wie in Deutschland auch, das Kitajahr im Sommer und da gerade Sommer ist und die Ferien schon in ein paar Tagen beginnen, ist es langsam Zeit Tschüss zu den Ältesten zu sagen, bevor sie dann ab Februar zur Schule gehen.

Aber eben in genau dieser Zeit ist es auch nochmal gut sich zu erinnern, was man die vergangenen 4 Monate schon alles im Projekt erlebt hat, und deswegen möchte ich in diesem Blog euch nochmal ein bisschen über ganz besondere Kitatage der vergangenen 4 Monate berichten, welche mir wahnsinnig schön in Erinnerung geblieben sind:

Frühlingsbeginn

Am 20.09., also erst einen Monat nach meiner Anreise, haben wir groß den Frühlingsbeginn gefeiert. In Deutschland wird der ja nicht wirklich zelebriert, aber hier wurde ein richtiges Event daraus gemacht. Schon die ganze Kitawoche zuvor haben meine Mitfreiwillige Lina, ich und teilweise auch die anderen Seños (so werden die Erzieherinnen hier genannt) viel geschmückt und gebastelt, damit alles bunt und voller Blumen ist. Am Tag selbst kamen dann die Kinder alle mit “medias locas“ und “peinados locos“, also verrückten Socken und Frisuren in die Kita. Mit ihren echt superkreativen Outfits konnten die Kinder sich dann auch auf einem selbstgemachten Laufsteg präsentieren und es wurde anschließend zusammen ganz viel getanzt und gesungen. Das war echt schön und es war einfach generell so eine Lebensfreude im Raum, die einfach nur ansteckend war.

Día de la familia

Am 18.10. war bei uns in der Kita „Día de la familia“, also Familientag und wir haben alle zusammen einen Ausflug gemacht. Dafür sind wir, nicht weit entfernt, zu einer Art Abenteuerspielplatz gefahren. Wir und die anderen Seños waren schon etwas früher da und haben vor Ort alles dekoriert und aufgebaut. Sobald die Kinder dann mit ihren Familien kamen, wurde getobt, gequatscht, gegessen und natürlich Mate getrunken. Denn bei wirklich keiner Veranstaltung in Argentinien darf Mate fehlen und auch in der Kita ist sie mittlerweile zu einem täglichen Begleiter für mich geworden. Ein wenig Programm fand dann an dem Tag auch noch statt: Es wurden Familienfotos gemacht, Geschenke überreicht und wir haben sogar mit den Kindern zusammen ein kleines Lied vorgesungen. Die Stimmung war super ausgelassen, alle waren glücklich und manche Kinder fanden es sogar so schön, dass sie beim Gehen geweint haben…

Día de la tradición

Am 10.11. ist in Argentinien jedes Jahr „Día de la tradición“. Also ein Tag, wo man sich an Argentiniens Traditionen nochmal besonders erinnert. Da das aber ein Sonntag war, haben wir am Montag, dem 11.11. den „Día de la tradición“ in der Kita nachgefeiert. Alle Erzieherinnen und Kinder kamen gekleidet in traditionellen Trachten, also als „Gaucho“ (historisch gesehen vor allem die Männer) oder „Paisana“ (historisch gesehen vor allem die Frauen). Auch wir haben typische Folklore-Röcke bekommen, die zwei der “Seños“ für uns mitgebracht haben. Es gab Empanadas zu essen, also ein typisch argentinisches Gericht und ein paar der Erzieherinnen haben Folklore vorgetanzt. Anschließend haben wir auch noch alle zusammen versucht Folklore zu tanzen. Das hat echt super Spaß gemacht und uns einen kleinen Einblick in die Welt der argentinischen Folklore gegeben, die echt super vielfältig und spannend ist.

Abschiedsfest

Am letzten Freitag, also am 13.12., stand in unserer Kita der Abschied der Ältesten und generell die Jahresabschlussveranstaltung, worüber ich auch bereits ganz am Anfang des Blogs geredet habe, an. Hinsichtlich dessen wurde ein großes Fest geplant, was unter dem Motto “Un mundo mejor para nuestros niños“ (übersetzt: „Eine bessere Welt für unsere Kinder“) stand. Dafür haben meine Mitfreiwillige und ich schon die letzten Kitawochen ein riesiges Wandbild als Bühnenhintergrund gebastelt. Im Vorhinein der Veranstaltung haben außerdem alle Altersgruppen Tänze gelernt und fleißig mit ihren Gruppenerzieherinnen eingeübt. Am Freitag sind dann alle Kinder abends mit ihren Familien, Freunden und Bekannten zur Kita gekommen. Es waren wirklich wahnsinnig viele Menschen da und man hat den Kindern richtig angemerkt, wie sehr sie sich darüber gefreut haben und wie stolz sie auch waren ihre Tänze vorzeigen zu können. Nach all den Tänzen gab es dann den offiziellen Abschlussteil für die 3jährigen, also die Ältesten der Kita, die ab Februar zur Schule kommen. Alle wurden nochmal einzeln hervorgehoben und haben einen ganz besonderen Platz in der Veranstaltung bekommen, was sehr süß und für viele der Eltern, verständlicherweise, auch sehr emotional war. Am Schluss gab es noch für alle Kinder Geschenke und Mappen mit Erinnerungen aus dem vergangenen Kitajahr und wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken, die wir verteilen konnten. Es war ein richtig runder und schöner Abschluss und ich muss ehrlich sagen, dass die Kinder mittlerweile echt einen Platz in meinem Herzen haben und ich sie definitiv vermissen werde. Aber bis Ende Dezember ist es ja noch ein wenig hin und man kann die letzten Tage noch zusammen genießen.

Im Januar hat der Kindergarten ja dann komplett geschlossen und ab Februar kommen ja dann auch neue Kinder, mit denen bestimmt auch viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen entstehen werden. Aber bis dahin steht noch Weihnachten, Silvester und mein erster Urlaub an, worauf ich schon mit viel Vorfreude blicke. Darüber werde ich dann bestimmt im nächsten Blog berichten.

Moin Buenos Aires

Sind es erst oder schon zwei Monate? Das ist mir in den Kopf gekommen, als ich begonnen habe, diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Die Zeit vergeht auf der einen Seite wie im Flug, aber wenn ich genauer darüber nachdenke, ist auch schon unheimlich viel passiert. Trotzdem kann ich manchmal nicht ganz glauben, dass ich jetzt schon ziemlich genau zwei Monate aus Deutschland weg bin, weg von meiner Familie, Freunden und meinem vertrauten Umfeld. 

Aber fangen wir mal von vorne an:

Flug + Abschied: 

Los gings am 13.08.24 am Frankfurter Flughafen. Dort habe ich mich dann von der letzten Person verabschiedet, meiner Mama:-(. Das war natürlich ziemlich traurig, aber ich konnte wie bei vielen Abschieden davor auch schon noch nicht richtig realisieren, dass ich die Menschen jetzt wirklich ein JAHR nicht sehe. Ich war davor noch nie so lange weg von zu Hause. Ich denke, deshalb waren die Abschiede zwar sehr traurig, aber ich hatte gleichzeitig unheimlich viel Vorfreude, Aufregung und Neugier in mir. Nach dem Verabschieden von meiner Mutter habe ich dann meine FSJ- Freunde am Flughafen getroffen und los ging‘s. Ca. 13 Stunden Direktflug nach Buenos Aires.  

Im Flieger!

Vorbereitungsseminar: 

Angekommen in Buenos Aires wurden wir von Mitarbeiter*innen der IERP (Iglesia Evangélica del Rio de la Plata) vom Flughafen abgeholt und zu unseren Wohnorten für die nächsten zwei Wochen gebracht. Wir wurden nach Organisationen an unterschiedliche Orte in Buenos Aires aufgeteilt. Ich war in einer sehr großen WG in der Esmeralda, das ist das Kirchengebäude, welches sehr nah in der Nähe vom Obelisken liegt. Der Obelisk ist Mittelpunkt und Wahrzeichen der Stadt. Das zweiwöchige Vorbereitungsseminar nennt sich auch Capacitación. In dieser Zeit haben wir eine große Bandbreite von Themen besprochen. Dazu gehörten organisatorische Sachen: Wie besorgt man sich eine SIM-Karte? Wie funktionieren die öffentlichen Verkehrsmittel?  Auf der anderen Seite haben wir uns aber auch mit tiefergehenden Themen beschäftigt, wie Kultur, generelle politische Lage, Sexismus und Kolonialismus. Insgesamt war es eine sehr intensive, informative Zeit. Das war auf der einen Seite ziemlich anstrengend, aber auch unheimlich anstrengend, weil man wahnsinnig viele neue Leute kennengelernt hat und das erste Mal die Möglichkeit hatte, die Stadt zu erkunden.  

Chaotische aber sehr schöne Abendessen

Gemeinsam die Stadt erkunden

Einzug in die WG: 

Nach den zwei Wochen Capacitación wurde dann verkündigt, mit wem man wo lebt. Das war für mich ein sehr spannender Moment, weil ich das bis zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste. Ich wohne jetzt in Quilmes (vielleicht kennt ihr den Namen ja von der Biermarke ). Das ist eine Provinz im Süden von Buenos Aires. Ich wohne hier in einer Wohnung mit drei anderen Mädchen. Für mich war der Einzug anfangs keine super einfache Phase, weil ich in dieser Zeit das erste Mal begonnen habe zu realisieren, dass ich jetzt wirklich eine so lange Zeit hier bin und nicht nur in den Ferien mit Freunden bin. Dazu kam dann auch noch der generelle Zustand der Wohnung, da dieser natürlich von den gewohnten europäischen Standards abweicht. Zum Beispiel haben wir leider fast gar kein Sonnenlicht in unserer Wohnung. Obwohl ich versucht habe, möglichst ohne Erwartungen an die Wohnungsthematik heranzugehen, gab es dann doch den ein oder anderen Moment, wo man etwas überfordert von der Wohnsituation war und natürlich manchmal noch ist. Aber man muss immerhin Hinterkopf behalten, dass eine Wohnung wie unsere immer noch ziemlich luxuriös sind im Vergleich zu den Standards vor Ort. Quilmes generell kann man sich wie eine Kleinstadt vorstellen. Wir wohnen direkt an der Hauptstraße mit vielen Läden, Cafés, Restaurants und Bars. Es gibt auch viele Kulturangebote. Ich habe zum Beispiel schonmal Zumba und Boxen ausprobiert. Das ist richtig schön, weil man dadurch nochmal mehr Kontakt zu Argentinier*innen hat und sich so Routinen schaffen kann. Durch solche Dinge habe ich das Gefühl, mich hier langsam aber sicher einzuleben. Quilmes ist ungefähr eine Stunde von der Innenstadt entfernt und eine Stunde von meinem Projekt. Diese Entfernungen sind gerade hier in Buenos Aires absolut normal, weil zum einem der Großraum Buenos Aires sehr groß sind, aber auch Argentinien als Land generell. 

Meine Quilmes WG <33

Projekt: 

Ein paar Tage nach Einzug ging es dann zum ersten Mal zu meinem Projekt. Mein Projekt heißt „La Casona“ und ist in Florencia Varela, also noch südlicher als Quilmes. „La Casona“ bedeutet soviel wie Die Villa/ Das Haus. La Casona ist ein soziales Projekt und stellt für Kinder und Jugendliche einen Ort da, wohin sie nach oder vor der Schule kommen und an Freizeitprojekten teilnehmen können. Es gibt drei Altersgruppen. Zur Eingewöhnung arbeiten meine Mitfreiwillige Gloria und ich zurzeit nur mit der jüngsten Altersgruppe (ca. 6-12 Jahre). Dann gibt es noch eine Gruppe von Teenagern und eine ältere Gruppe.  Am ersten Tag wurden wir von der Pastorin des Projekts Paula abgeholt und haben den Tag mit den Kleinen verbracht. Es war sehr spannend, das Projekt und das Team das erste Mal zu treffen. Ich habe mich direkt super wohl und willkommen gefühlt. Das lag daran, dass zum einem die Kinder uns super lieb willkommen geheißen haben, aber auch weil das Team wirklich sehr lieb ist. Generell habe ich bis jetzt den Eindruck, dass das Team in der Casona sehr viel Erfahrung mit Freiwilligen hat und einen immer mit einbindet. Dadurch dass zum Teil auch noch ziemlich junge Mitarbeiter bei der Casona arbeiten, fällt es mir noch leichter, mich mit den Menschen zu connectenund mich wohlzufühlen. Zurzeit arbeite ich noch nicht so viel, da ich zur Eingewöhnung nur mit der jüngsten Altersgruppe arbeite. Für alle Altersgruppen gibt es hier unterscheidliche „tallere“ (Kurse). Am Dienstag beginnt meine Woche mit der Bäckerei. Die Bäckerei gefällt mir bis jetzt am besten, weil es einfach Spaß macht, mit den Kleinen in der Bäckerei, meist viele süße Sachen (mit viiiel Dulce de Leche), zu backen. Am Mittwoch finden unterschiedliche Fotoprojekte statt und am Donnertag machen wir immer Dinge im Garten von der Casona. Die tallere sind echt schön und es sind tolle Projekte, die wir mit den Kindern machen. Ich bin schon gespannt, wie es dann wird, wenn wir auch mit den anderen Altersgruppen zusammenarbeiten. 

In der Panadería mit den Niñes am Pfannkuchen braten
Taller de cine (Fotoworkshop im Garten der Casona)

Sprache: 

Vor meiner Abreise nach Argentinien hätte ich meine Spanischkenntnisse  als sehr stark ausbaufähig beschrieben. Ich hatte zwar Spanisch in der Schule, aber das ist auch schon ein Weilchen her und ich habe leider vor Argentinien auch nicht allzu viel Spanisch gelernt, weil ich so viele andere Dinge vorbereiten musste. Außerdem spricht man hier in Argentinien, vor allem in Buenos Aires mit einem sehr starken Akzent. Auch dadurch fällt es mir immer noch etwas schwer, alles zu verstehen. Auch das Sprechen ist nicht immer leicht. Deshalb nehme ich einmal die Woche an einem Sprachkurs teil. Mit dem Spanisch ist es immer ein Auf und Ab. Gerade an Tagen, an denen ich lange im Projekt bin und gewissermaßen Spanisch sprechen “muss“, wird es im Laufe des Tages immer besser. Aber gerade, wenn ich übers Wochenende meist weniger Spanisch spreche, wird’s wieder schwieriger. Ich versuche mich da auf jeden Fall reinzuhängen und hoffe das gerade das Sprechen dann einfacher wird. 

Sooo ich hoffe das konnte euch einen guten Gesamtüberblick über meine letzten 2 Monate geben. Ich bin schon gespannt wie sich meine Zeit hier weiter entwickeln wird…

Hola Argentina

Mia Alana Melber 

Buenos Aires – Argentinien 

EnAcción 

13.08.2024 Flug nach Argentinien

Und dann gings los …

Nach unserem 13-h Flug von Frankfurt nach Buenos Aires wurden wir am Flughafen von Angie und Peter, zwei Referenten von der Iglesia Evangélica del Río de la Plata (IERP), unserer Partnerorganisation abgeholt.

Dort waren wir dann das erste Mal Geld wechseln und haben unsere ersten Pesos bekommen. Anschließend wurden wir in unsere Unterkunft für die Zeit des zweiwöchigen Seminares gebracht. Die Esmeralda; mitten im Zentrum von Buenos Aires in der Nähe des Obeslisk.

Capacitatión

Das Seminar (Capacitatión) wurde begleitet von viel Intensität. Alles neu, alles aufregend, manches etwas einschüchternd. Ein Auf und Ab der Gefühle. Ich habe alles so intensiv erfahren, jede Begegnung, jede neue Erfahrung, aber auch die Erinnerungen an Deutschland. Irgendwie ist alles stärker, Freude war nicht nur Freude, sondern überschwängliche Euphorie und Traurigkeit war nicht nur Traurigkeit, sondern eine Welle aus Betäubung die einen überrannt hat. Aber nicht nur, dass man alles sehr intensiv wahrgenommen hat, dazu kam alles so schnell und wechselhaft. So viele Erlebnisse, Erfahrungen, Eindrücke wie die Großstadt Buenos Aires selbst; schnell, laut, vielgesichtig. Erfüllt von Kontrasten, Lachen, Tumult und Empanadas. So vieles geht hier Hand in Hand und Gegensätze werden vereint, das macht Buenos Aires so einzigartig.

Das Seminar bestand meist aus zwei Einheiten; Vormittags lernten wir Spanisch in einem Sprachkurs und nachmittags hatten wir meist verschiedene Einheiten zu Kultur, Sicherheit, Länderkunde, etc.

Wir machten auch Ausflüge und besuchten z.B. ein paar unserer zukünftigen Projekte. 

Obwohl das Semiar schon anstrengend, wir den ganzen Tag unterwegs und abends sehr müde waren, habe ich mich unglaublich auf die Abende in unserer Esmeralda WG gefreut. In der Esmeralda wohnten zu der Zeit 12 von uns Deutschen, vier argentinische Studentinnen und zwei andere Deutsche, es war also ganz schön was los!

Obwohl wir für 18 Mädchen nur zwei Bäder hatten, hat trotzdem alles sehr gut geklappt.

Ob beim gemeinsamen riesen WG-Abendessen (manchmal auch mit den sechs Jungs) oder bei all den Gesprächen auf der Dachterasse oder in meinem Liebings 6-er Zimmer, wir hatten eine tolle Zeit während dem Seminar.

Lieblings Zimmer

27.08.2024 Umzug Grand Bourg 

Dann viel zu schnell war das Seminar auch wieder vorbei und es war Zeit sich von einigen meiner Mitfreiwilligen erstmal für längere Zeit zu verabschieden. Aber dafür stand unser Umzug an, in unser neues Haus, in einer neuen Stadt mit neuen Mitbewohnern. Unser Haus in Grand Bourg hat uns erstmal überrascht, sowohl positiv als auch negativ. Von unseren schönen Zimmern und unserem gemütlichem Wohnzimmer über Ameisen in den Wänden und kein warmes Wasser. Uns wurde auf jeden Fall nicht langweilig. In unserem Projekt EnAcción wurden mein Mitfreiwilliger Gabriel und ich sehr herzlich empfangen. Da es am ersten Tag in Strömen regnete, konnten wir bei einer Runde Ping Pong das Team kennenlernen. Wir haben einen Monat lang die Möglichkeit bekommen alle Aktionen und Workshops im Projekt einmal auzuprobieren und mitzumachen, sodass wir danach entscheiden konnten, welche Workshops wir das Jahr über unterstützen wollen.

EnAcción ist ein sehr großes Projekt mit circa 35 Mitarbeitenden und sehr vielfältigen Angebot für alt und jung z.B. gibt es einen Druck-, Recycel- und Kochworkshop, Fußballtraining für alle Altersgruppen, sowie einen eigenen Markt wo selbstgemachte Dinge verkauft werden. 

Es gibt also ziemlich viel zu tun 🙂

Was ich den ganzen Tag so mache und was man hier in seiner Freizeit so erleben kann – das berichte ich in meinem nächsten Beitrag. 

Hasta luego!

Mia 

Vor unserer Haustür in Grand Bourg

Seminar und Paraná – Ankommen

Hey, hey, einfach 2 Monate hier in Argentinien sind schon rum! Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug und ich bin immer noch erschrocken, wenn ich daran denke, dass schon 1/6tel vorbei sind… Aber fangen wir erstmal von vorne an:

Am 13.08. ging es für mich von zu Hause aus los. Am Hauptbahnhof in Berlin habe ich dann auf Lucy getroffen, noch die letzten Leute verabschiedet und schon stand der großen Reise nichts mehr im Weg. Nach einer entspannten Zugfahrt, in Frankfurt angekommen, haben wir die ersten Mitfreiwilligen wiedererkannt und schwuppdiwupp, einen Flug später, waren wir auch schon in Buenos Aires gelandet. Dort erwartete mich und fast 50 andere Freiwillige der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata; meine Partnerorganisation) ein zweiwöchiges Einführungsseminar. Zusammen verbrachten wir 2 Wochen, gefüllt mit Sprachkurs, inhaltlichen Workshops und Vorträgen, aber auch vor allem viel Spaß, Begegnungen, Kaffeepausen und mehr. Untergebracht war ich in einer riesigen WG, bestehend aus 18 Leuten und auch wenn das manchmal zu viel Chaos geführt hat, möchte ich diese Zeit auf keinen Fall missen! Generell die ganze Seminarzeit bleibt mir in extrem positiver Erinnerung, denn sie war superschön und bereichernd, auch wenn es natürlich teils anstrengend und überfordernd war, aber das gehört halt auch dazu, wenn alles neu ist und so viele Eindrücke und Emotionen auf einen prasseln. Doch dadurch, dass irgendwie alle Freiwilligen, was das angeht, im gleichen Boot sitzen, hat man während des Seminars superschnell  neue Leute kennengelernt, schon erste Freundschaften geschlossen und in so kurzer Zeit so viel erlebt, dass das echt zusammengeschweißt hat. Und somit verging auch die Seminarzeit schnell und der zweite Abschied in zwei Wochen stand an, denn für mich ging es ja noch weiter.

Zwar musste ich diesmal keine Ländergrenzen überschreiten, denn ich wohne ja weiterhin in Argentinien, aber mein Weg führte mich ca. 500km nördlicher, nach Paraná. Paraná ist mit 250.000 Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Entre Ríos und direkt am Río Paraná gelegen. Hier lebe und arbeite ich ein Jahr lang zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Lina. Wir wohnen zusammen in einem kleinen Zimmer mit Küche und Bad direkt oberhalb des Kindergartens, in dem ich arbeite. Die Kinder dort sind zwischen 0 und 3 Jahre alt und neben alltäglichen Aufgaben wie Essen vorbereiten, die Kita dekorieren, spülen oder aufräumen bleibt uns auch viel Zeit, um mit den „nenes“ zu spielen, basteln oder draußen zu toben. Es ist wirklich wahnsinnig süß zu sehen, wie die Kinder sich an einen gewöhnen und einem so schnell ihr Lächeln und viel Liebe zurückgeben! Ein gewisser Kita-Alltag ist also eingekehrt und tägliche Ohrwürmer von spanischen Kinderliedern sind natürlich auch nicht mehr wegzudenken…

Das Einzige, was mich ein wenig beunruhigt ist, dass teilweise echt wenig Kinder nur in der Kita sind. Eine der Erzieherinnen erzählte mir, dass früher 40 Kinder dort zur Kita gingen und mittlerweile sind es maximal 19 Kinder. Mit fünf Erzieherinnen und uns zwei Freiwilligen hat man an manchen Tagen, wenn zum Beispiel nur 5 oder 6 Kinder da sind, echt wenig zu tun und ein wenig Langeweile kehrt ein, auch wenn wir uns dann meistens trotzdem Beschäftigungen suchen, indem wir basteln, dekorieren oder andere vorhandene Aufgaben machen. Was genau mit der Kita passiert, wenn im Laufe des Jahres die Ältesten gehen, wissen wir auch noch nicht, aber bis dahin ist es ja auch noch ein wenig hin und vielleicht kommen ja in der Zwischenzeit wieder viele neue Kinder.

Neben der Arbeit, die, aufgrund der Öffnungszeiten, jeden Wochentag nur von 7 bis 13 Uhr geht, bleibt Lina und mir außerdem noch viel Zeit um unseren Tag anderweitig zu gestalten. So haben wir uns schnell eine Möglichkeit gesucht mehrmals die Woche Sport machen zu können und haben in den letzten Wochen auch die Zeit gut genutzt, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Neben der Costanera, also dem Teil Paranás, welcher am Fluss entlangführt (wo es auch Strand mit Palmen gibt und wo ich jedes Mal glücklich bin, wenn ich von dort aus aufs Wasser sehen darf:)) gibt es auch ein süßes Stadtzentrum mit netten Cafés, Parks und Einkaufsmöglichkeiten. Wir müssen uns zwar immer noch ein wenig einleben und ankommen, aber im Großen und Ganzen kommen wir supergut klar, das Leben zu zweit auf engem Raum funktioniert eigentlich perfekt, auch was Kochen, Putzen etc. angeht, wir lernen erste Bekanntschaften kennen und fühlen uns hier allgemein sehr wohl!   

Wir waren sogar schon Teil einer Jugendfreizeit der IERP hier in Entre Ríos. Unser Nachbar hatte uns vor drei Wochen, also gar nicht so lang nach unserem Ankommen, eingeladen mit auf ein sogenanntes „Campamento“ zu fahren. Dieses fand in Crespo, einer Stadt, ca. 50 Minuten mit dem Bus entfernt von Paraná statt. Da wir das Wochenende über noch keine Pläne hatten und die Möglichkeit darauf neue Leute kennenzulernen, viel Spanisch zu sprechen und Etwas zu erleben für uns ideal erschien, sagten wir zu und fuhren mit ihm aufs Campamento. Es war letztendlich wirklich ein richtig tolles Wochenende mit viel Spiel, Spaß, Bewegung und natürlich – was hier nie fehlen darf – das Trinken von Mate beziehungsweise Terere (kalte Mate für die Sommermonate, die hier in der Region mit Saft zubereitet wird). Wir konnten wirklich wahnsinnig viel Spanisch reden, was echt Spaß gemacht hat, und haben auch neue Leute kennengelernt. Leider kommt zwar keiner von denen aus Paraná, sondern alle wohnen ein wenig verteilt, aber trotzdem kann man ja weiterhin Kontakt halten und sich über die nächsten Monate nochmal sehen.

Ein anderes Highlight war Linas und mein erster richtiger Wochenendtrip nach Buenos Aires. Dadurch dass letzten Freitag landesweit ein freier Tag war, konnten wir schon am Donnerstag direkt nach der Arbeit mit dem Bus losfahren und kamen abends am Retiro in Buenos Aires an, wo wir herzlich in Empfang genommen wurden. Das Wochenende über haben wir dann bei Mitfreiwilligen geschlafen, die etwas außerhalb von Buenos Aires wohnen, und haben mit ihnen und auch vielen anderen Freiwilligen, die in Buenos Aires beziehungweise Gran Buenos Aires (der Großraum um Buenos Aires rum) wohnen, Sachen erlebt. Von über den Markt schlendern, ins Café gehen, abends auf ein Konzert und dort sogar selber Musik machen, mal entspannt in der WG Spiele spielen und kochen, Buenos Aires und seine Sehenswürdigkeiten erkunden bis zu einem Geburtstag war alles dabei. Und wir haben es sogar zum Meer geschafft!

Es war echt die perfekte Mischung aus was Erleben und entspannt Zeit mit Freunden zu verbringen. Mal wieder rauszukommen und Leute wiederzusehen war echt wie Balsam für die Seele und das Wochenende ging aufgrund dessen auch superschnell vorbei und schon saßen wir am Sonntagabend wieder im Bus auf dem Rückweg nach Paraná, dem Ort, den ich für die kommenden 10 Monate noch mein Zuhause nennen darf:)