Hey, hey, jetzt ist es wirklich schon lange her seit meinem letzten Blog und es wird mal wieder Zeit euch auf den neusten Stand zu bringen, denn in den letzten Wochen und Monaten ist echt viel passiert. Was ich auf jeden Fall schon mal von vornerein sagen kann, ist, dass ich in letzter Zeit irgendwie nochmal mehr hier angekommen bin, meine Zeit hier total genossen habe, viel mit Freunden gemacht habe und es mir jetzt schon schwerfällt daran zu denken, dass ich mich in 3 Monaten von alldem hier wieder verabschieden muss… Aber erstmal zu alldem, was in letzter Zeit hier so los war:
Was meine Arbeit im Kindergarten betrifft, hat sich ein wenig was geändert. Einige Wochen nach unserem Zwischenseminar kam unser Referent (von meiner Partnerorganisation, der IERP) uns und unsere Einsatzstelle besuchen und da wir schon vorher einige Probleme hatten, wurde über mögliche Lösungen oder Alternativen gesprochen. Erst stand die Idee im Raum, dass wir auch noch zusätzlich in ein anderes Projekt gehen und dann quasi immer in Wechselwochen arbeiten, aber letztendlich hat sich das doch als zu kompliziert rausgestellt und wir haben entschieden in unserem Projekt zu bleiben. Jetzt wo auch mehr Babys da sind, ist auch automatisch mehr zu tun, da sie mehr Aufmerksamkeit benötigen und für Zeiten, in denen dann doch nichts los ist, kriegen wir teilweise zusätzliche Aufgaben oder haben halt einfach mal eine Pause. Heißt nicht alles im Projekt ist unbedingt besser geworden, aber es wurde sich auf jeden Fall drum bemüht und uns wurde ein besseres Gefühl gegeben für die letzten Monate in denen wir hier noch arbeiten. In zwei Wochen geht jetzt auch eine der Erzieherinnen in Rente und die Stelle wird erstmal nicht neu besetzt, deswegen wird das dann bestimmt auch nochmal mehr Arbeitsaufwand, aber wir werden sehen…
Zusätzlich zur Arbeit im Kindergarten sind meine Mitfreiwillige und ich jetzt auch noch jeden zweiten Samstag bei der Bibelschule in der, direkt am Kindergarten angrenzenden, Kirche der IERP dabei, wo wir einfach ein bisschen mithelfen, mit den Kindern spielen oder uns mit den Eltern unterhalten können.
Auch etwas Neues, was die Kirche hier angeht, ist dass nun alle zwei Wochen ein Angebot für die Jugend der IERP in Paraná angeboten wird. Die Gemeinde hier hat kürzlich einen neuen Pfarrer bekommen und er hat die Jugendtreffen wieder eingeführt. Wir sind zwar nicht viele Jugendliche hier, aber es ist immer total nett! Wir gehen zusammen mit unseren Nachbarn hin, quatschen dann dort ganz viel, spielen Spiele oder kochen auch – So haben Lina und ich uns auch direkt an typisch argentinischen Empanadas probiert; sehr lecker:)
Auch unabhängig davon ist meine Freizeit echt immer ziemlich gut gefüllt. Wir haben vor einigen Monaten über eine zufällige Begegnung mit einer Deutschlehrerin Kontakt zu weiteren Deutschlehrerinnen hier in Paraná und den Schüler*innen aus ihren Kursen bekommen und hatten auch schon einige Treffen mit den ganzen Kursen, gehen jetzt freitags immer den einen B1+ Kurs besuchen und es haben sich auch privat dadurch gute Freundschaften entwickelt, mit denen man mal in eine Bar geht, sich auf einen Filmeabend trifft oder typisch argentinisch Mate im Park trinkt. Es ist supercool zu sehen, wie Leute von hier sich auch für die deutsche Sprache und das Leben in Deutschland interessieren und vor allem auch dieses Verständnis haben, wie schwer es eigentlich ist eine neue Sprache zu lernen. Da fühlt man sich oft einfach echt gut verstanden! Man kann sich echt super ergänzen und auch wenn fast alle Gespräche auf Spanisch stattfinden, lernen letztendlich doch beide Seiten etwas und es ist einfach ein extrem schöner Austausch!!
Deutschkurs B1+, wo wir mithelfen dürfen:)
Durch eine Freundin vom Sprachkurs sind wir auch nochmal zusätzlich auf ein neues Volleyballteam gekommen. Eine komplett gemischte Mannschaft, wobei die meisten von der technischen Uni hier sind, die komplett freizeitmäßig jeden Dienstagabend spielen, einfach um Spaß zu haben. So haben wir also zusätzlich zu den anderen beiden Malen Volleyball in der Woche, bei denen wir in einer Mannschaft hier mitspielen, noch ein drittes Mal Volleyball und es macht total Spaß!!
Freundschaftsspiel vom Volleyball
Teil der Gruppe vom Univolleyball:)
Tatsächlich habe ich mich aber in der Woche vor Ostern beim Training verletzt und somit ist die letzten Wochen Volleyball spielen natürlich ausgefallen und stattdessen standen ein kurzer Klinikbesuch, um abzuchecken, was es ist und im Anschluss ganz viel Physiotherapie und im „Bota“ (quasi einen Schuh als Schiene) laufen auf dem Programm. Gottseidank ist es nur eine Verstauchung und kein Bruch, aber leider bin ich immer noch nicht die Schiene los und muss auch nächste Woche noch öfters zur Physiotherapie. Danach sollte es dann aber auch so langsam wieder wie vorher sein, denn schon jetzt ist es auf jeden Fall deutlich besser als es anfänglich war. Natürlich gibt es Schöneres als über Ostern nichts wirklich machen zu können, aber ich hatte trotzdem ganz tolle Tage. Es hat mir auf jeden Fall gezeigt, dass man sowas auch im Ausland super schaffen kann und was für tolle Menschen ich hier eigentlich habe, die mich dabei unterstützen. Ich wurde von einer Freundin und ihrer Mama in die Klinik mitbegleitet, wahnsinnig viele haben mir angeboten für mich einkaufen zu gehen oder mir bei dem was ich brauche zu helfen und alle Pläne, die ich hatte, wurden einfach so umgelegt, dass ich sie trotzdem umsetzen konnte. Ich wurde entweder von Freunden abgeholt und irgendwo hingebracht oder Freunde kamen zu mir nach Hause, um mich zu besuchen. So hatte ich dann über die Ostertage, wo meine Mitfreiwillige etwas mit ihrer Familie gemacht hat, doch immer etwas zu tun, was richtig schön war. Einige Tage habe ich auch mit Lina und ihrer Familie verbracht, was auch richtig toll war!
Insgesamt hatte ich also trotz allem ein richtig schönes Ostern und in der Woche nach Ostern kamen dann tatsächlich auch schon meine Eltern zu Besuch! Ich habe mich wahnsinnig darauf gefreut, sie endlich wiederzusehen und obwohl ich natürlich nicht extrem viel laufen konnte, haben sie das Wichtigste hier gesehen und ich konnte ihnen mein Zuhause in Paraná zeigen:) Gerade sind sie noch ein wenig in Argentinien am Reisen (ich habe leider keinen Urlaub mehr bekommen), doch nächstes Wochenende sehe ich sie trotzdem nochmal wieder, denn vor ihrem Rückflug legen sie noch einen kurzen Zwischenstopp in Buenos Aires ein, wo ich dann auch hinfahre. Ich freue mich total darauf, sie noch einmal wiederzusehen, vielleicht auch einige der anderen Freiwilligen zu treffen und einfach ein schönes Wochenende in Buenos Aires zu verbringen!!
Tagesbesuch in Santa Fe
Nach den ganzen Familienbesuchen kam uns jetzt auch die letzten Tage noch eine weitere Freiwillige aus Asunción besuchen und wir hatten extremschöne Tage, in denen wir ihr ein wenig von Paraná und unserem Leben hier zeigen konnten. Es ist immer so schön andere Freiwillige wiederzusehen, sich mal wieder auszutauschen und einfach eine schöne Zeit zu haben.
So, das war´s jetzt aber auch erstmal. Das nächste Mal, wenn es wieder Zeit für einen Blog ist, ist schon Juni und der Endspurt rückt immer näher. Aber bis dahin werde ich auf jeden Fall noch ganz dolle meine Zeit hier genießen:)
Hey, hey, einfach schon über die Hälfte meiner Zeit hier in Argentinien ist vorbei und ich kann es selber kaum glauben. Vor allem die letzten zwei Monate ist unfassbar viel passiert und ich versuche jetzt einfach mal euch ein bisschen davon zu berichten:
Weihnachten
Weihnachten das erste Mal getrennt von seiner Familie und in einem komplett anderen Land zu verbringen, hört sich vielleicht erstmal sehr beängstigend an – aber das ist es gar nicht.
Natürlich ist es nicht das gleiche wie in Deutschland, dennoch war es eine wahnsinnig schöne und vor allem sehr besondere Erfahrung: Meine Mitfreiwillige und ich hatten das große Glück Weihnachten, hier in Paraná, mit einer Freundin und ihrer Familie feiern zu dürfen. So sind wir also am 24.12. abends nach der Messe zu ihrer Familie gefahren. Es war ein richtig großes Fest mit der ganzen Verwandtschaft; ungefähr so 40 Personen waren vor Ort. Es wurde viel gequatscht, gespielt und natürlich gegessen. Um Mitternacht sind dann alle rausgegangen und es wurde sich Frohe Weihnachten (“Feliz navidad“) gewünscht, man hat Wunderkerzen angezündet und in der Ferne konnte man Feuerwerk hören und sehen. Mal eine ganz andere Tradition, die ich aus Deutschland nicht kannte, aber hier so schön miterleben konnte. Danach waren wir noch zusammen feiern – auch das ist etwas, was ich aus Deutschland nicht gewohnt bin und Heiligabend niemals machen würde. Aber hier machen das recht viele junge Menschen und es war extrem cool auch das mal mitzunehmen!
Zwar insgesamt ein anderes Weihnachten als gewohnt, aber genau deswegen wird es mir noch lange in Erinnerung bleiben!
Silvester
Silvester war mein erster richtiger Urlaubstag, denn die Kita hatte anschließend den ganzen Januar geschlossen, und den habe ich natürlich direkt genutzt und habe mich auf den Weg gemacht, um mit anderen Mitfreiwilligen zusammen in Córdoba zu feiern. Wir hatten uns zu fünft ein wunderschönes AirBnB gemietet, indem wir gut ins neue Jahr reinfeiern konnten. Da nicht nur wir, sondern auch noch ganz viele andere Freiwillige über Silvester in Córdoba waren, haben wir dann letztendlich alle zusammen gefeiert. Es war so schön, so viele Freiwillige nach langer Zeit mal wiederzusehen!! Die folgenden Tage haben wir dann auch noch entspannt zusammen verbracht, bevor es weiterging, ab in den Süden!
Urlaub
Nach Córdoba habe ich meinen weiteren Urlaub dann an den unterschiedlichsten Orten verbracht. Erst war ich im wunderschönen Patagonien, im Süden Argentiniens, wo ich mit zwei Freunden in El Bolsón wandern war und anschließend noch ein paar Tage in Bariloche verbracht habe. Vor allem in El Bolsón war das ein richtiges Abenteuer: mein erstes Mal richtig wandern und dann gleich von Hütte zu Hütte, das hatte es auf jeden Fall in sich. Aber es war sooo toll und die Natur dort ist wirklich einfach atemberaubend schön, das kann man gar nicht in Worte fassen!! Argentinien ist ja wirklich groß (Deutschland passt fast 8mal rein) und dadurch landschaftlich so unfassbar vielseitig und hat wirklich von allem etwas. Patagonien mit seinen Bergen, Wäldern und Seen war demnach ein großer Kontrast zu der Region, in der ich lebe (Provinz Entre Ríos).
Danach zog es mich dann nochmal in eine komplett gegenteilige Landschaft, und zwar nach Chile in die Atacama-Wüste. Sehr heiß tagsüber und nachts absolut frisch, aber sonst wunder-, wunderschön! Auch etwas, was ich zuvor noch gar nicht irgendwie ansatzweise ähnlich gesehen hatte und vielleicht auch deswegen nochmal beeindruckender. Dort verbrachte ich mit einigen Freundinnen ein paar Tage, bevor es dann in die Hauptstadt Chiles, nach Santiago, ging.
Auch dort konnte ich nochmal unfassbar viel Neues sehen und die Zeit einfach echt genießen. Santiago ist so eine tolle Stadt mit unglaublich vielen Möglichkeiten für Aktivitäten aller Art. Gehört definitiv zu einer der coolsten Städte, in denen ich bisher war!
2h entfernt von Santiago kommt man an den Pazifik, nach Valparaíso und Viña del Mar, wo ich dann mit meiner Mitfreiwilligen Lina meine letzten Urlaubstage verbrachte, bevor es wieder zurück nach Hause ging.
Wieder in Paraná angekommen wurden wir direkt erstmal von der Hitze erschlagen und wettertechnisch gesehen waren es ein paar sehr unangenehme Wochen die folgten, aber es war trotzdem ein schönes Gefühl mal wieder zu Hause zu sein… Mal richtig den Koffer auszupacken, alles an die Orte zu tun, wo sie ihren festen Platz haben, mal wieder richtig runterzukommen und sich zu entspannen. Das alles tut nach so langer Zeit auch mal wieder gut.
Jetzt nochmal kurz ein etwas anderer Gedanke zum Urlaub: Es ist wirklich unfassbar krass, wenn man darüber nachdenkt, was für Möglichkeiten wir hier in diesem unfassbar jungen Alter haben, dass wir so viel sehen, erleben und rumreisen können! Ich weiß, dass viele meiner Arbeitskolleginnen und Freund*innen hier noch nie die Chance hatte weit weg, geschweige denn überhaupt, in den Urlaub zu fahren und das lässt einen schon nochmal sehr über seine eigenen Privilegien nachdenken. Natürlich war auch für mich dieser Urlaub extrem groß und würde in Deutschland niemals in diesem Umfang stattfinden – da kommt dann doch durch, dass man das Gefühl hat, nur einmal so lange hier zu sein und möglichst viel sehen zu wollen – aber das spricht ja trotzdem nicht dagegen, dass es einfach unvorstellbar für viele hier ist, so viel Tourismus zu machen.
Gleichzeitig mit diesem Gedanken kommt natürlich aber auch die riesige Dankbarkeit, dass ich das alles hier erleben kann, so unfassbar viel sehen durfte und vor allem mit ganz tollen Menschen reisen durfte. Dieser Urlaub wird mir noch ewig in Erinnerung bleiben und war wirklich einzigartig!
Zwischenseminar
Nachdem wir dann wieder zwei Wochen in unserem Alltag angekommen waren, gearbeitet hatten und unsere Kitazeit vor allem mit basteln und die neuen Babys versorgen, verbracht hatten, ging es dann schon wieder los, und zwar zum Zwischenseminar. Dies fand letzte Woche (17.-22.01.) mit allen Freiwilligen der IERP (Partnerorganisation), die gerade ihren Freiwilligendienst in Uruguay, Paraguay oder Argentinien absolvieren, statt. Wir waren wieder ca. 50 Freiwillige und alle zusammen in einer Art Jugendherberge in Baradero (ca. 1-2h entfernt von Buenos Aires) untergebracht. Es war so eine unglaublich schöne Woche, die definitiv viel zu schnell vorbeiging!! Es wurde gequatscht, Mate/Terere getrunken, gebadet, gespielt, gesungen, gelacht und noch so viel mehr. Natürlich hatten wir auch wieder einige inhaltliche Einheiten, Workshops und vor allem ganz viel Zeit in Gruppen, um unsere bisherigen sechs Monate zu reflektieren und uns auszutauschen. Das tat so gut, mal mit anderen darüber zu reden und dadurch auch zu bemerken, dass wirklich viele auch die gleichen Probleme und Herausforderungen haben und man zu keinem Zeitpunkt allein damit ist. Die Gruppe der Freiwilligen ist echt so eine tolle Gemeinschaft und ich will die ganzen Menschen definitiv nicht missen!
Wie ihr sehen könnt, ziemlich viel los gewesen, und echt alles so tolle Erlebnisse, die ich in der letzten Zeit hier sammeln durfte. Ich bin unfassbar dankbar für diese ganzen Möglichkeiten und die wirklich ganz, ganz vielen wunderbaren Menschen, die mich hier auf meinem Weg begleiten!! Auch in nächster Zeit stehen noch ganz viele tolle Dinge, wie zum Beispiel, Karneval an, aber darüber werde ich euch bestimmt dann berichten:)
Hey, hey, 4 Monate sind bereits vergangen und plötzlich steht schon Weihnachten vor der Tür. Und mit der Weihnachtszeit steht auch ein weiterer Abschied an: Nämlich der von einem großen Teil meiner Kitakinder. Denn hier endet, genau wie in Deutschland auch, das Kitajahr im Sommer und da gerade Sommer ist und die Ferien schon in ein paar Tagen beginnen, ist es langsam Zeit Tschüss zu den Ältesten zu sagen, bevor sie dann ab Februar zur Schule gehen.
Aber eben in genau dieser Zeit ist es auch nochmal gut sich zu erinnern, was man die vergangenen 4 Monate schon alles im Projekt erlebt hat, und deswegen möchte ich in diesem Blog euch nochmal ein bisschen über ganz besondere Kitatage der vergangenen 4 Monate berichten, welche mir wahnsinnig schön in Erinnerung geblieben sind:
Frühlingsbeginn
Am 20.09., also erst einen Monat nach meiner Anreise, haben wir groß den Frühlingsbeginn gefeiert. In Deutschland wird der ja nicht wirklich zelebriert, aber hier wurde ein richtiges Event daraus gemacht. Schon die ganze Kitawoche zuvor haben meine Mitfreiwillige Lina, ich und teilweise auch die anderen Seños (so werden die Erzieherinnen hier genannt) viel geschmückt und gebastelt, damit alles bunt und voller Blumen ist. Am Tag selbst kamen dann die Kinder alle mit “medias locas“ und “peinados locos“, also verrückten Socken und Frisuren in die Kita. Mit ihren echt superkreativen Outfits konnten die Kinder sich dann auch auf einem selbstgemachten Laufsteg präsentieren und es wurde anschließend zusammen ganz viel getanzt und gesungen. Das war echt schön und es war einfach generell so eine Lebensfreude im Raum, die einfach nur ansteckend war.
Día de la familia
Am 18.10. war bei uns in der Kita „Día de la familia“, also Familientag und wir haben alle zusammen einen Ausflug gemacht. Dafür sind wir, nicht weit entfernt, zu einer Art Abenteuerspielplatz gefahren. Wir und die anderen Seños waren schon etwas früher da und haben vor Ort alles dekoriert und aufgebaut. Sobald die Kinder dann mit ihren Familien kamen, wurde getobt, gequatscht, gegessen und natürlich Mate getrunken. Denn bei wirklich keiner Veranstaltung in Argentinien darf Mate fehlen und auch in der Kita ist sie mittlerweile zu einem täglichen Begleiter für mich geworden. Ein wenig Programm fand dann an dem Tag auch noch statt: Es wurden Familienfotos gemacht, Geschenke überreicht und wir haben sogar mit den Kindern zusammen ein kleines Lied vorgesungen. Die Stimmung war super ausgelassen, alle waren glücklich und manche Kinder fanden es sogar so schön, dass sie beim Gehen geweint haben…
Día de la tradición
Am 10.11. ist in Argentinien jedes Jahr „Día de la tradición“. Also ein Tag, wo man sich an Argentiniens Traditionen nochmal besonders erinnert. Da das aber ein Sonntag war, haben wir am Montag, dem 11.11. den „Día de la tradición“ in der Kita nachgefeiert. Alle Erzieherinnen und Kinder kamen gekleidet in traditionellen Trachten, also als „Gaucho“ (historisch gesehen vor allem die Männer) oder „Paisana“ (historisch gesehen vor allem die Frauen). Auch wir haben typische Folklore-Röcke bekommen, die zwei der “Seños“ für uns mitgebracht haben. Es gab Empanadas zu essen, also ein typisch argentinisches Gericht und ein paar der Erzieherinnen haben Folklore vorgetanzt. Anschließend haben wir auch noch alle zusammen versucht Folklore zu tanzen. Das hat echt super Spaß gemacht und uns einen kleinen Einblick in die Welt der argentinischen Folklore gegeben, die echt super vielfältig und spannend ist.
Abschiedsfest
Am letzten Freitag, also am 13.12., stand in unserer Kita der Abschied der Ältesten und generell die Jahresabschlussveranstaltung, worüber ich auch bereits ganz am Anfang des Blogs geredet habe, an. Hinsichtlich dessen wurde ein großes Fest geplant, was unter dem Motto “Un mundo mejor para nuestros niños“ (übersetzt: „Eine bessere Welt für unsere Kinder“) stand. Dafür haben meine Mitfreiwillige und ich schon die letzten Kitawochen ein riesiges Wandbild als Bühnenhintergrund gebastelt. Im Vorhinein der Veranstaltung haben außerdem alle Altersgruppen Tänze gelernt und fleißig mit ihren Gruppenerzieherinnen eingeübt. Am Freitag sind dann alle Kinder abends mit ihren Familien, Freunden und Bekannten zur Kita gekommen. Es waren wirklich wahnsinnig viele Menschen da und man hat den Kindern richtig angemerkt, wie sehr sie sich darüber gefreut haben und wie stolz sie auch waren ihre Tänze vorzeigen zu können. Nach all den Tänzen gab es dann den offiziellen Abschlussteil für die 3jährigen, also die Ältesten der Kita, die ab Februar zur Schule kommen. Alle wurden nochmal einzeln hervorgehoben und haben einen ganz besonderen Platz in der Veranstaltung bekommen, was sehr süß und für viele der Eltern, verständlicherweise, auch sehr emotional war. Am Schluss gab es noch für alle Kinder Geschenke und Mappen mit Erinnerungen aus dem vergangenen Kitajahr und wir haben Weihnachtsplätzchen gebacken, die wir verteilen konnten. Es war ein richtig runder und schöner Abschluss und ich muss ehrlich sagen, dass die Kinder mittlerweile echt einen Platz in meinem Herzen haben und ich sie definitiv vermissen werde. Aber bis Ende Dezember ist es ja noch ein wenig hin und man kann die letzten Tage noch zusammen genießen.
Im Januar hat der Kindergarten ja dann komplett geschlossen und ab Februar kommen ja dann auch neue Kinder, mit denen bestimmt auch viele schöne Erlebnisse und Erfahrungen entstehen werden. Aber bis dahin steht noch Weihnachten, Silvester und mein erster Urlaub an, worauf ich schon mit viel Vorfreude blicke. Darüber werde ich dann bestimmt im nächsten Blog berichten.
Sind es erst oder schon zwei Monate? Das ist mir in den Kopf gekommen, als ich begonnen habe, diesen Blog-Beitrag zu schreiben. Die Zeit vergeht auf der einen Seite wie im Flug, aber wenn ich genauer darüber nachdenke, ist auch schon unheimlich viel passiert. Trotzdem kann ich manchmal nicht ganz glauben, dass ich jetzt schon ziemlich genau zwei Monate aus Deutschland weg bin, weg von meiner Familie, Freunden und meinem vertrauten Umfeld.
Aber fangen wir mal von vorne an:
Flug + Abschied:
Los gings am 13.08.24 am Frankfurter Flughafen. Dort habe ich mich dann von der letzten Person verabschiedet, meiner Mama:-(. Das war natürlich ziemlich traurig, aber ich konnte wie bei vielen Abschieden davor auch schon noch nicht richtig realisieren, dass ich die Menschen jetzt wirklich ein JAHR nicht sehe. Ich war davor noch nie so lange weg von zu Hause. Ich denke, deshalb waren die Abschiede zwar sehr traurig, aber ich hatte gleichzeitig unheimlich viel Vorfreude, Aufregung und Neugier in mir. Nach dem Verabschieden von meiner Mutter habe ich dann meine FSJ- Freunde am Flughafen getroffen und los ging‘s. Ca. 13 Stunden Direktflug nach Buenos Aires.
Im Flieger!
Vorbereitungsseminar:
Angekommen in Buenos Aires wurden wir von Mitarbeiter*innen der IERP (Iglesia Evangélica del Rio de la Plata) vom Flughafen abgeholt und zu unseren Wohnorten für die nächsten zwei Wochen gebracht. Wir wurden nach Organisationen an unterschiedliche Orte in Buenos Aires aufgeteilt. Ich war in einer sehr großen WG in der Esmeralda, das ist das Kirchengebäude, welches sehr nah in der Nähe vom Obelisken liegt. Der Obelisk ist Mittelpunkt und Wahrzeichen der Stadt. Das zweiwöchige Vorbereitungsseminar nennt sich auch Capacitación. In dieser Zeit haben wir eine große Bandbreite von Themen besprochen. Dazu gehörten organisatorische Sachen: Wie besorgt man sich eine SIM-Karte? Wie funktionieren die öffentlichen Verkehrsmittel? Auf der anderen Seite haben wir uns aber auch mit tiefergehenden Themen beschäftigt, wie Kultur, generelle politische Lage, Sexismus und Kolonialismus. Insgesamt war es eine sehr intensive, informative Zeit. Das war auf der einen Seite ziemlich anstrengend, aber auch unheimlich anstrengend, weil man wahnsinnig viele neue Leute kennengelernt hat und das erste Mal die Möglichkeit hatte, die Stadt zu erkunden.
Chaotische aber sehr schöne Abendessen
Gemeinsam die Stadt erkunden
Einzug in die WG:
Nach den zwei Wochen Capacitación wurde dann verkündigt, mit wem man wo lebt. Das war für mich ein sehr spannender Moment, weil ich das bis zu dem Zeitpunkt noch nicht wusste. Ich wohne jetzt in Quilmes (vielleicht kennt ihr den Namen ja von der Biermarke ). Das ist eine Provinz im Süden von Buenos Aires. Ich wohne hier in einer Wohnung mit drei anderen Mädchen. Für mich war der Einzug anfangs keine super einfache Phase, weil ich in dieser Zeit das erste Mal begonnen habe zu realisieren, dass ich jetzt wirklich eine so lange Zeit hier bin und nicht nur in den Ferien mit Freunden bin. Dazu kam dann auch noch der generelle Zustand der Wohnung, da dieser natürlich von den gewohnten europäischen Standards abweicht. Zum Beispiel haben wir leider fast gar kein Sonnenlicht in unserer Wohnung. Obwohl ich versucht habe, möglichst ohne Erwartungen an die Wohnungsthematik heranzugehen, gab es dann doch den ein oder anderen Moment, wo man etwas überfordert von der Wohnsituation war und natürlich manchmal noch ist. Aber man muss immerhin Hinterkopf behalten, dass eine Wohnung wie unsere immer noch ziemlich luxuriös sind im Vergleich zu den Standards vor Ort. Quilmes generell kann man sich wie eine Kleinstadt vorstellen. Wir wohnen direkt an der Hauptstraße mit vielen Läden, Cafés, Restaurants und Bars. Es gibt auch viele Kulturangebote. Ich habe zum Beispiel schonmal Zumba und Boxen ausprobiert. Das ist richtig schön, weil man dadurch nochmal mehr Kontakt zu Argentinier*innen hat und sich so Routinen schaffen kann. Durch solche Dinge habe ich das Gefühl, mich hier langsam aber sicher einzuleben. Quilmes ist ungefähr eine Stunde von der Innenstadt entfernt und eine Stunde von meinem Projekt. Diese Entfernungen sind gerade hier in Buenos Aires absolut normal, weil zum einem der Großraum Buenos Aires sehr groß sind, aber auch Argentinien als Land generell.
Meine Quilmes WG <33
Projekt:
Ein paar Tage nach Einzug ging es dann zum ersten Mal zu meinem Projekt. Mein Projekt heißt „La Casona“ und ist in Florencia Varela, also noch südlicher als Quilmes. „La Casona“ bedeutet soviel wie Die Villa/ Das Haus. La Casona ist ein soziales Projekt und stellt für Kinder und Jugendliche einen Ort da, wohin sie nach oder vor der Schule kommen und an Freizeitprojekten teilnehmen können. Es gibt drei Altersgruppen. Zur Eingewöhnung arbeiten meine Mitfreiwillige Gloria und ich zurzeit nur mit der jüngsten Altersgruppe (ca. 6-12 Jahre). Dann gibt es noch eine Gruppe von Teenagern und eine ältere Gruppe. Am ersten Tag wurden wir von der Pastorin des Projekts Paula abgeholt und haben den Tag mit den Kleinen verbracht. Es war sehr spannend, das Projekt und das Team das erste Mal zu treffen. Ich habe mich direkt super wohl und willkommen gefühlt. Das lag daran, dass zum einem die Kinder uns super lieb willkommen geheißen haben, aber auch weil das Team wirklich sehr lieb ist. Generell habe ich bis jetzt den Eindruck, dass das Team in der Casona sehr viel Erfahrung mit Freiwilligen hat und einen immer mit einbindet. Dadurch dass zum Teil auch noch ziemlich junge Mitarbeiter bei der Casona arbeiten, fällt es mir noch leichter, mich mit den Menschen zu connectenund mich wohlzufühlen. Zurzeit arbeite ich noch nicht so viel, da ich zur Eingewöhnung nur mit der jüngsten Altersgruppe arbeite. Für alle Altersgruppen gibt es hier unterscheidliche „tallere“ (Kurse). Am Dienstag beginnt meine Woche mit der Bäckerei. Die Bäckerei gefällt mir bis jetzt am besten, weil es einfach Spaß macht, mit den Kleinen in der Bäckerei, meist viele süße Sachen (mit viiiel Dulce de Leche), zu backen. Am Mittwoch finden unterschiedliche Fotoprojekte statt und am Donnertag machen wir immer Dinge im Garten von der Casona. Die tallere sind echt schön und es sind tolle Projekte, die wir mit den Kindern machen. Ich bin schon gespannt, wie es dann wird, wenn wir auch mit den anderen Altersgruppen zusammenarbeiten.
In der Panadería mit den Niñes am Pfannkuchen bratenTaller de cine (Fotoworkshop im Garten der Casona)
Sprache:
Vor meiner Abreise nach Argentinien hätte ich meine Spanischkenntnisse als sehr stark ausbaufähig beschrieben. Ich hatte zwar Spanisch in der Schule, aber das ist auch schon ein Weilchen her und ich habe leider vor Argentinien auch nicht allzu viel Spanisch gelernt, weil ich so viele andere Dinge vorbereiten musste. Außerdem spricht man hier in Argentinien, vor allem in Buenos Aires mit einem sehr starken Akzent. Auch dadurch fällt es mir immer noch etwas schwer, alles zu verstehen. Auch das Sprechen ist nicht immer leicht. Deshalb nehme ich einmal die Woche an einem Sprachkurs teil. Mit dem Spanisch ist es immer ein Auf und Ab. Gerade an Tagen, an denen ich lange im Projekt bin und gewissermaßen Spanisch sprechen “muss“, wird es im Laufe des Tages immer besser. Aber gerade, wenn ich übers Wochenende meist weniger Spanisch spreche, wird’s wieder schwieriger. Ich versuche mich da auf jeden Fall reinzuhängen und hoffe das gerade das Sprechen dann einfacher wird.
Sooo ich hoffe das konnte euch einen guten Gesamtüberblick über meine letzten 2 Monate geben. Ich bin schon gespannt wie sich meine Zeit hier weiter entwickeln wird…
Nach unserem 13-h Flug von Frankfurt nach Buenos Aires wurden wir am Flughafen von Angie und Peter, zwei Referenten von der Iglesia Evangélica del Río de la Plata (IERP), unserer Partnerorganisation abgeholt.
Dort waren wir dann das erste Mal Geld wechseln und haben unsere ersten Pesos bekommen. Anschließend wurden wir in unsere Unterkunft für die Zeit des zweiwöchigen Seminares gebracht. Die Esmeralda; mitten im Zentrum von Buenos Aires in der Nähe des Obeslisk.
Capacitatión
Das Seminar (Capacitatión) wurde begleitet von viel Intensität. Alles neu, alles aufregend, manches etwas einschüchternd. Ein Auf und Ab der Gefühle. Ich habe alles so intensiv erfahren, jede Begegnung, jede neue Erfahrung, aber auch die Erinnerungen an Deutschland. Irgendwie ist alles stärker, Freude war nicht nur Freude, sondern überschwängliche Euphorie und Traurigkeit war nicht nur Traurigkeit, sondern eine Welle aus Betäubung die einen überrannt hat. Aber nicht nur, dass man alles sehr intensiv wahrgenommen hat, dazu kam alles so schnell und wechselhaft. So viele Erlebnisse, Erfahrungen, Eindrücke wie die Großstadt Buenos Aires selbst; schnell, laut, vielgesichtig. Erfüllt von Kontrasten, Lachen, Tumult und Empanadas. So vieles geht hier Hand in Hand und Gegensätze werden vereint, das macht Buenos Aires so einzigartig.
Das Seminar bestand meist aus zwei Einheiten; Vormittags lernten wir Spanisch in einem Sprachkurs und nachmittags hatten wir meist verschiedene Einheiten zu Kultur, Sicherheit, Länderkunde, etc.
Wir machten auch Ausflüge und besuchten z.B. ein paar unserer zukünftigen Projekte.
Obwohl das Semiar schon anstrengend, wir den ganzen Tag unterwegs und abends sehr müde waren, habe ich mich unglaublich auf die Abende in unserer Esmeralda WG gefreut. In der Esmeralda wohnten zu der Zeit 12 von uns Deutschen, vier argentinische Studentinnen und zwei andere Deutsche, es war also ganz schön was los!
Obwohl wir für 18 Mädchen nur zwei Bäder hatten, hat trotzdem alles sehr gut geklappt.
Ob beim gemeinsamen riesen WG-Abendessen (manchmal auch mit den sechs Jungs) oder bei all den Gesprächen auf der Dachterasse oder in meinem Liebings 6-er Zimmer, wir hatten eine tolle Zeit während dem Seminar.
Lieblings Zimmer
27.08.2024 Umzug Grand Bourg
Dann viel zu schnell war das Seminar auch wieder vorbei und es war Zeit sich von einigen meiner Mitfreiwilligen erstmal für längere Zeit zu verabschieden. Aber dafür stand unser Umzug an, in unser neues Haus, in einer neuen Stadt mit neuen Mitbewohnern. Unser Haus in Grand Bourg hat uns erstmal überrascht, sowohl positiv als auch negativ. Von unseren schönen Zimmern und unserem gemütlichem Wohnzimmer über Ameisen in den Wänden und kein warmes Wasser. Uns wurde auf jeden Fall nicht langweilig. In unserem Projekt EnAcción wurden mein Mitfreiwilliger Gabriel und ich sehr herzlich empfangen. Da es am ersten Tag in Strömen regnete, konnten wir bei einer Runde Ping Pong das Team kennenlernen. Wir haben einen Monat lang die Möglichkeit bekommen alle Aktionen und Workshops im Projekt einmal auzuprobieren und mitzumachen, sodass wir danach entscheiden konnten, welche Workshops wir das Jahr über unterstützen wollen.
EnAcción ist ein sehr großes Projekt mit circa 35 Mitarbeitenden und sehr vielfältigen Angebot für alt und jung z.B. gibt es einen Druck-, Recycel- und Kochworkshop, Fußballtraining für alle Altersgruppen, sowie einen eigenen Markt wo selbstgemachte Dinge verkauft werden.
Es gibt also ziemlich viel zu tun 🙂
Was ich den ganzen Tag so mache und was man hier in seiner Freizeit so erleben kann – das berichte ich in meinem nächsten Beitrag.
Hey, hey, einfach 2 Monate hier in Argentinien sind schon rum! Die Zeit vergeht wirklich wie im Flug und ich bin immer noch erschrocken, wenn ich daran denke, dass schon 1/6tel vorbei sind… Aber fangen wir erstmal von vorne an:
Am 13.08. ging es für mich von zu Hause aus los. Am Hauptbahnhof in Berlin habe ich dann auf Lucy getroffen, noch die letzten Leute verabschiedet und schon stand der großen Reise nichts mehr im Weg. Nach einer entspannten Zugfahrt, in Frankfurt angekommen, haben wir die ersten Mitfreiwilligen wiedererkannt und schwuppdiwupp, einen Flug später, waren wir auch schon in Buenos Aires gelandet. Dort erwartete mich und fast 50 andere Freiwillige der IERP (Iglesia Evangélica del Río de la Plata; meine Partnerorganisation) ein zweiwöchiges Einführungsseminar. Zusammen verbrachten wir 2 Wochen, gefüllt mit Sprachkurs, inhaltlichen Workshops und Vorträgen, aber auch vor allem viel Spaß, Begegnungen, Kaffeepausen und mehr. Untergebracht war ich in einer riesigen WG, bestehend aus 18 Leuten und auch wenn das manchmal zu viel Chaos geführt hat, möchte ich diese Zeit auf keinen Fall missen! Generell die ganze Seminarzeit bleibt mir in extrem positiver Erinnerung, denn sie war superschön und bereichernd, auch wenn es natürlich teils anstrengend und überfordernd war, aber das gehört halt auch dazu, wenn alles neu ist und so viele Eindrücke und Emotionen auf einen prasseln. Doch dadurch, dass irgendwie alle Freiwilligen, was das angeht, im gleichen Boot sitzen, hat man während des Seminars superschnell neue Leute kennengelernt, schon erste Freundschaften geschlossen und in so kurzer Zeit so viel erlebt, dass das echt zusammengeschweißt hat. Und somit verging auch die Seminarzeit schnell und der zweite Abschied in zwei Wochen stand an, denn für mich ging es ja noch weiter.
WG-Trubel
Zwar musste ich diesmal keine Ländergrenzen überschreiten, denn ich wohne ja weiterhin in Argentinien, aber mein Weg führte mich ca. 500km nördlicher, nach Paraná. Paraná ist mit 250.000 Einwohnern die Hauptstadt der Provinz Entre Ríos und direkt am Río Paraná gelegen. Hier lebe und arbeite ich ein Jahr lang zusammen mit meiner Mitfreiwilligen Lina. Wir wohnen zusammen in einem kleinen Zimmer mit Küche und Bad direkt oberhalb des Kindergartens, in dem ich arbeite. Die Kinder dort sind zwischen 0 und 3 Jahre alt und neben alltäglichen Aufgaben wie Essen vorbereiten, die Kita dekorieren, spülen oder aufräumen bleibt uns auch viel Zeit, um mit den „nenes“ zu spielen, basteln oder draußen zu toben. Es ist wirklich wahnsinnig süß zu sehen, wie die Kinder sich an einen gewöhnen und einem so schnell ihr Lächeln und viel Liebe zurückgeben! Ein gewisser Kita-Alltag ist also eingekehrt und tägliche Ohrwürmer von spanischen Kinderliedern sind natürlich auch nicht mehr wegzudenken…
Deko für den Frühlingsbeginn
Basteln mit den Kindern
Das Einzige, was mich ein wenig beunruhigt ist, dass teilweise echt wenig Kinder nur in der Kita sind. Eine der Erzieherinnen erzählte mir, dass früher 40 Kinder dort zur Kita gingen und mittlerweile sind es maximal 19 Kinder. Mit fünf Erzieherinnen und uns zwei Freiwilligen hat man an manchen Tagen, wenn zum Beispiel nur 5 oder 6 Kinder da sind, echt wenig zu tun und ein wenig Langeweile kehrt ein, auch wenn wir uns dann meistens trotzdem Beschäftigungen suchen, indem wir basteln, dekorieren oder andere vorhandene Aufgaben machen. Was genau mit der Kita passiert, wenn im Laufe des Jahres die Ältesten gehen, wissen wir auch noch nicht, aber bis dahin ist es ja auch noch ein wenig hin und vielleicht kommen ja in der Zwischenzeit wieder viele neue Kinder.
Neben der Arbeit, die, aufgrund der Öffnungszeiten, jeden Wochentag nur von 7 bis 13 Uhr geht, bleibt Lina und mir außerdem noch viel Zeit um unseren Tag anderweitig zu gestalten. So haben wir uns schnell eine Möglichkeit gesucht mehrmals die Woche Sport machen zu können und haben in den letzten Wochen auch die Zeit gut genutzt, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Neben der Costanera, also dem Teil Paranás, welcher am Fluss entlangführt (wo es auch Strand mit Palmen gibt und wo ich jedes Mal glücklich bin, wenn ich von dort aus aufs Wasser sehen darf:)) gibt es auch ein süßes Stadtzentrum mit netten Cafés, Parks und Einkaufsmöglichkeiten. Wir müssen uns zwar immer noch ein wenig einleben und ankommen, aber im Großen und Ganzen kommen wir supergut klar, das Leben zu zweit auf engem Raum funktioniert eigentlich perfekt, auch was Kochen, Putzen etc. angeht, wir lernen erste Bekanntschaften kennen und fühlen uns hier allgemein sehr wohl!
Impressionen aus Paraná
Wir waren sogar schon Teil einer Jugendfreizeit der IERP hier in Entre Ríos. Unser Nachbar hatte uns vor drei Wochen, also gar nicht so lang nach unserem Ankommen, eingeladen mit auf ein sogenanntes „Campamento“ zu fahren. Dieses fand in Crespo, einer Stadt, ca. 50 Minuten mit dem Bus entfernt von Paraná statt. Da wir das Wochenende über noch keine Pläne hatten und die Möglichkeit darauf neue Leute kennenzulernen, viel Spanisch zu sprechen und Etwas zu erleben für uns ideal erschien, sagten wir zu und fuhren mit ihm aufs Campamento. Es war letztendlich wirklich ein richtig tolles Wochenende mit viel Spiel, Spaß, Bewegung und natürlich – was hier nie fehlen darf – das Trinken von Mate beziehungsweise Terere (kalte Mate für die Sommermonate, die hier in der Region mit Saft zubereitet wird). Wir konnten wirklich wahnsinnig viel Spanisch reden, was echt Spaß gemacht hat, und haben auch neue Leute kennengelernt. Leider kommt zwar keiner von denen aus Paraná, sondern alle wohnen ein wenig verteilt, aber trotzdem kann man ja weiterhin Kontakt halten und sich über die nächsten Monate nochmal sehen.
Ein anderes Highlight war Linas und mein erster richtiger Wochenendtrip nach Buenos Aires. Dadurch dass letzten Freitag landesweit ein freier Tag war, konnten wir schon am Donnerstag direkt nach der Arbeit mit dem Bus losfahren und kamen abends am Retiro in Buenos Aires an, wo wir herzlich in Empfang genommen wurden. Das Wochenende über haben wir dann bei Mitfreiwilligen geschlafen, die etwas außerhalb von Buenos Aires wohnen, und haben mit ihnen und auch vielen anderen Freiwilligen, die in Buenos Aires beziehungweise Gran Buenos Aires (der Großraum um Buenos Aires rum) wohnen, Sachen erlebt. Von über den Markt schlendern, ins Café gehen, abends auf ein Konzert und dort sogar selber Musik machen, mal entspannt in der WG Spiele spielen und kochen, Buenos Aires und seine Sehenswürdigkeiten erkunden bis zu einem Geburtstag war alles dabei. Und wir haben es sogar zum Meer geschafft!
Es war echt die perfekte Mischung aus was Erleben und entspannt Zeit mit Freunden zu verbringen. Mal wieder rauszukommen und Leute wiederzusehen war echt wie Balsam für die Seele und das Wochenende ging aufgrund dessen auch superschnell vorbei und schon saßen wir am Sonntagabend wieder im Bus auf dem Rückweg nach Paraná, dem Ort, den ich für die kommenden 10 Monate noch mein Zuhause nennen darf:)
Als ich hier in Argentinien im August ankam, bekam ich in der Wechselstube einen Euro und bekam ungefähr 700 argentinische Pesos dafür. Heute bekomme ich für einen Euro 1380 Pesos. Die wirtschaftliche und soziale Lage hat sich schon in den letzten Jahren immer weiter ins Negative gewandelt, jedoch ist der Wandel in den letzten Monaten so extrem und drastisch wie noch nie. Ich möchte im Folgenden probieren von meinen Eindrücken hier vor Ort zu erzählen und vor allem ein Bild davon geben, wie es den Menschen hier und in meinem Projekt mit der ganzen Situation geht.
WIRTSCHAFTLICHER HINTERGRUND Argentinien war nicht immer verschuldet und in einer tiefen finanziellen Krise. Anfang des 20. Jahrhunderts war Argentinien eines der wohlhabendsten Länder und wichtigsten Wirtschaftsmächte weltweit, vor allem durch die erfolgreiche Agrarwirtschaft, den Reichtum an Feldern,Weiden, Gasvorkommen, Silber und Gold. Doch ab den 1950ern durchlebte Argentinien zahlreiche Krisen und auch politische Probleme trugen dazu bei, dass Argentinien sich immer mehr im Ausland verschuldete, immer mehr Menschen arbeitslos wurden und die Inflation eine immer größere Rolle im Alltag der Bürger spielte. Die große Wirtschaftskrise 2001/02 war dann schließlich der Auslöser, dass die Wirtschaft komplett zusammenbrach und hunderttausende Menschen ihre Arbeit und ihr Vermögen verloren. Heute leben über 40% unterhalb der Armutsgrenze, bei unter 14-jährigen sind es über 50%. Selbst wenn die Menschen eine Arbeit haben, ist es nahezu unmöglich von dem geringen Lohn leben zu können. Es entstand ein riesiger Schwarzmarkt, viele illegale und gefährliche Jobs, niemand traut den Banken und die Menschen versuchen so viele Dollar-Scheine wie möglich zu Hause zu horten. Die Zukunft ist ungewiss und die Menschen leben in ständiger Angst von Tag zu Tag. Ob der neue Präsident Javier Milei, der seit Dezember im Amt ist, nun Fluch oder Segen für Argentiniens Zukunft ist, da spalten sich die Meinungen der Bürger gewaltig
MEIN PROJEKT „NUESTRA SEÑORA DE LUJAN“ Jeden Morgen steige ich um kurz nach 8 in den Bus und fahre ca. 45 Minuten zu meinem Projekt ins Barrio Las Heras. Las Heras liegt ganz am Rande im Westen der Stadt, ich wohne im Zentrum der Stadt. Am Anfang kam mir die Fahrt immer sehr lang vor, doch jetzt bin ich es längst gewohnt und kenne fast alle Querstraßen auswendig, die wir passieren. Von 9-16 Uhr kommen die Kinder in zwei Gruppen, mit dem Mittagessen lösen sich die Gruppen ab. Zurzeit kommen vormittags und nachmittags jeweils um die 20-25 Kinder. Es ist ein sehr schönes Projekt: durch Workshops lernen die Kinder viel und haben die Chance ein Hobby machen zu können. Auch durch das Mittagessen, welches für die Kinder vor Ort gekocht wird, werden die Familien stark entlastet. Zweimal im Monat kommen alle Familien des Barrios (ca. 300) und bekommen eine große Tüte mit Obst, Gemüse, Milch, ein Stück Fleisch und Käse, Nudeln sowie Reis, existenziell für die Bewohner. Geleitet wird das Projekt von Hermana Marta, die ihr ganzes Herz und ihre Energie ins Wohlergehen der Kinder steckt. Ich bewunderte sie von Anfang an sehr, denn sie hat eine wahnsinnig positive Ausstrahlung, freut sich immer einen zu sehen, ist politisch wahnsinnig engagiert und hat für jeden ein offenes Ohr. Und vor ein paar Wochen feierten wir ihren 84. Geburtstag…
Hermana Marta
Kinder in meinem Projekt
Lieblingsspiel UNO
Man befindet sich jeden Tag in Situationen, wo einem immer wieder gezeigt wird, wie privilegiert man aufgewachsen ist und was für eine beschützte Kindheit man erleben durfte. Man verspürt dann zum einen eine ungeheure Dankbarkeit, aber es ist auch schwer damit umzugehen. Man schämt sich, dass man sich nie um ein Zuhause sorgen musste, drei leckere Mahlzeiten hatte, zur Schule und zu zahlreichen Hobbys gehen konnte und immer einen Überfluss an Kleidung und heilen Schuhen hatte. Es ist so unfair, dass die Kinder hier teilweise in ein Leben voller Armut und mit ganz schwierigen und traumatischen Familienhintergründen hineingeboren werden. Die sozialen Projekte in Argentinien waren schon immer finanziell sehr stark gefährdet und haben wenig Unterstützung der Regierung bekommen. Schon als ich im August ankam, bekam man sehr viel vom Wahlkampf und den aufeinandertreffenden Fronten mit. Beim Mittagessen mit den Mitarbeiterinnen gab es immer interessante Gespräche, denen ich mit der Zeit immer weiter folgen, mehr verstehen und auch Fragen stellen konnte. Von vielen aus der ärmeren Schicht hörte ich Sätze wie: “UNS wird eh keiner der beiden Kandidaten helfen” oder “Wir müssen uns für den ein bisschen weniger schlimmen Kandidaten entscheiden.” Doch klar war, mit Milei wird es noch schlimmer werden. Die Enttäuschung und Verzweiflung als Milei die Wahl dann tatsächlich gewann, war deutlich spürbar und Hermana Marta sagte seufzend zu mir: “Das kommende Jahr wird sehr, sehr hart werden.” Die Workshops fallen teilweise weg, in den Lebensmitteltüten für die Familien fehlen nun Milch oder Käse und es wird gerätselt was man den Kindern zum Mittagessen kochen kann, was gleichzeitig günstig, aber auch nicht zu ungesund ist.
Pappe sammeln für Geld
Demonstrationen
Doch auch wenn man nicht in einem sozialen Umfeld tätig ist, bekommt man im ganz normalen Alltag auch sehr viel von den neuen Einschränkungen und dem extremen Verlauf der Inflation mit. Beispielsweise wenn man sich mit den Studenten über die Situation unterhält, beim Einkaufen jeden Tag mehr Geld mitnehmen muss oder die zahlreichen Demonstrationen in der Stadt sieht. Wenn ich in meinem Bus zur Arbeit fahre, der nun nur noch halb so oft fährt, sehe ich schon morgens die meterlangen Menschenschlangen, die beim Bankautomaten anstehen. Nirgendwo stehen mehr Preise angeschrieben, weil sie jeden Tag erneuert werden müssen und an der Tankstelle bekommt man meistens auch keinen Treibstoff mehr. Man sieht immer mehr Obdachlose und viele Menschen gehen mit einem Wagen durch die Straßen um Pappe zu sammeln und dafür ein paar Pesos zu bekommen. Die Menschen sind verzweifelt und erschöpft. Umso mehr hoffen viele auf Milei. Sie sagen: “Milei ist mal was anderes, es kann nicht so weitergehen wie bisher. Wir brauchen ein drastische Veränderung.” Die andere Hälfte der Bürger versucht sich mit Demonstrationen und anderen Aktionen seinen Plänen zu widersetzen.
Milei ist von positiven Auswirkungen seiner “Radikalkur” überzeugt und versucht sein Reformpaket, welches 300 Gesetze beinhaltet, durchzusetzen. Unter anderem werden legislative Kompetenzen für zwei Jahre an die Regierung übergeben, Staatsbetriebe privatisiert und soziale Leistungen einkassiert. Und obwohl der Widerstand zwar wächst, die Mehrheit im Parlament hat Milei schon…
Ich konnte den Vorfreiwilligen immer nur sehr schwer glauben, wenn sie wiedermal meinten, dass wir jeden Tag genießen sollen, da dass Jahr sooo schnell vergeht. Doch jetzt sitze ich hier im lang ersehnten Hochsommer mit meinem Mate und realisiere, dass genau jetzt schon die Hälfte meines Jahres um ist. Wenn ich auf die letzten Monate zurückblicke ist so viel passiert, wo fang ich nur an zu erzählen!?
Wenn ich jetzt zurückblicke kann ich auf jeden Fall behaupten, dass ich eigentlich in allen Bereichen eine ganz deutliche Verbesserung sehe. Sowohl auf der Arbeit, freizeitlich, sprachlich als aber auch ganz besonders bei meinem persönlichen Mindset. So schwer es war, das am Anfang zu glauben: ES BRAUCHT ZEIT! Zwar bei manchen mehr und bei anderen weniger, aber man braucht Geduld beim Einleben, um dann richtig leben zu können und das Jahr in vollen Zügen zu genießen!!
ich liebe diese Stadt 🥹
Mir fallen soo viele tolle Momente ein, wenn ich nochmal überlege, was ich eigentlich alles so unternommen habe in den letzten Monaten. Ich habe Besuch von anderen Freiwilligen bekommen, wir waren surfen und haben das Wetter am Strand genossen. Dann habe ich zum Beispiel noch Nina von meiner Organisation zu ihrem Geburtstag in Buenos Aires überrascht. Wir hatten ein richtig schönes Wochenende, waren am Rio essen, in ner Tango-Bar und ich konnte Buenos Aires auch nochmal ein bisschen besser kennenlernen:) Nach so welchen Wochenenden habe ich aber auch gemerkt, dass ich mich auch wieder richtig auf mein “Zuhause” freuen konnte! Ich liebe meinen Alltag mittlerweile sehr, mache viel Sport und habe auch Klavierunterricht. Zudem habe ich auch endlich durch einen glücklichen Zufall Leute in meinem Alter kennengelernt, was mir meine letzten Wochen sehr erleichtert hat. Wir haben viel zusammen unternommen und ich wurde super herzlich von der Freundesgruppe aufgenommen (Auch wenn ich mich erstmal an die SEHR späte Feierkultur gewöhnen musste und das ausschließlich auf Spanisch unterhalten auch nicht ganz so einfach ist…)
Besuch in Martinez, Buenos Aires
NINA 💞
SURFEN
Franzi zu Besuch
Der Dezember verging dann wie im Flug und plötzlich stand Weihnachten vor der Tür. Ich war überhaupt nicht in Weihnachtsstimmung vorher und habe die Tage lieber bei 30°C am Strand verbracht, war auch nicht allzu schlecht 🙂 Weihnachten habe ich ziemlich spontan mit neun anderen Freiwilligen in einem Airbnb in Buenos Aires verbracht. Wir haben zusammen gekocht und haben den Abend ganz entspannt zusammen verbracht. Natürlich habe ich mich schon ein bisschen nach Zuhause zu meiner Familie gesehnt, die wie immer zusammen am Weihnachtsbaum saß, aber dadurch, dass mein Weihnachten so ganz anders dieses Jahr war, konnte ich es auch hier genießen. Und da mein Cousin auch einen Freiwilligendienst in Argentinien macht, war sogar ein bisschen Familie da!
ch bin dann noch ein paar Tage in Buenos Aires geblieben, denn dann kam auch schon meine Schwester zu Besuch und ich habe sie vom Flughafen abgeholt!! Dieser Tag schien immer noch soo weit weg und dann stand sie plötzlich vor mir, so ein komisches Gefühl! Wir waren dann ein paar Tage über Silvester bei mir in Mar del Plata und haben einfach die Sonne am Strand genossen, waren viel Surfen und mit meinen Freunden von hier feiern. Das war echt ne sehr coole Zeit!! Bis auf den Wasserrohrbruch in meiner Küche…
<3
FAMILIE
<3
Und dann ging’s auch schon ab in den Urlaubbbbbb!!
Da hier in Argentinien Sommerferien sind, hat mein Projekt den gesamten Januar geschlossen und ich hatte frei. Wir sind dann zu viert (meine Schwester Alste, mein Cousin Jacob und eine andere Freiwillige Nina) nach Bariloche aufgebrochen. Das liegt weiter im Süden in Patagonien und ist zu dieser Zeit von den Temperaturen ein wenig angenehmer. Wir hatten eine richtig lustige und tolle Zeit und waren auch nach unserer dreitägigen Wandertour (56km!!) noch topfit! Diese Auszeit und Ruhe in den Bergen konnte man echt richtig genießen und ich bin sehr dankbar für diese Zeit. Wir haben eine Nach in einer gemütlichen Hütte in den Bergen übernachtet, den Ausblick genossen und waren im See schwimmen. Nach ca 10 Tagen ging es dann auch schon wieder zurück, die Zeit rennt nochmal schneller, wenn man es am wenigsten will… Nach insgesamt drei Wochen musste ich meine Schwester dann auch schweren Herzens wieder gehen lassen. Ich hatte echt vergessen, wie schön und leicht die Zeit mit den Menschen ist, die einen einfach ganz genau und schon seit immer kennen. Das hat mir richtig viel Energie gegeben!
die Reisegruppe 🙂
WANDERN…
BARILOCHE
Nachdem es dann Ende Januar nach ganz viel Strand und Surfen noch für mich aufs Zwischenseminar mit 25 anderen Freiwilligen ging, beginnt jetzt auch wieder die Realität und der normale Alltag. Und auch wenn ich jetzt nur von meinen überragenden und traumhaft schönen Momenten berichtet habe, darf man nicht vergessen, dass man trotzdem ein ständiges Auf und Ab erlebt, und das ist auch völlig normal. Man hat schlechte Tage, schlechte Momente und mir fällt es dann manchmal echt schwer diese nicht in den Mittelpunkt zu stellen, sondern vielleicht sogar etwas positives draus mitzunehmen. Ich habe schon jetzt extrem gemerkt, dass einem ganz kleine Momente oder nur ein Satz, den jemand zu einem sagt, richtig viel Energie und Freude geben. Sei es das Meeresrauschen oder der Sonnenuntergang. Ein Kind, welches einem lachend „Te quiero“ zuruft oder eine Nachricht, in der dich jemand fragt ob du Lust auf einen Treffen hast. All das sind Momente, die die Tage schön machen, einen positiv bleiben lassen und einem das Gefühl geben hier ein Zuhause zu haben.
Doch genauso gibt es dafür auch viele kleine Momente und Situationen, die einen genauso extrem die Tiefs fühlen lassen. Sei es ein schlechter Tag, wo man das Gefühl hat komplett überflüssig und energielos zu sein oder der Bus, der dann mal wieder nicht kommt. Ein Idiot, den man in der Stadt trifft oder eine Nachricht, in der das Treffen, worauf man sich den ganzen Tag gefreut hat, dann doch spontan abgesagt wird. Mir fällt es dann oft sehr schwer, mich von so etwas nicht runterziehen zu lassen und einfach was anderes schönes allein zu unternehmen, da ich eben nicht als Alternative mal eben auf meine WG zurückgreifen kann. Aber das wird auch alles besser und man lernt immer mehr mit diesen Situationen umzugehen. Es ist eben nicht alles Sommer, Sonne, Sonnenschein, wie es so oft scheint…
Auch in meinem Projekt gibt es in der aktuellen Situation sehr viele Probleme, die einen auch persönlich nach der Arbeit nicht loslassen und beschäftigen. Darauf möchte ich in einem weiteren Beitrag nochmal genauer drauf eingehen…
Allgemein kann ich sagen, dass ich diese Zeit hier sehr wertschätze, super dankbar bin trotz den Anfangsschwierigkeiten durchgezogen zu haben und ich mich schon auf weitere tolle Wochen freue, die auf mich zukommen. Argentinien, du hast mein Herz auf jeden Fall schon für dich gewonnen!!
Verdammt, wie die Zeit rennt. Ich nehme mir seit über nem Monat vor, mal wieder einen Eintrag hier zu schreiben. Oder nein, das klingt zu sehr nach „müssen“.Eigentlich ist das hier ja wie Tagebuch. Da muss ich gar nichts. Ich liebe es, alles was ich erlebe aufzuschreiben. Und gerade fühle ich mich nach schreiben, deshalb here we go:
Vielleicht fange ich mal damit an, dir ein bisschen meinen Moment zu beschreiben. Ich sitze draußen an der Seite unseres Hauses auf dem Boden, ein Kissen in meinem Rücken und dem Laptop auf angewinkelten Beinen. Es ist warm aber nicht zu warm. Es ist 18:25 und die Sonne scheint mittlerweile nicht mehr so hell, sondern mehr orange auf die umliegenden Häuser und Bäume. Ich fühle das weiche Kissen und das Klicken der Tasten, rieche das Abendessen der Nachbarn, höre Hunde, Menschen, Cumbia, Autos und Vogelgezwitscher.
Es ist der 20. Januar – was, schon der 20. Januar? Gefühlt stand ich erst vor einer Woche an Silvester barfuß am Strand. Ich will jetzt auch gar nicht einfach stumpf alles auflisten, was ich erleben durfte. Mehr ist das so ein Rückblick der letzten Monate und ein Einblick in die Gefühle, die mich hier momentan begleiten. Wer auch immer du bist, der/die das gerade liest, ich hoffe dir geht es gut. Vielleicht kann ich dich für einen Moment nach Argentinien entführen. In das Land des Fußballs, dem Mate und der Sonne.
Mir fallen immer wieder Themen ein, über die ich schreiben will. Über die Menschen hier, das Leben im Projekt. Über das Vermissen und die Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die ich gerade nicht um mich habe. Über lustige Momente und die Liste an Fettnäpfchen, die Emma auf ihrem Handy abspeichert. Über die Zeit, die so schnell verfliegt..
Naja, ich hab ja noch ein bisschen Zeit, vielleicht irgendwann. Ich mag es, dass das hier meine ganz eigene Seite ist. Dass ich in meinem Tempo schreiben kann und allein über die Dinge, die ich will.
Mittlerweile kann ich für mich sagen, dass ich angekommen bin. Das dachte ich zwar auch schon vor fünf Monaten und auch schon vor zwei Monaten aber ich glaube, jetzt stimmt es wirklich. Ich fühle mich wohl und aufgenommen. Von der Stadt, den Menschen und in der Arbeit. Nach dem Urlaub ins eigene Zimmer zurück zu kommen, fühlte sich an wie heim kommen.
Ich weiß noch, in der ersten Woche in Argentinien sind wir mal als WG zusammen Geld abheben gegangen und ich war sowas von aufgeschmissen, weil ich einfach nichts verstanden habe, noch hätte irgendwas antworten können. Das war echt sehr deprimierend und ich habe mich gefragt, wie zur Hölle ich das mal verstehen soll, was die hier alle sagen. Mittlerweile gehe ich alleine einkaufen, frage nach dem Weg, gehe ans Telefon, wenn mich jemand von der Arbeit anruft oder rede ne Stunde mit der Frau an der Bushaltestelle, weil wir beide verpeilt haben, dass die Busse heute nicht fahren.
Ich fühle mich so viel wohler mit dem Wissen, mich nun verständigen zu können, kann mich irgendwie entspannter durch den Alltag bewegen. An manchen Tagen läuft das mit dem spanisch besser, an anderen weniger gut. Aber das ist glaube ich normal und halb so wild. Ich bin so glücklich mit dem, was ich mittlerweile kann.
Sport im Projekt
Téréré ist ähnlich wie Mate, nur eben eiskalt
Ich durfte ein bisschen Gitarre lernen
Im November wurde unser Hauptgebäude im Projekt gemalt
Ich durfte auch mithelfen, das war eine Woche voller Malen, so toll!!
Fest zum Ende des Jahres
Der Dezember war ein Auf und ab. Normalerweise ist er dieser eine Monat am Ende des Jahres, in dem ich die vergangenen elf Monate nochmal Revue passieren lasse und mich in die gemütliche Weihnachtsstimmung fallen lassen kann. Und dann kommt mein Geburtstag, der Geburtstag meiner Schwester, Weihnachten und Silvester. Die Tage vor meinem Geburtstag hatte ich etwas Respekt, wie es wohl sein wird so ganz ohne Familie zu sein. Ich hatte Angst vor dem Gefühl, am Geburtstagsmorgen aufzuwachen und anstatt der gewohnten Euphorie mehr eine Leere zu fühlen, die meine Familie zu ersetzen versucht. Ich wurde sowas von überrascht. Um 00:00 Uhr saß ich im Bett mit Emma und wir haben Charlie und die Schokoladenfabrik geschaut. Im Projekt durfte ich den „Abrazo caracol“ (Schneckenumarmung) kennenlernen und war etwas perplex, als mir plötzlich 19 mal am Ohrläppchen gezogen wurde. Das soll Glück bringen für das neue Lebensjahr. Als ich hier kam stand meine WG im Wohnzimmer und hat mir zum Geburtstag gesungen. Es gab einen Marmorkuchen nach dem Rezept meiner Familie und einen auch sonst reichlich gedeckten Frühstückstisch. Und dann dreh ich mich um und Wenke stand auf einmal hinter mir. Sie ist auch von meiner Organisation und lebt und arbeitet in Mar del Plata. Mit meiner Fassade wars dann vorbei und ich hab voll angefangen zu weinen. Ich war so dankbar, dass meine Freunde mich hier so herzlich aufgefangen haben, ohne es vielleicht zu wissen. Wir waren Essen, am Fluss und abends in einer Tangobar. Meine Familie hatte ich per Videoanruf auch so nah wie möglich bei mir und hätte es mir im Endeffekt wirklich nicht schöner vorstellen können. Es war so schön, meinen Geburtstag im Sommer zu feiern, in Flip Flops und kurzen Hosen, in nem anderen Land auf der anderen Seite der Welt und mit Menschen, die ich vor einem halben Jahr noch nicht mal kannte.
Mein Geburtstagskuchen
Wenked <3
Geburtstagsessen im Sommer
Dadurch dass meine Angst vor dem Vermissen so unbegründet war, ging ich hier voller Freude auf Weihnachten zu. Es wurde immer wärmer, die Nächte irgendwie ungemütlicher und die Luftfeuchtigkeit trieb mich manchmal in den Wahnsinn. Wir haben einmal Plätzchen gebacken und ich versuchte erfolglos, durch Weihnachtslieder in die richtige Stimmung zu kommen. Ich bekam Bilder aus dem verschneiten Süddeutschland und dem ersten Mal wieder auf der Piste. Im Projekt wurden die neuen Arbeitszeiten für den Sommer besprochen, wir arbeiteten in Richtung Ende des Jahres und die Kinder freuten sich auf zwei Monate Sommerferien.
Weihnachten selbst wollten wir in Baradero bei anderen Freiwilligen verbringen. Ich hatte mich riesig gefreut, endlich mal ein bisschen was anderes zu sehen, mal woanders zu schlafen, mal mit dem Reisebus fahren, von dem alle schwärmen. Am Abend vor der Abfahrt wurde uns mitgeteilt, dass in Baradero eine Bombendrohung das ganze Gelände lahm legt und überall Sicherheitskräfte stationiert sind. Wir mussten schnell was Anderes suchen aber meine Vorfreude war dann irgendwie dahin.
Letztendlich feierte ich zusammen mit neun anderen Freiwilligen in einem Airbnb in Palermo, einem jungen, touristischen Stadtviertel von Buenos Aires. Die Stimmung war anfangs wirklich etwas bedrückend und es regnete aus Strömen, nachdem wochenlang die Sonne schien. Als ich mich dann etwas zurück zog um mit meiner Familie zu telefonieren, habe ich mich zum ersten Mal nach Hause gewünscht. In das Wohnzimmer, in dem die Kerzen am Weihnachtsbaum brennen, es nach getrockneten Äpfeln und Zimt riecht und in dem meine Familie auf dem Sofa sitzt und Weihnachtslieder singt. Klar, das ging nicht. War mir auch klar. Aber die Vorstellung war trotzdem hart. Es war super schön, die glücklichen Gesichter meiner Familie durch den Bildschirm zu sehen und für ein paar Minuten fühlte ich mich ihnen ganz nah.
Jeder von uns telefonierte im Laufe des Abends mit seiner Familie und so konnten wir ähnliche Gefühle teilen. Für mich wurde der Abend ab diesem Moment schöner, ich konnte mich mehr fallen lassen. Wir haben gekocht, uns mit Weihnachtsmützen überrascht, ein bisschen gesungen und gewichtelt. Um vier Uhr nachts haben Alma und ich noch den Pool ausprobiert und sind danach happy ins Bett gefallen. Ich durfte lernen, dass Weihnachten einfach auch mal anders ablaufen kann und es keinen Sinn macht, mir die Weihnachtsstimmung einzureden, wenn ich sie eigentlich gar nicht fühle.
Ich wusste, in einem Jahr bin ich wieder in Deutschland mit meiner Familie und werde dann daran denken, wie ich letztes Jahr an Weihnachten noch in Argentinien war.
Und dann werde ich’s vermissen.
Es hilft mir, sich vor Augen zu führen, dass ich die Dinge hier vermutlich nur einmalig so erleben werde und diese Realisation schenkt mir dann immer diese krasse Dankbarkeit. Und ich glaube, es ist eine wertvolle Erfahrung, Weihnachten mal ganz anders und in Würdigung dieses Jahres feiern zu müssen bzw. die gewohnten Weihnachten zu fasten – dann schmecken sie nächstes Jahr hoffentlich noch viel besser als sonst.
Also Ende gut alles gut:)
Weihnachtsbäume wie diesen hier sieht man nur ganz wenig
Weihnachtsdinner
Meine WG
Plätzchen backen
An Weihnachten im Pool hehe
Am 29.12 war es endlich soweit und ich konnte in meinen lang ersehnten Urlaub starten. Nicht in dem Sinne, dass ich meine Arbeit und mein Umfeld hier nicht mag. Vielmehr freute ich mich darauf, nach fast fünf Monaten einen anderen Teil des Landes kennen lernen zu dürfen. Mal was Neues zu sehen. Oh und ich freute mich sO sehr auf die Berge. Wie genau soll ich denn jetzt von diesem Urlaub erzählen? Am Liebsten würde ich dir von jedem Tag erzählen, weil ich einfach so verdammt viel gesehen und erlebt habe. Das wäre aber ein bisschen zu viel glaube ich. Nach ein bisschen Planung saß ich dann jedenfalls irgendwann im Bus Richtung Mar del Plata. Diese Busfahrt ging fünf Stunden, was für mich mittlerweile wie ein Katzensprung klingt. Die Distanzen hier sind einfach etwas anders als ich es sonst so gewohnt war.
Ich war so so glücklich, dass es nun endlich los geht und kam also nach einigen Stunden verfroren von der Klimaanlage in Mar del Plata an. Dort blieb ich fünf Tage und wohnte mit Thea in einem Airbnb super nah am Strand. Ja, am STRAND! Die Stadt liegt direkt am Atlantik und nicht mehr nur an nem Flussausläufer wie Buenos Aires. Ich muss gestehen, dass ich mich ein bisschen in die Stadt verliebt habe. Die großen Wellen, die vielen sportlichen Menschen überall, die Möglichkeit zu surfen und die Temperatur sind wirklich eine Tip top Kombi. Zusätzlich wohnt Wenke in Mar del Plata, was einen Besuch noch viel erstrebenswerter macht. Ich war im Atlantik baden, wir haben am Strand gegessen, Seelöwen gesehen und waren surfen. Am 30.12. Klingt erstmal bizarr. An Silvester sind wir zum Strand gelaufen und haben mit hunderten Menschen das neue Jahr begrüßt. Diesmal auf spanisch:)
Es war eine super coole Stimmung, alle waren gut drauf und um uns rum blinkte und glitzerte ein Feuerwerk vor Hochhäusern, deren erleuchtete Fenster die Kulisse irgendwie noch besonderer machten.
Mar del Plata
Silvester am Strand
Zu viert sind wir nach Bariloche im Norden Patagoniens gefahren und wurden nach 24h im Bus von den Bergen empfangen. Wir wanderten zu einer Aussichtsplattform, genossen den kühlen Wind, gepaart mit der Sonne und der Atmosphäre, die die Stadt direkt am See mit sich brachte. Mein Highlight waren die Wanderungen zu den Refugios in den Bergen. Das sind kleine Schutzhütten, in denen man in der Saison übernachten kann, um nicht jeden Tag wieder ins Tal abzusteigen, sondern auf der Höhe wandern kann. Wir liefen 12km zum Refugio Italia und am gleichen Tag wieder zurück ins Tal. Leider hatte diese Hütte nämlich schon alle Plätze belegt. Am nächsten Morgen ging’s dann 16km hoch zum Refugio Jakob, wo wir eine Nacht übernachteten. So weit oben in den Anden ohne Netz fühlte ich mich richtig weit weg. Das war so so schön, da ich sonst immer irgendwie erreichbar war bzw. jemanden erreichen konnte, wenn es mir danach war.
Nach drei Tagen und 56km gewanderten Kilometern waren wir dann aber erstmal gut bedient was das Laufen anging und genossen die Strände am See, die warme Dusche und den Sandwichmaker im Airbnb. Hört sich bisschen lost an, aber nach so nem langen Tag gab es nichts Geileres als so ein warmes Sandwich mit Marmelade oder Käse. Wirklich. Wir lernten viele neue Menschen kennen, tauschten uns mit anderen Wandernden aus und wurden von einem Mann aus Amerika und seiner Tochter zum Barbecue eingeladen. Das war so ein toller Abend und ich war so froh, sie im Bus angesprochen zu haben. Wenn man sich öfters mal trauen würde, über seinen Schatten zu springen, können so viele coole Dinge auf einen warten ey. Nach zwei Wochen ging’s dann wieder zurück. Und während ich wieder nach Buenos Aires rein rollte, hingen meine Gedanken den letzten zwei Wochen hinterher wie ein Schleier.
Bariloche
Refugio Jakob
Refugio Italia
Mittlerweile bin ich wieder zurück und schon ist auch die erste Arbeitswoche wieder vorbei. Es war so ein schönes Gefühl, wieder den Bus zu EnAccion zu nehmen und meine Mitarbeiter*innen sowie die Kinder zu sehen. Ich arbeite jetzt vier Stunden mehr in der Woche, dadurch habe ich aber den Samstag frei und somit ein richtiges Wochenende. Außerdem warten wir im Projekt die Mittagshitze ab und fangen erst Nachmittags um 17 Uhr an zu arbeiten. Das ist sehr angenehm, auch wenn die Luftfeuchtigkeit trotzdem bleibt. Am Donnerstag habe ich zum ersten Mal ein richtiges Fußballspiel mitgespielt. Es war unfassbar heiß und ging bis kurz vor elf in die Nacht hinein, trotzdem war es mein Highlight der Woche. Ich war mega aufgeregt irgendwie und wollte es natürlich halbwegs gut machen. Wie sich herausstellte ging es allen aber wirklich nur um den Spaß am Sport und das war so angenehm im Spiel.
Zum Schluss vielleicht noch ein paar Worte, die ich letztens mal in mein Tagebuch geschrieben habe. Bei mir haben sie was angestoßen, vielleicht kannst du ja auch was damit anfangen:)
„Wieso versteht man eigentlich erst so richtig, wie besonders und fest Beziehungen zu wichtigen Menschen sind, wenn man sie nicht um sich hat? Wieso ist das jedes Mal aufs Neue so? Wieso reichen ein paar verdammte Worte, um tausende Erinnerungen und entscheidende Momente im Kopf aufzurufen? Das ist so eine besondere Art von Vermissen. Ich vermisse nicht so gewöhnlich meine Familie daheim, sondern es ist auch irgendwie diese Realisation, dass ich jetzt selber groß bin. Dass ich das gerade alles alleine mache und für mich verantwortlich bin. Dass ich keine Ahnung hab was ich später mal machen will, lässt mich einerseits diese Geborgenheit von Zuhause vermissen, andererseits schenkt sie mir ungeheure Freiheit und so ne verrückte Freude.
Ich hab keine Ahnung ob das Sinn macht, was ich hier schreibe. Jedoch merke ich, dass sich etwas an meinem Mindest verändert. Ich reagiere anders auf verschiedene Situationen, kann diese passender einschätzen, lerne so viel über mich und andere und finde einen guten Weg, Erlebnisse richtig zu verarbeiten. Warte, es ist wichtig dass du weißt dass das auch nicht immer der Fall ist. Aber seitdem ich hier bin merke ich diese positiven Schritte einfach viel mehr als davor.
Und jaja, das ist jetzt ein bisschen Kalenderspruch angehaucht aber ohne die abs gibts auch keine aufs. Und hier erlebe ich beides und das teilweise viel intensiver als noch in Deutschland. Tiefs wirken manchmal tiefer, Hochs wirken höher. Dass ich nochmal dankbarer bin, noch bewusster lebe und irgendwie mehr wertschätze, wie wohltuend liebende Menschen sind, ist das Ergebnis von sechs Monaten im Ausland. Verrückt oder? Wobei ich ganz klar einen Unterscheid sehe zwischen sechs Monate im Ausland reisen und eher oberflächlich ein Land zu entdecken oder wirklich dort zu leben. Zu wohnen, zu arbeiten. Nicht im Strom der Touristen, sondern eher da, wo nur Einheimische sind. Weniger rumreisen, mehr eintauchen. Ich finde das unfassbar schön und faszinierend.
Irgendwie scheint jedes Gefühl/Erfahrung in diesem Jahr immer noch eine andere Seite oder automatische Entwicklungsfunktion zu haben. Ich halte diese fest so gut es geht und schreib sie auf. Ich finde nämlich, dass Worte eine ganz andere Bedeutung bekommen wenn man sie schreibt, anstatt sie nur zu denken. So sieht man vor sich, was in einem drin abgeht und das schafft irgendwie Klarheit. Und so doof das klingt aber ich kann dann mehr Platz in meinem Kopf schaffen, weil ich das Gefühl habe, dass ich Momente auch mal vergessen kann, da ich sie ja aufgeschrieben habe. Genau wie diesen hier.
Ich kann Augenblicken einen ganz besonderen Platz geben, wenn ich sie durch die geschriebenen Worte nochmal erlebe und aus einer anderen Perspektive sehe – ohne die Euphorie des Momentes, die sich manchmal wie ein Schleier vor die Erkenntnis legt, dass man ja nur gerade jetzt lebt.
Wtf, plötzlich Poetin oder was? Nina Goethe macht sich nun mal auf ins Bett, gute Nacht. „
Hey ich bin Nina, 18 Jahre und mache meinen Freiwilligedienst im Großraum Buenos Aires. Ich hab gar keine Ahnung wie man sowas hier anfängt, merke ich gerade. Ich bin seit zweieinhalb Monaten hier und seitdem ist so viel passiert. Vielleicht fange ich einfach mal von ganz vorne an:
Die letzten Tage zu Hause waren schwierig. Meine Freunde haben mich mit einem Abschiedsfest überrascht, ich war mehr als glücklich und wollte so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen. Ich war in Gedanken die ganze Zeit über aber schon beim Abschied und hatte richtig Angst davor, meinen Liebsten Tschüss sagen zu müssen. Ich wollte mich nochmal fallen lassen, war aber mit den Gedanken immer schon einen Schritt voraus. Vielleicht bist du ja auch gerade Freiwillige*r und weißt genau was ich meine. In der Woche vor dem Abflug hab ich nochmal super viel mit meiner Familie unternommen. Wir waren am Bodensee, Bogenschießen, Minigolfen, Fahrrad fahren und Essen. Ich habe jede Sekunde so krass genossen und noch immer ist diese Woche sehr präsent in meinem Kopf.
Grillen mit meiner Familie
Kulturufer am Bodensee
Fahrradtour
<3
Jedes Mal wenn ich dieses Bild sehe weiß ich genau, wie ich mich fühlte
Hab die besten Freunde
Tja und dann gehst du abends ins Bett und weißt, wenn du morgen aufwachst dann gehts los. Um kurz vor elf am nächsten Tag ziehe ich meine Wanderschuhe an und nehme meinen riesigen Winterpulli unter den Arm. Denn von der Hitze in Deutschland geht es in den argentinischen Winter. Meine Familie bringt mich zum Bahnhof und ich nehme sie nochmal fest in die Arme. Die Uhr sagt, in zwei Minuten kommt der Zug. Papa umarmt mich, die Augen meiner Mutter fangen an zu glitzern. Wenn sie jetzt weint, isses eh vorbei. Ich kann es überhaupt nicht fassen, dass dies nun die letzte Berührung mit ihnen ist. Für so lange. Noch eine Minute. Ich ziehe meine Briefe aus der Tasche und überreiche sie meiner Familie. Ich merke, wie mir jetzt schon wieder fast die Tränen kommen. Ich will nicht mehr weinen, die Verabschiedungen der letzten Wochen waren hart. In meinem Kopf spielen die Gedanken verrückt. Noch 30 Sekunden. In der Entfernung sehe ich schon den Zug anrollen. Ich packe also meine Sachen zusammen, drehe mich nochmal um und steige ein. Der Zug setzt sich in Bewegung, am Fenster rennt meine Schwester den Bahnsteig entlang, bis ich sie nicht mehr sehe. Was ein Gefühl. Gänsehaut. Sobald ich alleine bin, kommen mir schließlich die Tränen. Ich bin traurig. Doch gleichzeitig fällt etwas von mir ab. Die Verabschiedung ist nun rum, ich bin irgendwie frei. Fühle mich leicht. Ich checke mich online für den Flug ein und dann bin ich auch schon am Flughafen. Ich treffe am Gate 50 andere Jugendliche, alle auf dem Weg in den gleichen Flieger. Ich frage mich, was sie wohl gerade fühlen und wie die Verabschiedung bei ihnen war. Für mich war dies der schwerste Abschied bis jetzt. Auch wenn ich es mir ja ausgesucht und mich monatelang damit beschäftigt habe, dass ich gehe, hat es mich im dem Moment krass umgehauen. Und gleichzeitig war da dieses Gefühl der Freiheit, das Gefühl, alles hinter mir lassen zu können – einfach mal auf reset zu drücken. Die ganze Vorbereitung der letzten elf Monate, der Stress ums Abi, Momente die schwierig waren und jetzt ist es alles geschafft. Ich könnte nicht glücklicher sein. Das was ich hier erleben darf ist so besonders, so privilegiert und so aufregend. Was ist das für eine wahnsinnige Chance?
Das ist mein erster Flug und langsam geht in Frankfurt die Sonne unter. Im Flieger sitze ich am Fenster, neben mir Thea. Ich bin super nervös. Wir rollen in der Dunkelheit auf die Startbahn. Ich nehme Theas Hand und mir wird ganz flau im Magen. Wir werden schneller, ich werde in den Sitz gedrückt. Und plötzlich heben wir ab. Unter mir werden Frankfurts Lichter kleiner und ich drücke mein Gesicht gegen die Scheibe. Ich sehe noch, wie wir die spanische Küste erreichen und auf das Meer hinaus fliegen, dann schlafe ich ein. Als ich aufwache sind wir schon über Brasilien und es gibt Frühstück. Nur noch zwei Stunden im Flieger. So langsam will ich einfach nur noch ankommen. Als wir Buenos Aires unter uns sehen, verschlägt es mir die Sprache. Diese riesige Stadt glitzert mich nach oben hin mit ihren Millionen Lichtern an und als wir eine Schleife fliegen, wird plötzlich alles rot und orange und ich sehe den Sonnenaufgang. Dieses Gefühl werde ich nie mehr vergessen.
Wir werden immer tiefer und es macht einen Ruck, als wir landen. Ich bin froh, heile angekommen zu sein. Vom Flughafen aus geht es für mich in eine 10er WG. Die ersten zwei Wochen steht die Capacitación an. Das ist eine Einführungszeit, in der wir ganz viele Dinge lernen, die uns während des Jahres helfen werden. Wir waren in dieser Zeit viele Stunden im Seminarraum und haben einen Sprachkurs besucht. Während der Länderkunde wurden mir ein paar Mal die Augen geöffnet und ich habe gelernt, wie wir mit verschiedenen Zielgruppen umgehen können. An den Wochenenden haben wir einen „Salida Turistica“ gemacht – einen touristischen Spaziergang durch die Stadt. Wir haben das bekannte, bunte Viertel „La Boca“ besucht, sahen auf einer Bootsfahrt in Tigre viele bunte Häuser am Fluss, waren auf Märkten unterwegs und es wurde sich schon der erste Matebecher oder ein Armband gekauft. Aber auch für die Vergangenheit von Argentinien wurden wir sensibilisiert. Wir besuchten die Gedenkstätte EX-Esma (das größte Haft-und Folterzentrum des Landes) und wurden über die Militärdiktatur aufgeklärt.
Fußball ist hier das Ein und Alles
Anflug in Buenos Aires
Das erste Mal am Obelisken
Die schönste Bibliothek aller Zeiten
Natur pur
Mate im Park
Emma und ich kommen an
Unglaubliches Gefühl
IERP Freiwillige 2023
Und dann waren schwupp die wupp die zwei Wochen vorbei und der nächste Abschied stand an. Jede/-r Freiwillige war nun auf dem Weg zu seiner/ihrer Einsatzstelle. Für manche für uns ging es nach Paraguay und Uruguay, die meisten blieben jedoch irgendwo in Argentinien. Ich wohne nun mit vier anderen Freiwilligen zusammen und die ersten Tage hier wurde sich erstmal eingewöhnt und alles geputzt. Ich bin sehr glücklich, so tolle Leute meine Mitbewohner/-innen nennen zu dürfen und bin mir sicher, dass wir ein tolles Jahr zusammen verbringen werden. Es gibt ein Doppelzimmer und drei Einzelzimmer. Wir hatten zur Zeit des Einzugs einen Wasserschaden und deshalb war in meinem Zimmer noch ein Loch in der Wand zum Bad. Aber seit so ner Woche bin ich stolze Besitzerin eines Zimmers und ich fühle mich so wohl. Endlich konnte ich die ganzen Bilder aufhängen, die ich mitgenommen habe.
Herzensort
Nina am Meer
Frühling im Oktober
Ich will dir auch noch erzählen, wie meine bisherige Arbeitszeit hier war. Am ersten Tag wurden wir noch abgeholt und sind mit einer Mitarbeiterin im Bus zum Projekt gefahren. Alle Mitarbeitenden sind super herzlich und Emma und ich wurden so lieb aufgenommen. Zur Begrüßung gibt man sich hier einen Wangenkuss, gepaart mit einem lieben „Hola, ¿qué tal?“ oder „¿Todo bien?“. Ich wusste das vor der Ausreise gar nicht, mittlerweile finde ich es aber voll schön, sich so zu begrüßen. Das ist irgendwie so viel persönlicher und sympathischer als in Deutschland. Die ersten beiden Arbeitswochen besuchten wir jeden Workshop im Projekt und werden bald den festen Plan erstellen, welche Kurse wir unterstützen wollen. Ich liebe es, dass wir so viel draußen mit den Jugendlichen Sport machen. Am liebsten wird hier Fußball gespielt, aber auch Volleyball ist hoch im Kurs. Das Projekt bietet Nachmittags folgende Kurse an: Sport für Kinder und Jugendliche, Theater, Nähen, Sport, Bewegung und Kochen für Senioren, einen Radiokurs, ein Kunstangebot, Tanzen usw. Ich bin wirklich begeistert von dieser Vielfalt und habe die Kinder und Erwachsenen vor Ort schon ins Herz geschlossen. Seit ein paar Tagen habe ich sogar ein Fahrrad und kann immer damit zur Arbeit und zurück fahren. Das ist super angenehm und viel schneller als der Bus.
An den Wochenenden fahre ich gerne in die Stadt bzw. das Zentrum und schlendere über einen Markt oder durch die beeindruckenden Straßen von Buenos Aires. Was hat diese Stadt bitte für einen Charme?? Eine Mischung aus Paris, Südfrankreich und Südamerika. Die Gebäude sind ein bisschen runtergekommen, aber mit so viel Detail. Zwischen ihnen ragen riesige Hochhäuser in den Himmel. Schwarz-gelbe Taxis düsen zwischen bunten Bussen über die Straßen. Während unserer Zeit hier fand schon die Tango-WM und ein Festival internationaler Kulturen statt – super spannend. Dort haben Länder weltweit auf einer Bühne am Plaza de Mayo den jeweils traditionellen Tanz aufgeführt, das war super schön. Den deutschen Schuhplattler durften wir auch bestaunen… Das war kurz ein Gefühl von Heimat, aber gleichzeitig auch super komisch in diesem Ambiente. Ich war auf einem öffentlichen Festival, in vielen Parks und auch einem Naturreservat – yay!
Am Samstag fand in meinem Projekt das „Festi Cultural“ statt. Ein Fest der Gemeinschaft und Kultur. Bunte Girlanden schmückten die Bäume, zwischen denen die „Feria“ (der Markt) aufgebaut war. Eine Bühne, mit Kreide bemalter Boden und zwischendrin so viele glückliche Menschen. Herrliche 29 Grad ließen uns gut schwitzen aber das war egal. Es gab Spiele der verschiedenen Sportgruppen, einen Freestyle Rap, eine traditionelle Band und viele ausgestellte Dinge der jeweiligen „Talleres“ (Workshops). Ja und dann gab es noch so viel Tanz. Eine professionelle Gruppe tanzte eine Form des Folklore, der „Taller de movimiento“ tanzte eine Choreographie und der „Taller de Danza“ führte einen Gato auf. Das ist ebenfalls eine Form des Folklore. Und ich Glückspilzen durfte da mittanzen. Seit zwei Wochen übten wir den Tanz ein und tanzten dann mit langen Röcken vor dem Publikum. Ich war richtig aufgeregt davor. Aber alles lief wie gewollt und ich war so glücklich, Teil von dieser Gruppe sein zu dürfen.
Mein Highlight des Abends war der offene Chakarera. Das ist ein Tanz, der im Kreis getanzt wird und alle konnten mit machen. Schon vor dem ersten Ton der Musik sah ich in die Gesichter mir gegenüber und war baff von dem Strahlen, das mir begegnete. Und dann ging’s los. Auch diesen Tanz haben wir mal geübt aber irgendwie war das alles wie ausgeblendet. Ich wurde einfach getragen von der Musik und der Bewegung der Gruppe. Ich weiß gerade gar nicht so richtig, wie ich dir dieses Gefühl beschreiben soll. Wir hielten uns an den Händen, sind im Kreis gehüpft, zusammen und wieder auseinander. Dann Richtungswechsel und durch den Tunnel aus Menschen. Alles um mich herum hab ich nicht mehr wahrgenommen. Ich weiß noch, wie ich kurz da stand, nach oben schaute und es einfach nicht fassen konnte. Ich war so angekommen, fühlte mich so verschmolzen mit allem und wollte, dass es nicht aufhört. Die Atmosphäre, die Liebe fremder Menschen, die sie einfach so nach außen tragen und alle lagen sich irgendwie in den Armen und haben gelacht. Ich hab mich gedreht und gelacht. Mehr nicht. Im Nachhinein wurde mir eins klar: Der Preis für die Schönheit des Moments ist dass er irgendwann halt vorbei geht. Dass er dich kurz mitreißt und sich danach in dein Herz schleicht. Man klingt das kitschig.
Almi und ich
Folklore – siehst du mich?
Spiele mit den Kindern
Gerade sitze in meinem Bett und entfliehe dem Regen und Wind draußen. Heute ist so ein richtig gemütlicher Tag. Es ist Ende Oktober und der Anfang des Sommers. Wie ist das wohl: Mal im Hochsommer Geburtstag haben? An Weihnachten bei 40 Grad Plätzchen backen? In kurzer Hose Silvester feiern.
Ja okay, so schnell kann gehen und schon fließen die Gedanken in die Tasten und es entsteht ein Text. Danke fürs Lesen:)
Argentinien hat mir schon jetzt gezeigt, das Große darin zu finden, die kleinsten Momente wertzuschätzen.