93%

Hallo Ihr! 
Ich schreibe euch aus Kairo. Und vielleicht schreibe ich euch auch zum letzten Mal? Viel Zeit ist nicht mehr. 
Ich habe viele Wochen am Stück in Anafora verbracht. Es ist schön in diesem Alltag richtig anzukommen und zu wissen wie was funktioniert. Irgendwann holt mich dann aber doch die Langeweile ein. Der gesamte Tee ist verpackt und keine einzige Ringelblume hat noch ein Blütenblatt übrig. Jeder Podcast ist gehört und jedes Wollknäuel verstrickt. Die Langeweile ist bei mir angekommen. Ich hab gemerkt, genauso wie ich die Ruhe und Zeit für mich brauche, genauso brauche ich auch die Aufregung und Unternehmungen. Da kommen mir ein paar Tage in Kairo und Alexandria ganz gelegen. Ich genieße es sehr mich mit Leuten zu treffen und zu reden. Neue Dinge zu sehen und zu erleben.
Noch einen Monat hab ich hier und die Zeit ist kaum einzuschätzen. Einerseits vergeht sie ganz langsam, ich bin nach wie vor hier. Nichts scheint sich getan zu haben, geschweige denn an mir vorbei zu rasen. Auf der anderen Seite schaue ich zurück und bemerke, dass manche Dinge doch schon weiter in der Vergangenheit liegen als das es sich anfühlt. Deutschland fühlt sich so unglaublich weit entfernt. Auf der Karte und in meinen Erinnerugen. Doch dann stell ich mir vor wie es sein wird und es gibt eine Vorstellung in der es sich anfühlt als wäre ich nie weg gewesen. Auch wenn das wohl nicht der Realität entsprechen wird. Ich war lange weg und viele Dinge sind passiert. In Deutschland aber auch bei mir in Ägypten. Ich hab viele neue Leute kennengelernt. Hatte viele interessante Unterhaltungen. Hab viele Orte gesehen und vieles erlebt. Das alles nehme ich mit. Ich hab viele gelernt und ich hoffe ich werd all meine Erkenntnisse nicht direkt über Bord werfen wenn ich zurück bin. 

Jetzt ist eine Woche rum. Ich hab es bis jetzt nicht geschafft das Geschriebene hochzuladen. Das ganze hat aber auch was Gutes, ich bringe euch auf den neusten Stand. Ich bin zurück in Anafora. Ich hab meine Zeit in der Stadt unglaublich genossen und sie ist an mir vorbeigeschossen. Die ersten Tage für mich in Anafora sind immer etwas komisch. Ich muss erstmal wieder ankommen, mich einleben. Aus dieser wilden chaotischen Stadt so plötzlich und schlagartig an einen Ort der Ruhe zu kommen brauch immer seine Zeit. Ein Ort, so beständig und immer da. Man kommt zurück und hat das Gefühl nichts hätte sich verändert, egal wie lange man auch weg war. Und doch hab ich das Gefühl, jedes mal wenn ich zurück komme diesen Ort immer ein wenig mehr gern zu haben und in mein Herz zu schließen. Die Rückkehr, mein Zimmer. So fremd und vertraut zugleich. Jedes mal wenn ich von einer Reise zurück komme und die Tür zu meinem Raum öffne; die Wände, mein Bett in der Mitte des Zimmers, meine Sachen drum herum, der kalte Steinfußboden, der Geruch in der Luft. Jedes mal verspüre ich das Gefühl welches ich hatte, als ich den Raum zum ersten mal betreten habe. Nach so vielen Stunden, Tagen, Wochen, Monaten welche ich hier verbracht habe. Und doch taucht dann immer mal wieder diese Aufregung, Ungewissheit und Spannung in mir auf. Es ist komisch sich vorzustellen, dass bald alles so kahl sein wird als wie ich gekommen bin. Dass das bald nicht mehr mein Raum sein wird, mein zuhause in der Fremde. 
Genug jetzt aber auch von dem Ende gesprochen. Klar es ist nicht mehr viel Zeit und deshalb nutze ich sie um so mehr aus. Meine größte Begeisterung momentan: Nachts im Pool. Ich schwimme meine Bahnen und höre nichts außer die Frösche. Nach einiger Zeit drehe ich mich erschöpft auf den Rücken und lasse mich vom Wasser tragen. Das Wasser, angenehm warm und doch einen Hauch kühler als die Luft. Ich schaue in den Himmel mit seinen abermals tausenden von strahlenden Sternen und das ganze umrahmt von den Umrissen der Palmen welche in den Himmel ragen. Genau in solchen Momenten wünschte ich mir, könnte ich die Zeit anhalten. Und ich hab so viele tolle Momente erlebt. Ich bin sehr dankbar für mein Jahr hier, für die Höhen und die Tiefen.

Innenhof in Alexandria
mein Blick vom Balkon auf die Taxis auf der Straße
mit den Niletaxi über den Nil geprescht

75%

Letzte Woche war die holy week, denn Ostersonntag war gestern. Viele der Arbeiterinnen und Arbeiter sind nach hause zu ihren Freunden und Familien gefahren. Somit haben wir alle viel in der Küche mit ausgeholfen. 55 Tage vor Ostern haben wir angefangen zu fasten. Das bedeutet wir haben auf tierische Produkte verzichtet und Essen gab es erst nach der Messe, bedeutete um zwei Uhr. Zum Glück hat keiner es einem übel genommen wenn man selbst nicht so strickt gefastet hat und zum Frühstück was gegessen hat. 

Am 21 war Palmsonntag. Wir haben aus Palmenblättern Blumen und Kreuze gefaltet.

Am Dienstag haben wir Pfefferkuchen mit Magarine und  Dattelsirup gebacken, alle waren begeistert und haben sie gemocht.


Ich habe in den letzten Wochen die Buchstaben gelernt. Es ist so spannend endlich halbwegs zu verstehen wo was geschrieben steht. Ich lese wie eine Erstklässlerin, unglaublich langsam und falsch betont. Es macht aber trotzdem spaß. 

Ich hatte vor ca. einem Monat meine Mama und meine Schwester zu besuch. Es war total schön die beiden mal wieder zu sehen und ihnen zu zeigen wie ich lebe. Außerdem hatte man auch endlich mal die Zeit dazu, Dinge zu sehen und zu machen für welche man sonst nie Zeit hatte. 

Morgen geht eine freiwillige nach Schweden zurück welche relativ lange mit uns hier war. Wir machen heute Abend zum Abschied ein Feuer und dazu Stockbrot. Eben haben Jakob und ich schon Stöcke angeschleppt und diese vor unserem Haus für das Stockbrot zurecht geschnitzt.

Es tut mir leid, dass ich mich nicht so oft mit einem Blogeintrag melde wie ihr es wohl gerne hättet. Hier ist aber einfach oft ziemlich viel los und ich genieße auch mal die Zeit ohne Handy.

Fühlt euch trotzdem gedrückt,

Eure Jule 

48%

Endlich kommt die Sonne zurück. Ich sitz gerade draußen angelehnt an meine Tür, neben mir Jakob und die Sonne strahlt in unsere Gesichter. Nachts ist es nach wie vor noch ziemlich kalt aber mittags ist es schon sehr angenehm warm. Es fühlt sich ein wenig an wie Frühling Zuhause. 

Ich hatte letztens meine beste Freundin Noelia zu Besuch. Es waren unglaublich schöne Tage mit ihr. Ich habe die Zeit sehr genossen und sie war auch begeistert von Anafora. Sie hat alles mit neuen Augen gesehen und das war schon ansteckend. Vieles, was man schon als normal erachtet hat, ist einem ins Auge gefallen und man schätzt es wert. 

Gleich geht es es für mich aufs Feld, Ringelblumen pflücken. Ich arbeite nach wie vor mit der Schwester zusammen, welche die Seifen und Tees herstellt. Ich hab sie unglaublich gerne und die Arbeit macht echt Spaß. Es sind, wie eigentlich in jedem Bereich, relativ eintönige Arbeiten aber ich habe oft einen Wechsel. Mal verpacke ich vormittags Tee, am Nachmittag verpacke ich Creme und am nächsten Tag trenne ich die Blüten von der Blume. Diese Abwechslung brauche ich und ich hab das Gefühl, dass meine Arbeit auch wertgeschätzt wird. 

In einer Woche gehts auf große Reise. Jakob und ich werden nach Assuan reisen und dort eine befreundete Schwedin treffen. Zusammen gehts dann weiter nach Luxor. Hoffentlich wird das ganze nicht zu touristisch. Ich freue mich schon sehr darauf mehr von Ägypten zu sehen und mit dem Zug zu reisen.

Viele von den Fotos hat Noelia gemacht, ich hoffe ihr könnt euch so vielleicht ein bisschen besser vorstellen wie es hier aussieht.

Eure Jule

Noelia und ich im Auto auf dem Weg nach Kairo
Aus der Tür bei der Arbeit heraus fotografiert
Am Pool und drum herum die Gästehäuser
Beim Ringelblumen pflücken
Noelia und meine Katze auf den Treppen zu meinem Haus
Das Amphitheater

43%

Halli Hallo

Ouuh ziemlich viel Zeit ist vergangen.

Mir geht es hier immer besser. Nach einigen Startproblemen gehts jetzt wirklich los. Ich lebe mich hier in Anafora ein und man sagt ja oft ‚,alles passiert zur rechten zeit‘‘. Eigentlich kann ich diesen Spruch garnicht leiden, da es einem einfach nur sagt warte ab und man kann nichts tun. Aber ich glaube ich bin gerade an diesem Punkt angelangt und vieles passiert was ich mir erhofft hatte. 

Beispielsweise gibt es einen Arbeiter hier namens Hanna. Er arbeitet in der Pizzeria. Ich wollte gerne mal mit ihm arbeiten und als ich zufällig da war kam eine große Bestellung rein, sodass er dankend meine Hilfe annahm. Außerdem habe ich die letzten Tage in der Töpferei arbeiten dürfen. Ich habe zwar nur Ton geknetet aber ich konnte sehen wie man an der Töpferscheibe arbeitet. Und endlich ist Fasten vorbei. Bedeutet wir ernähren uns nicht mehr vegan. Auf das Fleisch verzichte ich zwar trotzdem aber es ist schön mal wieder ein bisschen mehr Abwechslung zu haben. 

Jakob und ich haben beide eine Katze. Es ist so super schön mit den beiden auch wenn meine oft wie verrückt miaut und vor ziemlich vielen Dingen Angst hat. Ich liebe sie trotzdem. 

Bald kommt eine Freiwillige aus Schweden zurück und dann wird zu dritt ein bisschen Ägypten bereist. Darauf freue ich mich schon sehr!

Ein bisschen enttäuscht bin ich von der ägyptischen Post. Mein erster Briefversuch kamen nach zwei Wochen an, aus zwei wurden dann vier und beim dritten Mal kam garnichts mehr an.. aber ich schreib einfach fleißig weiter und hoffe dass irgendwas ankommt. Umso schöner ist es wenn hier mal was ankommt. Das ist immer sehr besonders Post von jemandem zu lesen der so weit weg ist. 

Das Wetter wird auch so langsam besser. Zwar schlaf ich immer noch im Schlafsack und mach diesen ganz zu, sodass ich gerade mal einen kleinen Kreis um mein Gesicht hab für frische Luft. Aber wenn die Tage gut sind und es nicht so storming ist, dann kann man sich gut in die Sonne setzten und Wärme tanken. 

Ich bin gespannt was hier noch so alles passiert.

Eure Jule 

Ps: ich glaube das letzte Foto ist einfach nur ein schwarzer Kasten und ich hab diesmal auch kein Titelbild hochladen können. Ich mach das ganze hier auch nur auf meinem Telefon weil es kein W-LAN gibt. Deswegen entschuldigt bitte die kleinen Schönheitsfehler.



Meine Katze und ich
Das Foto habe ich in Alexandria gemacht. Eine sehr schöne Stadt und im Vergleich zu Kairo angenehm ruhig
Jakob und ich mit unseren Katzen in meinem Zimmer
Ich auf der Arbeit beim Tee verpacken


24%

Hallo Hallo ihr Lieben
Die Zeit geh um. Es vergeht ein Tag nach dem anderen. Nun sind es schon mehr als zwei Monate welche ich hier in Anafora bin. Mehr als zwei Monate welche ich weit weg von zuhause bin.
Langsam kann ich von mir behaupten anzukommen und mich einzuleben. Die letzten Wochen waren, um ehrlich zu sein, alles andere als einfach für mich. Man hat gemerkt, dass das hier eine ganz andere Welt ist und vieles war einem total fremd. Aber jetzt wird es ein Glück immer besser und ich genieße es hier zu sein.
Hier in Ägypten wird es mit der Zeit die vergeht auch immer kälter. Zwar hat man Mittags immer noch bis zu 26 Grad. Abends sind es jedoch schon nur noch 12 Grad. Das bedeutet nicht nur 12 Grad Außentemperatur, nach einiger Zeit wird es in meinem Zimmer genauso kalt. Sodass ich morgens aufwache und garnicht aus dem Bett will. Ich schlafe nun auch schon seit drei Wochen mit Schlafsack. Die Herausforderung besteht momentan darin Vormittags die Fenstern aufzumachen, in der Hoffnung, dass ein bisschen warme Luft ins Zimmer kommt. Abends aber schnell die Fenster wieder zu zumachen um die warme Luft so lange wie nur möglich im Zimmer zu behalten. Als mir mein Papa ein Foto von unserem Ofen zuhause geschickt hat, wurde ich dann doch ein bisschen neidisch. Aber man arrangiert sich damit und merkt, dass es auch so klappt.
Diese Temperatunterschiede sind schon außergewöhnlich. Morgens gehe ich im dicken Pulli und Schal aus dem Zimmer und Mittags sitze ich dann im T-Shirt (die Schultern natürlich immer bedeckt) in der Sonne und denke der Sommer wäre schon wieder zurück.
Wenn ich hier schon von Schals spreche, muss ich auch erzählen, dass Jakob und ich mit dem Stricken angefangen haben. Einerseits ist es super um sich ein paar Sachen für den bevorstehenden Winter zu Stricken. Andererseits ist es auch eine super Freizeitaktivität. Denn viel gibt es hier nicht. Wir haben zwar jeden Sonntag frei, aber selbst  dann kann man nicht mal eben in die Stadt fahren um etwas zu machen. Abgesehen von dem Stricken lese ich auch viel. Jakob und ich haben auch das Spiel Phase 10 für uns entdeckt. Seit zwei Wochen ist kein Tag vergangen ohne mindestens eine Partie Phase 10. Ich bin aber mal gespannt wie lange unsere Begeisterung dafür noch anhält.
Eure Jule

23%

 
Hallo meine Lieben,
Heute kriegt ihr weniger Text und mehr Bilder. Ich hab ein kleines Buch, wo ich ab und zu mal ein paar Bilder einklebe. Ich hoffe sehr es gefällt euch und ihr könnt lesen was ich reingeschrieben habe.
Fühlt euch gedrückt! Eure Jule

 

2%

Huhu meine Lieben,
Ich bin gerade mal 2% meiner Zeit hier, dennoch gibt es eine Menge zu erzählen. Erstmal muss man sagen das es hier traumhaft ist. Überall stehen Palmen und schöne Gebäude, man realisiert oft noch garnicht wo man sich eigentlich befindet. Die ersten Tage Arbeit habe ich auf dem Feld verbracht. An Tag 1 habe ich an einem Moringabaum Blätter gesammelt, diese sind (soweit ich das Verstanden hab) für die Produktion von Seife wichtig. An Tag zwei erntete ich Auberginen, Feigen und eine Frucht die ich nicht kenne aber man kann sie vielleicht als Mischung aus Gurke und Zucini mit Stacheln dran beschreiben. Hier nennt man sie Bamia.  Eine Schwester hat sie einmal mit mir geerntet und wir hatten nur Plastiktüten um die Hand. Also ich weiß ja nicht ob sie einfach nur hart im nehmen ist oder ich ein Weichei, jedenfalls tat es ziemlich weh. Aber beim erneuten Bamia ernten sind dann immerhin meine super Gartenhandschuhe direkt zum Einsatz gekommen. Danke an dieser Stelle an meine Mama welche extra noch welche mit mir gekauft hat. Am dritten Tag ging es an die Olivenernte. Dort waren so ziemlich alle die man hier jemals rumlaufen hat sehen, da es sehr viele Olivenbäume gibt. Diese werden nur einmal im Jahr geerntet und dadurch war es ein großes Spektakel. Am Anfang war man auch noch ganz aufgeregt nach einer Zeit war man jedoch überall dreckig, verschwitzt und hat sich über jede noch so kleinste Wolke am Himmel gefreut. Das ich mich auch mal über Wolken am Himmel und Wind freue hätte ich auch nicht gedacht. 
Überall hier laufen super viele Katzen rum, am Anfang waren wir ganz begeistert, bis wir merkten dass sie alle relativ scheu sind und kein großes Interesse an uns haben. Jedenfalls waren sie um einiges weniger ans uns interessiert als wir an ihnen. Aber mit ein wenig Geduld und ein bisschen Katzenfutter lässt sich das auch noch regeln.
Bilder kann ich leider noch nicht einfügen, da ich sowieso sehr schlecht mit Internet ausgestattet bin und die ganze zeit Fehler auftreten. So steigt aber die Spannung noch weiter in die Höhe. Also freut euch schon auf die nächsten Prozent und dann auch hoffentlich auf meine Bilder.
Eure Jule